• Hallo Ulf,


    die 3 Gr waren ab dem 1.4.1869 korrekt, da ab diesem Zeitpunkt der neue Postvertrag NDP - Schweden in Kraft trat.

    Quelle: Amts-Blatt Nr 18 der Norddeutschen Post-Verwaltung, Verfügung 54 vom 22.3.1869

    Schönes Wochenende


    Martin

  • Hallo ins Forum,

    ich nutze die etwas ruhigere Zeit, um einen kleinen Vortrag in Frankreich vorzubereiten. Dabei wollt ich folgenden Beleg nach Tiflis zeigen, weil es eine seltene Destination ist:



    Kennt jemand die beiden russischen Stempel auf der Rückseite ?

    Danke im voraus.

    Schönen Tag noch


    Martin

  • Hier ist er: Mein bisheriger Wissenstand:


    Berlin 13/10/71 nach St Nazaire, aber da das Schiff jeden 14. des Monats abging, war der Brief zu spät. Deshalb weitergeleitet nach London. Die schwarze 2 entspricht einem mexikanischen Portovermerk für das Inlandsporto, aber kein Ankuftsstempel.


    Das ist jetzt ein Jahr her. Mittlerweile habe ich das Porto entschlüsselt:


    Zunächst nochmal zum Gewicht: Dieser Brief war im NDP in der 2. Gewichtsprogression (zwischen 1 Loth und 2 Loth oder 16,66g und 33,2g ) und für die französische Post in der dritten, d. h. zwischen 15g und 22,5g. Das kann man auf dem Brief erkennen:


    3 für die dritte

    französische Gewichtsstufe



    oben links, vom Stempel verdeckt,

    kann man 1 11/20 erkennen. Sie stehen

    für das deutsche Gewicht 1 Loth 11/20


    Das ganze passt damit auch zu der roten Gebührenberechnung:


    2 x 3 Groschen für den NDP

    3 x 7 Groschen für den französischen Teil.


    Da nur bis zum Ankunftshafen frankiert werden konnte, wurden in Mexiko noch 2 Reales eingefordert. Wie schon besprochen, ist der Brief aber zu spät in St. Nazaire angekommen und wurde über GB transportiert. Die Details hierzu haben wir Dank laurent schon vor einen Jahr erfahren.


    Das Porto über GB wäre übrigens mit 2 x 11 3/4 Gr (= 23 1/2 Groschen) etwas günstiger gewesen.


    Schönen Sonntag


    Martin

  • Lieber Martin,


    bei einfachen Briefe sehen wir m. E. aber auch schon 2 Reales. Kann es sein, dass diese 2 Reales immer auf die Briefe kamen, egal wie schwer sie waren, also eine gewichtsunabhängige Taxe?

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Ralph,


    endlich hatte ich die Gelegenheit, mich mit einem Sammlerfreund über die Details dieser Gebühren zu unterhalten. Seit dem 20.12.1856 galten folgende Tarife:


    Briefe
    Entfernung bis 16 leguas (= 66,8 km)
    Entfernung über 16 legua
    bis 1/2 ounce
    1 real
    2 reales
    1/2 bis 3/4 ounce
    2 reales
    3 reales
    3/4 bis 1 ounce 3 reales
    4 reales
    1 bis 1 1/4 ounces
    4 reales
    5 reales
    1 1/4 bis 1 1/2 ounces
    5 reales
    6 reales


    Eine spanische onza entspricht 28,75 g. Da der Brief wie gezeigt zwischen 15g und 22,5 g gewogen haben muß, passen die 2 Reales, denn die Gewichtsprogression hierfür liegt bei 14,375 g bis 21,567 g. Q.E.D.


    Diese Gebühr galt übrigens nicht für die österreichischen, belgischen und anderen Freiwilligen, die dem Expeditionskorps zur Unterstützung Kaiser Maximilians angehörten. Diese profitierten von einem reduzierten Tarif in Höhe von 1/2 Real.


    Grüsse aus Frankreich


    Martin

  • Hallo ins Forum,


    heute kam ein netter Brief bei mir an, den ich gerne vorstellen möchte:



    Briefe nach Schweden kosteten pro 15 g seit dem 1. April 1869 3 Groschen (Amtsblatt 18 / Verfügung 54 vom 22.3.1869). Soweit nichts besonderes mag man denken, aber der Brief wurde am Ersttag der deutschen Reichspost, dem 4 Mai 1871, aufgegeben.


    Nun eine kleine Erinnerung: Bei der Versteigerung der Sammlung Dr. Müller (155. Derichs) wurde unter Los 515 ein "Ersttagsbrief" nach London für 600 € zu geschlagen. Wenn man sich die Statistik der norddeutschen Postverwaltung von 1871 anschaut, kann man feststellen, daß mehr als 1,7 mio Briefe nach GB aufgegeben wurden und nur 269.000 nach Schweden.


    In der Bucht gab es ihn 50 mal günstiger ;)


    Schönes Wochenende


    Martin