Postbeförderung mit ROPiT

  • Ich bin kein Altdeutschlandsammler und habe praktisch null Ahnung davon. Und so mag es den meisten wohl auch mit Russland gehen. Dennoch möchte ich einmal einen Brief aus der aktuellen Veuskens-Auktion hier zeigen und fragen, was ihr davon haltet.

    Mich hat der Beleg auf den ersten Blick begeistert. Was mir auf den zweiten Blick aufgefallen ist, schreibe ich etwas später - nach euren Kommentaren.

    Los 904 – Veuskens Auktion


  • Okay, da niemand etwas zu dem Levantebrief sagen kann oder möchte, gebe ich mal mein Darstellung ab.

    Ralph fragte, ob die beiden unteren Marken auf den Brief gehören. Meine Frage war eher, ob die obere Marke dazu gehört. Grundsätzlich sind die Marken erstmal falsch nummeriert. Statt Nr. 2 + 3 wäre Nr. 1 + 5 richtig. Dieses ist aber nebensächlich.

    1865 gab die R.O.P.i.T. die ersten Marken aus (Nr. 1 + 2). 1866 (Nr. 3 + 4) und 1868 (Nr. 5 + 6) kamen weitere Marken hinzu. Ab Mai 1868 übernahm die russische Staatspost dann den Postdienst und gab dafür auch eigene Marken heraus. Dieser Brief wurde aber laut Stempel am 19. Juli 1869, also über ein Jahr später befördert. Ob da die R.O.P.i.T. noch Post beförderte? Der am spätesten beförderte mir bekannte Brief mit diesen Marken ist vom April 1868.

    Der Nummernstempel "783" und der Tagesstempel von Beirut - das passt. In über 25 Jahren des Sammelns der russischen Nummernstempel inklusive denen der Levante habe ich noch nie eine solche Mischfrankatur gesehen. Auch die Durchsicht von fast drei Dutzend alten Auktionskatalogen sowie meines Archivs beinhaltete keine solche Frankatur.

    Wie schon geschrieben, gehören die beiden Stempel zusammen. Dennoch wundert es mich, das eine Marke mit dem Nummernstempel und die beiden anderen mit dem Tagesstempel entwertet sind. Entweder werden alle Marken mit dem Nummernstempel und der Tagesstempel dann daneben bzw. auf der Rückseite abgeschlagen oder, auch das gibt es, alle Marken mit beiden Stempeln entwertet.

    Und der Brief hat keine Provenienz. Meine Auktionskataloge reichen bis in die 60er Jahre zurück. Da war der nirgends drin. Und das waren teils Spitzensammlungen. Nicht einmal eine Signatur oder gar ein Attest? Das finde ich schon merkwürdig. Leider prüfen die aktuellen Russland-Prüfer kein Levante.


    Dieses sind nur meine Eindrücke. Jedoch werde ich kein Gebot zu dem Brief abgeben, zu viele Zweifel. Auf das Ergebnis bin ich aber dennoch gespannt.

  • Hallo Schlacki,


    danke fürs Zeigen und Erläutern.

    Deine Bedenken sind nachvollziehbar. Könnten die Marken aber nicht noch gültig gewesen sein? Auch wenn die Staatspost eigene Marken herausgab, hatten die Kunden ja evtl. noch Bestände an Ropit-Marken.


    Wie kamen eigentlich die späteren Briefe von den Auslandspostämtern zustande, die auf den staatlichen Marken Ropit-Stempel aufweisen? Aufgabe in den Büros der Schiffahrtsgesellschaft?


    Viele Grüße

    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

  • Ich weiß nicht, ob die Marken noch gültig waren und ob die trotz Beförderung durch die Staatspost noch verwendet werden durften. Die Stempel wurden weiterhin benutzt, denn ich habe mehrere Marken mit Nummernstempeln. In dem Stempel des Briefes hier steht ja auch nur "Hafen Beirut" und nicht von R.O.P.i.T.. Ein Blick in den Tschilinghirian zeigt den Stempel auch etwas anders. Die Inschrift ПОРТЪ ВЕИРУТЪ ist beim Stempel im Handbuch etwas weiter nach rechts gedreht, so das die Inschrift mittig steht. Bei diesem Brief ist das nicht der Fall.

    Ein weiteres Rätsel gibt mir auch das Porto auf. Eine 30-Para-Frankatur kenne ich nicht. Entweder waren es 20 Para bzw. ein mehrfaches davon oder 1 Piaster. Die Staatspost nahm zu diesem Zeitpunkt 6 Kopeken.

  • Ergebnis einer Nachfrage bei einem Levantespezialisten unter Mithilfe von Rainer: Der Negativstempel von Mossul wurde nur bis 1862 verwendet, also nicht mehr zur Zeit der ersten Levantemarken der R.O.P.i.T.. Eine weitere Anfrage beim Türkei-Prüfer, Herrn Nakri von der AIEP, bestätigte, das solche Fälschungen schon zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges produziert wurden. Damit sind all meine Einwände berechtigt gewesen.