Baden <-> Frankreich

  • Hallo,


    hier ein kleiner Beitrag fuer das Thema Baden-Frankreich. Die Bestimmung der 9 Kr mit der handschriftlichen 6 wurde ja schon eindeutig beschrieben.


    Dennoch moechte ihn Euch vorstellen:
    Der Brief ist an Victor Stempf gerichtet. Kaum etwas zu finden ueber ihn, ausser in franzoesischen Internetseiten.
    Er wurde geboren am 7. März 1841 in Gerusbach im Großherzogtum Baden, kam jung nach Bordeaux und trat in die Geschäfte von Stahl & Cie ein. Ein Aufenthalts in Biarritz hat ihn dazu gebracht, sich für die baskische Sprache zu interessieren.
    Die Beschäftigung mit der Baskischen Sprache wird sein Lebenswerk sein, welches sich in drei Teile unterteilen lässt: In einer ersten Kategorie sind seine Versuche die Sprache zu entziffern. In einer zweiten Kategorie werden Autoren beschrieben; er hat Werke nachgedruckt, ins Deutsche übersetzt und philologisch kommentiert. In einer dritten Kategorie schließlich sind seine Übersetzungen von Dechepare, das von Chaho und von Frédéric Müller. Stempf hat seine Arbeiten (in französischer und deutscher Sprache) in einem Artikel zusammengefasst. Sein kleines Werk “Besitzt die baskische Sprache ein transitives Zeitwort oder nicht” zur Analyse des Verbes in der baskischen Sprache hat nachhaltig die Studien zur Sprache beeinflusst. Seine Übersetzungen sind Pioneerarbeit für die Sprachwissenschaft, was ihn zu einem der ersten Baskologen macht.


    Nun denn, wie ueblich schiesse ich gerne ueber die Grenzlinie der Postgeschichte hinaus.


    LG Andreas

  • Hallo Andreas,


    und jetzt kommtn wir zum interessanten Teil deines Briefes, steht doch auf der Adresse: "mit Briefen d(er)Herren Stahl & Compagnie", so dass der Absender in Mannheim seinem Schreiben noch weitere Schreiben der angezogenen Firma mitgeschickt hat, wobei das Briefgewicht immerhin noch bis 10g betrug, da er mit 9 Kr. bis 1 Loth für Baden und bis 10g in Frankreich wiegen durfte.


    Unter dem Rubrum: Spezialthemen, Sammlungen von bayern klassisch, Briefe mit Briefen


    http://www.altpostgeschichte.c…hp?page=Board&boardID=396


    habe ich (m)eine kleine Sammlung hierzu eingestellt, aus der du vlt. das ein oder andere mehr dazu erfahren kannst.


    Briefe mit Briefen sind alle selten (und die relative Häufigkeit im Forum täuscht darüber nicht wirklich hinweg), teils äußerst selten. Im Auslandsverkehr sind sie naturgemäß noch seltener, als im Inlandsverkehr bzw. innerhalb des DÖPV. Von daher hast du einen guten Schuß getan, den hier zu schnappen, zumal er ja wirklich nicht uneben aussieht. :P:P

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Ralph,
    das hoert sich ja sehr interessant an. Habe ich doch glatt uebersehen, sondern nur als "per Adr." oder aehnlich gesehen. Ab sofort werde ich da aufmerksamer sein.


    Tatsaechlich habe ich einen weiteren Brief in meiner Sammlung, aus Genua nach Kempten an Joseph Anton Riall & Co, 1ten August 1818, siehe Anhang.
    Auf der Briefhuelle ist nichts vermerkt, aber innen fand ich einen Zweiten Brief von 06.Juli ueber Commissionen. Der versandte Brief ist in deutscher Sprache, der innliegende in Italienischer Sprache.
    Da ich nun annehme dass der Brief aus dem Archiv Riall ist und nicht vom Genueser Partner, sollte er meiner Ansicht nach der innenliegende mitgeschickt worden sein. Ob nun Deutsch oder Italienische Sprache, macht ja bei den Graubuendner Haendelshaeuser in Kempten keinen Unterschied. Gerade aufgrund dieser letzten Tatsache und der Datierung mit fast einem Monat Abstand, geben mir den Anlass zu denken dass es sich um zwei Schreiben handelt und nicht um einen zweiten Teil des selben Briefes (sogar die Handschrift ist anders...)


    Der Kreisstempel sieht fuer mich wie ein Auslagestempel aus, aber ich wuesste nicht in welcher Stadt ...
    LG Andreas


    PS: Sorry so endet dieser Brief aber im falschen Thread...

  • Hallo Andreas,


    ein schönes Stück für die Spezialsammlung "Briefe mit Briefen". Ja, deiner fällt da auch rein - wenn es nicht eilig war und man schon mal seinen Informationsteil niederschreiben wollte, aber wusste, dass noch andere (Familie, Freunde, Geschäftspartner usw.) an die gleiche Adresse etwas zu schreiben hatten, ließ man den Brief offen und wartete, bis derjenige bzw. diejenigen ihre "Briefe" hinein geschrieben hatten. Es gibt auch Fälle, in denen erst gesiegelt wurde von Schreiber A und dann Schreiber B noch einen Siegelbrief innen eintütete. Sind beide noch da, ist das natürlich ein kleiner Schatz ...


    Dein Brief wurde in Augsburg geöffnet und das fremde Porto von Österreich in Auslage genommen (14x), dazu mit 3x das eigenen Porto angesetzt und auf das Gesamtporto von 17x ergänzt. Der Absender hatte 5 Soldi bis zur österreichischen Grenze teilfrankiert.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Ralph,
    der Auslagestempel ist somit Augsburg.


    Dein Brief wurde in Augsburg geöffnet und das fremde Porto von Österreich in Auslage genommen (14x), dazu mit 3x das eigenen Porto angesetzt und auf das Gesamtporto von 17x ergänzt. Der Absender hatte 5 Soldi bis zur österreichischen Grenze teilfrankiert.


    Aber wieso sendet man einen Brief ueber seinen Zielort hinaus in den Norden um ihn dann wieder retour in den Sueden zu senden? Eisenbahn gab's ja 1818 noch nicht. Trotzdem was es einfacher?


    LG
    Andreas

  • Hallo Andreas,


    sorry für mein Schreiben - hätte heißen sollen, dass das Briefepaket in Augsburg geöffnet wurde, natürlich nicht der Brief selbst.


    Wenn Österreich einen Kartenschluß zu Augsburg hatte und der bayer. Zielort nicht in unmittelbarer Grenze zu Österreich lag, dann wurden alle Briefe nach bayerisch Schwaben nach Augsburg kartiert (so der Fachausdruck hierfür) und dort erst einmal mit dem Auslagestempel versehen, das fremde Porto notiert, ausgerechnet, wie teuer der Brief für die weitere Strecke war und dann lokal weitergegeben. Hierbei wurde von Augsburg aber berechnet, wie teuer das Porto von der bayerisch-österreichischen Grenze zum Zielort war, nicht etwas von Augsburg aus. Gar kein leichtes Unterfangen also ...

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Dienstsache von Sinsheim nach Schlettstadt 7. AUG 1855


    Stempel Vorderseite

    - Sinsheim 7. AUG

    - BADE - Straßburg 7. AUG

    - Nummernstempel 30


    Stempel Rückseite

    - Bahnstempel E. B. 2. Aug.

    - Strasbourg Bale? 8. Aug

    - Schlestadt 8 AOUT 55


    Den Wermerk würde ich als Arrestdienstsache interpretieren, damit in Baden portofrei.

    Die "30" kann ich leider nicht interpretieren.





    Grüße aus Bempflingen
    Ulrich


    Das Leben ist viel zu kurz um es mit billigen Weinen und den falschen Menschen zu verbringen. (Lebensweisheit, inspiriert bei Goethe) :-)

  • Gerne, wenn er mir noch sagt was das dann bedeutet?

    Grüße aus Bempflingen
    Ulrich


    Das Leben ist viel zu kurz um es mit billigen Weinen und den falschen Menschen zu verbringen. (Lebensweisheit, inspiriert bei Goethe) :-)

  • Hallo Ulrich,


    ein Nummernstempel diente der Entwertung der Marke(n) und gleichzeitig nach dem jeweiligen Poststellenverzeichnis die Zuordnung zum Aufgabeort.


    Taxstempel brauche ich ja nicht zu erklären ...

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • bayern klassisch , Danke


    Ich meinte aber eher die Bedeutung der 30 Centimes, wäre dann die Bezeichnung "Teilporto" richtig?

    Grüße aus Bempflingen
    Ulrich


    Das Leben ist viel zu kurz um es mit billigen Weinen und den falschen Menschen zu verbringen. (Lebensweisheit, inspiriert bei Goethe) :-)

  • Liebe Freunde,


    ein lieber Sammlerfreund bat mich den hier zu zeigen, den er nicht interpretieren kann und der Aufgabeort ist auch unbekannt, also bloß eine leere Hülle mit dem Stempel D´Allemagne, den Präsentationsvermerk von Strasbourg vom 20.9.1787 und gerichtet an einen Herrn Stoeßer, der nah am Markgraf von Baden gewesen sein soll.


    Links oben glaube ich das Gewicht zu lesen, ohne es sicher erkennen zu können und man zahlte wohl 36 Sous Porto. Kann jemand mit diesen Fakten auf eine Entfernung und ein Gewicht bei der Reichspost kommen? Jeder Kommentar wäre hilfreich und ich reiche diesen gerne an ihn weiter.

  • Lieber Ralph,


    meiner Meinung nach gibt es nur 1 Möglichkeit , die französischen Kollegen hier im Forum können dies gerne richtigstellen sollte ich mich irren :


    Tarife von 1759


    Gewicht 1 O 1/4 = 2 Gewichtsklasse


    Hamburg, Lübeck und andere Städte von Deutschland nach Paris = 25 sous

    Paris - Strasburg = 100 bis 120 lieus = 11 sous

    Gesamt = 36


    ich scanne dir noch die Tabellen aus dem Handbuch : les tarifs postaux français 1627-1969

  • Lieber Lulu,


    das hört sich alles plausibel an - ich danke dir schon jetzt für die Tabellen aus dem Handbuch. Klasse! :thumbup::thumbup:

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Sammlerfreunde,

    das Standardporto von 9 Kreuzern lässt sich auch vortrefflich mit einer wohlfeil zu erwerbenden

    Ganzsache darstellen, wie hier im Beispiel vom 20. Mai 1865 mit 3 Kreuzer für Baden und

    6 Kreuzer Weiterfranko für Frankreich gezeigt,

    beste Grüße

    bayernalbi

    Einmal editiert, zuletzt von Bayernalbi ()

  • ... bitte schreib nicht "für den Postverein". Das war ein Postvertrag Badens mit Frankreich, der genau Null mit dem DÖPV zu tun hatte. 3x für Baden und 6x für Frankreich.


    Ansonsten nettes Teil.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus