• Hallo,


    eigentlich wollte ich diesen Beitrag ja im BP-thread by stampsX bringen, aber da die "Familie" ja mittlerweile fast komplett hier versammelt ist... :)
    Zeige hier einen Bahnpost-Brief ins schwäbische Günzburg von - ja, von wo eigentlich?
    Der mit Bleistift angebrachte handschriftliche Vermerk "Haldenwang 8.6.62" lässt auf den kleinen Ort Haldenwang, der einige Kilometer nördlich von Kempten, auf halbem Weg nach Obergünzburg liegt. Wurde also statt "Obergünzburg" nur "Günzburg" als Zielort geschrieben, welches aufgrund der geringen Distanz eindeutig gewesen wäre? Wenn Obergünzburg dann noch an der Bahnstrecke Kaufbeuren/Kempten lag (was ich nicht weiss), die laut Sem-Handbuch am 1. April 1852 eröffnet wurde, hätten wir die Lösung.
    Leider besagt der Ankunftsstempel aber wirklich "Günzburg", das etwa 70 km nördlich liegt. Also entfällt Obergünzburg als Destination, und das handschriftlich vermerkte Haldenwang bleibt fraglich.
    Andererseits: wer erfindet Absendeort und Datum? Hat da ein Vorbesitzer den Hauptteil des Briefes kupiert, und nur Absendeort und Datum vermerkt? Idiot... X(
    Und wie sah die Bahnverbindung Haldenwang/Günzburg aus? Wahrscheinlich eine Strecke von Kempten nach Norden. Wer kann dazu etwas sagen?
    Bei der Marke handelt es sich ume eine "klassische" Platte 5 nach Sem, 2IIIb nach Vogel, die in diesem Farbspektrum im Zeitraum 1861/62 verwendet wurde, weshalb der Datumsvermerk "8.6.62" wohl plausibel erscheint.

  • Hallo Nils,


    doch, kenne ich.
    Aber die Karten zeigen doch nur die grossen Städte/Stationen, oder?
    Wie kann ich feststellen, ob z.B. Haldenwang oder Günzburg an einer Bahnstrecke - mit Bahnpostanschluss - lagen?

    Beste Grüsse vom
    µkern

  • Hallo mikrokern,


    das sollte dein Ort sein:


    http://de.wikipedia.org/wiki/Haldenwang_(Schwaben)


    Der namensgleiche Ort im Allgäu hatte wohl keinen Amtsverkehr.


    Wenn du eine Mail an die dortige Gemeindeverwaltung schreibst, können die dir sicher sagen, wann sie angeschlossen wurden.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch, der diesen Brief auch bei eBay beobachtet hatte ...

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo bayern klassisch,


    vielen Dank für die "Einnordung", auf dieses wohl für meinen Fall "richtige" Haldenwang bin ich nicht gekommen...
    Damit dürfte es klar sein: Brief in Haldenwang der Bahnpost Augsburg/Neu-Ulm übergeben, wo Günzburg (ca. 10 km westlich von Haldenwang) an der Strecke lag.

    Beste Grüsse vom
    µkern

  • Hallo Bayernfreunde,


    ergänzend zu dem Brief, den Postgeschichte Kemser ganz am Anfang hier eingestellt hat, möchte ich einen ähnlichen Brief zeigen:


    Er ist frankiert mit einer Nr. 2 II4 und lief im März 1859 mit der Bahnpost von Neu-Ulm nach Ottobeuren. Auch er wurde - wie so viele andere - in Ulm geschrieben, über die Donaubrücke nach Neu-Ulm gebracht und dort bei der Post (hier bei der Bahnpost) aufgegeben. Oft war damit eine Portoersparnis verbunden - hier jedoch nicht.


    Viele Grüße


    bayern-kreuzer

  • Hallo Bayern-Kreuzer,


    ein attraktiver Brief mit PO - Note. Bei Briefen aus Ulm, die keine Ersparnis gegenüber der Aufgabe in Württemberg nach sich zogen, gehe ich davon aus, dass der oder die Absender auch Briefe verschickten, bei denen es eine Ersparnis gab. Diese wurden dann im Bausch und Bogen in den bayer. Bahnpostwaggon eingeworfen. Es sind mir sogar Drucksachen bekannt, die ja überall nur 1 Kr. gekostet hatten.


    Danke fürs Zeigen und liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo in die Runde,


    ich hatte ihn schon woanders mal gezeigt, aber hier passt er auch gut herein: 18 Kr. Frankatur von Augsburg nach Lyon in Frankreich mit falsch eingestellter Zugnummer 13.
    Durch den direkten Einwurf in den Schlitz des Bahnpostwaggons kam er sofort auf den Tisch des Stemplers, der ihn, was man nicht häufig findet, akkurat entwertete.


    9 Kr. für Bayern, 9 Kr. für Frankreich und etwas mehr für mich kostete das Schmuckstück. :rolleyes:


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Hallo Bayern-Kreuzer und bk,


    tolle Briefe zeigt ihr da, alle Achtung!
    Mal eine grundsätzliche Frage zum "Bahnpost-handling": wie muss man sich das mit dem "Einwurf in den Bahnwaggon-Briefkasten" in der Praxis vorstellen? So, dass an kleinen Orten/Haltestellen ohne PE die anfallende Post gesammelt (wo und von wem?) und dem BP-Personal übergeben wurde (mit entsprechender Stempelung "Bahnpost")? Oder waren es immer die Postkunden (Absender) direkt, die ihre Briefe dem Zugpersonal anvertrauten?
    Wie lange hat denn so ein Zug an einer kleinen Haltestelle gestanden? Wohl länger als 2 Minuten oder?

    Beste Grüsse vom
    µkern

  • Hallo mikrokern,



    Zitat

    Mal eine grundsätzliche Frage zum "Bahnpost-handling": wie muss man sich das mit dem "Einwurf in den Bahnwaggon-Briefkasten" in der Praxis vorstellen? So, dass an kleinen Orten/Haltestellen ohne PE die anfallende Post gesammelt (wo und von wem?) und dem BP-Personal übergeben wurde (mit entsprechender Stempelung "Bahnpost")? Oder waren es immer die Postkunden (Absender) direkt, die ihre Briefe dem Zugpersonal anvertrauten?
    Wie lange hat denn so ein Zug an einer kleinen Haltestelle gestanden? Wohl länger als 2 Minuten oder?


    so viele Halte gab es nicht. Man kann davon ausgehen, dass jeder Halt mit Postaustausch verbunden war. Gab es eine Postexpedition am Ort, wurde vom Zug zur PE und umgekehrt die Post in Beuteln gegen Briefkarte ausgetauscht und sich der Empfang gegenseitig quittiert. Fahrpost dito.


    Die Ankunfts- und Abfahrtszeiten waren jeder PE an der Strecke bekannt (die Fahrpläne wurden im VO - Blatt veröffentlicht). Von daher wusste jeder, wann "die Post abging". Was immer von den PE der Bahnpost übergeben wurde war längst postalisch behandelt worden, mithin auch gestempelt.


    Im Gegensatz dazu warfen die Postkunden (es werden nicht gerade viele Hundert gewesen sein) bei den Aufenthalten ihre Briefe in die Bahnpostwagen ein. Diese hatten hierfür einen Schlitz. Dabei war zu beachten, dass die Briefe in den Zug einzuwerfen waren, der in die richtige Richtung fuhr. In der Regel waren die Strecken einspurig, so dass der Zug entweder von Ost nach West, oder von West nach Ost fuhr. Warf man ihn in den falschen Zug (zu früh oder zu spät) ein, dann machte der Brief eine unnötig lange Reise.


