Briefe im Orts - und Landbestellbezirk der Aufgabepostanstalt (Ortsbriefe)

  • Liebe Sammlerfreunde,


    ich kann hierzu folgenden Brief zeigen:
    Unfrankierter Brief von Neustadt an der Haardt nach Gimmeldingen
    vom 19. März 1847. An Porto fielen 2 Kreuzer an. Der Kantonsbote
    verlangte außerdem 2 Kreuzer Botenlohn, so daß der Empfänger
    4 Kreuzer zahlte. (Siegelseite vermerkt).


    Liebe Grüße von VorphilaBayern

  • Liebe Sammlerfreunde,


    folgenden Brief möchte ich zeigen:
    Unfrankierter Brief von Haimendorf nach Renzenhof (2,4 km entfernt) vom 3. Mai 1824.
    Der Brief ging nach Nürnberg zur Post (17 km entfernt) und bekam dort den Aufgabe-
    stempel (Zweizeiler Nürnberg). Dann ging der Brief wieder 15 km zurück Richtung
    Haimendorf nach Renzenhof. Der Empfänger bezahlte 4 Kreuzer Porto.


    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Liebe Sammlerfreunde,


    sind Ortsbriefe aus der Vormarkenzeit
    nicht gerade häufig. Aber einen solchen
    mit "Muster ohne Wert" habe ich bisher
    noch keinen gesehen.
    Folgender Brief traf heute ein:
    Ortsbrief aus Kaufbeuren, leider ohne
    Datumsangabe, mit Muster ohne Wert,
    mit 2 Kreuzer Porto, die der Empfänger
    bezahlte.


    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Lieber VorphilaBayern,


    auch nach über 30 Jahren bayerischer PO habe ich kein vergleichbares Stück gesehen - Glückwunsch zu diesem Unikat! :P


    Ich vermute aber, dass der Brief selbst nicht aus Kaufbeuren stammt, sondern von weiter her nach dorthin gebracht wurde. Geht aus dem Inhalt der Schreibort hervor?


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Bayernfreunde,


    der folgende Brief trägt den kleinen Rayon-Stempel " STEIN.R.4." und lief im August 1816 als Ortsbrief im oberbay. Stein.
    Geschrieben wurde er allerdings im 0,6 Meilen entfernten Trostberg. Die Aufgabe erfolgte jedoch in Stein; Trostberg bekamt erst 1851 eine eigene Expedition.


    Zur Seltenheit / Häufigkeit von VP-Ortsbriefen aus so kleinen Orten kann ich leider nichts sagen.


    Selten sieht man jedoch einen VP-Brief, bei dem der "K:D:S:"-Vermerk in der rechten unteren Ecke steht und die Ortsangabe in der linken unteren Ecke. Bei den weitaus meisten VP-Briefen stehen diese Angaben umgekehrt.


    Viele Grüße
    bayern-kreuzer

  • Lieber Bayern-Kreuzer,


    in der VMZ sind Orts- bzw. Lokalbriefe selten. Am "häufigsten" sind noch Dienstbriefe wie dieser hier - Privatbriefe sind mir nur in einstelliger Zahl bekannt.


    In der Frühzeit des 19. Jahrhunderts waren die Postvorschriften noch in vielen Bereichen nicht allgemein geregelt, daher kamen solch seltsame Adressen zustande. In den 1820er Jahren hat man das abgestellt - bis auf die Pfalz, da hat man immer das gemacht, was man gerade wollte.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Sammlerfreunde,


    aus der Vormarkenzeit hatte ich bisher noch keinen
    eingeschriebenen Ortsbrief gesehen, oder täusche
    ich mich. Hier ein eingeschriebener Brief von Bamberg
    vom 26. August 1836 nach "Dahier". Dann nochmals
    aufgegeben als Fahrpostbrief (16 Kr. Auslage) nach
    Kronach. Ein Porto - oder Frankovermerk dieser
    Parteisache als Charge Ortsbrief wurde nicht vermerkt.


    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Lieber VorphilaBayern,


    schon gewöhnliche Ortsbriefe der VMZ sind große Seltenheiten - einen eingeschriebenen gegen Postlieferschein mit Insinuation dürfte ganz nah am Unikat sein.


