Preußen - Württemberg

  • Hallo Ralph,


    dann wurde "eingeschoben" in Baden angeschrieben?

    Vielleicht wurden die preußischen Taxen in Berlin angeschrieben, denn nach der Instradierungstabelle zum PV von 1834 hätten Briefe aus Pinne in den Paketschluss Berlin-Nürnberg gehört.


    Grüße

    liball

  • Hallo Karl,


    ja, Baden schrieb in schwarzer Tinte, Hof in roter Tinte, Nürnberg in grau-blauer Tinte. Da bleibt nicht viel übrig und diese Vermerke sollte immer der schreiben, der den Fehler (einer anderen Postanstalt) entdeckte ...

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Sammlerfreunde,


    hierzu folgender Teilfrankobrief "Frei bis an die Grenze" (hier Bayern) von Gröningen (Königreich Preußen / ab 1817 Postwärterei / ab 1.7.1825 Postexpedition) nach Marbach am Neckar (Königreich Württemberg vom 30. August 1819. Zusätzlich zum Stempel von Gröningen, stempelte Halberstadt (Königreich Preußen / Postamt). Der Absender, das Stadtmagistrat Gröningen, bezahlte 13 Gutegroschen Franko bis zur bayerischen Grenze. Von da fielen 8 Kreuzer für Bayern und 3 Kreuzer für Württemberg an. Der Empfänger bezahlte 11 Kreuzer Porto. Vom 19.12.1805 bis zum 30.9.1819 war in Württemberg die Post noch eigenständig. Ab 1.10.1819 Thurn und Taxis'sche Lehenspost bis 30.6.1851. Erst ab 1.7.1851 wieder eigenständig. Marbach hatte 1819 noch keine Postanstalt und wurde von Ludwigsburg bedient (kein Bestellgeld vermerkt / evtl. erfolgte die Bestellung durch einen Amtsboten der Stadt Marbach am Neckar).


    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Liebe Sammlerfreunde,


    hierzu folgende Briefhülle aus Königsberg in Ostpreußen (Stempel von 1835 bis 1840 in Verwendung) als Portobrief nach Murrhardt in Württemberg mit Stempel "NÜRNBERGER AUSLAGE" in dem 42 Kreuzer Porto für Preußen und für Bayern 12 Kreuzer wurden darunter vermerkt. In Württemberg kamen weitere 4 Kreuzer hinzu. Dazu sind unten 2 Kreuzer Auslage vermerkt. Diese waren für den Amtsboten aus Backnang als Botenlohn. Außerdem steht dort "dem Amtsboten 1 Gulden. Gesamt kamen genau ein Gulden Porto zusammen.


    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Liebe Freunde,


    heute zeige ich einen Brief aus Neustadt im Regierungsbezirk Oppeln vom 15.7.1838 mit dem Aufgabestempel Feuser 2473/1 "An Herrn Anton Enderle Stadtwirth in Ehingen bey Ulm, Württemberg".


    Der Vermerk 8 "PA" wird ja von Karl und mir als "Post - Auslage" interpretiert und Hof zugewiesen, weil es immer dieselbe Hand in dieser Zeit ist, die ihn in typisch roter, preußischer Tinte anbringt und eine Leitung über Hof und Nürnberg naheliegend ist (Postvertrag Bayern-Preussen vom 1.4.1835).


    Preussen hatte also kein Inlandsporto notiert und dies Hof, dem Abgabepostamt Preussens überlassen. Über Nürnberg, wo man den Auslagestempel auf den reduzierten 28x abschlug, um dann darunter die bayer. Transitforderung von 8x zu notieren, kam er somit mit 36x belastet in Württemberg (unter Taxispost) an, wo er nochmals die Notation "Auslag 36" erhielt. Mit dem württembergischen Inlandsporto von 4x ergab sich ein Gesamtporto von 40x, die links neben der blauen "8" noch zu sehen sind.


    "Lieber Bruder, Weil ich schon lange von Euch entfer(n)t bin, so will ich Euch schreiben, wie es mir auf meiner Reise gegangen ist.

    Ich und ein Schmidt sind 4 Wochen miteinander gereist, wir sind recht gut miteinander ausgekommen; Es hatte aber den einen Tag Geregnet und den anderen ist es wieder sehr heiß geworden, ich hatte zu arg Durst bekommen, ich trank ein Seitel Bier, das war so schlehct, daß ich es habe bald nicht trinken können, in der Nacht hab ich so frieren u. Kopfweh bekommen, daß ich habe ein u. ein halben Tag liegen müßen, es hats dann Gottlob wieder gethan, ich hab dann wieder gehen können, u. hab nichts mehr davon gespiert; Blattern habe ich an den Füßen bekommen, daß ich hab nicht mehr gehen können, ich habe alles mögliche angefa(n)gen daß es wieder gethan hat. Für einige Tage darauf hab ich u. der Schmidt von einander müßen, ich bin nach Wien u. er ist einen anderen Weg. Ich bin allein gereißet, das Geld hab ich im Felleisen gehabt, weil es mich zu sehr gedrückt hat, einmal hatte ich müßen einer in die Kammer legen wo ich gelegen habe. Der hat mir 6 Thaler genommen u. ist fort, dann hatte ich noch einen Thaler u. Guldenstück, ein Thaler gilt in Östreich 2 florin Münze oder 5 florin Schein. Zum Glück hatte ich in Salzburg schon einen Regenschirm gekauft.

    Arbeit habe ich keine bekommen, u. in Wien sind wir unsere fünfundzwanzig Fremde auf der Herberger gewesen, ich habe den Sachsen welcher bey meinem Lehrmeister in Arbeit gewesen ist getroffen. Als ich an die preusische Krenze kamm hat ich kein Reisegeld, da borgte mir ein Fruhmann das Reisegeld, ich gab im die letzte 18 Kreutzer, zum größten Glück habe ich jetzt Arbeit bekommen aber ob ich bleiben aknn, das weis ich nicht, ich bitte Euch schiket mir doch ein Geld, daß ich doch meine Kleider Waschen laßen kann, ich habe auf der Herberge ein Bier getrunken u. etwas gegeßen, u. habe kein Geld mehr daß ich es beazhlen kann. Sciket mir doch ein Geld, wenn ich bleiben kann will ich es Euch lieben wieder zurückschicken, denn wann ich fort muß, hab ich keinen Kreuzer verkaufen wer ich doch auch nichts sollen, ich weiß mir sonst nicht zu helfen. Ich hoffe daß ihr alle Gewund u. Wohl seid. Ich grüße Euch alle vielmal

    Dein Bruder Eduard Enderle.

    Den Stadtwirth u. seine Frau

    Den Mathias u. die Sophie

    Der Franz u. der Vater

    Den Vetter Stephan u. seine Frau

    H..serg u. Andreas

    Meine Kameraden

    Paul Braun

    Wilhelm Probst

    Xaver Schobel

    Kohl Thomas

    Schreibt mir auch wo der Franz ist.

    Meinen Stok lasset nur Zuhaus habet mir auch das Liederbuch auf.

    Schiket es mir sobald als Möglich."


    Diese Reisebeschreibungen sind für mich immer höchst interessant und zeigen uns heute auf, wie das Leben vor noch nicht mal allzu langer Zeit war - so sehr ich die Postgeschichte(n) aus dieser Zeit liebe, ich wollte keine Sekunde damals leben ...