Preußen - Württemberg

  • Lieber Bruno,


    bei der 1. Adresse lese ich:

    An

    den ....... Bürger u. Beker Mstr Herr Wintermandel

    Hoch Edelgeboren


    Mit der Berechnung des Portos komme ich bei einem Gewicht von 3 5/8 Loth nicht klar. Woher holt Bayern die Auslage von 77 xr? Kann es sein, daß der Vermerk neben den Auslagestempel 3 Loth bedeutet?


    Dieter

  • Lieber Dieter,

    vielen Dank fuer die Adresse. Mit der Berechnung des Portos, komme ich auch nicht klar. 3 5/8 Loth wurden in Preussen notiert, dann in Wuerttemberg annuliert und mit 3 Loth (neben den) dem Auslagestempel notiert (nachdem nachgewogen wurde).

    Mit lieben Gruessen,

    Bruno

  • Hallo Bruno,


    zum Brief aus Schönfliess:

    Bei einem Gewicht von 3 5/8 Loth lag der Brief in Preußen in der 8. Gewichtsstufe und das einfache Briefporto hätte 4,5-fach erhoben werden müssen. Bei 18 Ggr. wäre der einfache Satz bei 4 gGr. gelegen. Dies kommt wir wenig vor. Da ich jedoch aus dieser Zeit keine Portotaxtabelle der einzelnen Orte habe, kann ich dies nicht belegen.

    Bayern hat 18 gGr. richtig in 1 fl. 17 Kr. reduziert. Auch der bayerische Transit wurde mit 32 Kr. richtig festgesetzt (über 3 1/2 Loth war der einfache Satz von 8 Kr. 4-fach anzusetzen).

    Württemberg hat nachgewogen und kam nur noch auf 3 Loth, weil das preußische Loth nur 467,71 g schwer war, in Bayern und Württemberg jedoch 560 g und 3 5/8 Loth preußisch entsprechen genau 3 Loth württembergisch. Daher wurde in Württemberg richtig 14 Kr. angesetzt (über 2 1/2 Loth = 6. Gewichtsstufe).


    Zum Brief aus Steinau:

    Dieser Brief lag mit 2 3/8 Loth in Preußen in der 5. Gewichtsstufe, daher 7 Sgr. x 3 = 21 Sgr.

    Bayern hätte für seinen Transit jedoch nur 20 Kr. berechnen dürfen, da bis 2 1/2 Loth nur das 2,5-fache von 8 Kr. anzusetzen war.

    Württemberg dürfte wieder nachgewogen haben, denn es wurden nur 15 Kr. angesetzt. Dies war die 4. Gewichtsstufe bis 2 Loth und 2 3/8 Loth preußisch entsprach 2 Loth württembergisch.


    Grüße von liball

  • Lieber Karl,

    auf Dich ist bei Preussen immer Verlass :love: - Vielen Dank fuer die Interpretation der 2 Briefe (besonders die Unterschiede zwischen preussischem und wuerttembergischem Loth waren mir neu).

    Mit lieben Gruessen aus Beirut,

    Bruno

  • Hallo Bruno,


    noch die fehlenden "........." zum Schönfliess-Brief:


    An

    den Berühmten Bürger u. Beker Mstr Herr Wintermandel

    Hoch Edelgeboren


    Viele Grüße

    Gerd

  • Lieber Bruno,


    wer solch schwere Briefe hat (selten!) und von Karl die perfekte Beschreibung und Erklärung bekommt, darüber hinaus von Gerd alles und jedes transkribiert bekommt, der ist ein glücklicher Sammler. :love::love:

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Chasing Sheep Is Best Left To Shepherds

  • Lieber Ralph, Karl, und Gerd,

    nochmals vielen Dank - Ja, Ich bin ein gluecklicher Sammler und sehr froh hier in diesem Forum zu sein - wo jeder hilft (was ja heute auch nicht immer normal ist). Und mit mehr Wissen (Dank Euch), kann Ich ja auch vieleicht in 5-10 Jahren anderen und vor allem juengeren helfen, damit die Altpostgeschichte nicht ausstirbt ;) .

    Mit liebsten Gruessen an Euch alle :* ,

    Bruno

  • ... und letztendlich noch der Text des Steinau-Briefes:


    In Folge geehrten Anschreibens

    Eines Königl. Gerichts=Notariats

    von des Königl. Land und Kreiß-

    Gerichts zu Neumarkt vom 12. Au-

    gust welches uns von gedachtem

    Gericht mitgetheilt worden, über-

    senden wir zur Nachlaßsache des

    Stephan Adam Weimar, Beck,

    wesßenhalben diejenigen kirch-

    lichen Zeugniße, welche den Bru-

    der Waldbarz und seine Schwester

    als Kinder der Halbschwester

    des Erblaßers der vorehel. ge-

    wesenen Seiler Waldbarz Frau

    selbst legitimieren, nemlich

    a. den Taufschein ihrer Väther

    b. deren Todtenschein und Tauf-

    schein der Geschwister Waldbarz.


    Sollte es noch irgend einer

    Versicherung oder sonstigen

    Erklärung der Geschwister

    Waldbarz bedürfen um sie

    völlig als Miterben zu legi-

    timiren,so bitten wir, dies

    ihnen durch uns oder unmit-

    telbar bekannt zu machen.


    Die andere Halbschwester

    des Verschollenen, verehelichte

    Müller geb. Schauwerker,

    lebt nicht mehr, sondern ist,

    und zwar auch nicht(?) zu Fran-

    kenthal, gestorben.


    Es werden deren Kinder, deren

    Zahl und Aufenthalt die Ge-

    schwister Waldbarz noch er-

    mitteln wollen, von diesen

    zur weiteren Wahrnehmung

    ihrer Anrechtsname(?) auf-

    gefordert werden.


    Steinau den 18 Septbr 1840.

    Königl Land & Markgericht.

    Müller


    Viele Grüße

    Gerd

  • Liebe Freunde,


    Heute ein Brief datiert vom 2. März 1824 vom Stadtgericht zu Oels, Schlesien, Preussen (heute Oleśnica, Woiwodenschaft Niederschlesien, Polen), an sein Königl. Wohllöbl. Waißen (?) Amt zu Fellbach ??? ??? im Königreich Württemberg.


    Als Portobrief mit über 1 bis 1 ½ Loth Gewicht, in Oels abgestempelt (Z2 OELS 2. MART.), in Hof mit 8 preussischen Sgr. (oder gGr.?) bzw. 36 Kr. in Auslage genommen (rote Tinte, beide Taxansätze von Hof!), und mit 12 Kr. für den bayerischen Transit (1,5-fache Transitgebühr, 8 + 4 Kr.) in schwarzer Tinte taxiert. Württemberg berechnete 8 Kr. Inlandsporto (6-12 Meilen, 3. Gewichtsstufe), so daß der Empfänger 56 Kr. zu zahlen hatte. Verso: rotes Lacksiegel “STADT-GERICHT ZU OELS”.


    Wer kann mir noch mehr zu diesem Brief sagen?


    Liebe Gruesse,

    Bruno



  • Lieber Bruno,


    der Preusse in Hof hat noch in Gutegroschen gerechnet (Preussen bis 1825, Bayern bis 31.3.1835).


    In deiner Bescheidenheit hast du das wundervolle Absendersiegel fast verschwiegen - ein Traum, dass so etwas Fragiles noch fast 200 Jahre später sich so toll erhalten ist.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Chasing Sheep Is Best Left To Shepherds

  • Lieber Ralph,


    hast du eine Idee, wie Hof auf die Zahl von 36 xr kommt? 8 gGr ergeben meiner Rechnung nach 32 xr. Und wie passt die schwarze 6 in diese Zahlen? Die Aufschlüsselung von Bruno kann ich nicht nachvollziehen.


    Dieter

  • Lieber Dieter,

    Ich hatte mich auch gefragt ob das eine "6" ist oder eine Extension von "Sein" (fuer mich eher das).

    Bin aber fuer jede Moeglichkeit offen.

    Mit lieben Gruessen,

    Bruno

  • Liebe Freunde,


    auf dem Brief stehen 36 und 56, sonst kommt dort keine "6" vor - oder lest ihr "Eine" nicht richtig? Das große "E" sieht oberflächlich betrachtet fast wie eine 6 aus.


    Hof addierte noch stille Transit zu den 8 Ggr. dazu (4x).

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Chasing Sheep Is Best Left To Shepherds

  • Stimmt! ich habe das ausufernde E als 6 angesehen. Aber 4 xr stiller Transit ist mir bisher unbekannt. Damit passt die Rechnung allerdings.


    Dieter

  • noch zur Textseite:


    Ein Königlich Wohllöblich Waisenge=

    richt ersuchen wir ergebenst, uns

    auf unser Anschreiben vom 23. De=

    cember in der Erbschaftssache der

    verschollenen Gebrüder Johann Casper

    und Johann Michael Bärle, mit ei=

    ner baldigen Antwort zu verse=

    hen.


    Oels den 2. März 1824.

    Das Stadgericht.

    Freytag(?)


    An

    Ein Königl. Wohllöbl.

    Waisengericht

    zu

    Fellbach.

    im Königreich Würtemberg


    Viele Grüße

    Gerd