Mühlradstempel-Besonderheiten

  • Hallo,
    anfangen möchte ich diesen thread mit einem Beleg, den ich zwar beboten, aber nicht bekommen habe:
    http://cgi.ebay.de/ws/eBayISAP…iewItem&item=160603797834
    Franco-Charge-Brief aus Bamberg vom 25. Juni 1851 ins württembergische Brackenheim. Württemberg trat dem DÖPV erst am 1.9.1851 bei, sodass hier keine Vollfrankatur mittels Marken zulässig war.
    Dennoch schlug der Postbedienstete in Bamberg den gMR 20 vorderseitig ab, wohl um das voll bezahlte Franco zu dokumentieren.
    Der hochinteressante Beleg wurde für EUR 572,- zugeschlagen - da bin ich vorher ausgestiegen...
    Übrigens wird er Brief im Sem-Handbuch (8. Auflage) auf S. 314 erwähnt (Vorvertragsbrief nach Württemberg bekannt) und mit EUR 500,- veranschlagt. Also heute ein Zuschlag über 100% Sem - was also bedeuten Katalogpreise für Unikate...
    Vielleicht ist er ja hier bei einem Mitglied unserer "Familie" gelandet - dann bitte kommentieren!

    Beste Grüsse vom
    µkern

  • Lieber mikrokern,


    den Brief habe ich gesehen, aber bei dem Preis auf ein Gebot verzichtet. Weil man eBay - Links nur kurze Zeit nachverfolgen kann, hier das Bild des Briefes von vorn, hinten und mit dem Text von Herrn Sem.


    [Blockierte Grafik: http://s3.imgimg.de/uploads/fdf6579c87jpg.jpg]


    Zu dem Zeitpunkt der Briefaufgabe galt noch der Altpostvertrag von 1809. Die Gebühren waren demnach bar zu zahlen, wie wir der Siegelseite entnehmen können. Die Franchise R.S. für Regierungssache wurde gestrichen, daher die Frankatur.


    Der Mühlradstempel wurde versehenetlich abgeschlagen - sonst nichts. Die postgeschichtliche Bedeutung des Briefes ist durchschnittlich, eine PO - Bombe sieht anders aus. Den Satz mit der "vollständigen Frankatur" sollte man besser vergessen, denn frankieren hatte nichts mit Briefmarken zu tun, sondern lediglich mit bezahlen und voll bezahlt war er ja.


    Der Brief ist natürlich wunderschön und von daher kann man dem Käufer nur gratulieren.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Sammlerfreunde,


    den Brief habe ich auch gesehen. In diese Richtung habe ich schon Briefe und war nicht gezwungen ein Gebot abzugeben. 572 Euro ist ein stolzer Preis. Ich hatte den Verkäufer angeschrieben, ob er mir den damaligen Kaufpreis (angeblich vor ca. 12 Jahren bei Peter Sem gekauft) verraten würde. Leider hat er mir dies nicht verraten.


    Ist jemanden im Forum bekannt wann und für welchen Preis das Stück schon einmal verkauft wurde? Wäre für meine Statistik interessant.


    Gruß
    bayernjäger

  • Hallo Sammlerfreunde,


    ich habe den letzten Verkauf ausfindig machen können.
    Falls es noch jemanden interessiert:
    Der Brief wurde 1997 für 750,- DM bei Peter Sem über seine Preisliste verkauft.


    Die Verzinsung lässt sich sehen. Nicht ganz vergessen sollte man, dass der Brief zur Hochzeit der Bayern-Mania in den 90er-Jahren gekauft wurde. Es wurden damals gute Preise gezahlt. Unter diesem Gesichtspunkt kann der Verkäufer mehr als zufrieden sein.


