Ein schöner Rücken kann auch entzücken

  • Hallo zusammen,



    nachfolgend zwei Briefe mit interessanten Rückseiten:



    Nach meiner Beobachtung erstaunlich selten kommen Briefe mit (ehemals) anhängendem Muster vor, bei denen dessen Befestigungsart noch ersichtlich ist. Im vorliegenden Falle befinden sich unter dem unverletzten Siegel noch Reste des Befestigungsfadens.



    Der Umschlag dieses vermeintlich unfrankierten Briefes wurde mit 1 (Ngr.) vorschriftsmäßig rechts unten vortaxiert. Anschließend entdeckte man wohl die siegelseitig angebrachte Frankatur und vermerkte "verte" als Hinweis auf die Rückseite des Umschlages.



    Die beiden Francomarken hatten offenbar zusätzlich die Funktion von Siegelmarken zu übernehmen. Einen zweiten Brief dieser Art habe ich aus Sachsen noch nie gesehen.


    Beste Grüße

    Altsax

    Einmal editiert, zuletzt von Altsax ()

  • Lieber Jürgen,


    Muster ohne Wert-Briefe mit Bindfäden sind nicht häufig - oft wurden die Muster abgerissen und da diese oft mit dem Brief selbst (auf verschiedene Weisen) verbunden waren, blieb danach wenig am Brief selbst übrig. Ein Klassestück!


    Noch einen Tick besser wäre es, wenn man diese Bindfäden hinten zeigen könnte, obwohl vorne nichts von einem Muster anhängend steht ...


    Der 2. ist auch ein Knaller - in Bayern galten diese Briefe als offiziell unfrankiert und hätten nachtaxiert werden müssen wie gewöhnliche Portobriefe. Aber alle mir bekannten Stücke (ca. 7-8) wurden aber am Ende doch untaxiert zugestellt.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Chasing Sheep Is Best Left To Shepherds

  • Lieber Dieter,


    genau - Marken hinten galten als wertlos und waren nicht als Frankomarken zu betrachten.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Chasing Sheep Is Best Left To Shepherds

  • Lieber Ralph,


    ich habe keine Ahnung, wie das in Preußen gehandhabt wurde. Vielleicht weiß Michael das. Bewußt habe ich so einen Beleg jedenfalls noch nicht gesehen.


    Dieter

  • Lieber Erwin,


    hier steht die Frage im Raum: War es erlaubt oder wurde es geduldet? Geben deine Unterlagen dazu Auskunft?


    liebe Grüße

    Dieter

  • genau - Marken hinten galten als wertlos und waren nicht als Frankomarken zu betrachten.

    Lieber Ralph,


    stand das ausdrücklich so in einer Vorschrift?


    In Sachsen war zwar vorgeschrieben, daß die Marken anfangs links oben und später rechts oben auf die Adreßseite zu kleben waren. Abweichungen in der Positionierung wurden aber nach meiner Beobachtung ausnahmslos akzeptiert.


    Die sächsische Postverwaltung drohte erst dann mit dem Strafknüppel, wenn es an ihre Einnahmen ging, also beispielsweise falsch taxiert oder Marken nicht entwertet wurden.


    Liebe Grüße

    Jürgen

  • Lieber Jürgen,


    ja, das galt lt. VO in Bayern 100%ig in der Kreuzerzeit. In der Pfennigzeit, als die Fahrpost mit Marken frankiert wurde, kamen hinten oft Marken als Siegel drauf.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Chasing Sheep Is Best Left To Shepherds

  • hier steht die Frage im Raum: War es erlaubt oder wurde es geduldet? Geben deine Unterlagen dazu Auskunft?

    Lieber Dieter,

    zumindest in der ersten Markenzeit gab es eine Vorschrift, dass Voraus bezahltes Bestellgeld auf der Siegelseite aufgeklebt werden musste.

    viele Grüße
    Erwin W.
    preussen_fan

  • Laut Ausführungsvorschrift sollte die Frankomarken auf der Briefvorderseite links oben befestigt werden.

    Mir ist aber keine Vorschrift bekann, in der es verboten wurde, die Rückseite zu verwenden.

    viele Grüße
    Erwin W.
    preussen_fan

  • Hallo zusammen,


    die Vorgabe, Freimarken oben links bzw. später oben rechts zu befestigen, war eine Sollvorschrift. Alle Ecken des Briefes incl. Rückseite wurden in Preußen zur Freimachung akzeptiert.


    Viele Grüße

    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

  • Lieber Ralph,


    das stimmt nicht ganz, denn "mit Wirkung vom 1. August 1874 wurde zusätzlich angeordnet, daß bei Briefen mit angegebenen Wert die Marken auf deren Rückseite so anzubringen waren, daß sie zugleich einen weiteren Verschluß der Couvertklappen bilden". Die Frankierung der Wertsendungen in Bayern war, wie bei allen Fahrpostsendungen, erst ab 1. Februar 1874 vorgeschrieben. Mit Marken frankierte Wertbriefe aus der Kreuzerzeit auf der Vorderseite sind also nur vom 1.2. - bis 31.7.1874 möglich. Ab dem 1.8.1874 auf der Rückseite.


    Liebe Grüße,

    Hermann

  • Lieber Hermann,


    ich wollte es nicht so ausführlich schreiben - bei der Briefpost waren siegelseitig angebrachte Marken, worum es hier ja geht, nicht zugelassen.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Chasing Sheep Is Best Left To Shepherds

  • Lieber Martin,


    klar - aber es gab auch Briefe mit Muster ohne Wert anhängend, auf denen man es nicht vorne vermerkt hatte. Ich kenne keine Vorschrift, wonach bei Briefen mit anhängenden Mustern dieser Zusatz vorne zu stehen hatte. In der Masse hat man es natürlich vermerkt, keine Frage.

    Der Beweis darüber kann nur über anhängende Schnüre bzw. den Inhalt geführt werden.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Chasing Sheep Is Best Left To Shepherds

  • Lieber Ralph,


    meine Antwort bezog sich auf deine zwei Sätze in Abschnitt 9. Hier könnte evtl. der Eindruck entstehen, daß in Bayern erst in der Pfennigzeit, Wertbriefe siegelseitig frankiert wurden. Dies erfolgte bereits ab 1. August 1874 durch Verordnung.


    Liebe Grüße,

    Hermann

  • Lieber Hermann,


    ich weiß, ich wollte es nur nicht zu ausführlich behandeln. Danke für deine Aufmerksamkeit. :)

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Chasing Sheep Is Best Left To Shepherds

  • Hallo Ralph,


    könnte an diesem Brief aus Lindau nach Chur ein Muster gehangen haben?

    Leider ist es nur eine Hülle ohne Inhalt, die Rückseite ist blank.


    Grüße

    Karl

  • Hallo Karl,


    bei 1 Gulden 30x ist das gut möglich Wenn es keinen entsprechenden Inhalt gibt, wird es aber schwer zu beweisen sein.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Chasing Sheep Is Best Left To Shepherds