Fahrpost in Bayern

  • Hallo zusammen!


    Diesen Fahrpostnachnahmebrief der Postablage Roth sah ich eigentlich als Beifang zu einem anderen Brief an, aber als ich den Brief in den Händen hielt, zeigte sich mal wieder, dass es sich durchaus lohnt, auch mal genauer hinzuschauen. Doch nun der Reihe nach:
    Das kgl. Landgericht Roth schickt einen Brief mit einer Nachnahme von 1 fl 5 xr nach Ellingen. Taxiert mit 1 fl 16 xr, neben dem Nachnahmebetrag Mindesgewichtsgebühr von 6 xr (bis 5 Meilen und 3 xr Prokura, sowie 2 xr wohl für die Zustellung.
    Wenn man den Brief nun umdreht, fällt sofort der Insinuationsvermerk auf. Der erste Postablagenbrief mit Insinuation, der mir untergekommen ist und noch dazu ein Fahrpostbrief!


    Viele Grüße


    kreuzer

  • Hallo zusammen!


    Einen Fahrpostbrief aus der Pfennigzeit hatte ich ebenfalls noch nicht, was sich jetzt aber geändert hat. Dieser Brief lief von Regen nach Deggendorf. Leider lässt sich der Brief nicht zeitlich nher bestimmen, Inhalt ist keiner mehr vorhanden und der Ankunftsstempel nicht lesbar. Bei der Postexpedition Regen hatte man auch einen schlechten Tag und hatte nur die 10 für den Tag im Stempel... Die Postablage wurde 1877 eröffnet, wie lange diese existierte, ist nicht bekannt. Der einschlägige Fahrposttarif galt von 1876 bis 1919, also auch keine echte Hilfe. Aus dem Bauch heraus würde ich aber sagen Mitte der 1880er Jahre.
    Jedenfalls handelt es sich um einen Nachnahmebrief über 1 Mark 70 Pfg, als Taxe 170 Pfg angeschrieben. Hinzu kamen 30 Pfg (Brief bis 75 km 20 Pfg + 10 Pf weil unfrei) und 10 Pfg Prokura (1 Pfg. ja Mark Nachnahme, gerundet auf volle 5 Pfg, jedoch mindestens 10 Pfg), so dass sich insgesamt die angeschriebenen 210 Pfg ergeben. Auch der Rechenweg des Postlers ist schön nachvollziehbar.


    Viele Grüße


    kreuzer

  • Hallo,
    Frage an die Fahrpost-Experten:
    ist es richtig, dass in Bamberg eine "Haupt-Fahrpost-Expedition" bestand? Von wann bis wann? Gab es noch andere HFPE und wo? Worin lag deren spezielle Bedeutung? War eine HFPE immer einem Oberpostamt angeschlossen?

    Beste Grüsse vom
    µkern

    Einmal editiert, zuletzt von mikrokern ()

  • Lieber mikrokern,


    vom Oberpostamt für die Pfalz - Speyer - mal abgesehen, hatten alle Poststellen am Sitz eines Oberpostamtes "Haupt-" vor ihrem Namen, also Hauptbriefpostexpedition, Hauptfahrpostexpedition und Hauptzeitungsexpedition.


    Das war in Bamberg nicht anders. Die "Öffnungszeiten" sind in der Standard - Sekundärliteratur genannt, meine ich.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Ralph,
    heisst das, dass das Attribut "Haupt-" für eine Fahrpostexpedition mithin keine höhere Bedeutung vermittelte, sondern lediglich dem beigeordneten Oberpostamt Rechnung trug? Also keine separate Hierarchie für Fahrpostexpeditionen? Bamberg hatte also fahrpostmäßig keine herausragende Stellung?

    Beste Grüsse vom
    µkern

  • Lieber mikrokern,


    so würde ich das nicht schreiben - diese Poststellen hatten in ihrem Bezirk herausragende Stellungen inne und waren in etlichen Dingen weisungsbefugt bzw. für Teile des speziellen Dienstbetriebs verantwortlich. Wie das Ministerium die OPÄ anwies, wies dieses die untergeordneten Dienststellen an und die Kontrolle über fast alles oblag den jeweiligen Haupt- ..., je nachdem, worum es ging.


    Innerhalb Bayerns war übrigends die Hauptbriefpostexpedition München nochmals hervorgehoben, aber das nur am Rande. Die Haupt- ... waren ausführende Organe der Mittelbehörden (OPÄ) und daher teils Weisungsbefugnisse gegenüber anderen, nachrangigen Poststellen.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo zusammen,


    nachstehender Beleg hat mir so gut gefallen, dass ich den halt auch mal mitgenommen hab`. So ein klein bischen kann man sich an die Taxierung auch als Unkundiger heranwagen, wenn man die vorheringen posts liest. Insofern einmal ein waghalsiger Versuch. Vermutung Nr. 1: Der Beleg (ohne jeglichen Inhalt) stammt lt. AK-Abschlagsfragemt aus dem Jahre 1864.


    Vermutung Nr. 2: 45 Kr waren als Nachnahme zu erheben, die Entfernung von Kirchheimbolanden nach Offenbach a.M. beträgt Luftlinie rd. 73 km = rd. 10 Meilen, so dass ich die Beförderungsgebühr in der 2. Entfernungszone über 8 Meilen auf 10 Kr beläuft, Procura 3 Kr = alles zusammen die oben links aufsummierten 58 Kr, die vom Empfänger zu erheben waren.


    Warum allerdings in der Mitte 51 Kr ausgestrichen worden sind, erschließt sich mir nicht, auch nicht wer, wo, was nun in blauer und in schwarzer Tinte taxiert hat. Hilfe für eine korrekte Beschreibung also dringend erbeten.


    Schönen Gruß


    vom Pälzer

  • Hallo Pfälzer


    wer wann und was taxiert hat, kann ich auch nicht sagen.
    Sicher ist, dass die Taxierung von 45 Kreuzer Nachnahme + 13 Kreuzer Gebühren, wie von Dir richtig angegeben, doppelt notiert wurden.
    Die 51 Kreuzer mittig ergäbe sich, wenn 45 Kreuzer Nachnahme + 3 Kreuzer Procura + 3 Kreuzer Brieftaxe fehlerhaft notiert worden sind.


    Unter der linken oberen Gesamttaxe von 58 Kreuzer ist noch eine 2 vermerkt, welche das Bestellgeld in Offenbach waren.


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • Paket vom 11-08-1865 mit 9 Pfund und 2/10 Loth von FÜRTH nach SÜNCHING
    Die Entfernung dürfte 6 Meilen betragen.
    In Würrtember wären dafür 12 Kreuzer fällig gewesen, im DÖPV 12 Kreuzer, innerbayrisch lese ich hier 11 Kreuzer.
    Sehe ich richtig dass die Bayern hier wieder Ihre eigenen, nicht angepassten, Tarife hatten?
    Siegelseite des Beleges ist blank!

  • Hallo Ulrich


    ich lese als Gewicht nur 9 2/10 Loth und oben ist noch ein Wert fl(orin) 14 angegeben.
    Als Entfernug ermittle ich 143 km = 19 Meilen. Irgendwie paßt da nichts....


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • Hallo zusammen!


    Hier ein hübsches Briefchen von Langenfeld nach Bamberg vom 3. Februar 1840. Es handelt sich um einen Fahrpostbrief, der jedoch (wohl mangels eines eigenen Stempels) mit dem Fingerhutstempel der Briefpost gestempelt wurde.
    Auf dem Brief lastete ein "Postnachschuß" von 2 fl 46 1/2 xr. Der Brief wog 1/2 Loth. Insgesamt waren 3 fl 42 xr zu bezahlen. Leider komme ich mit der Taxierung nicht klar. Es dürfte angefallen sein Porto nach dem Geldtarif (da unter 8 Loth) und einer Entfernung bis zu 6 Meilen von 5 xr Prokura 9 xr (3 xr pro fl), zusammen mit der Nachnahme ergeben sich dann 3 fl 1/2 xr. Fehlen also 41 1/2 xr bei der Rechnung, nur wo?


    Viele Grüße


    kreuzer

  • Würde aber sagen die gesuchte Differenz ist 3 1/2 Kreuzer, ich lese da 3 Gulden 4 Kreuzer.

    Grüße aus Bempflingen
    Ulrich


    Das Leben ist viel zu kurz um es mit billigen Weinen und den falschen Menschen zu verbringen. (Lebensweisheit, inspiriert bei Goethe) :-)

  • Hallo in die Runde


    vielleicht sind 3 Kreuzer Botenlohn und den 1/2 hat man unterschlagen bei der Notierung, oder gar nur 2 Kreuzer Botenlohn und der Gesamtbetrag wurde aufgerundet...


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • Liebe Sammlerfreunde,


    ist dieser Einschreibebrief ein Paketbegleitbrief ?
    Charge Brief von Nürnberg nach Neuötting vom
    1. März 1857. oben vermerkt: "nebst einen Päckchen
    GW bezeichnet".


    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Lieber VorphilaBayern,


    zumindest war es als Begleitbrief so gedacht, aber dann hat man ihn wohl chargiert und mit Marken versehen, was bei der Fahrpost ja nicht gestattet war (bis 31.1.1874).


    Ein außergewöhnliches Stück, zu dem ich dir nur gratulieren kann.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo in die Runde


    es ist ein interessanter Brief!
    Ich lese rechts 6 Loth und meine Frage - reichten dafür wirklich 12 Kreuzer?


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf