Preußen - Bayern

  • Lieber Erwin, lieber Ralph,

    zuvor meinen Dank für das korrekte Einstellen (warum schaffe ich das nicht?) und die Erläuterungen zu den zwei Belegen.

    Woraus ergibt sich die Differenz von (1818 18/1837 30 Kreuzer) 12 Kreuzern?
    Ist es die Kostendifferenz des Postweges Langenberg-Frankfurt am Main zu 4 Sgr (1937 4x3,5 = 14 Kreuzer?) oder hatte inzwischen eine Portoerhöhung stattgefunden?

    Liebe Grüße

    Peter

  • Hallo Peter,


    lade dir bitte das kostenlose xnview herunter.


    https://www.xnview.com/de/


    Wie das geht, solltest du wissen, wenn nicht weiß Erwin alles.


    Dann scannst du deine Briefe vorn/hinten ein mit 300 dpi bei mittlerer Komprimierung. Dann sind normale Briefe weit unter 1000kb. Solltest du etwas größeres haben, genau so einscannen und auf xnview gehen, den Scan betrachten und die Taste für die Großschreibung links und "S" gleichzeitig drücken - dann kannst du die Größe händisch verändern, also statt 3500 auf 3200 im Verhältnis beibehalten auf 1750 auf 1600 und alles passt.


    Die Kosten eines Briefes bis zum UPU hingen von der Entfernung und dem Gewicht ab - jedes Land bekam prinzipiell Geld für seinen Transfer - Preussen, Taxis und Bayern. Gab man einen Preussenbrief erst in Taxisland auf, konnte Preussen auch nichts kassieren, weil man ja dort von der Existenz des Briefes keine Ahnung hatte.


    Portoerhöhung wäre weit zu kurz gesprungen - der 1. Postvertrag (PV) Bayerns mit Preussen von 1816 hatte das Loth als einfaches Gewicht und die Abrechnung erfolgte in Gutengroschen. Ab 1.4.1835 mit späterer Modifikation 1844/45 wurde das halbe Loth einfach und der billigere Silbergroschen eingeführt.


    Ein Tipp: Lies viel hier im Forum zu Preussen, oder was dich sonst noch so interessiert durch - du musste nocoh viel lernen, aber das kann man weltweit nirgendwo besser als hier, glaubs mir. Wenn du sehr viel gelesen hast und dann immer noch Tatbestände nicht verstehst, kannst du gerne fragen - wir sind hier jedem behilflich, sogar der Bayern dem Preussen. :D

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Ralph,

    danke für den Hinweis, ich habe das Programm herunter geladen und werde versuchen damit zurecht zu kommen. So richtig klar geworden ist mir die Differenz von 12 Kreuzern leider immer noch nicht. Wie Du weiter oben geschrieben hast wurden die 4 Sgr von Preußen zu je 3,5 Kreuzer, also 14 Kreuzer umgerechnet. Das irritiert mich, denn es geht doch um die 12 Kreuzer Unterschied. Wo hakt es denn bei mir?

    Liebe Grüße

    Peter

  • Hallo Peter,


    du hast postalisch einen Preussenbrief und einen Taxisbrief. Je mehr Posten involviert waren (Langenberg), je teurer wurde ein Brief. Gab man den gleichen Brief in FFM auf, gab es kein preussisches Porto, daher waren solche Schmuggelbriefe günstiger (man musste halt nur schauen, wie man sie von Langenberg nach FFM bekam).


    Wenn du mit deinem Auto von Langenburg nach FFM fährst und anschließend weiter bis Kempten, braucht der Wagen auch mehr Sprit, als wenn du deine Reise erst am FFM nach Kempten antrittst.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Einen habe ich noch.

    Ein Brief aus Langenberg vom 5. September 1812 (in Langenberg Kaiserlich Französische Post, nach Kempten im Allgäu, der irgendwie nach Frankfurt am Main gekommen ist. Dieser Brief weist nur diesen einen Stempel auf, wie ist das zu erklären?

    Liebe Grüße

    Peter

  • Lieber Erwin,


    rechts aussen sieht man die Absenderangabe Langenberg. Der Brief ist also nach Frankfurt forwarded worden und dort von dem Frankfurter Forwarder Haendjens aufgegeben worden.

    Der Taxis-Anteil liegt anscheinend bei 2 guten Groschen (?), die mit Rötel notiert wurden.

    Im Unterschied zu den späteren Briefen fehlt hier der bayerische Auslagestempel. Vermutlich gab es diesen 1812 noch nicht?
    Die 2 guten Groschen wurden in 8 Kreuzer umgerechnet. Dazu kamen 10 Kreuzer bayerisches Porto, macht insgesamt 18 Kreuzer. Stimmt das? War die bayerische Taxe damals niedriger?


    Ich vermute, dass es um diese Fragen geht.


    Gruß

    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

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  • Liebe Freunde,


    es ist weitestgehend so, wie der liebe Michael es schrieb, nur waren es keine 2 Gutegroschen, sondern 2 Batzen, die aber auch 8 Kreuzer wert waren. 1812 gab es noch das Territorium Würzburgs, das erst Ende 1814 bayerisch wurde, daher nicht 1 Batzen = 4 Kreuzer von FFM bis zur bayer. Grenze, sondern 2 Batzen = 8 Kreuzer.


    Über Augsburg (kein Auslagestempel) kam der Brief nach Kempten - da die bayer. Strecke hier kürzer war, betrug das bayer. Porto nur 10 Kreuzer statt 14 Kreuzer wie bei den vorherigen Briefen, so dass der Empfänger total 18 Kr. zu zahlen hatte.


    Preussen nichts, wegen Forwarding hinter dem Rücken der Post, Taxis 8 Kr., Bayern 10 Kr..


    Ein nicht alltäglicher Brief! :thumbup::thumbup:

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Ralph,


    danke für die Aufschlüsselung, ich war mir nicht sicher, womit Frankfurt 1812 gerechnet hat, ob noch Batzen oder schon gute Groschen. Von der Umrechnungsparität her war es ja identisch. Und das Würzburg 1812 noch nicht bayerisch war, wird einem so weit nördlich beheimateten Preußen-Sammler hoffentlich nachgesehen. ;)


    Gruß

    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

  • Liebe Freunde,


    ihr wart beide nah dran und alles weiß sowieso keiner.


    FFM hat NIE in anderen Währungen als Batzen (noch bis in die 1840er Jahre!) und Kreuzern gerechnet. Selbst als Preussen FFM zum 1.7.1867 übernommen hatte, rechnete man dort noch bis 1874 in Kreuzern weiter.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

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  • Hallo,


    hier zeige ich einen recommandirten Frankobrief aus Bacharach nach Lambrecht vom 19.12.1843.

    Der Absender bezahlte ein Franko von 3 1/4 Sgr., wovon Bayern ein Weiterfranko bis Neustadt von 4 Kr. (= 1 1/4 Sgr.) vergütet wurde. Die Reco-Gebühr von 2 Sgr. wurde nicht angeschrieben. Entsprechende Recommandationsstempel wurden in Preußen erst 1849 eingeführt.

    Rückseitig angeschrieben der Botenlohn von Neustadt nach Lambrecht, hier 2 Kr.


    Grüße von liball

  • Hallo Karl,


    ein seltener Brief, zumal rechtlich zu klären war, ob ein Kantonsbote wie hier überhaupt recommandirte Briefe empfangen und austragen durfte, hatten diese doch mit der Übergabe der Post an den Kantonsboten den Postweg verlassen, aber noch nicht ihren Empfänger erreicht. Ein super Brief. :thumbup::thumbup:

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo,


    hier noch ein Brief nach Lambrecht mit einem interessanten Laufweg.

    Geschrieben wurde der Brief am 1.6.1840 im bayerischen Landstuhl. Zur Post gegeben wurde er jedoch im preußischen Saarbrücken. Von dort kam er mit dem Paketschluss Saarbrücken-Homburg wieder zurück in die bayerische Pfalz.

    Von Landstuhl nach Lambrecht waren es ca. 30 km Luftlinie. Gelaufen ist der Brief jedoch ca. 140 km Luftlinie.

    Preußen belastete 1 Sgr., die in Homburg in 4 Kr. umgerechnet wurden. Mit dem bayerischen Porto von 8 Kr. lasteten in Neustadt insgesamt 12 Kr. auf dem Portobrief. Hier hinzu kam noch der Botenlohn nach Lambrecht. Während auf dem vorigen Brief hierfür 2 Kr. fällig wurden, sind hier 3 Kr. angesetzt worden.


    Grüße von liball

  • Hallo Karl,


    wo hast du denn den ausgegraben? Homburg in grün ist eine ganz feine Kiste, dazu ein sinnloser, weil teurerer und länger dauernder Weg zum eigentlich nahen Empfänger - wenn du den mal nicht mehr brauchst, fände er hier ein geeignetes Zuhause. Darf ich die Scans für einen eventuellen Beitrag/Vortrag nutzen?

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Ralph,


    klar darfst du den Brief für einen eventuellen Beitrag oder Vortrag nutzen.

    Ausgegraben habe ich ihn in der Bucht, keiner wollte ihn haben, ich habe mich seiner erbarmt und hierfür den Betrag für eine Viertel-Pizza investiert.