    Genau dies konnten die Postexpeditoren nicht machen, weil sie für ihre Post verantwortlich waren und diese nicht einfach einwerfen konnten. Die Briefe, wir haben hier schon einige gesehen in einem anderen Thread, die von der Bahnpost nicht mehr nach der Vorschrift behandelt werden konnten, erhielten durch eine laxe Umgehensweise oft keine Aufgabestempel oder die Markenentwertung wurde nur schnell mit einem Federzug vorgenommen. Denn diese Art der "Manipulation" der Poststücke beinhaltete immer auch, dass bei der nächsten Station das gleiche Procedere durchzuführen war und hierfür waren eben alle zuvor angenommenen Poststücke zu prüfen, zu taxieren, zu stempeln, zu verpacken oder umzuverpacken und die Briefkarten zu stellen. Das war nicht eben in ein paar Minuten gemacht.


    Die Aufenthalte waren vor allem durch den großen Durst der Dampflokomotiven bedingt. Aber viel länger als eine viertel Stunde bis 20 Minuten standen sie nicht, später war es sogar noch kürzer, weil auch die Technik nicht schlief, sondern immer leistungsfähiger und effizienter wurde.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

    Einmal editiert, zuletzt von bayern klassisch ()

  • Hallo Kreuzerjäger,


    der Traum schlafloser Nächte für jeden Nr. 2 Spezialisten - ein BP auf Platte 2 in Luxus. Ein perfekter Brief, wie er nur alle Jubeljahre einmal zu sehen ist. :)
    Großes Kino - danke fürs Zeigen.



    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

    Einmal editiert, zuletzt von bayern klassisch ()

  • Hallo bayern klassisch,


    nochmals zum handling der der Bahnpost überantworteten Briefe:
    Kann man sich vorstellen, dass es in kleinen Orten wie Haldenwang, das über keine PE verfügte, aber an einer Bahnstrecke lag und wohl von dieser auch bedient wurde, Briefkästen gab, die bom Zugpersonal beim Halt geleert und die Briefe entsprechend BP-behandelt wurden? Dies würde den Briefversand immerhin dahingehend erleichtern, dass der Absender nicht genau zum Haltezeitpunkt des Zuges seinen Brief in den BP-Briefkasten des Waggons einwerfen musste.
    Oder bedingte eine Haltestelle (Ort) immer auch eine ortsansässige PE, sodass es das von mir vorgeschlagene Szenario nicht gab?

    Beste Grüsse vom
    µkern

  • Hallo mikrokern,


    wo immer ein Zug mit Bahnpostwagen hielt, konnte Post eingeworfen werden. Dafür hatte man ja den Einwurfschlitz.


    Ein Züg hätte aber kaum dort angehalten, wo keine Expedition vorhanden war, nur um dort eventuell ein paar Briefe eingeliefert zu bekommen.


    Wenn ein Ort einen Bahnhof bekam, dann war er so bedeutend, dass es auch eine PE gab. Spätestens beim Anschluß an die Bahn schoß ein Ort wirtschaftlich so in die Höhe, dass es ohne Post gar nicht mehr ging.


    Generelle Aussage: Zuerst war die Post, dann kam die Bahn. Die Bahn war sehr wichtig und wurde immer wichtiger, daher hatte sie "Vorfahrt". In der Wichtigkeit folgte die Post danach ...


    Ob es Ablagen für Poststücke direkt an der Bahn gegeben haben könnte, kann man vlt. nicht völlig ausschließen, aber man kann es fast ausschließen. In der Praxis liefen die Postkunden der Bahn hinterher, nicht anders herum. ;)


    Briefe vom flachen Land wurden eher einer PE in der Nähe übergeben, als dass man zum Bahnhof lief um sie schnell aufzugeben. Die Masse der Leute kannten keine Postverträge, konnten schlecht wiegen, wußten nichts von Rayons oder dem Postverein und hatten kaum Marken im Bestand, von denen sie nicht wußten, ob sie für ihre Briefe ausreichten, oder nicht. Daher ging man lieber ins Postlokal, um seine Post aufzugeben, als sie einzuwerfen. Es ist von daher auch kein Zufall, dass es nur wenige Briefe gibt, die unterfrankiert oder offensichtlich überfrankiert bei der Bahnpost aufgegeben wurden.


