Ersttags- und Frühverwendungen der geschnittenen Wappenausgabe

  • Liebe Freunde,

    ich bitte hier um Mitarbeit, da es um die datierbaren Belege dieser Ausgabe geht. Ziel ist es, die frühesten Verwendungen der 1 Kreuzer grün, 3 Kreuzer rot, 6 Kreuzer blau, 9 Kreuzer braun, 12 Kreuzer lila und 18 Kreuzer orange festzuhalten und abzubilden. Gemeint können nur Belege und Verwendungen des Jahres 1867 sein und es derzeit sehr fraglich ist, dass alle 6 Gattungen schon zum Erstausgabetag 1.1.1867 an den Schaltern gewesen sein sollten. Daher braucht man nur die folgende Auflistung zu kopieren und das früheste Datum einsetzen:

    1 Kr. grün:

    3 Kr. rot:

    6 Kr. blau:

    9 Kr. braun:

    12 Kr. lila:

    18 Kr. orange:

    Ich hoffe auf fleißige Mitarbeit, viele Scans und zahlreiche Fakten zu Marken, Daten und Verwendungsorte. Danke vorab!

    Liebe Grüsse vom Ralph


    "Der beste Platz für Politiker ist das Wahlplakat. Dort ist er tragbar, geräuschlos und leicht zu entfernen." Vicco von Bülow aka Loriot.

    "Great minds discuss ideas; average minds discuss events; small minds discuss people." Eleanor Roosevelt.

  • Lieber Ralph,

    aus welcher Quelle ist der Erstausgabetag 1.1.1867 ersichtlich?

    In der Verordnung 44,124 vom 14.12.1866 heißt es nur „…, welcher nach Verbrauch des Vorrathes aus der bisherigen Auflage zur Ausgabe zu gelangen hat.“

    Ein Datum ist nicht angegeben.


    Beste Grüße

    Will

  • Hallo Sammlerfreunde,
    hinsichtlich des 1.1.1867 kommt lediglich ein Hinweis in den VO-Blättern von 1869, wo auf "Markengattungen vom 1. Januar 1867" hingewiesen wird. Nachdem dies von offizieller Seite genannt wurde, ist durchaus möglich, dass die Ausgabe der Marken zum/ab 1.1.1867 vorgesehen war.
    Gruß
    bayernjäger

  • 1 Kr. grün:

    3 Kr. rot: Ersttagbeleg vom 1. Januar 1867, Sem Auktion 1992, Los 288

    6 Kr. Blau:

    9 Kr. braun:

    12 Kr. lila:

    18 Kr. orange:


    3 Kreuzer Wappen mit dem Halbkreisstempel KARLSTADT 1/1 (1867) entwertet. Aus dem Briefinhalt geht das Absenderjahr 1867 eindeutig hervor (lt. Sem).

    Wer um Einzelmarken einen Bogen macht hat sich verlaufen.

  • Liebe Freunde,

    klasse - jetzt geht es los. :):)

    Von der 1 Kr. grün soll es, lt. Angaben, auch eine Ersttagsabstempelung geben. Vor meinem geistigen Auge habe ich aber keine.

    Liebe Grüsse vom Ralph


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  • Hallo Sammlerfreunde,
    und zur Feier des Tages hat der Postler in Karlstadt nicht seinen Mühlradstempel sondern den Ortsaufgabestempel zu Markenentwertung benutzt. Sehr ungewöhnlich. Die Jahresangabe halte ich deswegen für mehr als zweifelhaft, solange ich den Inhalt nicht selbst gelesen habe. 1867 und 1869 ist schnell mal verwechselt, vielleicht steht im Brief ja 31.12.1869. Dieser Stempeltyp wurde zudem laut meinen Aufzeichnungen erst ab dem Jahreswechsel 1869 verwendet.
    Anbei ein Vergleich der Stempel, oben bis 1869 unten ab 1869. Zudem noch ein Brief nebst Rückseite mit Mühlradstempelentwertung auf der 1867er Ausgabe. Auch hier der obere Stempeltyp als Ankunftstempel. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der spätere Typ plötzlich schon 1867 verwendet wurde.
    Kurzum, das ist meiner Meinung nach kein Ersttagsbrief.
    Gruß
    bayernjäger

    oben bis ca.1869, unten ab 1869 (hier 12.7.1869)

    oberer Stempel auf Brief mit Wappenausgabe, ab 1867 möglich (hier Ankunftstempel)


    19.8.1869

    Einmal editiert, zuletzt von bayernjäger (27. März 2025 um 19:33)

  • Hallo Udo,

    vortreffliche Dokumntation! Der HKS ist ja auch ein ganz anderer Typus, als der mit Punkt.

    Vlt. kann Herr Sem mehr dazu sagen/zeigen? Ansonsten wäre das natürlich ein dicker Hund, einen 1869er Brief als Ersttagsbrief zu attestieren (die Wertdifferenz dürfte gut 4stellig sein!).

    Liebe Grüsse vom Ralph


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  • Hallo Ralph,
    seltsame Sache, der Brief wurde damals bei 2000 DM Ausruf nicht verkauft, auch nicht im Nachverkauf. Seitdem ist mir der Brief nirgends mehr aufgefallen. Das Attest stammt von Uli Schmitt.
    Gruß
    Udo

  • Hallo Udo,

    danke für diese Infos. Sonderbar. Meiner Meinung nach war Uli Schmitt der beste Bayernprüfer aller Zeiten, aber unfehlbar ist niemand. Jedenfalls liegt das gute Stück irgendwo im Tresor, oder man hat es liegen lassen, bis Gras über die Sache wächst. Schade, dass wir das nicht klären können, aber ich meine, dass es 3 FDC geben soll (ohne diesen dann halt noch 2).

    Liebe Grüsse vom Ralph


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  • Den Brief hätte ich auch gerne einmal mit eigenen Augen gesehen (ebenso wie den Brief mit dem angeblich spätesten Mühlradstempelabschlag vom 25. Oktober 1869 aus Amorbach …).

    Viele Grüße aus Erding!

    My, you’re big and strong.
    —Actually it’s the tailor, and I come from a long line of pygmys.

    From “The Saint Steps In” with Roger Moore, br. November 1964

  • Hallo Erdinger,
    da wird die Ernüchterung groß sein.
    Was damals alles an den Mann/Frau gebracht wurde ist wirklich haarsträubend.
    Weil du eben diese Spätverwendung erwähnst, hier noch ein Paradebeispiel aus München, Spätverwendung vom 14.5.1869.
    Wer schon jemals einen Charge-Fünfzeiler gesehen hat, wird merken, dass dieser hier nur ein Vierzeiler ist, weil der Monat sich nicht abgedruckt hat. Also hat man kurzerhand die darunter stehende Uhrzeit "(5)" als Monat deklariert und schon hat man eine Spätverwendung. Da nutzt auch die Beschreibung mit dem Hinweis Jahreszahl rückseits vermerkt nichts, wahrscheinlich aber ohne Restdatum. Dafür gab es dann sogar noch eine BPP-Prüfung.
    Ist die Sache erstmal in der Literatur niedergeschrieben so wird das zukünftig als Fakt angenommen. Ich könnte hier noch mehr ähnliche Beispiele zeigen, aber ich will das Thema nicht vollkommen verwässern.
    Gruß
    Udo

  • ... für mich ist das kein Beweis, zumal Amorbach nur einen Mühlradstempel hatte und alles nach April 1869 schon sehr außergewöhnlich wäre.

    Aber vlt. sollten wir von den Spätverwendungen der Mühlradstempel wieder zum Titelthema zurück kehren, denn da ist ja noch viel zu tun.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    "Der beste Platz für Politiker ist das Wahlplakat. Dort ist er tragbar, geräuschlos und leicht zu entfernen." Vicco von Bülow aka Loriot.

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  • Lieber Ralph,

    auch wenn ich nichts zum Thema beitragen kann, so möchte ich doch hier ausdrücklich feststellen, dass Deine Idee, diesen Thread zu starten, eine ausgezeichnete Sache ist, und Dir dafür danken.

    und hallo Udo, auch Dir gebührt großer Dank dafür, dass Du aus Deinem reichen Erfahrungsschatz auch zu diesem Thema wieder höchst Interessantes beitragen kannst. Leider werfen Deine Beiträge wieder einmal kein gutes Licht auf das Prüfwesen unseres Sammelgebiets. Ich kann schon gar nicht mehr mitzählen, zum wievielten Male das jetzt hier im Forum schon der Fall ist.

