Elbe-Departement

  • Liebe Sammelfreunde


    Magdeburg war wie vielleicht bekannt, die Hauptstadt des sogenannten Elbe-Departemanents.


    Kurz zu den wichtigsten Daten:
    Die Kapitulation Preussens erfolgte am 08.November 1806 ohne große Gegenwehr.
    Ab Dezember 1813 / Januar 1814 schlossen preussiche und russische Truppen Magdeburg ein. Jedoch erst am 24. Mai 1814 wurde die Stadt übergeben.


    Vorallen von Fürst Leopold von Anhalt-Dessau ließ in die Festungsanlagen verbessern und schloß diese im Jahre 1742 ab. Napoleon besucht MD 1812 und besichtigte die Anlagen. Auf seinen Befehl hin wurde Sudenburg südlich vor MD und Neustadt nördlich davon abgerissen und die Anlagen noch weiter verbessert.


    Dies so mal kurz zur französischen Zeit.


    Wahrscheinlich ab März/April 1808 wurden die ersten Stempel hier eingeführt. Bezeichnet werden diese als Postmeister-Stempel, da diese "privater" Natur waren.


    Echte Stempel gab es erst nach dem Circular 44 vom 23. September 1808. Darin wurde aufgeführt, dass die bisher verwendeten Stempel "einzusenden sind" und neue Stempel "zentral von Cassel" ausgeliefert werden sollen.


    Leider gibt es bis heute keine zuverlässigen Aussagen, inwieweit Stempel und wann überhaupt geliefert wurden sind.


    Einer der ersten dieser Stempel von MD ist ein L1. Zeigen kann ich diesen auf einen Brief nach Bordeaux vom 04.02.1810.
    Leider kann ich zu der Taxierung nicht viel betragen, den verstehen tue ich die bis heute noch nicht richtig. :(


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • Lieber Magdeburger,


    sicher kann ich nur sagen, dass es ein reiner Portobrief war, der den nicht häufigen Stempel PRUSSE PAR NEUSS trägt und für den der Empfänger total 26 Decimes zahlen durfte.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Ihr Lieben


    eine Anfrage bei einem Westphalen-Sammler hat zum Brief folgendes ergeben, was ich hier einsetzen möchte:


    Es galt die westphälische Postordnung vom 31.10.1808 (Dekret Nr. 67), da die neue Postordnung vom 30.09.1810 für den Brief (geschrieben Anfang Februar 1810) zu spät ist. Nach Art. 14 der Postordnung mussten die westphäl. Briefe bis zur Ausgangsgrenze frei gemacht werden. Die "80" links oben könnte somit der westphäl. Anteil sein (nach Postordnung 32-40 Meilen bei einem einfachen Brief 80 Centimes). Die Entfernung nach Neukirchen bei Paderborn (das ist der wahrscheinliche Austausch mit Berg gewesen) passt von Magdeburg, da in der Postordnung NICHT nach Luftlinie gerechnet wurde, sondern nach realer Straße. Der Brief dürfte aber dann nur maximal 8 Gramm schwer gewesen sein (mal nachwiegen). 8-12 Gramm kosteten schon das Anderthalbfache. Ich halte die roten Zeichen unter der 80 für die Anteile von Berg, kann ich aber nicht entziffern und sicher sagen.... Die 26 sind der französische Anteil bis Bordeaux. Auch der Anteil von Berg mit drin ist.


    Vielleicht kann der liebe Michael damit etwas anfangen...


    Mit freundlichen Sammlergruss


    Ulf

  • Lieber Ulf,


    der Leitweg deines Briefes könnte so ausgesehen haben:
    Von Magdeburg über das westphälische Grenzpostamt Neukirchen (alternativ käme auch Kassel in Frage) zum Bergischen Postamt Dorsten, dann über Düsseldorf zum französischen Grenzpostamt Neuss.
    Die Taxe von 26 Decimes erhält man, wenn der Brief zwischen 8 und 10 Gramm gewogen hat: 17 Decimes (Taxe von Neuss) x 1,5.
    In der Taxe von 17 Decimes waren 7 Dec. Territorialtaxe für Berg enthalten.


    Viele Grüße
    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

  • Liebe Sammelfreunde


    nachdem in Gemeinschaft der letzte Brief jetzt wahrscheinlich gut beschreibbar ist, sage ich Danke an allen Beteiligten.


    Heute ein weiterer Beleg vom 20. Juni 1811 und nach Herrnhut in Sachsen möchte ich hier zeigen.
    Die Werte interpretiere ich erstmal folgendermaßen: 3 Gute Groschen für Westphalen + 2 1/2 weitere für Sachen ergeben die 5 1/2. Dazu noch 3 Pfennige Zustellgebühr, so daß 5 Gute Groschen 9 Pfennige vom Empfänger zu zahlen war.
    Siegelseitig ist nichts vorhanden.


    Der zeilige Stempel ist der seit dieser Zeit verwendete. Er trägt auch das bisher frühste mir bekannte Verwendungsdatum. Bei späteren Abschlägen ist das "ten." in der Datumszeile meist schlecht bzw. sehr undeutlich.


    Gelaufen wird der Brief wahrscheinlich erstmal nach Halle, von dort weiter nach Leipzig und dann... Wer weis weiter?


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • Liebe Sammelfreunde


    heute nochmals der L1 auf einen kleinen Brief vom 24. Mai 1810 nach Stendal. Zu dieser Zeit wurde das Porto noch nach der Länge des Wege der Postroute berechnet. So mußte der Absender 40 Centimes bezahlen.


    Interessant ist der Inhalt - Teilvorgedruckt und unten ergänzt und soweit ich es verstanden habe eine Mahnung.


    Leider kann ich den Text der Vorderseite links unten nicht entziffern.
    Aus der Anschrift "Den Herrn Maire der Stadt Stendal" würde ich den Bürgermeister bzw. (Stadt) Präfekten vermuten.


    Viele Fragen....


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • Lieber Magdeburger,


    tolles Stück! Ich lese unten links das Wort Justiz Sache. Zum Inhalt müssen sich andere äußern.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Sammelfreunde


    dieser Brief vom 17. Dezember 1811 von Magdeburg nach Leipzig flog heute bei mir ein.
    Links oben wurde das Gewicht von 11 Gramm notiert. Neben dem Ortsstempel ist auch der Einzeiler "Franco" abgeschlagen worden.


    Der Absender zahlte scheinbar 30 Centimes hierfür, was siegelseitig notiert wurde. Wofür die gestrichene 75??? steht, kann ich nicht sagen. Auch bin ich mir garnicht so sicher, ob er komplett frankiert wurde....


    Ich werde versuchen, es heraus zu bekommen.


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • Liebe Sammelfreunde


    in Hannover konnte ich heute ein paar Stücke für mich bekommen, so diese leider unvollständige Hülle vom 25. März 1811 aus Cassel an den "Herrn Präfekten der Elbe zu Magdeburg". Der vorderseitige Datumseinzeiler dürfte ebenfalls Cassel zuzuordnen sein.


    Siegelseitig der Datums-Ankunftsstempel von Magdeburg vom 29. - dieser wurde später in Zusammenhang mit dem Einzeiler "Magdeburg" in Posting #7 zusammen verwendet.


    Auch der Schreibsschrift-Einzeler Staats_Schatz ist mir bisher unbekannt.
    Vielleicht könnte ein Taxis-Sammler zu Cassel etwas beitragen...


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • Lieber Ulf,


    ich habe gerade mal in dem Münzberg-Band zum Königreich Westphalen nachgeschaut.
    Dort wird der schöne Stempel Staats-Schatz unter den Beispiel-Abbildungen für Stempel geführt, die Portofreiheit bewirkten.


    Viele Grüße
    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

  • Lieber Magdeburger,


    oben links lese ich eine 70, die rot (= preußisch) gestrichen wurde und eine mittige 23 (= preußische Groschen?). Der Empfänger (es gab damals nur porto oder franko, kein Grenzfranko mehr) zahlte 18 Decimes, also ca. 15 Gutegroschen. Dividiere ich 70 durch 3 käme ich auf 23. Wie war das Verhältnis preußischer Groschen zu Decimes?


    Er lief über Düsseldorf - Neuss, welches damals eines der Austauschpostämter war, weil der Rhein als Grenze zwischen Deutschland und Frankreich angesehen wurde.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Bayern Klassisch


    einen ähnlichen Brief habe ich noch gefunden. Er stammt von der 149. Pumpenmeierauktion als Los 4914. Laut Angabe stammt er aus Berlin.


    Da nur die Vorderseite abgebildet wurde und auch nichts weiter notiert wurde, habe ich die Vermutung, dass er in Magdeburg selbst aufgegeben wurde. Als Transitstempel wäre eher "prusse p. m." zu erwarten und nicht das Abschlagen des L1 von MD mit dem entsprechenden Datums - L1.


