Niederlande - Schweiz

  • Liebe Freunde,


    heute ein kleiner Knobler im wahrsten Sinn des Wortes - denn über eine Sache bin ich mir auch nicht ganz im klaren, aber vlt. können wir das hier klären:


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    Geschrieben im Goes am 14.11.1870 war der Zielort Wohlen in der Schweiz (aber nicht an Isler, sondern eine andere Adresse!). Der Absender frankierte mit 15 Cents korrekt für die Leitung über Deutschland nach dorthin.


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    Siegelseitig meine ich einen badischen Bahnpoststempel zu erkennen und lese Lenzburg in der Schweiz vom 17.11.1870 und Wohlen vom selben Datum.


    Wer kann zu dem Vermerk "Direct" etwas sagen?


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

    Einmal editiert, zuletzt von bayern klassisch ()

  • Liebe Freunde,


    nach neueren Forschungen scheint der Vermerk "Direct" von einem badischen Kartierungs - Beamten im badischen Bahnhof von Basel appliziert worden zu sein.


    Fehlt noch seine direkte Bedeutung. 8)


    Hier ein Brief aus früherer Zeit. Weiß jemand, welche Leitwege damals möglich/obligat waren?


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    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo bayern klassisch


    Kannst du der Brief drehen so dass man den Stempel rechtsseitig lesen kann?


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Hallo bayern klassisch


    Ja, dann macht es mich nicht sehr viel kluger.
    In 1863 gab es eine Strecke über Baden bis nach Konstanz, so ein badischer Laufweg hat viele Möglichkeiten gehabt. Ein über Altbayern war wohl möglich, aber auch ein Umweg. Ob der Brief über Ludwigshafen in Pfalz lief wäre doch eine Möglichkeit.
    Diese Möglichkeiten kennst du ja selbst, hier brauchen wir anderen Experten.


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Liebe Freunde,


    am 10.10.1861 ging ein Brief von Amsterdam nach Wohlen auf die Reise. Der Absender war nicht gewillt ihn zu frankieren. Als einfachen Brief taxierte ihn die Aufgabepost mit 10 Cents (schwarz) aus dem 2. NL - Rayon kommend m. E. falsch.


    Zwar trägt er den Vermerk "Serèpt... & Muster ohne Werth", aber, was immer das auch war, es hing nicht an, sonder muss eingetütet gewesen sein, so dass eine Moderation als Muster ohne Wert - Brief nicht in Frage kam.


    Preußen sah das korrekt, notierte oben links "2fach" und setzte mal locker 32x rheinisch an. Wieso? 7x + 7x für die NL, auch wenn diese später nur 10 Cents = 2 Sgr. = 7x rückvergütet erhielten und
    9x + 9x für den Postverein bis zur CH - Grenze als Brief über 20 Meilen über 1 bis 2 Loth.


    Am 11.10. übernahm ihn die badische Bahnpost, nachdem er die Pfalz über Kreuznach und Ludwigshafen transitiert hatte und gab ihn via Efringen an die Kollegen in Basel weiter. Die CH reduzierte die 32x rheinisch in 110 Rappen, ohne die zu vermerken und addierte 2 mal 10 Rappen für Briefe in den 1. Rayon der CH hinzu, so dass der Empfänger 130 Rappen zu zahlen hatte.


    Wenn mir ein der niederländischen Sprache mächtiger Sammlerfreund bei dem Wort Serept ...? helfen könnte, wäre mein Glück perfekt.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Hallo kreuzer,


    tja, Scripteren und Muster? So ganz ausschließen würde ich deinen Vorschlag nicht. Kann hier einer niederländisch? Das könnte schon eine Hilfe sein.


    Danke für deine Tipp und liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Freunde,


    ein besonders attraktiver mit bayer. Relevanz fiel mir unlängst in die Hände und ich möchte euch den nicht vorenthalten.


    Am 22.4.1863 sandte man einen unfrankierten Brief von Amsterdam nach Wohlen im Aargau in der CH.


    Amsterdam: Roter Aufgabestempel, Taxe 10 NL - Cents bis Emmerich.


    Emmerich - Deutz pr. Bahnpost: Schwarzer Eingangs- bzw. Streckenstempel Emmerich - Deutz 22.4. und blaue Taxe 16. 16x = 7x für die NL und 9x für Preußen als Vereinsaufgabepost.


    Über Köln, Koblenz, Bingerbrück und Mainz durch die Pfalz (Ludwigshafen) über die Brücke mit der Schubkarre nach Mannheim in Baden.


    Bahnpost Baden Mannheim - Efringen: Stempel E. B., Datum nicht lesbar.


    Schweiz: 65 Rappen in Rötel: 16x für Preußen und die NL waren 55 Rappen plus 10 Rappen Inlandsgebühr bis 10 Meilen. Am 23.4. erfolgte die Ausgabe in Wohlen.


    Er tangierte dabei die Postgebiete der NL, Preußens, Thurn und Taxis, Bayerns, Badens und der Schweiz. In ca. 30 Stunden würde das heute keiner mehr bewältigen - der Fortschritt von 150 Jahren.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Liebe Freunde,


    um den folgenden Brief beurteilen zu können, müssen wir uns seine Zeit vergegenwärtigen.


    Geschrieben wurde er am 23.6.1852 in Rotterdam. Gerichtet war er an eine Firma namens Crispin Dusser in Schwyz in der Schweiz. Hier ein Link zu einem Brief vom ihm:


    https://www.google.de/url?sa=t…298an0SVknyZmmUbu8CIJ5hnw


    Was war damals zu beachten? Nun, die NL hatten mit Preußen einen Postvertrag abgeschlossen, der zum 1.4.1851 galt. Mit ihm war das Loth 15,625g als Gewichtsbasis akzeptiert worden und festgelegt, dass Briefe bis 30 niederländische Meilen (keine Postmeilen wie bei uns!) 5 Cents = 1 Sgr. = 4x bis zur preußischen Grenze kosteten, Briefe über 30 NL - Meilen hinaus jedoch 10 Cents = 2 Sgr. = 7x.


    Die Aufgabepost hatte folgerichtig für Rotterdam 10 Cents in sepia mittig notiert, die Preußen siegelseitig in 2 Sgr. blau reduziert hatte. Preußen hatte also 7x an die NL später zurück zu geben.


    Zu diesen 7x kamen weitere 9x für Preußen, weil man als Aufgabepost für den Postverein fungierte und bekanntlich nur der Aufgabepost im Postverein das Franko bzw. Porto zustand. Hier haben wir einen Portobrief vor uns, so dass Preußen diese beiden Beträge blau mit 16x zusammen fasste.


    Ausweislich der Siegelseite erkenne wir den preußischen Bahnpoststempel Deutz - Duisburg R 1 / 26.6.1852 und den badischen Bahnpoststempel vom 28.6.1852 des Kurses IV mit dem Punkt, welcher uns anzeigt, dass der Brief aus dem Norden kommend in Richtung Süden weiter geleitet wurde. In der Zeit vom 1.5.1852 bis 30.9.1852 kam dieser Bahnpoststempel auf Briefe, die Baden in Heidelberg erhielt und nach Karlsruhe transportiere. In Heidelberg kam unser Brief folglich via Taxis (Wiesbaden - Frankfurt - Mannheim - Heidelberg) um 20.45 Uhr in den Zug und ward am selben Tag um 22.24 Uhr in Karlsruhe ausgeladen. Baden wollte aber für seinen Transit entschädigt werden, überschrieb die blauen 16 mit schwarzen 16 und addierte ihr Transitporto von 8x dazu.


    Am 29.6.1852 war er ausweislich des roten Zürcher Stempels schon in der Schweiz, was für die enorme Schnelligkeit der badischen Bahnpost spricht.


    Nun muss man erkennen, dass Preußen, Taxis und Baden zwar im Postverein waren, der dem Postverein abgekupferte Postvertrag der süddeutschen Staaten mit der Schweiz vom 1.10.1852 jedoch noch nicht galt. In sofern haben wir es hier mit einem Altvertrag zu tun, bei dem noch das halbe Loth galt! Da der Brief aber leicht war, gab es keine Progressionsportoverzerrung und die Schweizer Post notierte. Mit 24x Auslage kam er also an, die 80 Rappen entsprachen.


    Die CH addierte 25 Rappen Inlandstarif hinzu (ein Tarif, den es ab dem 1.10.1852 nicht mehr gab, nur noch 10 und 20 Rappen) und setzte 105 Rappen als Endporto in Zürich fest, das am 29.6.1852 in Schwyz zu zahlen war.


    Die Modalitäten der Rückabrechnung erspare ich mir - in jedem Fall waren 5 Postverwaltungen an ihm dran, wobei TT von Preußen noch knapp 2x Transitvergütung bekam:


    NL 7x
    Preußen 7x
    TT 2x
    Baden 8x
    CH 7x
    .........


    Total: 31x.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Liebe Freunde,


    heute möchte ich einen hübschen Brief vorstellen, der am 15.1.1851 von Zeist nach Basel lief. Da er unfrei aufgegeben wurde, taxierte die Aufgabepost 20 Cents bis zur preußischen Grenze. Preußen reduzierte diese in 2 Sgr. und notierte für seine Wegstrecke bis Baden 3 1/2 Sgr. dazu. Der Transit durch Taxisgebiet war kostenlos. Die badische Bahnpost reduzierte die fremden Porti von 5 1/2 Sgr. in 20x und notierte für ihren offenen Transit 8x bis zur CH Grenze. Basel verzichtete auf eine Addition der fremden Porti und addierte nur 2x für einfache Briefe bis 1/2 Loth und 10 Wegstunden zu 30x in Rötel.

  • Hallo in die Runde !


    nachfolgend möchte ich einen Brief zeigen, der mir aufgrund seines Leitweges doch recht ungewöhnlich erscheint:


    Portobrief von Amsterdam 10.10.1856 - Oberhausen Bahnhof 11.10.(1856) - Triest (!!) 15.10.(1856) - Locarno 18.10.1856.
    Ein weiterer rs. abgeschlagener Einkreisstempel ist (von mir) leider nicht zu entziffern, wobei ich glaube das Datum 15.10. zu lesen.


    Hinsichtlich der Taxierungen möchte ich mich ungern auf's Glatteis wagen, vermute jetzt aber mal 15x für NL + PR, die 6 x für Österreich und letztendlich 70 Rp, die der Empfänger zu be-"rappen" hatte. Korrekturen gerne gesehen... :huh:


    Die bis dato hier gezeigten Briefe gehen eigentlich alle "schnurstracks" in die Schweiz. Warum nimmt meiner den enormen Umweg über Triest ? ?( Versehen oder Absicht ?
    Und mit der Länderzuordnung ging's offenbar auch nicht so genau: Locarno - "Italie". War das möglicherweise der Grund ?


    Vielleicht hat ja jemand des Rätsels Lösung.


    Beste Grüße
    Postgeschichte-Kemser

  • Hallo Schorsch,


    ein toller Brief und die Leitung war, wie du schon schriebst, der falschen Lokalisierung des Absenders geschuldet (auch wenn man in Locarno italienisch redet, war es das doch nie).


    10 NL - Cents entsprachen 2 Silbergroschen, die Preußen siegelseitig für die NL notierte. Dazu kamen 9 Kr. für Preußen ab Emmerich bis zur CH - Grenze mit der Leitung über Frankfurt (geschlossen über TT) und der badischen Bahnpost (natürlich offen über Baden), wenn es regulär gelaufen wäre.


    Aber so lief er östlich über Preußen und Sachsen nach Österreich und wurde erst in Triest umspediert, dann über Verona vermute ich, auch wenn ich den Stempel nicht lesen kann, auf den es in diesem Zusammenhang ankommt.


    Kosten verursachte diese kleine Odyssee nicht, weil ja alle im Postverein waren.


    10 NL - Cents waren 20 Rappen
    9 Kr. bzw. 3 Sgr. für Preußen waren 30 Rappen
    20 Rappen für die CH, da die Entfernung von Deutschland aus über 10 Meilen von jedem Grenztaxpunkt entfernt lag ergaben so das Endporto von 70 Rappen.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Ralph,


    nochmals vielen Dank für Deine Infos und trotzdem - auch auf die Gefahr hin penetrant zu wirken :S - hat Österreich garnichts bekommen ?
    Die wären ja normalerweise komplett ausser vor gelieben und hatten den Brief jetzt ab Triest "an der Backe".


    Beste Grüße
    Postgeschichte-Kemser

  • Hallo Schorsch,


    so ist es - es war eine "irrtümliche Instradierung" und für die hat es nie etwas gegeben.


    Wenn man 1856 einen Brief von Japan nach Finnland geschickt hätte und er wäre über die Schweiz irrtümlich gelaufen, hätte die CH auch keinen Rappen dafür bekommen. Das nennt man mal kundenfreundlich. ;)

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hello Rob


    Basel is right - but when it was not a letter for Basel City oder Basel County the mailbag was passed to the travelling post office Aarau.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus