Sachsen - Bayern - Württemberg

  • Liebe Freunde,


    folgenden Brief möchte ich heute vorstellen.


    [Blockierte Grafik: http://s3.imgimg.de/uploads/IMG00045b9f9d7djpg.jpg]


    Geschrieben und aufgegeben wurde er am 17.4.1820 in Schneeberg (schöne Verdoppelung des "E" um Platz zu sparen!). Für mich nicht ersichtlich war das Inlandsporto von 3 Ngr., welches in Hof mit 12 Kr. in Auslage genommen wurde. Bayer wog ihn und befand ihn zwischen 1/2 und 1 Loth schwer, so dass der bayer. Transit mit 1,5 x 8 Kr. = 12 Kr. unter die Auslage notiert wurde. Mit 24 Kr. (oben rechts) belastet lief ein in Württemberg ein. Für Württemberg kamen weitere 8 Kr. dazu, so dass der Empfänger des Briefes am 20.4.1820 total 32 Kr. zu berappen hatte.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    „Keine Unterwerfung ist so vollkommen wie die, die den Anschein der Freiheit wahrt. Damit lässt sich selbst der Wille gefangennehmen.“

    Jean-Jacques Rousseau (1712–1778)

    Einmal editiert, zuletzt von bayern klassisch ()

  • Hallo bayern klassisch,
    als Sachsen-Laiensammler habe ich in den mir vorliegenden Papieren mal nachgeschaut. Mich hatten die 12 Kreuzer im Auslagestempel überrascht. Auch wenn Sachsen damals noch in Guten Groschen rechnete,
    bei einem Brief von Schneeberg nach Bayern hätten nur 5 Kreuzer im Auslagestempel gestanden. Das wäre der Portoanteil bis Hof. Laut dem Vertrag, der am 1.3.1811 in Kraft trat, erhielt Sachsen für Briefe nach Italien, der Schweiz, Württemberg und dem südl. Baden aber den Portoanteil bis Nürnberg! Somit ist der hohe Betrag von 12 Kreuzern sächs. Portoanteil erklärbar. Die Aufgabepostämter in Sachsen taxierten wohl solche Briefe nie, sie überließen es immer Hof.
    Beste Grüsse Bernd

  • Lieber bayern klassisch,


    ein herrlicher Brief.
    Herzlichen Dank für das Zeigen und Beschreiben. Kann dazu zwei Portobriefe zeigen:
    Schneeberg nach Oberzwieselau vom 1. April 1846 und von Reichenbach nach Backnang vom 10. Mai 1846. Von Schneeberg bis Hof wurden 5 Kr. - und von Reichenbach bis Hof im Hofer Auslagestempel 4 Kr. vermerkt. In Bayern fielen jeweils 8 Kr. an. Beim Brief nach Backnang weitere 4 Kr. für Württemberg und 1 Kr. Bestellgeld in Backnang, also gesamt 17 Kreuzer.


    Liebe Grüße von VorphilaBayern

  • Liebe Freunde,


    vielen Dank für eure Kommentare, die sich mit meinen Erfahrungen decken und für die schönen Briefe, die sicher nicht schlechter sind, als meiner.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    „Keine Unterwerfung ist so vollkommen wie die, die den Anschein der Freiheit wahrt. Damit lässt sich selbst der Wille gefangennehmen.“

    Jean-Jacques Rousseau (1712–1778)

  • Liebe Freunde,


    heute zeige ich 2 interessante Briefe aus dem sächsischen Auerbach via Bayern nach Cannstadt in Württemberg.


    Der 1. Brief datiert vom 29.7.1838 und war adressiert an: "An das wohlweise Stadtschuldheisamt und deren Director Herr Stadtschuldheis Idler Wohlgeb(oren) in Cannstadt / Würtemberg /".
    Er wog 1 Loth (oben links) und wurde von Hof in seiner Eigenschaft als sächsisches Postamt mit 10 Kreuzern (rote Tinte) für Sachsen erkannt. Auf diesen schlug man in Hof seinen Auslagestempel ab. Darunter vermerkte man 12 Kr. für Bayern, die zeigten, dass er mit 1 Loth 1,5fach schwer war (8 Kr. für einfache, bis 1/2 Loth leichte Briefe mal 1,5 = 12 Kr.).


    In Württemberg (unter taxischer Postverwaltung) wurden diese beiden Portoteile mit 22 Kr. neu angeschrieben und die eigenen Taxe von 8 Kr. darunter gesetzt, so dass sich jetzt total 30 Kr. (oben links) als Gesamtporto ergaben.


    Württemberg notierte mit 1 Kr. Botenlohn in typischer Rottinte unten links den Gesamtbetrag von 31 Kr. an und kassierte diese am 2.8.1838 ausweislich des Ankunftsstempels von Cannstadt.


    Später wurde der Brief innen beantwortet und an den Absender, den "Musikus I. Ch. Heckel in Auerbach" frankiert abgeschickt und neu versiegelt. Wie der Brief dann aussah, kann man sich vorstellen, wenn man beide Seiten rückseitig umklappen würde, was ich dem guten Stück ersparen möchte. Auf der hier rechten Seite sehen wir die Beträge 16 / 12 / 28, die nun in umgekehrter Reihenfolge bezahlt worden waren.


    Der 2. Brief lief nur in eine Richtung - von Auerbach am 2.12.1838 nach Cannstadt. Weil ihm, wie dem 1. auch schon, ein Schuldschein innen beigelegt worden war, sehen wir jetzt etwas andere Taxen bei diesem Portobrief:


    16 Kr. Auslage von Hof in dort typischer "preußischer" Violett-Tinte, gewogen mit 1 3/4 Loth oben links in der Gewichtsstufe 1 1/2 bis 2 Loth (4. Gewicht), so dass in Hof für Sachsen auf 16 Kr. erkannt wurden, auf denen der Auslagestempel abgeschlagen wurde. Dazu für Bayerns Transit 16 Kr. (8 + 4 + 4 nur als 3. Gewicht!) = 32 Kr. Portoauslagen an der württ. Grenze. Dazu kamen jetzt 10 Kr. für Württemberg, so dass wir eine Gesamtportoforderung von 42 Kr. in Rötel notiert sehen. Auch hier kam 1 Kr. Bestellgeld hinzu, so dass der Empfänger 43 Kr. am 6.12.1838 zahlen durfte.

  • Hallo Freunde,
    nach langer Abstinenz im Forum habe ich endlich wieder etwas Zeit für alte Briefe gefunden.
    Ich möchte euch einen Brief zeigen, Wo ich mir nicht sicher bin, ob ich richtig liege.
    Er lief von Dresden nach Buttenhausen im Königreich Würtemberg. Am 26. XX 1826 oder 1836. Leider ist der Stempel von Dresden nicht so deutlich.
    Auslagestempel Nürnberg. Sachsen wurden 9x berechnet. Bayern verlangte 8x. Hoffe, ich liege da richtig. Zusammen 17x, rechts oben. Würtemberg verlangte 4x- zusammen 21, links, zuzüglich bestellgeld 1x. Zusammen dann 22x.
    Liege ich damit daneben?
    Beste Grüße
    Torsten

  • Hallo Torsten,


    schön wieder mehr von deinen Schätzen zu sehen! :)


    Dein Brief sollte von 1836 sein, wenn ich mir den Auslagenstempel von Nürnberg anschaue - und die blaue Tinte von Nürnberg.


    Die Taxen (hast du klasse gemacht!) sind alle richtig beschrieben. Die sächsische Kutsche fuhr bis Nürnberg und kassierte hierfür 9 Kr., was eine Besonderheit war nach dem Postvertrag von 1811 Bayern - Sachsen, denn damit bezog sie auch das Porto auf einem recht langen Weg in Bayern.


    Dein Brief war einfachen Gewichts bis 8,75g. Wo er von Bayern nach Württemberg lief, kann ich aber nicht sagen - es gab viele Dutzend Übergänge.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    „Keine Unterwerfung ist so vollkommen wie die, die den Anschein der Freiheit wahrt. Damit lässt sich selbst der Wille gefangennehmen.“

    Jean-Jacques Rousseau (1712–1778)

  • Hallo Ralph,
    danke für deine Antwort. Noch eine kurze Frage. In den Beiträgen vor mir wurden Briefe - Sachsen nach Würtemberg- gezeigt, die einen Auslagestempel von Hof bekamen, von dir einer aus Schneeberg und aus Auerbach. Sehr interessant, da ich direkt dazwischen wohne. Wann ging es über Auslage Hof und wann über Auslage Nürnberg, wie bei meinem Brief. Kam es da nur auf den Postweg an, von wo der Brief grade abgeschickt wurde?


    Lieben Gruß
    Torsten

  • Hallo Torsten,


    entscheidend war das Datum der Postaufgabe bzw. der Postabgang. Die kleineren Poststellen durften keine Postkarten stellen und mussten ihre Post, wenn sie nicht gerade im direkten Austausch mit fremden Poststellen standen, größeren, sog. "kartenstellenden" Poststellen zukartieren. Je nachdem, wann die Post dann dort ankam, sandte man sein Briefepaket nach Hof oder Nürnberg, daher gibt es beide Varianten häufig.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    „Keine Unterwerfung ist so vollkommen wie die, die den Anschein der Freiheit wahrt. Damit lässt sich selbst der Wille gefangennehmen.“

    Jean-Jacques Rousseau (1712–1778)

  • Hallo,
    ich möchte euch noch einen Brief zeigen von Sachsen nach Würtemberg. Der Brief datiert vom 29.Juni 1819 und ist ein Portobrief. Absender ist der Bürgermeister und Magistrat der Stadt Leipzig. Adressiert war er nach Ebhausen, Leitwegangabe "über Nürnberg".
    Im Hofer Auslagenstempel stehen 14kr. für Sachsen, darunter 12kr. für Bayern (zwischen 0,5 und 1 Loth Gewicht )
    In Würtemberg wurden dann zu den 26kr. für Sachsen und Bayern noch 9kr. für die thurn und taxische Postdazugerechnet-- insgesamt dann 35kr.
    Warum wurden nochmal 3kr. angeschrieben, 35kr. gestrichen und dann aber rechts oben nochmal 35kr. angeschrieben?
    Vor lauter Taxvermerken kann man kaum noch die Adresse lesen :S
    Einen schönen Abend
    Torsten

  • Hallo Torsten,


    der Auslagestempel kam nicht in Hof auf den Brief, sondern in Nürnberg, ganz wie es der Absender wünschte.


    Die 3 verstehe ich auch nicht - manchmal hatte man bei diesen Berechnungen seine Probleme, obwohl das noch ein eher einfacher Brief ist, wenn auch nicht im Gewicht. ^^


    Maßgeblich waren die 35, die sich dann doch als richtig erwiesen.


    Stell dir mal vor, du hast 30 Minuten Zeit und von den Bayern wird dir ein Briefepaket angeliefert, in dem 50 oder 60 solcher und noch problematischerer Briefe drin sind - du musst die Briefe einzeln zählen, die Porti, mit denen du von Bayern belastet wirst, auf den Briefen einzeln aufaddieren, dieses Ergebnis mit dem in der bayerischen Briefkarte vergleichen und stellst dann fest, dass vlt. 2 oder 3 Briefe anders taxiert hätten werden müssen (also immer zuviel verlangt) und darfst dann den ganzen Salat korrigieren.


    Dann darfst du deine Rechnung an die verschiedenen Poststellen in Württemberg selbst zusammen stellen, deine Entfernungs- und Wiegeergebnisse anhand der Meilenzähler ausrechnen, die Ergebnisse auf die Briefe summarisch übertragen, die Summe all dessen je nach gewähltem Kartenschluß in jeweils einer eigenen Briefkarte aufaddieren usw. usw..


    Ich denke, dass jeder Brief, der wie deiner aussieht, ein beredt Zeugnis davon ablegt, warum die damalige Fehlerquote hoch sein musste und es dann in den folgenden Jahrzehnten immer einfacher werden musste, bis endlich der Weltpostverein auch mathematisch simpel gestrickten Leuten diese unseligen Rechnereien abnahm und vieles erleichterte.


    Etwa off-topic: Es wäre vlt. gar nicht mal so dumm, einen Rahmen zu zeigen, der chronologisch so alle Formen der Versendung von Briefen in das Ausland zeigt, wie sie vorkamen:


    1. Ein Botenbrief noch ohne Involvierung der Post, da es die noch nicht gab.
    2. Ein früher Brief unter Zuhilfenahme des Postdienstes.
    3. Ein Brief mit noch nicht aufeinander abgestimmten Postverträgen.
    4. Ein Brief mit aufeinander abgestimmten Postverträgen (wie der hier).
    5. Ein Brief aus der Zeit der frühen Gemeinschaftsverträge (Baden - Bayern, Bayern - Österreich, Baden - Österreich, Taxis - Österreich usw.).
    6. Ein Postvereinsbrief usw..


    Und wenn einer nicht reicht, dürfen es auch 2 sein - einer franko, einer porto, gerne noch ein teilfrankierter. Das hätte schon etwas, denke ich.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    „Keine Unterwerfung ist so vollkommen wie die, die den Anschein der Freiheit wahrt. Damit lässt sich selbst der Wille gefangennehmen.“

    Jean-Jacques Rousseau (1712–1778)

  • Hallo,


    nach meiner Meinung handelt es sich bei der 3 um die sächsische Forderung von 3 Ggr., die in Nürnberg in 14 Kr. reduziert wurden.


    Grüße von liball

  • Hallo Torsten,


    nicht angeschriebene 3 Groschen für Sachsen, die das sächsische Postamt in Hof mit 11x in seinen Auslagestempel schrieb (3 mal 3,5x gerundet auf 11x).


    Bayerns Transit war aber 8x, nicht wie hier nur 6x. Hof hat schlecht gerechnet. 4x für Württemberg = 17x, statt korrekt 19x.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    „Keine Unterwerfung ist so vollkommen wie die, die den Anschein der Freiheit wahrt. Damit lässt sich selbst der Wille gefangennehmen.“

    Jean-Jacques Rousseau (1712–1778)