Nachportobelege

  • Hier zeige ich Euch eine Briefhülle einer Nachnahmesendung, die auch noch als P.S. deklariert wurde. Daneben wurde auf dem Umschlag
    noch etwas mit 2 ... angegeben.
    Der Brief mit einer Nachnahmeforderung in Höhe von 2 Mark und 80 Pfg (altdeutsche Schreibweise) ging vom königl. Bezirksamt Füssen an den
    Herrn Bürgermeister der Gemeinde Eisenberg (Sehr sehenswert, und auch das Bier ist echt gut!!!). Aufgegeben wurde der Brief am 20. August in Füssen.
    Als Aufgabejahr scheint mitr 1884 am wahrscheinlichsten (Dr. Helbig gibt dies als Verwendungsjahr des Stempels 21a zumindest an).
    Dieser Typ von Nachnahmezettel wurde angeblich bis 1887 verwendet. Das zu erhebende Nachporto erschließt sich mir leider nicht - aber ich denke, dass der eine
    oder andere Experte oder Porto-Guru da Klarheit schaffen könnte.
    Also, helft mir, bitteschön.
    :love::whistling:^^

  • Procura (Bayern): 10 Pfennig (1 Pfennig pro Mark, aufgerundet auf 5 Pfg. jedochmindestens 10 Pfg.) Porto: 20 Pfennig. (bis 75 km)


    Müsste nach 1.1.76 gewesen sein... ab 1.1.75 war im prinzip gleich jedoch in Kreuzer...

    „Männer für gefährliche Reise gesucht. Geringer Lohn, bittere Kälte, lange Monate kompletter Dunkelheit, ständige Gefahr, sichere Rückkehr ungewiss. Ehre und Anerkennung im Erfolgsfall.“


    – Ernest Shackleton

    • Offizieller Beitrag

    woermi hat die Taxierung bereits hervorragend erläutert. Anzufügen ist noch, das es sich um eine Fahrpostsendung handelt. Die Briefpost war für Nachnahmebriefe erst ab dem 1.1.1890 zuständig.


    Viele Grüße


    kreuzer

  • Procura (Bayern): 10 Pfennig (1 Pfennig pro Mark, aufgerundet auf 5 Pfg. jedochmindestens 10 Pfg.) Porto: 20 Pfennig. (bis 75 km)


    Müsste nach 1.1.76 gewesen sein... ab 1.1.75 war im prinzip gleich jedoch in Kreuzer...


    Immer wieder faszinierend, wie Experten mit wenigen Worten punktgenau den Sachverhalt erläutern und bestätigen können! Besten Dank, woermi und kreuzer - jetzt kann ich das gute Stück umfassend auf einem Albumblatt beschreiben. :thumbup:
    Ich vermisse jedoch die "P.S."-Würdigung. Habt Ihr da auch noch eine Idee? Und das Geschreibsel in der Ecke links unten... und woran ist erkennbar, dass es sich um eine Fahrpostsendung handelt? Ich sehe, dass ich noch einige Wissenslücken habe! ;(

    "Extra Bavariam non est vita et si est vita non est ita."

    3 Mal editiert, zuletzt von abrixas ()

  • Guten Abend,
    heute erhielt ich eine hübsche Postkarte mit Nachporto. Aufgegeben in Freiburg und mit einer Bayrischen Marke versehen, die ja im Reichspostgebiet nicht gültig war, ist mir die Nachportoerhebung verständlich. Warum aber nur 5 Pfennig und nicht die doppelte Gebühr?
    Wer kann es mir erklären? Außerdem wüsste ich gern wo der Portostempel angebracht wurde.

    Gruß vom Stempelfreund

  • Hallo Stempelfreund,


    nette Karte - ich könnte mir nur vorstellen, dass es statt 10 nur 5 Pfg. Nachtaxe gab, weil die bayerische Marke auf einer Karte in ihre Heimat war und nicht sonst wohin. Aber das ist nur geraten ...

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Demokratie ist, wenn zwei Wölfe und ein Schaf über die nächste Mahlzeit abstimmen. Rechtsstaat ist, wenn das Schaf überlebt.

  • Hallo zusammen,

    .

    anbei ein ähnliches Beispiel bei dem man auf den ersten Blick auch nur die Behandlung bei der Aufgabepost erkennen kann, die erst einmal nur den Frankatur-Fehlbetrag von 5 Pf kenntlich gemacht hat. Hier wurde von der Portokontrollstelle der Abgabepost über den Portostempel hinaus schließlich auch noch die gesamte Nachgebühr von 10 Pf, allerdings sehr weniger deutlich notiert. Eine nicht ganz schlüssige Vorgehensweise, aber wohl nicht ganz unüblich.

    .

    Grüße

    vom Pälzer

  • ... wäre nach meiner Beobachtung passend: Reichsmarke in Bayern lief zurück ins Reich, daher statt 10 nur 5 Pfg. Nachtaxe.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Demokratie ist, wenn zwei Wölfe und ein Schaf über die nächste Mahlzeit abstimmen. Rechtsstaat ist, wenn das Schaf überlebt.

  • Danke für die Antworten und den hervorragenden link.
    Kann noch jemand meine Vermutung, dass der Portostempel in München angebracht wurde bestätigen?
    Einen schönen Sonntag wünscht der Stemoelfreund

  • Hallo Stempelfreund und ja, die von der Aufgabepost aufgestellte Forderung wurde durch die bei der Abgabepost eingerichtete Portokontrollstelle (hier München) überprüft und mit dem Kontrollstempel bestätigt.


    Viele Grüße
    vom Pälzer

    Wer um Postgeschichte einen Bogen macht, läuft am Schluss im Kreis

  • Liebe Freunde,

    .

    ein für den aktuellen Austausch sehr gut präsentierender Beleg anbei.

    ,

    An dem Taxierungsfehler der Aufgabepost zeigt sich die Regel, die im Vergleich zu der ebenfalls unterfankierten und innerbayerisch gelaufen Postkarte von Stempelfreund aus post25 eine andere war. Vorliegend wurde zunächst richtigerweise der im Postgebiet von Bayern ungültige Reichspostwert (DR Mi-Nr. 107 zu 10 Pf) von der Frankatur ausgegrenzt, dann aber irrtümlicherweise wie im Auslandsverkehr der - nur dann - nachzuerhebende doppelten Fehlbetrag von 20 Pf angeschrieben..


    Für unterfrankiert nach Deutschland und Österreich-Ungarn laufende Briefsendungen war aber - wie einst in der Klassik - das Porto für den unfrankierten Brief (hier bis 15 gr = 20 Pf) anzusetzen und davon der Wert der verwendeten - gültigen - Postwertzeichen (hier BY Mi-Nr. 155A zu 10 Pf) abzuziehen. Somit ergeben sich nicht wie von der Aufgabepost austaxiert 20 Pf Nachporto, sondern wie von der Portokontrolle der Abgabepost im rechtsrheinischen Bayern korrekt korrigiert nur 10 Pf.


    Viele Grüße
    vom Pälzer

  • ... ein absolutes Vortragsstück für die gehobene Pfennigzeit! :P

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Demokratie ist, wenn zwei Wölfe und ein Schaf über die nächste Mahlzeit abstimmen. Rechtsstaat ist, wenn das Schaf überlebt.

  • Hallo bk,.

    volle Zustimmung, ich bin wirklich ganz besonders froh einen solchen Schlüsselbeleg für das eigene Sammelgebiet aufnehmen zu dürfen und wünsche dies anderen, die in ähnlicher Weise unterwegs sind natürlich auch..


    Viele Grüße
    vom Pälzer :thumbup:

    Wer um Postgeschichte einen Bogen macht, läuft am Schluss im Kreis

  • Hallo, hier eine Ansichtspostkarte von "Niedereinsiedel" (früher Österreich/Nordböhmen, heute Dolní Poustevna in Tschechien) nahe der deutschen Grenze.

    Sicher hat ein Tourist diese Karte, die mit einer österreichischen Briefmarke freigemacht war, in einen falschen Briefkasten (Sebnitz/Sachsen) eingeworfen. Diese wurde dann aus Versehen mit dem deutschen Stempel "SEBNITZ * (SACHSEN) f" entwertet, was aber in Plauen aufgefallen ist und da mit dem Nachportostempel "PLAUEN (VOGTL.) 1. PORTO * *" und 10 Pf. Nachporto (blaue handschriftliche 10) belegt wurde.

    Der Nachportostempel "PLAUEN (VOGTL.) 1. PORTO * *" ist sicher nicht so häufig.




    Viele Grüße

    Enrico

  • Da es damals noch Grenzen gab, sollte dem Touristen aber klar gewesen sein, daß er sich mittlerweile in Deutschland befand. Der Vater wird sich gefreut haben, daß er 10 Pf zahlen durfte. Heute freut sich ein Sammler über diesen netten Beleg des schusseligen Sohnemanns. :):thumbup:


    Dieter