Hilfe bei schwer lesbarer Handschrift erbeten

  • Hallo!

    Könnte mir jemand bei der Entzifferung der Adresse auf diesem winzigen Faltbrief helfen? Der Ankunftstempel ist wohl "SPAICHING(EN?)", obwohl dieser Ort ausserhalb der 10-Meilen Zone von Stuttgart liegt. Die Adresse war anscheinend im Hohenzollern-Gebiet, wie man aus dem Bestellzuschlag von 1 Kreuzer schlussfolgern kann.

    Vielen Dank!

    Papiertiger

  • Herzlichen Dank, lieber Ralph! Du bist ein Zauberer, was Handschriften angeht!

    Jetzt weiss ich, dass Harrasheim ein Ortsteil von Wehingen ist. Klein aber fein (siehe Foto), wie auch der Brief, der eine dreiseitige Liebeserklärung an die Adressatin enthält. Die Entfernung nach Stuttgart ist übrigens 75,4 km Luftlinie; da hat wohl der Postbeamte abgerundet.


    Gruss,

    Papiertiger


  • ... sehr schönes Bild - gefällt mir sehr gut ! :love::love:


    Früher wurde eher abgerundet bei Entfernungen und gab es nicht die 12 Meilen Entfernungsstufe?

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Danke, Ralph!

    Was das Porto angeht: ich hatte die "1" auf der Briefvorderseite als Bestellkreuzer interpretiert und dabei angenommen, dass der Bestimmungsort in Hohenzollern (und damit Preussen) liegt! Tut er ja fast auch...

    Aber da Harrasheim anscheinend doch Bestandteil von Spaichingen/Württemberg war, galt der inländische Tarif von 3 Kreuzern bis zu 12 Meilen Entfernung. Aber dann ist meine Frage: was macht die "1" auf der Briefvorderseite? An eine Makulatur glaube ich eher nicht.

    Gruss,

    Papiertiger

  • ... das war sicher für einen Boten, ob staatlich, oder privat konzessioniert weiß ich natürlich als Bayernsammler nicht. Prinzipiell konnte man sich in ganz AD seine Post per konzessionierten Boten zustellen lassen - der Empfänger ging zu seinem Postexpeditor, nahm den Boten mit, man unterschrieb einen Vertrag und los gings.


    Allerdings führten konz. Boten kaum Rötelstifte mit sich, eher Bleistifte (günstigerer Preis, keine Verwechselungsgefahr mit Posttaxen, die ja oft in Röteln notiert worden waren und Rötelstift war ungleich teurer, als ein Bleistift). Aber ich kenne auch Fälle, in denen der Postexpeditor wusste, dass der konz. Bote 1x für jeden Brief erhielt und notierte das für ihn vorab auf den Briefen, als Arbeitserleichterung sozusagen.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Sehr interessant. Ich hatte es schon mit Hunderten von Württemberger Inlandsbriefen aus der Kreuzerzeit zu tun, aber kein einziger hatte eine Zustellung oder Botentaxe vermerkt - mit Ausnahme zweier Briefe in das Hohenzollern-Gebiet, wo der "Bestellkreuzer" ja vereinbart war. (Und da war die "1" jeweils in Blau geschrieben.)


    Falls noch ein anderes Forumsmitglied mehr dazu weiss, bitte melden!

    Papiertiger



    Nachtrag: Für mein anderes Sammelgebiet (Braunschweig) ist tatsächlich dokumentiert, dass Dörfer zwischen dem DÖPV-Beitritt am 1.1.1852 und dem 1.5.1853 ohne Postversorgung waren, was die Zustellung angeht:



    Mein Württemberg-Brief fällt in die gleiche Periode (1852), vielleicht sah es damals auch im "Ländle" so aus. Ich habe allerdings noch keine vergleichbare Beschreibung für Württemberg finden können.

    Einmal editiert, zuletzt von Papiertiger ()

  • Servus zusammen,

    so schwer ist die Schrift eigentlich nicht aber ich komme nicht ganz klar, darum bitte ich um Hilfe.

    Neuzugang nach Spanien, sowieso keine Massenware, aber hier geltender Vertrag gültig bis 31.5.1872 mit 6 Gr. frankiert.


    Fr D Christine Tausent

    seniore ?? Luis Becker

    136 ??

    Madrid



    LG Bernd

  • Hallo, ich denke nicht dass das "Senor" heissen soll, sondern vielmehr fuer "per adr" darstellt, also "bei" ... kann's aber nicht entziffern (ferma?)

    Das andere lese ich als 13 Clarel in Madrid.

    Sehr schoener Brief!!


    Andreas

  • Hallo,

    zu viele Schnörkel erschweren das entziffern, ich kann das nur teilweise lesen:


    Gsent: 25. May 1658.

    Dem ....................

    Herrn Johann ................................

    .........................................................

    Verordnetem Hauptmann daselbst

    Meinem Sonders geliebten Herrn

    Castell


  • Guten Morgen und vielen Dank für die zielführende Transkription,


    wir nähern uns in beachtlichen Schritten einer vernünftigen Adresse.

    Eventuell sind noch kleinste Korrekturen angebracht, ich habe nämlich noch einen zweiten Brief aus diesem Schriftverkehr.

    Dazu mein bisheriger Entzifferungsversuch.



    P(re)sent(irt): 31. März 1658.

    Dem Ehrnthaften Hochachtbarn Herrn

    Johann Georg Körnern, Grävlich Cäste

    lischen, Wohlbestelten Amptmann daselbsten

    Meinem Insonders geehrten und geliebten C.

    Herrn ./.

    Castel.



  • Hallo Siegried,


    verbesserte Version:


    P(re)sent(irt): 31. März, a(nno) d(omin)i 1658.

    Dem Ehren Vesten Hochachtbarn Herrn

    Johann Georg Körnern, Grävlich Cäste

    lischen, Wohlbestelten Amptmann daselbsten

    Meinem Insonders geehrten und geliebten C.

    Herrn ./.

    Castel.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus