• Hallo Sammlerfreunde,

    damit hier auch wieder etwas Neues zu sehen ist, ein Brief, den ich vor vielen Jahren schon unter einem anderen Thema gezeigt hatte. Bevor das Thema aber mangels Masse einschläft erlaube ich mir ihn nochmal zu zeigen.
    Anerkanntes durch Marke geklebtes Teilfranko in einen Staat, der noch nicht zum DÖPV gehörte und so eigentlich unzulässig war. Der Transitdienstleister Thurn & Taxis vermerkte "Grenze" und verlangte nur das ihm noch tarifmäßige für die bayerische Strecke fehlende Porto und vermerkte es für Hannover links oben über der Marke.

    Richtige Taxe für Brief München (BY) über Taxis nach Hannover 1851 vor DÖPV:
    2 3/4 Gutegroschen Strecke Bayern
    2 Gutegroschen Transit Taxis bis Hannover
    1 Gutegroschen innerhalb Hannover
    2 Gutepfennige Zustellung in Hannover

    Für unsere Erklärung sind nur die 2 3/4 Gutegroschen relevant.
    Taxis rechnete 2 3/4 Gutegroschen für 3 Silbergroschen 5 Silberpfennige
    Die 9 xr Franco-Marke entsprach 2 Silbergroschen 4 Silberpfennige
    Differenz aus diesen beiden = 1 Silbergroschen 1 Silberpfennig Restforderung (links oben angeschrieben 1 1/12 S =Silbergroschen)
    1 1/12 Silbergroschen entsprachen 11 Gutepfennigen

    Gesamtrechnung;
    11 Gutepfennige Restforderung von Taxis für BY-Strecke
    2 Gutegroschen Transit Taxis
    1 Gutegroschen innerhalb Hannover
    2 Gutepfennige Zustellung in Hannover

    ergibt letztendlich die geforderten 4 Gutegroschen 1 Gutepfennig von Hannover

    Die roten Ziffern in der Mitte lauten 1 9/10 Gutegroschen (10tel, obwohl eigentlich 12er-Teilung, was den 2 Silbergroschen 4 Silberpfennigen für die 9 xr Franco-Marke entsprach.

    Die schwarze 9 auf der Rückseite bestätigt das bezahlte Franko von 9 Kreuzern und wurde folglich angerechnet.

    Alle Währungen wurden exakt nach den Portotabellen umgerechnet.

    Quellen:
    Vertrag Hannover - Taxis bzgl. Bayern von 1840 und ff.
    Reduktionstabellen Hannover/Braunschweig (abgedruckt Gesetz u. VO-Blatt Braunschweig)
    Tarif von Hannover ab 1.8.1850

    Gruß
    bayernjäger

  • Hallo Sammlerfreunde,
    Bayern - Toscana, Weilheim - Florenz vom 7.9.1850, frankiert mit 9 Kreuzer.
    Der Brief stammt aus der Zeit des Deutsch-Österreichischen Postvereins und noch vor Gründung des Österreichisch-Italiensichen Postvereins.
    Folglich 9 Kreuzer für DÖPV bis zur Außengrenze des DÖPV frankiert und weitere 36 Crazie Porto für den Empfänger in Florenz.
    Der Brief wog 9 Denari (1 Denaro ca. 1,2 Gramm). Je Denaro fielen 4 Crazie Porto an, zusammen 36 Crazie.
    Postvertragstempel "AUSTRIA No. 4"
    Gruß
    bayernjäger

  • Na toll, wieder eine neue Währung...Grazie....für das crazie....😵‍💫...

    Danke Udo, für das zeigen dieser super Belege, und für die überragende Beschreibung.

    Liebe Grüße von der Pappnase

    Liebe Grüße von der Pappnase Andreas

  • Hallo Sammlerfreunde,
    Teilfrankatur bis zur Grenze des DÖPV in das Königreich beider Sizilien.
    Etwas ramponiert, aber ich konnte bisher kein zweites Stück in der 2. Gewichtsstufe mit desem Laufweg ausfindig machen.
    Gruß
    bayernjäger

  • Hallo Ralph,
    auch in schönes Stück.
    Immer wieder interessant, bei manchen Destinationen wurde das Teilfranko anerkannt und bei manchen nicht. Oftmals musste sogar bis zur Postvereinsgrenze frankiert werden und im Empfängerland wurde der Brief trotzdem als komplett unfrankiert behandelt.

    Anbei eine weitere Frankatur bis zur Postvereinsgrenze, diesmal nach Sardinien.
    Gruß
    bayernjäger

  • Dazu noch gleich einer mit einem etwas anderen Laufweg.
    Während der oben gezeigte Brief ausweislich des Stempels VIA DI COIRA über die Schweiz glaufen sein muss, hier nun einer der über Verona (Stempel rückseits), also nur über Österreich/Lombardei gelaufen ist.
    Nürnberg - Turin vom 7.MÄR.1851
    Frankiert mit 9 xr (5a Typ I) für den DÖPV bis an die Grenze (Vermerk "fco frontiere") zu Sardinien. Der Brief kam aus dem 3. österreichischen Rayon über 20 Meilen von der sardischen Grenze entfernt und wurde deshalb in Mailand mit T.A.3. (Transito Austriaco 3. Rayon) gestempelt. Die frankierten 9 xr wurden nicht anerkannt
    Der Empfänger musste also für einen Portobrief der 1. sardischen Gewichtsstufe (7,5 g) aus dem 3. österreichischen Rayon in den 3. sardischen Rayon (Turin) 8 Decimi zahlen.
    Gruß
    bayernjäger

  • Hallo Sammlerfreunde,
    Bamberg - Schloß Tambach vom 16.11.1850, befördert über Coburg und von dort aus zugestellt. Auch hier wurde das bayrische Franco anerkannt und neben dem Frei-Vermerk "Gz" (= Grenze) vermerkt. Zusätzlich vermerkt "2 x", meiner Meinung nach das Landbestellgeld für den Taxis-Boten von Coburg nach Tambach.

    Das interessante an diesem Brief, Schloß Tambach liegt in Bayern. Die zuständige Postexpedition Gleussen liegt ca. 10 km entfernt, Coburg nur ca. 6 km. In Bayern gab es zu dieser Zeit noch keinen Landpostbotendienst, im Postbezirk von Thurn&Taxis aber schon. Es scheint eine Vereinbarung gegeben zu haben, welche die Zustellung durch einen Taxisboten ermöglichte. Folglich wurden die Briefe bis zur Grenze frankiert und der Taxisbotenlohn vom Empfänger eingehoben. Theoretisch könnten die vermerkten 2 xr auch die Postbezirkstaxe bis 3 Meilen gewesen sein und der Brief wurde in Coburg abgeholt. Dem widerspricht aber die Taxe von 3xr auf einem zweiten bekannten Brief.
    Mit einer bayrischen Verordnung vom 14.5.1852 wurde diese vorher wohl stillschweigend geduldete Vereinbarung genehmigt und eine Leitung der Post über Coburg nach Tambach offiziell erlaubt.

    Auch wenn die Art und Weise der Zustellung und die Portovermerke noch nicht genau geklärt sind, handelt es sich doch um einen äußerst seltenen Brief unter Anerkennung eines Grenzfrankos aus der Zeit bevor Thurn&Taxis am 1.5.1851 mit Sachsen-Coburg-Gotha dem DÖPV beigetreten war.

    Bisher ist nur ein weiterer Brief mit diesem Procedere bekannt.

    Wer sich dazu etwas einlesen möchte siehe hier: RE: Der besondere Brief - Das besondere Poststück

    Gruß
    bayernjäger

  • Hallo Sammlerfreunde,
    Franco Grenze gab es aber nicht nur bis zur Landes- oder Postvereinsgrenze.
    Brief von Nürnberg nach Madrid vom 28.JUN.1861 frankiert mit 18 xr. Französsicher Grenzübergangsstempel "BAVIERE FORBACH AMB. B 29 JUIN 61" und "PP"-Stempel jeweils in roter Farbe. Links oben unter Espagne "I pts" in blauer Tinte für 1. Gewichtsstufe. Weiterhin spanischer Stempel "4 R." in blauer Farbe für die vom Empfänger zu zahlende spanische Inlandsgebühr von 4 Reales ab französisch-spanischer Grenze.
    Die Frankatur von 18 xr reichte nur bis zur Grenze Frankreich-Spanien, folglich eine Teilfrankatur bis zur spanischen Grenze.
    Gruß
    bayernjäger

  • ... und schön zu sehen "1 port" oben links von Nürnberg, also "premier port" = erste Gewichtsstufe. Der Stempel P.P. stammt von Forbach, den hatten sie wohl in Nürnberg schon mal nicht ...

    Liebe Grüsse vom Ralph


    "Der beste Platz für Politiker ist das Wahlplakat. Dort ist er tragbar, geräuschlos und leicht zu entfernen." Vicco von Bülow aka Loriot.

    "Great minds discuss ideas; average minds discuss events; small minds discuss people." Eleanor Roosevelt.

  • Hallo bayernjäger,

    wie sah denn die genaue vertragliche Regelung zwischen Bayern, Frankreich und Spanien aus? Breife über Preußen und Frankreich nach Spanien kosteten nur 3 Sgr. bis zur spanischen Grenze, also muß der Transit durch Frankreich auf andere Weise abgerechnet worden sein.

    Beste Grüße

    Altsax

  • Hallo Altsax,
    die Behandlung richtet sich nach dem Vertrag Bayern-Frankreich abgedruckt im VO-Blatt 32 von 1858 Seite 217ff, und der Beilage B unter Nr. 12, gültig ab 1.7.1858. Findest du über die Homepage der Arge Bayern hier im Forum.
    18 xr Frankozwang bis zur Grenze Frankreich-Spanien.
    Gruß
    bayernjäger

  • Hallo Altsax,
    es war von Bayern aus auch möglich über Preußen zu verschicken. Über Preußen konnte bis zum Empfänger in Spanien frankiert werden.
    Hier ein Beispiel:
    Frankiert mit 21 Kreuzer ging es von Fürth am 17.5.1866 oder 1867 über Preußen nach Madrid in Spanien. Nach dem Vertrag zwischen Preußen und Spanien, gültig ab 1.7.1864, 7 Kreuzer für den DÖPV und 14 Kreuzer Weiterfranko (links mit Blaustift "14" vermerkt) für einen Brief bis 1/2 Loth. Gestempelt "P.D.", folglich bezahlt bis zum Bestimmungsort. Weiterhin Stempel "Prusia", welcher in Irun (Auswechselpostamt in Spanien) für Post aus Preußen nach Spanien verwendet wurde.
    Gruß
    bayernjäger

  • ... was Jürgen vlt. meint, ist die Aufteilung der Gebühren:

    Bayern bekam 3 Sgr. = 9 Kreuzer bei einem Brief über Preussen via Frankreich im geschlossenen Transit nach Spanien.

    Bayern bekam 4,8 Kreuzer bei einem Brief über Frankreich direkt im offenen Transit nach Spanien, ergo behielt Frankreich von den frankierten 18 Kreuzern satte 13,2 Kr. für sich. Dazu kam das Transitgewicht mit 7,5g, welches ebenfalls für eine drastische Benachteiligung der Korrespondenten sorgte, im Gegensatz zur Leitung über Preußen, als 1 Loth noch einfach waren.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    "Der beste Platz für Politiker ist das Wahlplakat. Dort ist er tragbar, geräuschlos und leicht zu entfernen." Vicco von Bülow aka Loriot.

    "Great minds discuss ideas; average minds discuss events; small minds discuss people." Eleanor Roosevelt.

    Einmal editiert, zuletzt von bayern klassisch (13. Juni 2024 um 14:52)

  • ... was Jürgen vlt. meint, ist die Aufteilung der Gebühren:

    Bayern bekam 3 Sgr. = 9 Kreuzer bei einem Brief über Preussen via Frankreich im geschlossenen Transit nach Spanien.

    Bayern bekam 4,8 Kreuzer bei einem Brief über Frankreich direkt im offenen Transit nach Spanien, ergo behielt Frankreich von den frankierten 18 Kreuzern satte 13,2 Kr. für sich. Dazu kam das Transitgewicht mit 7,5g, welches ebenfalls für eine drastische Benachteiligung der Korrespondenten sorgte, im Gegensatz zur Leitung über Preußen, als 1 Loth noch einfach waren.

    Lieber Ralph,

    genau darum ging es mir!

    Die gegenüber dem Versand über Preußen doppelt so hohe bayrische Frankatur resultiert demnach daraus, daß sie noch die Transitgebühr für Frankreich enthielt. In Gegenrichtung dürfte vermutlich ähnlich verfahren worden sein, d.h., der spanische Absender frankierte bis zur spanich-französischen Grenze und Frankreich rechnete seine Transitgebühren mit Bayern über das dort erhobene Porto ab.

    Hintergrund war, daß Spanien sich jedwede Abrechnung mit ausländischen Postverwaltungen ersparen wollte.

    Bei Versand über Preußen lief es anders: Frankreich bekam vom Postvereinsfranco nichts, konnte sich aber bei in Gegenrichtung laufenden Briefen am im Postverein zu erhebenden Porto schadlos halten.

    Verbunden damit war Francopflicht für Briefe nach Spanien, wie der folgende Brief zeigt, der dem Aufgeber zurückgesandt worden war zwecks Frankierung.

    Diese Regelung ist in den Verträgen von 1858 und 1864 nicht beibehalten worden. Es konnte dann auch bei Versand über Preußen bis zum Bestimmungsort frankiert werden, wie auch bei dem gezeigten Brief aus Fuerth geschehen.

    Liebe Grüße

    Jürgen

    Einmal editiert, zuletzt von Altsax (13. Juni 2024 um 15:35)