    Wie auch immer, gibt es Gemeinsamkeiten.
    Links oben ist bei beiden eine 70 notiert worden und auch die 23 ist identisch. Einzig ist scheinbar 19 Decimen Taxe in Bordeaux angefallen.


    Leider kenne ich keine Reduzierungen der Währungen... und wenn ich den Beleg im Postimg #1 sehe und der mir übermittelten Beschreibung glaube, wäre auch an eine Teil-Frankierung innerhalb Westphalens zu denken.


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf


    P.S. Ich werde den Sammler nochmal anschreiben...

  • Lieber Magdeburger,


    ich weiß nicht, ob Teilfrankobriefe damals geduldet wurden (glaube es nicht), aber das bezieht sich auf südlichere Regionen.


    Die Taxen sind tatsächlich alle gleich, bis auf den Endbetrag von 19 Dec.. Ich glaube, dass 3 preußische Groschen 1 Gutergroschen waren oder etwas weniger. Eine sinnvolle Reduktion kann ich aber nicht anbieten ... :(


    Ich hoffe, andere wissen mehr. :)


    Danke fürs zeigen und liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • wäre auch an eine Teil-Frankierung innerhalb Westphalens zu denken.

    Hallo Ulf


    Wer sollte die andere Hälfte bezahlen? Der Franzose?
    Finde ich, wie bk, auch unwahrscheinlich. Aber nicht unmöglich. Man muss es nur belegen, und das wird wohl schwieriger.


    Interessante Briefe ist es so wie so. Diese Zeit ist unglaublich interessant :)


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Hallo Ihr Lieben


    soweit ich weis, gab es keinen Postvertrag zwischen Frankreich und Westphalen so dass durchaus Grenzfrankierungen möglich wären. Zumindestens habe ich nichts wiedersprüchliches in der Postordnung vom 30.09.1809 gefunden.
    70 Centimen reichten für 30 1/4 bis 40 Meilen, wobei eine Meilen mit 9 Kilometer anzusetzen ist. Die direkte Entfernung Magdeburg - Neukirchen beträgt 339 km und wäre somit in diesem Bereich.


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • Hallo Ulf


    So Grenzfrankierung hast du gemeint. Ein Grenzfrankierung habe ich als eine Veraussetzung gehabt. Ich dachte du Teilfrankierung innerhalb Westphalen gemeint hatte. :)
    Ich stimme dich hier dann zu.


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Liebe Sammelfreunde


    einen Postvorschuß habe ich noch und diesmal geht es in diese Zeit. Gelaufen ist sie "An den Herrn Superintendenten Mehlhard zu Egeln", was etwa 26 km entfernt ist. Unten wurde vermerkt: "mit ??schluß Franc 98 Centeder??? 13 Ggr 1/4 Cass(en) Gebühren"
    Verwendet wurde der Zweizeiler vom 01. November und an Hand der Form und Aussehen würde ich hier auf 1811 tippen. (1810 ist mir ein Zweizeiler unbekannt, 1812 ist das "ten." im Datum meist nicht lesebar bzw. fast nicht mehr vorhanden.)


    Ein einfacher Brief kostete nach dem Regulativ vom 30.09.1810, gültig ab 01.11.1810 bei 2 1/4 bis 6 Meilen 20 Centimen. Die Procura-Gebühr betrug 5 Centimen je Franken. (Artikel 79) Hier sind 10 Centimen vermerkt wurden, was dafür spricht, dass auf angefangene Franken u.U. mit berechnet wurden. In Summe wurden nun 208 Centimen notiert. Dazu kamen weitere 60 Centimen.
    Laut Regulativ wurde für die vorgeschossene Geldsumme die Werttaxe herangezogen. Allerdings ist hier erst ab 3 Franken ein Wert aufgeführt und der wäre 30 Centimen bis 10 Meilen.


    Geht man von einem Gewicht von 12 1/4 bis 18 Gramm, sind 30 Centimen Taxe, bei 18 1/4 bis 24 Gramm dann schon 40 Centimen.


    Allerdings ist mittig nochmals ein Gebührenbaum:
    210 Centimen - möglicherweise die Aufrundung Postvorschuß + Procura
    80 Centimen - eventuell eine Korrektur nur hier würde ich noch mehr raten...
    290 Centimen Gesamttaxe


    Allerdings ist in gleicher Farbe 19 Ggr 6 Pfennige notiert worden.
    Rechne ich nur den Postvorschuß um, erhalte ich für einen guten Pfennig 1,2375 Centimen, bei der Gesamtsumme ergibt sich jedoch 1,2393... Centimen. Theoretisch paßt es jedoch schon.


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf