Die Poststempel von Delmenhorst - Von 1811 bis 1867 -

  • Es gab in Delmenhorst zwei Departement-Stempel, die mit der französischen Besetzung des Grossherzogtums Oldenburg durch Napoleon Bonaparte am 27. Februar 1811 eingeführt und nur bis Dezember 1813 verwendet wurden (als die französische Besatzung endete) (Orth, die Poststempel von Oldenburg, 1911, S.174, Nrn. 16a und 16b). In Delmenhorst waren dies die ersten Poststempel überhaupt. Davor gab es eher selten vereinzelt handschriftliche Ortsvermerke. Diese (französischen) Poststempel waren zweizeilig und trugen in der ersten Zeile die 129 als (französische) Departementnummer. Dieses Departement 129 war das sogenannte Departement der Wesermündungen („Dep. du bouche du weser“). Portofreie Dienstbriefe erhielten den zweizeiligen Stempel 129 Delmenhorst, portopflichtige Briefe den Stempel P. 129 P. Delmenhorst (Bild 1). Das P.P. stand für Port Paye = Porto bezahlt = Franko.


    Nach dem Abzug der französischen Besetzung im Jahr 1814 "aptierte" man diesen zweizeiligen Stempel. Die erste Zeile des Stempels wurde entfernt, so dass nur noch der Ortsname DELMENHORST übrigblieb (BILD 2). Dieser (französ.) L1 DELMENHORST wurde bis zum Jahr 1830 zum Abstempeln von Briefen (Dienstbriefe und portopflichtige Briefe) verwendet (Orth, S. 174, Nr. 16c). Die Stempelfarbe war schwarz.


    Der kleine einzeilige Langstempel von DELMENHORST wurde erstmals im Jahr 1831 verwendet (Bild 3). Man findet diesen Stempel "normalerweise" nur bis zum Jahr 1858 auf Briefen (Orth, S. 174, Nr. 16d) (BILD 4). Zur Abstempelung von Oldenburger Marken wurde er eher selten eingesetzt. Der Hauptstempel zur Entwertung der Marken war die "Franco"-Stempel, den es in Delmenhorst in zwei verschiedenen (kleinen) Typen (Orth, S. 174, S. 16f.) gab. Beide Franco-Typen bilde ich in BILD 5 und Bild 6 ab. Das Unterscheidungsmerkmal: Der zweite Franco, der ab 1854 verwendet wurde ist etwas schmaler als der erste. Und Type 1 kommt fast nur in schwarzer, Type 2 fast nur in blauer Stempelfarbe vor. Nach meiner Einschätzung sind bis zur Einführung des Ra2 Delmenhorst im Jahr 1856 mehr als 90% der ersten Ausgabe der Oldenburgmarken in Delmenhorst mit diesen beiden Franco-Stempeln entwertet worden. Ab Mitte 1856 gab es als Entwertungsstempel fast nur noch den Ra2 Delmenhorst.


    Es gibt in der Vorphilazeit noch einen weiteren "Franco"-Stempel in Delmenhorst. Orth bezeichnet diesen Stempel als "Dammer Franco", weil es in Damme einen gleichen Franco-Stempel gab (Bild 7) (Orth, S,173, Fn. 55). Orth selbst hat wohl nur einen einzigen Brief mit diesem Stempel gesehen. Es gibt von diesem in Delmenhorst verwendeten Dammer "Franco"-Stempel auf Vorphilabriefen (Bild 8 eine ganze Anzahl. Die Verwendungszeit endete aber jedenfalls Anfang der 1840ern. Heinrich Sander gibt die Gebrauchszeit dieses Stempels von 1826 bis 1841 an (Die Sammlung Heinrich Sanders, 2016, S. 113). Der "Dammer"-Franco-Stempel kommt daher in Delmenhorst nie auf Marken vor. In Damme eigentlich auch nicht, denn hier endet die Verwendungszeit lt. Orth, S.173, (Orth: vidi 1. Nov. 1851). In der Sammlung Lange (Auktion Christian Zieme vom 4. Mai 1990 habe ich den Dammer Franco-Stempel zum ersten Mal auf einem Brief aus dem Jahr 1852 mit einer Oldenburg Nr. 3 II gesehen (BILD 9)


    Einen weiteren kleinen Vorphila-Langstempel "Delmenhorst" (mit einem grossen Anfangsbuchstaben und ansonsten Kleinbuchstaben) habe ich auch bisher nur ein einziges Mal gesehen. In der Sammlung Heinrich Sanders, S. 97 ist ein Dienstbrief mit diesem Stempel abgebildet. Dieser Brief stammt offenbar aus dem Jahr 1835 (so jedenfalls ein vorderseitiger Bleistiftvermerk) (BILD 10).



    BILD 1: Brief P 129 P DELMENHORST: Quelle Sammlung Heinrich Sander

    BILD 2: Fz. L1 DELMENHORST: Quelle Sammlung Heinrich Sander

    BILD 3: kleiner L1 DELMENHORST: Quelle Sammlung Heinrich Sander

    BILD 4: Brief Nr. 2 mit kleinem L1 DELMENHORST: Quelle Sammlung Heinrich Sander

    BILD 5: Brief Nr. 2 I mit schwarzem Franco (Type 1) von Delmenhorst (aus meiner Sammlung)

    BILD 6: Brief Nr. 4b mit blauem Franco (Type 2) von Delmenhorst (aus meiner Sammlung)

    BILD 7: Dammer Franco auf Vorphila; Quelle Sammlung Heinrich Sander

    BILD 8: "Dammer Franco" auf Vorphila Delmenhorst: Quelle Heinrich Sander

    BILD 9: Brief Oldenburg Nr. 3 II: Quelle Sammlung Lange, Auktion Christian Zieme vom 04. Mai 1990, Los-Nr. 714

    BILD 10: seltener Vorphila L1 Delmenhorst: Quelle, Sammlung Heinrich Sander

  • Ab 1839 wurde in Delmenhorst ein einzeiliger Rahmenstempel mit frei unterstelltem Datum verwendet (Orth, S. 174, Nr. 16e, Orth bezeichnet diesen Stpl als KfD). Von diesem Stempel gibt es zwei Typen. Die erste Type (Vorhila-Type) wurde - kurioserweise - ziemlich genau bis 1851 verwendet (BILD 11). Den 2. Typ dieses Delmenhorster KfD findet man auf Briefen ab dem Jahr 1852. Dieser Phila-Typ des KfD (BILD 12) wurde bis 1856 verwendet (Orth, S. 174, Nr. 16e). Diese beiden KfD-Stempel (Bilder 11 und 12) kann man gut unterscheiden. Bei der Vorphila-Type ist der Abstand des Ortsnamens DELMENHORST zum Rahmen grösser, außerdem hat das "S" eine geschwungere Form als die Phila-Type. Warum man in Delmenhorst ungefähr zum Jahresbeginn 1852 einen neuen Stempel einführte, der dem vormaligen KfD sehr ähnlich sieht, ist völlig offen. Auch die Herkunft dieses Stempels ist nicht bekannt.


    Ab dem Jahr 1856 (16. Juli 1856) und auch über das Jahr 1867 hinaus wurde in Delmenhorst der zweizeilige Rahmenstempel Delmenhorst mit Datumszusatz verwendet (Orth, S.174, S. 16i.). Natürlich gibt auch noch den Delmenhorster Häuschenstempel. Hier verweise ich auf meinen gesonderten Beitrag zu diesem Stempel.


    Den kleinen Delmenhorster Langstempel verwendete man ab 1858 oft für Postformulare, wenn die Ortsangabe eingesetzt werden musste. Auch von dem einzeiligen Rahmenstempel mit frei unterstelltem Datum (PHILA-TYPE) wurde der Rahmen und das Datum entfernt (so auch Berger, S. 75), so dass auch dieser Stempel als L1 Delmenhorst für Postformulare verwendet werden konnte (BILD 13).


    Nun kam es in sehr seltenen Fällen vor, dass Briefe und einzelne Marken noch im Jahr 1861 auch mit den Postformularstempeln, dem großen L1 DELMENHORST (aus dem vormaligen KfD) als auch mit dem kleinen L1 DELMENHORST abgestempelt wurden.


    In BILD 14 zeige ich einen Ganzsachenumschlag U2 A aus dem Jahr 1861 mit der Zusatzfrankatur einer Oldenburg Nr. 6a, der mit dem großen L1 DELMENHORST entwertet wurde. Bild 15 zeigt eine Teilanschlag des großen L1 auf einer Oldenburg Nr. 13. Auf dieser Marke habe ich diesen Stempel schon mehrfach gesehen. BILD 16 zeigt den kleinen L1 DELMENHORST mehrfach auf einer Nr. 14 - 3 Groschen - neben einer Nr. 4b mit dem gleichen Stempel. Die Bilder 17 bis 18 stelle ich ein, um die Größenverhältnisse der beiden L1 zu verdeutlichen.


    BILD 11: Vorphila-KfD, Quelle: Sammlung Heinrich Sander

    BILD 12 : Brief Phila KfD mit Oldenburg Nr. 2, Quelle Sammlung Heinrich Sander

    BILD 13: Postschein mit grossem L1 (aus KfD-Phila-Type) (aus meiner Sammlung)

    BILD 14: Ganzsache U2 a mit Oldenburg Nr. 6 und dem grossen L1 DELMENHORST (aus KfD); Quelle: Auktion Christoph Gärtner vom 7.4.2018, Sammlung Peter Zgonc, Los-Nr. 374

    BILD 15: Oldenburg Nr. 13 mit Teilabschlag des grossen L1 DELMENHORST

    BILD 16: Oldenburg Nr. 14 und Nr. 4b mit kleinem L1 DELMENHORST (aus meiner Sammlung)

    BILD 17: Größenvergleich verschied. L1 (meine Sammlung)

    BILD 18: Größenvergleich große L1 DELMENHORST

  • Oldenburg-Sammler

    Hat den Titel des Themas von „Die Poststempel und Abstempelungen von Delmenhorst - Von 1811 bis 1867 -“ zu „Die Poststempel von Delmenhorst - Von 1811 bis 1867 -“ geändert.
  • Eine schöne und kompakte Übersicht mit tollen Bilder - vielen Dank!

    Zur Einordnung der Seltenheit dieser Stempel ist folgendes zu bemerken:


    Der häufigste Stempel von Delmenhorst ist der zweizeilige Rahmenstempel. Dieser wurde ab Mitte Juli 1856 bis 1867 (und darüber hinaus) fast immer zum Abstempeln der Marken benutzt. Davor, von Januar 1852 bis Juli 1856 dominieren die beiden Franco-Stempel als Entwertungsstempel.


    Alle anderen Stempel (L1, KfD, Häuschenstempel) sind selten bis sehr selten zum Abstempeln der Marken verwendet worden. Es sind nicht sehr viele Briefe mit dem kleinen L1 DELMENHORST oder dem Häuschenstempel als Entwertungsstempel erhalten geblieben.


    Richtige Raritäten für Entwertungen sind „Spätverwendungen“ des kleinen L1 DELMENHORST nach dem Jahr 1859 oder auch die Verwendung des großen L1 auf der II. und III. Ausgabe von Oldenburg. Hiervon gibt es nur ganz wenige Exemplare. Der abgebildete kleine L1 auf der Nr. 14 ist sehr wahrscheinlich ein Unikat.