    Beste Grüße an Euch beide.

    "Ein Leben ohne Philatelie (und Katzen) ist möglich, aber sinnlos!" (frei nach Loriot, bei dem es allerdings die Möpse waren - die mit vier Beinen wohlgemerkt)

  • Hallo Sammlerfreunde,
    anscheinend traut sich niemand hier seine Daten einzustellen.
    Allerdings habe ich schon bemerkt, Frühdaten aus 1867 sind nicht häufig.
    Nun habe ich mir die Mühe gemacht und die Bestände meiner Schweinfurt-Sammlung durchgesehen. Das Postaufkommen dort war sehr groß und so hatte ich mir Hoffnung über sehr frühe Belege gemacht. Aber weit gefehlt, die Quadratausgabe wurde noch sehr lange verwendet, bevor die ersten Wappenmarken auftauchen.
    1xr gelb bis 07/67, 3xr rot bis 03/67, 6xr blau bis 07/67, 9xr braun 07/67, 12 xr grün 07/1869, 18 xr rot bis 09/1868.
    Für Schweinfurt ergibt sich mit datierbaren Belegen folgende Statistik:

    1 Kr. grün: ab 04/67

    3 Kr. rot: ab 04/67

    6 Kr. blau: ab 05/67

    9 Kr. braun: ab 12/67

    12 Kr. lila: nur 1 Brief und 5 lose Marken, davon 1x lose mit Mühlradstempel

    18 Kr. orange: nur 6 lose Marken, alle mit Ortsaufgabestempel

    Wie ihr seht, der Aufbrauch der Quadratausgabe dauerte in SW sehr lange. Ich denke das wird anderswo nicht viel anders gewesen sein.
    Also auf gehts Sammlerfreunde, seht mal in euere Sammlungen.
    Gruß
    bayernjäger

    28.4.1867

    Einmal editiert, zuletzt von bayernjäger (29. März 2025 um 11:39)

  • Verehrte Freunde,

    nur ein schneller Blick in die zeitgenössische Fachliteratur:

    Das Leipziger Magazin für Briefmarken-Sammler (Nr. 46, S. 364) berichtete am 1. Februar 1867, dass die neuen Marken »jetzt endlich, am 20. Januar« zur Ausgabe gelangt seien, vorläufig nur die Werte zu 3 und 6 Kreuzer; über die Farben der übrigen Marken war noch nichts bekannt. (Im Verordnungsblatt waren sie bereits 1866 genannt.)

    In Le Timbrophile, 3. Jg., Nr. 28 vom 15. Februar 1867, S. 222, meldete Redakteur Pierre Mahé: »Es ist ein Jammer, Ihnen nicht sofort den neuen, recht hübschen Typ mit dem bayerischen Wappen vorstellen zu können. Er ist im Halbrelief auf weißem Papier mit Seidenfaden geprägt und ungezähnt; bislang wurden nur zwei Werte ausgegeben: 3 Kreuzer rosa, 6 Kreuzer blau.«

    In der folgenden Ausgabe vom 15. März 1867, S. 230, teilte das Blatt mit, dass die neue Wappenserie mittlerweile durch die Werte 1, 9, 12 und 18 Kreuzer komplettiert worden sei.

    Das Stamp-Collector’s Magazine vom 1. März 1867, S. 41, berichtete, es habe ein »early set« mit allen sechs Marken vorgelegen. Man bemängelte die zarte Farbgebung, die der schönen Gestaltung abträglich sei. Auch Druckproben der 3 Kreuzer in verschiedenen Farben auf dickerem, gummiertem Papier lägen vor. (Noch lieber als die Wappengestaltung hätte man ein Herrscherporträt gesehen: »The objection to the employment of our own Queen’s effigy on her colonial stamps, that the frequent repetition is monotonous and tiresome, would not hold good in respect to continental monarchs, over whose dominions the sun sets in the ordinary course of nature.« Hach, dieses Albion und seine ausgeprägte Bescheidenheit …)


    Ich kann bisher nur ein frühes Datum vermelden:

    3 Kr. rot: 14.1.1867, Bamberg Bahnhof

    Viele Grüße aus Erding!

    My, you’re big and strong.
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    From “The Saint Steps In” with Roger Moore, br. November 1964