    Dein Brief mit dem Ruralstempel aus der Pfalz ist da sicher eine ganz große Ausnahme.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo bayern klassisch,


    vielen Dank für Deine Ausführungen!
    Also kann man bei dem Haldenwang-Brief davon ausgehen, dass der Brief vom Absender oder einem Beauftragten direkt dem Bahnpost-Briefkasten am Waggon zugeführt worden war, und nicht über eine wie auch immer geartete "Briefsammelstelle" (Briefkasten) im Ort, der ja über keine PE verfügte?

    Beste Grüsse vom
    µkern

  • Hallo bayern klassisch,


    vielen Dank für Deine Ausführungen!
    Also kann man bei dem Haldenwang-Brief davon ausgehen, dass der Brief vom Absender oder einem Beauftragten direkt dem Bahnpost-Briefkasten am Waggon zugeführt worden war, und nicht über eine wie auch immer geartete "Briefsammelstelle" (Briefkasten) im Ort, der ja über keine PE verfügte?


    Entschuldigung, wenn ich mich hier einmische. Ein Blick auf die Landkarte (ja sowas habe ich noch) zeigt, das Haldenwang nicht direkt an der Bahnlinie liegt, sondern "in Blickweite" des Bahnhofes von Burgau, wo eine Post- und Bahnexpedition war. Offingen und Jettingen also je nachdem in welche Richtung waren die nächsten Bahhöfe. Demnach wäre also Burgau als nähester "Einwurfsort", wenn nicht ganz woanders. Es gibt eine Regelung, wonach der Brief zu einer genauen Zeit vor Abgang der Post aufgegeben werden musste ( bei gewöhnlicher frankierter oder unfrankierter Absendung spätestens eine halbe Stunde vor dem planmäßigen Abgange oder Weitergange der betreffenden Post vom Expeditionsbureau ab). Evtl. war die Post schon abgefertigt und der Brief sollte unbedingt noch mit. Da blieb der direkte Einwurf bzw. Abgabe beim Bahnpostwagen. Die Ausführungen von bayern klassisch verdeutlichen, warum Bahnpoststempel nicht so häufig sind. Allerdings sind alle unsere "Fernbriefe" mit der Bahnpost gefahren, sobald die Eisenbahnstrecken fertig waren.


    Beste Grüße von Luitpold

    "Heimat ist da, wo ich verstehe und wo ich verstanden werde." (Karl Jaspers. dt. Philosoph).

    Einmal editiert, zuletzt von Luitpold ()

  • Hallo Freunde,


    Ich zeige heute ein paar Bahnpoststempel, die man, zumindest auf Ziffernmarken, nur ganz, ganz selten einmal zu sehen bekommt. Viel Spaß beim Betrachten.


    8o Viele Grüße :thumbup:


    maunzerle

    Bilder

    "Ein Leben ohne Philatelie (und Katzen) ist möglich, aber sinnlos!" (frei nach Loriot, bei dem es allerdings die Möpse waren - die mit vier Beinen wohlgemerkt)

  • Hallo mikrokern,


    so ist es. Luitpold hat es auch bestätigt - so wird es wohl gewesen sein.


    Lieber maunzerle,


    beim Betrachten dieser Seite sollte man vorher seinen Platz eingenommen haben, weil sonst ein Oberschenkelhalsbruch die logische Folge wäre. :D


    Man ahnt, wieviele Auktionskataloge man verschlingen muss, um solch eine Seite zeigen zu können.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus