Schweiz-Österreich

  • Hallo Freunde


    Dieser hier gezeigte Brief gehört zu meine kleine Lechtal/Fernpass Sammlung.


    Der Brief ist von Hitzkirch in westlichen Schweiz weiter nach Luzern, Zürich, St. Gallen, Feldkirch, Imst und Reutte vor der Brief in Yannheim gelandet war. 17. Oktober 1853 abgeschickt und 20. Oktober in Reutte gelandet vor der Brief mit ein Bote nach Tannheim getragen war.


    So kommt die Taxfrage. Es ist ein Frankobrief, aber es sieht aus ob es eine Marke oben links geklebt war, und nicht bar frankiert. Rückseitig ist es aber Taxvermerke die an eine Barfrankierung deutet. Die vorderseitig vermerkte 2 ist wohl ein Botenlohn von Reutte nach Tannheim, aber sicher bin ich hier nicht weil ich es so noch nicht gesehen habe.


    Wenn jemand weiss, bitte hier etwas schreiben.


    Viele Grüsse
    Nils

  • Hallo Nils,


    ein sehr interessanter Brief und besser, als er auf den 1. Blick vielleicht aussieht.


    In der Schweiz hat man, von wenigen Ausnahmen abgesehen, 1853 keine Markenbriefe ins Ausland geschickt. Die wurden i. d. R. barfrankiert.


    Das wusste der Absender offenbar nicht, zumal es in der Schweiz ja schon seit vielen Jahren Briefmarken gab. Also frankierte er oben links frontseitig mit einer Marke welcher Nominale auch immer. Die Aufgabepost hat ihm dann erklärt, dass die Marke nur für Inlandsbriefe gelten konnte und er hat die Marke (noch frisch) wieder abgemacht. Dann musste er 50 Rappen zahlen, die siegelseitig mit 9 / 6 Kr. angeschrieben wurden.


    Meines Wissens sind die Quellen in der Schweiz, ab wann mit Marken frankiert werden konnte/sollte, sehr dünn. In jedem Fall ein ganz besonderer Brief. Wenn er jetzt noch über Bayern gelaufen wäre ...


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo bayern klassisch


    Danke für die Antwort. :)
    Zuerst habe ich an eine abgefallene Frankierung gedacht, so wenn es nicht der Fall sein kann, freut es mich sehr.
    Ich sehe rückseitig nur die 50 gestrichen und ein 6 oder 9. Es kann aber sein dass es 6/9 gemeint war.


    Übrigens habe ich dieser Brief gekauft weil es den rein österreichischen Laufweg so gut darstellt. (Obwohl einige Stempeln besser sein konnte.)


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Hallo Nils,


    wenn man den Brief auf den Kopf stellt, ist es egal ob man 6 / 9 oder 9 / 6 schrieb - in jedem Fall 9 Kr. für Österreich und 6 Kr. für die Schweiz.


    Der Laufweg wird sehr gut demonstriert - dafür hast du ihn gekauft und einen besseren soll erst einmal einer zeigen. Ich könnte es nicht ...


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Freunde,


    auch wenn man sich über 10 Jahre speziell mit der CH und dem Postverein beschäftigt, gibt es auch auf diesem doch scheinbar so ausgelutschten Gebiet immer mal wieder etwas neues.


    Ein Brief, der keine Schönheit ist, aus Wohlen vom 12.5.1858 stammt von der Firma Isler, die uns über 56.000 Briefe hinterlassen hat, aber nur an ihn, nicht von dieser Firma.


    Im Aargau, also der westlichen Schweiz, brauchte man sich keine großen Gedanken zu machen, wohin der Brief in den Postverein lief, da man dort regelmäßig seine Briefe an Baden gab über Basel. Diesen gab man aber nach Zürich und über Zürich - Lindau hätte man via Bayern nach Österreich versenden müssen, wofür aber 6x für die CH anzusetzen gewesen wären. Auch ein direkter Austausch mit Österreich hätte immer 6x für die Schweiz nach sich gezogen. Via Baden waren nur 3x Taxe anzusetzen, wie es hier auch rechts mit großer, roter Schrift zu erkennen ist.


    Da der Zielort Wien war, mithin über 20 Meilen im Postverein an Strecke zurück zu legen waren, notierten Badens Bahnpost gleich 12x in blau, der typischen Farbe der badischen Bahnpost. Der Curs II mit Stern kam auf der Strecke Karlsruhe - Heidelberg auf den Brief und hier haben wir schon das Problem, denn warum schickte man einen Brief in das südöstliche Wien über Heidelberg? Weitere Stempel nach dem 14.5. von Heidelberg gibt es keine, nur den Ankunftsstempel von Wien vom 16.5.. Der weitere Verlauf seiner Reise ab Heidelberg ist mir nicht geläufig.


    Möglichkeiten gibt es folgende:


    1) Über Frankfurt -Kassel - Eisenach - Leipzig - Bodenbach - Prag?
    2) Mit der Kutsche nach Würzburg und dann über Nürnberg - Hof - Bodenbach - Prag - Wien?
    3) Mit der Kutsche nach Würzburg und dann über Nürnberg - Augsburg - München - Kufstein?


    Wie auch immer, wiederholte Wien die 12x in Rötel, um ganz sicher zu gehen, dass die im schwankenden Zug von Baden notierten blauen 12 nicht falsch interpretiert werden.

  • Hallo bk,


    es gibt in Richtung der merkwürdigen Laufstrecke zwar einige "Sonnenbergs" (so wie auf der Briefvorderseite u.a. geschrieben) und die auch über der 20-Meilen-Zone des DÖPV, aber ein derartiger Irrtum des badischen Bahnpostdienstes ist wohl eher unwahrscheinlich. Möglicherweise gab es Behinderungen auf der normalerweise genommenen Strecke der Allgäubahn, so dass deswegen umspediert werden musste ?


    Der Umweg ist aber schon krass !



    + Gruß


    vom Pälzer

  • Hallo Pälzer,


    theoretisch wäre das denkbar, aber dafür ist mir "Wien" zu deutlich geschrieben, als dass man "Sonnenberg" für den Zielort gehalten hätte.


    Baden hatte schon 1857 angewiesen, dass Korrespondenzen nach Italien (auch österreichisch - Italien) aus Gründen der Schnelligkeit über Bodenbach - Prag zu leiten waren. Ob man aber Wien dazugezählt hat, ist natürlich eine weitere Frage ...

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Grüß Gott remstal,


    der Reisende Naegeli war wieder unterwegs - finde ich klasse. Solche "unerkannten" Stücke sind das Salz eine Sammlung. Leider kein bayerischer Stempel vorhanden, sonst hätte ich dir ein unmoralisches Angebot unterbreitet ... ;)

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • liebe Forumsfreunde,
    dieser Beleg aus meiner Sammlung Tarife aus der Schweiz in den D.Ö.Postverein wirft Fragen auf. Er lief am 18. März 1864 von St. Gallen nach Bregenz, freigemacht mit 5 Rappen. Die Distanz zwischen St. Gallen und Bregenz beträgt ca. 30 km, liegt also innerhalb des zu dieser Zeit geltenden Grenzrayons von 5 Meilen. Ein Brief hätte also 10 Rappen gekostet, auch nach eingehender Betrachtung sieht es nicht so aus, als ob eine Marke abgefallen wäre. Im Zumstein Spez. Katalog ist nun als Taxe für eine Drucksache 5 Rp. vermerkt, ebenso Richard Schäfer in " Briefpostverkehr Schweiz - Ausland". Das würde also stimmen. Aber: Der Beleg ist auf der Rückseite und innen handschriftlich beschrieben, wobei es fast so aussieht, als ob der Umschlag irgendwann später als Konzept für ein Schreiben verwendet worden wäre. ( Ich musste die Inneseite beim Hochladen auf 2 Seiten verteilen ).
    Sollte hier wirklich eine DS im Grenzrayon vorliegen, wäre es die erste aus der Zeit des Vertrags mit dem D-Ö-Postvereins die ich je gesehen habe.
    Kann mir jemand Erklärungen liefern ?

  • Hallo remstal,


    meine Meinung hierzu: Ein Siegel ist nicht zu erkennen. Die Distanz beträgt 29 km. Der Grenzrayon galt damals bis 5 geographische Meilen. 5 mal 7,4 = 37 km, demnach war es ein Poststück im Grenzrayon.


    Eigentlich hätten Belege des Grenzrayons mit R.L. für Rayon Limitrophe gestempelt werden sollen. Dies hat man hier nicht gemacht. Es könnte also tatsächlich eine DS im Grenzrayon sein und davon gab es schon damals nicht viele. Der Empfänger war Postamentierer und diese bekamen relativ häufig Drucksachen, weil sie ohne Vorlagen ja kaum etwas bearbeiten / schaffen konnten.


    Glückwunsch zu dieser Oberrosine!

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo BK, danke für Deine Einschätzung. Was mir jetzt noch fehlt, ist eine Vertragsgrundlage zum 5 Rp. DS-Porto. Wenn ich den Grundlagenvertrag von 1852 lese, swoweit er mir zugänglich ist, finde ich da nichts.


    Herzlichen Gruß remstal

  • Hallo remstal,


    das ist vergessen worden, in den Vertrag aufzuführen. Das sagen auch meine Schweizer Freunde, die alle Unterlagen haben.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • ... und das macht sie ja weiß Gott nicht schlechter! :P Herrliches Stück - jetzt noch so eine aus der Kreuzerzeit und ich mache dir ein unmoralisches Angebot.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • zu der gezeigten Postkarte nach Hard eine Frage. Meines Wissens gab es für Postkarten im Grenzkreis erst ab November 1921 eine ermäßigte Taxe. Liegt hier eine (unbeanstandete) Unterfrankatur vor ?


    frdl. Gruß remstal

  • Hallo remstal,


    sowohl Michel- als auch Zumstein-Spezial führen eine ermässigte Gebühr für Postkarten im Grenzrayon ab 1.10.1907 auf. Vorher gab es das wohl für Postkarten nicht. Demnach hast du Recht mit der Unterfrankatur, danke für den Hinweis.


    Viele Grüsse
    kantonal

  • Liebe Sammlerfreunde,


    zu der Ganzsache von Heiden (Schweiz) nach Hard bei Bregenz (Österreich) habe ich folgende Anmerkung. Ich denke, daß die GA zuerst in das 7,9 km (Luftlinie) entfernte Au (Schweiz) lief. Hard ist ein Ortsteil von Au. Dort wurde der Fehler bemerkt. Über Rheineck (Schweiz) lief sie dann bis Lindau (Bayern), denn ich denke, daß die bereits seit langer Zeit bestehende Postlinie "Lindau-Rheineck-St.Gallen" auch noch 1907 bestand. Von Lindau ging es dann nach Bregenz. Von dort erfolgte dann die Bestellung nach Hard (Österreich).


    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • die Tarife der Postkarten im Grenzrayon werden in den verschiedenen Publikationen unterschiedlich angegeben. Nach dem Sonderdruck ZACK : Posttarife der Schweiz ins Ausland ab 1.7.1875 ist die Taxe hierfür erst ab ab 1.11.1921 mit 15 Rp. eingeführt worden und zitiert eine Postverfügung vom 31.10.1921. Die Herabsetzung auf 10 Rp. ist dieser Quelle zufolge erst zum 1.10.1924 erfolgt.


    Liebe Grüße remstal

  • Bei den vielen Orten mit dem Namen "Hard" kann man schon mal den Überblick verlieren. Nach dem Ortslexikon von 1913 gab es deren 16, wovon einer auch der von VorphilaBayern angesprochene Stadtteil von Au ist.
    Anhand der Stempel lässt sich der Weg der Karte, die im übrigen für eine innerschweizerische Postkarte korrekt frankiert ist, wie folgt nachvollziehen: Heiden (Schweiz), Lindau (Deutschland), Au (Schweiz). Dies lässt den Schluß zu, daß die Karte irrtümlich nach Hard (Österreich) befördert wurde, man hier den Fehler festgestellt hat und die Karte über Lindau nach Au (Schweiz) beförderte. Für eine Zustellung im österreichischen Hard fehlen mir sowohl Ankunftstempel, als auch ein Nachgebührenvermerk.


    Vergünstigter Grenzverkehr nach Deutschland, Frankreich und Österreich bestand laut dem Ortslexikon von 1913 nur für Briefe. Hier besteht offensichtlich noch Aufklärungsbedarf.


    Gruß
    Postarchiv