    Da aber nicht alle der hier "Üblichen Verdächtigen" Gebote abgegeben haben, blieb der Zuschlag für meine Begriffe noch im Rahmen.
    Sieht man die Sache allerdings richtig, ist es, wie schon bayern-klassisch, anführte: Es ist vermutlich nur ein Zufall, dass sich der MR-Stempel "20" auf dem Brief befindet. Dafür sind 572 Euro schon recht viel. Andererseits wird es wohl der einzige Franko-Brief aus dieser Zeit als Vorvertragsbrief mit einem "Zufallstreffer" eines MR-Stempels sein!


    Wollen wir mal sehen, bei wem das Stück auftaucht.


    Um zu zeigen, dass es "Zufallstreffer" gibt, die für den MR-Stempel-Sammler sicherlich interessanter sind als der Bamberg-Brief, anbei ein Brief aus München vom 4.7.1862 mit oMR 325 in lilaroter Farbe. Leider bringe ich die Farbe auf dem Scanner nicht so hin, dass das Lilarot besser zu sehen ist. Bezahlt habe ich aber deutlich weniger als der Käufer des Bamberg-Briefes.


    bayern-klassisch hat in seiner Contraventionssammlung ebenfalls einen oMR 325 in schwarzer Farbe als "Zufallstreffer".



    Gruß
    bayernjäger

  • Hallo bayernjäger,
    na, das ist aber ein sehr schöner Portobrief mit oMR!
    Dass der Brief den Empfänger 6 Kr. gekostet hat, ist klar. Aber warum steht da "6/6"?
    Und noch nicht so ganz schlüssig über die Abgrenzung von "Zufallstreffer" gegenüber "absichtlicher MR-Stempelung" bin ich ausserdem. Während man bei Deinem Mittenwald-Brief (Porto) sicherlich von einem "Zufallstreffer" ausgehen kann, hat der absichtliche Abschlag des gMR 20 beim zuvor besprochenen Bamberg-Brackenheim-Brief doch etwas für sich - nämlich die vom PE gewollte Unterstreichung des "Franco"-Status des Briefes nach Württemberg, den er mittels MR-Stempel, der ja der Entwertung von Franco-Marken dienlich sein sollte, dokumentiert hat.
    Ich will hier keinesfalls den Advokaten des ebay-Briefes spielen, aber so ausschliesslich "Zufallstreffer" möchte ich nun doch nicht attestieren...

    Beste Grüsse vom
    µkern

  • Hallo mikrokern,


    6 xr Briefporto / 6 xr Einschreibegebühr, musste beides vom Empfänger gezahlt werden.


    Was den MR "20" auf dem Bamberg-Brief betrifft, bin ich mir mit dem "Zufallstreffer" auch nicht so sicher. Dort ist normalerweise keine Marke auf einem Brief angebracht. Aus Gewohnheit seinen Stempel links oben anzubringen, um die Marke zu entwerten ,scheint ehr zweifelhaft. Es ist doch naheliegend, was Herr Sem schreibt, dass der Stempel irgendwie eine Funktion als Franko-Bestätigung hatte.


    Gruß
    bayernjäger

  • Liebe Freunde,


    auch wenn es nicht wirklich wichig ist - ein Mühlradstempel hatte nichts mit der Demonstration eines Frankos zu tun. In Bamberg war der Stempel völlig egal, weil man ja das Geld kassiert und siegelseitig notiert hatte.


    In Württemberg hatte noch niemand vor dem Eintritt in den DÖPV zum 1.9.1851 einen Mühlradstempel gesehen ...


    Der Brief wurde in der Postkarte als Frankobrief geführt - den Mühlradstempel hat auch sicher kein kartierender Beamter gesehen oder sich für ihn interessiert. Beim Abrechnungsgeschäft war auf die korrekte Erhebung der Gebühren zu achten.


    Er war schlicht obsolet - wie die anderen hier angesprochenen Mühlradstempel auch, oder die BOC/OBC - Stempel nach und von Österreich, die Rhein-Bayern - Stempel bis 1854 und andere auch, die aus Routine oder "Stempelhand ist schneller als Beamtenhirn" zustande kamen.


    Dass solche Briefe reizvoll ist, ist selbstverständlich. Gerade die hohe Anzahl der Mühlradstempelsammler, für die jeder dieser Briefe ein gefundenes Fressen darstellen sollte, fällt als Käufer solcher kleiner Rosinen aber regelmässig aus. Scheinbar ist ein Brief mit Mühlradstempel nicht sammlenswert, wenn es keine Briefmarke dazu gibt ...


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • ... Gerade die hohe Anzahl der Mühlradstempelsammler, für die jeder dieser Briefe ein gefundenes Fressen darstellen sollte, fällt als Käufer solcher kleiner Rosinen aber regelmässig aus. Scheinbar ist ein Brief mit Mühlradstempel nicht sammlenswert, wenn es keine Briefmarke dazu gibt ...


    Na, dafür hat der markenlose Mühlradbrief aber ein ordentliches Sümmchen eingebracht.


    Einen weiteren "besonderen" Beleg - hier leider nur einen Briefteil - habe ich hier:
    Ausschnitt eines Dienstbriefes von Tölz nach München vom 15. Mai 1859, der den Tölzer gMR 525 auf dem rückseitig aufgebrachten Verschluss trägt.
    Sollte wohl die Authentizität und den amtlichen Charakter des mit Siegeloblate verschlossenen Dienstbriefes als "aus Tölz stammend" dokumentieren.

  • Hallo Sammlerfreunde,


    was den Bamberger Postler letztendlich dazu bewog den MR-Stempel auf den Brief zu setzen wird wohl für immer im Dunkeln bleiben. Bayern-klassisch muss ich dann insoweit recht geben, dass es eben ein "Zufallstreffer" bleibt.


    Anbei noch ein Dienstbrief aus Schweinfurt von 1864 mit oMR 479 als "Zufallstreffer".


    Gruß
    bayernjäger

  • Lieber mikrokern,


    schön, dass du mit dem Briefstück dem lieben Schorsch zumindest halbwegs schlaflose Nächte bereiten wirst ... 8o


    Wie du der Absenderadresse entnehmen kannst, schrieb der Posthalter höchstselbst, vermutlich an eine höhere Dienststelle (also entweder das zuständige Oberpostamt in München oder ein vorgesetztes Bezirksamt) und "versiegelte" mit dem Mühlradstempel. Das war bei einigen Postvorständen Usus, sogar in der Pfalz. Man dokumentierte damit nochmals, dass es sich um ein wichtiges Postschreiben handelte und nicht nur um eine portofreie Bagatelle. Auch kommen oft Chargéstempel auf derlei Briefen vor, auch wenn kein Schein gezogen und damit auch keine Nummer vergeben wurde.


    Hallo bayernjäger,


    ein Traumbrief - wer hätte den nicht gerne? Beim Anblick deiner zahlreichen Rosinen aus Schweinfurt fragt man sich allmählich, ob der damalige Expeditor nicht ein früher Verwandter von dir war, der dir später ein paar Traumstücke hat hinterlassen wollen? Schweinfurt war zwar kein Dorf, aber es gibt weitaus größere und bedeutendere Städte in Bayern, die mit einer solch interessanten postgeschichtlichen Vielfalt nicht aufwarten können.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo bayernjäger,


    Nicht böse sein! Aber diese ganzen Postler in und um Schweinfurt könnte ich fast verfluchen. :D Oder sollte ich eher ihre Kollegen in und um Straubing verfluchen? :?: ?(


    Viele Grüße von maunzerle :thumbsup:

    "Ein Leben ohne Philatelie (und Katzen) ist möglich, aber sinnlos!" (frei nach Loriot, bei dem es allerdings die Möpse waren - die mit vier Beinen wohlgemerkt)

  • Hallo bayern-klassisch,


    nein, die Schweinfurter Postler waren keine Verwandten von mir.


    Hallo maunzerle,


    ich habe keine Ahnung was in die Schweinfurter Postler gefahren war. Ich könnte mir aber vorstellen, auch bei anderen Postexpeditionen ging es nicht anders zu. Wie ich schon an anderer Stelle erwähnt hatte, gab es in der Nachkriegszeit mehrere rührige Sammler, die keine Gelegenheit ausließen an ihre Sammelobjekte zu kommen. Deswegen Schweinfurt :) , Straubing :( .


    Noch einen kleinen "Zufallstreffer" aus Schweinfurt, hier jetzt die Franko-Variante (leider ohne Datum).


    Gruß
    bayernjäger

  • Hallo bayernjäger,


    ehe ich mit meinen genealogischen Forschungen beginne, hätte ich noch gerne von dem letzten die Siegelseite gesehen, denn ich lese vorne "verte", also "rückseitig" und demnach müsste doch da etwas zu finden sein, oder?


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Sammlerfreunde,


    ich konnte es nicht lassen wieder einen, wie von bayern klassisch bezeichneten "sinnlosen" Mührladstempel zu kaufen.


    Widerstehen konnte ich deswegen nicht, da sich auf dem Brief nur dieser Mühlradstempel aus Cham vom 17.9.1859 befindet. Ein Ortsaufgabe-Stempel fehlt.


    Zu diesem Brief habe ich eine Thorie, für die ich aber erst noch eine Bestätigung finden möchte.


    Deswegen hierzu meine Frage ans Forum: Wann erfolgte in Cham der Wechsel vom Ortsaufgabe-Stempel Typ 11 b auf Typ 12a?


    Gruß
    bayernjäger



    PS: Ich habe gesehen die Frage von bayern klassisch aus dem vorherigen post wurde noch nicht beantwortet. Dort befindet sich leider nichts, da jemand den Neunerblock 1 xr rosa entfernt hat. :D

  • Hallo bayernjäger,


    feines Stück! Hätte ich auch gerne genommen.


    Du meinst also, dass der Mühlradstempel während der Zeit des Austauschs des defekten Halbkreisers durch einen neuen Stempel aushilfsweise verwendet wurde?


    Wäre denkbar, zumal es von Cham mehrere gibt. Mal sehen, was du heraus findest. Toi, toi, toi von mir. :)


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Bayernfreunde,


    die 4 II Platte 3 auf kleinem Briefstück ist mit einem offenen Mühlradstempel entwertet.


    Der Stempel ist glasklar abgeschlagen. Die Stempelnummer ist - zumindest auf den ersten Blick - die Nummer 115.
    Nur - nachdem Sem-Katalog gibt es keinen offenen MR-Stempel mit der Nummer 115. Ich gehe mal davon aus, dass der Stempel nicht gefälscht ist. Es könnte sich dann um die Nr. 145 von Fürth handeln, bei dem - aus welchem Grund auch immer - Teile der "4" ausgefallen sind.
    Aber evtl. hat jemand eine andere Erklärung?


    Viele Grüße
    bayern-kreuzer

  • Hallo Bayern-Kreuzer,
    m.E. eindeutig oMR 145 (Fürth), mit lediglich schwachem/nicht sichtbaren schrägen Anstrich der mittleren 4.
    Man sieht aber gerade noch den waagerechten Strich an der 4.

    Beste Grüsse vom
    µkern

  • Hallo Bayern-Kreuzer und mikrokern,



    Ich stimme Euch beiden 100%ig zu. Der Stempel ist etwas verkanntet aufgesetzt, dadurch sind Teile nich angegangen.


    Viele Grüße von maunzerle :thumbsup:

    "Ein Leben ohne Philatelie (und Katzen) ist möglich, aber sinnlos!" (frei nach Loriot, bei dem es allerdings die Möpse waren - die mit vier Beinen wohlgemerkt)