Preußisch-Sächsische Postcourse

  • Der auf der folgenden Karte abgeschlagene Coursstempel "Lübbenau - Dresden" kommt mirin mehrfacher Hinsicht ungewöhnlich vor:

    Die preußische Bahnlinie von Lübbenau führt führt relativ weit nach sachsen bis Camenz. Ab dort beginnt eine sächsische Bahnlinie, die unter Umgehung von Dresden bis nach Pirna führt. Um nach Dresden zu gelangen, muß die Karte in Arnsdorf auf die Bahnverbindung Dresden - Görlitz umgeladen werden.

    Weiß jemand, wie es zu zu der Coursbezeichnung Lübbenau - Dresden gekommen ist?

    Beste Grüße

    Altsax

  • Lieber Jürgen,

    1874 wurde der Streckenabschnitt LÜBBENAU - SENFTENBERG fertiggestellt und dem Streckennetz hinzugefügt. So ergab sich für Reisende, aber auch für die Post eine schnellere Verbindung zwischen den Dörfern Berlin und Dresden. Die neu hinzugekommene Strecke habe ich grün markiert, den Weg den deine Karte genommen hat in orange.

    Der Grund für diese neue Strecke ist zum einen in den Braunkohlevorkommen in der Lausitz zu suchen. Viele Jahre später war diese Strecke in der DDR eine der wichtigsten, um Berlin mit Braunkohle zu versorgen. Zum anderen wurden hiermit die anderen Strecken über Görlitz und Kottbus nach Berlin entlastet.

    Durch diese Eröffnung ergab sich nun auch die Notwendigkeit, die Post die auf dieser Strecke aufgegeben wurde zu dokumentieren. Das zugehörige EPA hatte seinen in Dresden. Daher wohl die Kombination für diese Strecke.

    Neu eröffnete Strecken, insbesondere solche die als Brückenstrecken dienten erhielten auch schon davor eigene Stempel.

    Der von dir gezeigte Stempel war auch nur 1874/75 im Einsatz, bzw. ist bis jetzt erst in deisem Zeitraum nachgewiesen.

    Hier noch der Auszug aus dem Amtsblatt, für die Freunde der Primärquellen ;)

    Hoffe das ich dir etwas weiterhelfen konnte und weitere Verwirrung stiften konne ;):D

    Beste Grüße Thorsten

  • Lieber Thorsten,

    vielen dank für Deine Erläuterungen.

    Wie sich die einzelnen Streckenabschnitte zusammensetzen, war mir schon klar. Offen ist für mich die Frage, warum man einen länderübergreifenden "Cours" separat benennt, der sich aus Einzelabschnitten zusammensetzt, die nicht nur von unterschiedlichen Bahngesellschaften betrieben werden, sondern auch unterschiedlichen Eisenbahnpostämtern unterstehen. Welchen Zweck verfolgte man mit dieser Maßnahme?

    Zur Dauer der Stempelverwendung kann ich einen interessanten Beleg aus einer vor Jahren bei Gärtner angebotenen Sammlung beisteuern:

    Beste Grüße

    Jürgen

  • Lieber Jürgen,

    vielen Dank für diesen Beleg :)

    Die Strecke Lübbenau - Senftenberg wurde aus postalischer Sicht dem Eisenbahnpostamt Nr. 20 mit Sitz in Dresden zugewiesen. Siehe auch in der Mitteilung des Amtsblattes oben in meinem Beitrag. Das EPA 20 hatte erstmal per se nichts mit den Eisenbahnbetriebsgesellschaften zu tun. Dies wurde, zumindest aus preußischer Sicht, mit Eisenbahngesetz von 1838 festgelegt.

    Beste Grüße Thorsten

  • Hallo zusammen,

    beim folgenden Brief ist mir einiges unklar:

    Nach Angaben des bekannt phantasievollen Vorbesitzers wurde der Brief im Rittergut Bath geschrieben, da in Sachsen Burxdorf gegenüber lag. Das wäre theoretisch dann möglich, wenn der Brief einer grenzüberschreitenden Postkutsche mitgegeben worden wäre. In diesem Falle war Federzugentwertung der sächsischen Marken und Beisetzung des (preußischen) Ortsstempels vorgeschrieben.

    Leider handelt es sich bei dem Beleg lediglich um eine leere Hülle, die keinerlei Anhaltspunkte für die genannte Beschreibung bietet.

    für wahrscheinlicher halte ich angesichts der Anerkennung der sächsischen Frankatur eine Aufgabe in Sachsen in den Zugbriefkasten (Cours Röderau - Berlin). Es stellt sich in diesem Falle allerdings die Frage, warum der Burxdorfer Bahnhofsstempel abgeschlagen worden ist.

    Hat jemand dazu eine Idee?

    Ergänzend dazu noch ein in Sachsen aufgegebener Brief mit Beförderung auf diesem Bahncours, der siegelseitig den Burxdorfer Bahnhofstempel trägt.:

    Beste Grüße

    Altsax

  • Lieber Jürgen,

    für wahrscheinlicher halte ich angesichts der Anerkennung der sächsischen Frankatur eine Aufgabe in Sachsen in den Zugbriefkasten (Cours Röderau - Berlin). Es stellt sich in diesem Falle allerdings die Frage, warum der Burxdorfer Bahnhofsstempel abgeschlagen worden ist.

    Hat jemand dazu eine Idee?

    eine Aufgabe direkt am Zug in Sachsen hört sich plausibel an.
    Da kein Aufgabeort angegeben war und der Brief sozusagen schon im Zug war als die preußische Post ihn erhielt, wurde die Notierung am ersten (Bahnhofs-)Postamt nachgeholt.
    Die Durchkreuzung der Freimarken und Notierung des F(ranco)-Vermerks ist in Sachsen erfolgt? (schwarze Tinte)

    Viele Grüße
    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

  • eine Aufgabe direkt am Zug in Sachsen hört sich plausibel an.
    Da kein Aufgabeort angegeben war und der Brief sozusagen schon im Zug war als die preußische Post ihn erhielt, wurde die Notierung am ersten (Bahnhofs-)Postamt nachgeholt.
    Die Durchkreuzung der Freimarken und Notierung des F(ranco)-Vermerks ist in Sachsen erfolgt? (schwarze Tinte)

    Lieber Michael,

    der Einwurf in den Bahnbriefkasten dürfte in Röderau erfolgt und die Bearbeitung durch einen preußischen Beamten vorgenommen worden sein. Ein sächsischer hätte das Datum handschriftlich vermerken müssen. Die Tintenfarbe konnte in Sachsen blau oder schwarz sein.

    Verblüffend ist für mich, daß der Brief zur Bearbeitung (im Bahnhof) den Zug verlassen mußte und dadurch ein Zeitverlust in Kaug genommen wurde.

    Liebe Grüße

    Jürgen

  • Lieber Jürgen,

    für die Beschreibung eines wahrscheinlichen Ablaufs wären einige Informationen (soweit bekannt) hilfreich:

    gab es in Röderau einen Bahnhofsbriefkasten? Ist bekannt, ob die Briefkästen am Zug verschlossen sein mussten? (Das war anscheinend bei ausländischen Zügen verschiedentlich vorgeschrieben)
    Sächsische Postler haben die abfahrenden Züge vermutlich nicht begleitet? Ist bekannt, ob die preußischen Postler in Sachsen im Zug waren oder an der Grenze ausstiegen?

    Viele Grüße
    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

  • für die Beschreibung eines wahrscheinlichen Ablaufs wären einige Informationen (soweit bekannt) hilfreich:

    gab es in Röderau einen Bahnhofsbriefkasten? Ist bekannt, ob die Briefkästen am Zug verschlossen sein mussten? (Das war anscheinend bei ausländischen Zügen verschiedentlich vorgeschrieben)
    Sächsische Postler haben die abfahrenden Züge vermutlich nicht begleitet? Ist bekannt, ob die preußischen Postler in Sachsen im Zug waren oder an der Grenze ausstiegen?

    Lieber Michael,

    eines der Probleme bei diesem Brief ist die fehlende Datierbarkeit. Ab 1865 waren die Briefkästen preußischen Postwagen in Sachsen zum Einlegen von korrespondenz offen zu halten. die Frankatur mit marken der Johann-Ausgabe spricht aber für frühere Verwendung.

    Bahnhofsbriefkästen dürfte es in Röderau wie an den meisten Bahnhöfen gegeben haben.

    Zumindest auf späteren Briefen ist nachgewiesen, daß preußische Postler die Züge in Sachsen begleiteten. Es gibt Briefe mit dem Stempel Roederau-Berlin mit Aufgabevermerken sächsischer Orte.

    Liebe Grüße

    Jürgen

  • Lieber Jürgen,

    meine Fragen zielten auf eine Eingrenzung des Briefdatums.
    Der Kursstempel Roederau-Berlin ist erst ab 1865 belegt. Der Brief ist sicherlich vor 1865 gelaufen, da ansonsten ein ambulantes Bahnpostbureau im Zug den Brief nicht an das Bahnhofspostamt Burxdorf gegeben hätte.
    Ob in Burxdorf durch die Bearbeitung im Bahnhofspostamt eine Verzögerung des Brieftransports eintrat, ist nicht sicher. Evtl. hielt der Zug dort so lange, dass es für die Bearbeitung der Briefe reichte. Umständlich war es natürlich und entsprechend selten ist so etwas zu finden - was den Brief ja schon zu etwas Besonderem macht.
    Das Zeitfenster ist leider so wohl nicht weiter einzugrenzen.

    Viele Grüße
    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte