Die Marke Oldenburg Nr. 4, 1/10 Thaler war die Frankatur für Fernbriefe (im Postvereinsgebiet) bei der 1. oldenburgischen Ausgabe. Manchmal wurde die Marke auch als Frankatur für überschwere Briefe in der 3. Gewichtsstufe verwendet. Die Auflage dieser Marke wird vom Michel-Katalog mit 350.000 angegeben, Ohrt schätzt die Auflage dieser Marke auf 100.000 bis 350.000 Stück (Krötsch-Ohrt, S. 13).
Wie bei allen anderen Oldenburg Marken ist von der Nr. 4 weder ein vollständiger Bogen noch die alte Steindruckplatte erhalten geblieben. Die vormalige Bogengröße ist unbekannt, wird aber in der Literatur mit 100 Marken vermutet. Diese Marke wurde in der Steindruckerei Gerhard Stalling in Oldenburg gedruckt, die diese Marke als Steindruck mit schwarzer Farbe auf gelbem Papier (= Lithographie) herstellte. Die Marke wurde "geschnitten", hatte keine Zähnung, keinen Durchstich und das verwendete Papier hatte auch kein Wasserzeichen . Das Erscheinungsdatum der Marke war offiziell der 5. Januar 1852.
Die Marke Oldenburg Nr. 4 erschien mit 3 Papierlieferungen. Ohrt differenziert hier bei der Farbe der Marke zwischen lebhaft gelb, blassgelb und gelb (Krötsch-Ohrt, S. 13). Der Michel-Spezial-Katalog gibt nur zwei Farben an: Nr. 4a. schwarz auf hellgraugelb (Töne) (hellgelb) und 4b. hellolivgelb (zitrongelb) (Michel-Deutschland-Spezial 2020, S.207).
Quelle: Krötsch-Ohrt, S. 13 weist die Papierlieferungen, den Verwendungszeitraum, die Farbe der Marke und auch die Dicke des jeweils verwendeten Papiers der einzelnen Papierlieferungen aus. Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass es bei der Papierlieferung B - blassgelb auch im geringen Umfang sehr dünnes SEIDENPAPIER gab, welches eine deutlich geringere Papierstärke als 5 - 5 1/2 1/100 mm hatte.
Die erste Marke, die Anfang Januar 1852 durch die Grossherzoglich Oldenburgische Post herausgeben wurde, war die zitronengelbe Oldenburg Nr. 4b. Diese stammt aus der Papierlieferung A, die von 1852 bis 1854 für den Druck verwendet wurde. Ohrt bezeichnet die Markenfarbe damals noch als "lebhaft gelb".
Oldenburg Nr. 4b, 1/10 Thaler zitronengelb in leicht unterschiedlichen Farbnuancen mit verschiedenen Stempeln von "VAREL", "ESENSHAMM", "OVELGÖNNE","SANDE", "DELMENHORST" (aus meiner Slg.).
Schwarze Stempelfarbe kommt auf Marken in Oldenburg nur bis August 1853 vor, die (sehr seltene) rote Stempelfarbe sogar nur im Jahr 1852. Oldenburg Nr. 4 mit diesen Stempelfarben, auch wenn die Marke schon etwas verblasst ist, sind daher immer als zitronengelbe Oldenburg Nr. 4b einzuordnen.
Brief Oldenburg Nr. 4b - 1/10 Thaler zitronengelb - als Unterrandstück aus "BRAKE" vom 19/2 (1852) nach Solothurn in der Schweiz. Der Brief hat den Absendervermerk "fr. Grenze" und die Marke sollte in einer geteilten Frankaturabgeltung offenbar nur das Porto für den Brief bis zur deutschen Grenze darstellen. Die Marke wurde mit roter Tinte durchgestrichen und mit dem Vermerk "ungültig" versehen. Rückseitig hat der Brief den Transitstempel des TAXIS-Postamts in Bremen sowie einen roten K2 "BASEL", d.h. der Brief wurde transportiert und auch zugestellt. Dies ist der wahrscheinlich der erste oldenburgische mit einer Freimarke frankierte Auslandsbrief. (Sammlung Westerloy, Auktion Joachim Erhardt vom 15. Februar 1992, Los-Nr. 9016)
Erläuterung von Ralph zu diesem Brief:
"der wundervolle Brief war von Seiten des Absenders als Teilfrankobrief vorgesehen gewesen, siehe den Grenzfrankovermerk. Aber das war nicht möglich, weil die Marke auf Auslandsbriefen nicht galt. Daher war ihr Wert verfallen und die Post musste sie als "ungültig" kennzeichnen.
Der Brief war somit als gewöhnlicher Portobrief zu taxieren und kostete für Oldenburg und Thurn und Taxis 26 Kreuzer. Die Leitung erfolgte über Frankfurt am Main, wo er in einem geschlossenen Briefbeutel unter den Portobriefen summarisch mit seinem Porto erfasst wurde.
In Heppenheim wurde es der badischen Bahnpost übergeben, um im geschlossenen Transit mit der badischen Bahn nach Basel gefahren zu werden. Dort wurde das taxische Porto in Schweizer Rappen reduziert = 90 Rappen. Mit dem Schweizer Inlandsporto von 15 Rappen ergab sich eine totale Portoforderung von 105 Rappen (oder 1 Franken und 5 Rappen, wie man will).
Auch nach dem 01.10.1852, als Thurn und Taxis einen ersten Postvertrag mit der Schweiz abschloß, wäre der Brief als völlig unfrankiert erachtet worden, weil es expressis verbis keine Teilfrankobriefe geben durfte und die Absender gezwungen waren, entweder die DÖPV-Strecke und die Schweizer Strecke zu frankieren, oder ganz unfrei zu versenden. Zu Letzterem ist zu bemerken, dass es keinen Portozuschlag gab, weder im DÖPV, noch in der Schweiz und das jetzt das Loth im DÖPV galt, in der Schweiz aber 15g das einfache Briefgewicht darstellte.
Schade, dass die Siegelseite nicht gezeigt werden kann - der "verte" - Vermerk unten rechts weist eindeutig auf Wichtiges hin, welches man damals siegelseitig notiert hatte."
Eine der größten Frankaturseltenheiten Oldenburgs ist dieser Brief der 3. Gewichtsstufe mit dem roten fz. Apt. L1 von "ELSFLETH" mit einer Oldenburg Nr. 4b - zitronengelb - (154. Dr. Wilhelm Derichs - Auktion vom 1.12.2018, Los-Nr. 2391)
Brief Oldenburg Nr, 4b, 1/10 Thaler zitronengelb, entwertet mit dem schwarzen "FRANCO" (Typ "do") und mit dem Ortsaufgabestempel Ra1 mit unterstelltem Datum (KfD) "DELMENHORST 16/6" (1853) nach Bordeaux. Vorderseitig der Thurn & Taxis - Ra3 "FRANCO bis BREMEN" (Feuser (Supplement), S. 55, Nr. 312) und dem roten Stempel "VALENCIENNES TOUR-T" (= Thurn & Taxis-Stpl.). Der Brief wurde mit geteilter Frankaturabgeltung verschickt, frankiert war nur das deutsche Porto, welches 3 Silbergroschen pro Loth betrug (= 1/10 Thaler), das Weiterfranco wurde hier in bar entrichtet. Dieses betrug bis zum 30.6.1853 weitere 3 + 1/2 Sgr. pro 1/2 Loth. Dies ist der einzige mir bekannte Frankreich-Brief der über die Thurn & Taxis-Post, der hier über die Nordroute über Valenciennes nach Bordeaux geleitet wurde. Alle anderen mir bekannten Briefe nach Frankreich wurden durch die preussische Post transportiert. (Auktionshaus wurde von mir leider nicht notiert)
Bf. Oldenburg Nr. 4b, 10 Thaler zitronengelb vom 16. Februar 1854, die Marke entwertet mit dem blauen FRANCO (Typ 'dt') und dem KfD "DELMENHORST" als Brief der 3. Entfernungsstufe nach Cöthen bei Neustadt-Eberswalde im Königreich Preussen (aus meiner Slg.)
Brief Oldenburg Nr. 4b - 1/10 Thaler zitronengelb - mit dem blauen L1 "DAMME" auf Fernbrief nach Lübeck. Vorderseitig ist der "Schmetterlingsstempel" "HAMBURG 29. JUN 1854" als Durchgangsstempel zu sehen. (2. Boker-Auktion vom 7.12.1985, Heinrich Köhler, Los-Nr. 138)