    Es war sicher kein Fahrpostbrief, auch wenn Auslage da stand, weil dieser Terminus auch für die Gebühren der Briefpost verwandt wurde, die nicht eingezogen werden konnten und daher weiter belastet werden mussten.


    Über deren Höhe wird schwer zu urteilen sein, weil wir nicht wissen, was wofür angesetzt worden war. Die Insinuation kostete damals 4x, der Postlieferschein (egal ob am Ort, oder innerhalb Bayerns) 12x. Damit hätten wir 16x Auslage, die keine Postgebühren waren, sondern dem Posthalter dort zustanden.


    Nimmt man dann 14x Porto an, dann wären wir bei 30x, zu denen 1x Botenlohn kam, so dass die 31x erklärt wären. Wenn es so war, wie ich es annehme ...

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Verehrte Freunde,


    wenn 4 x Insinuationsgebühren irgendwem zustanden, dann einem Gerichtsboten. Postexpeditoren waren in der bayerischen Gerichtsordnung nicht vorgesehen und sie zogen diese Gebühr auch nicht ein. Gerichtliche Insinuationsgebühren wurden immer im Rahmen der Gesamtabrechnung zum Schluss mit allen Sporteln und anderen Gebühren abgerechnet oder gegen ein Depot verrechnet.


    Meine Interpretation ist anders, macht den Brief aber keineswegs schlechter. Dieser Brief wurde zunächst vom Gerichtsboten dem Adam Baumann, Bauernwirt in Bamberg, zugestellt, der als Insinuationsmandatar für die "Gemeindeglieder" von Neundorf (vermutlich das Neundorf bei Mitwitz nahe Kronach) tätig war. Er unterzeichnete eine Rezepisse (selten vermerkt!), nahm den Brief entgegen, strich sich selbst als Adressaten aus und adressierte den Brief neu an den Advokaten Stikl in Kronach. Erst jetzt sah der Brief erstmals die Post, als er dort unter Chargé (4 x) und gegen Postlieferschein (12 x) als Portobrief (14 x, 2. Entfernungs- und 6. Gewichtsstufe über 2,5 Loth) aufgegeben wurde. Dann kam noch der Bestellkreuzer hinzu. Also eher ein Portochargébrief mit Retour-Rezepisse.
    Briefe, die am Ort einem Insinuationsmandatar zugestellt und dann weitergeschickt wurden, sind schon selten. Wenn sie dann auch noch gegen Postlieferschein weitergeschickt wurden und man solch ein Stück ergattert, kann man sich die Finger bis zum Ellenbogen abschlecken.


    Lieber @Vorphila Bayern, wo ziehst du solche Stücke nur immer hervor???


    Viele Grüße aus Erding!


    P.S. Einen Chargé-Brief im Zustellbezirk von Erding (nach Altenerding) habe ich 2013 an Land ziehen können.

  • Lieber Erdinger,


    ja, du hast Recht - die Sporteln durften nicht von der Post eingezogen werden, dann bleiben nur 4x für die Chargégebühr über, um auf die 16x zu kommen (wobei nach der Postvorschrift auch die Gebühr für den Lieferschein stets vom Absender zu tragen war und nie dem Empfänger belastet werden durfte, aber bei einem solchen Brief kommt natürlich alles zusammen). Ein Brieftraum für jeden Bayernsammler. :P:P

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Freunde,


    s. a. #1 hier, kann ich einen weiteren Brief aus Neustadt an der Haardt nach Lambrecht vom 7.10.1841 zeigen, der von der Post mit 2x taxiert wurde und der dann dem Kantonsboten für weitere 2x zum Bestellung übergeben wurde, so dass der Empfänger total 4x zu zahlen hatte.


    Schön zu sehen, dass sowohl der Absender, Firma Dacqué, als auch die Postexpedition in Neustadt (Pfalz) sich beim selben Anbieter von Stempelkissen bedient hatten ... Häufig sind solche Briefe nicht und wer einen erhaschen kann, sollte nicht zögern, auch wenn es mal ein Zehnerle teurer wird, als gedacht.

  • Dazu ergänzend kann ich ebenfalls noch 2 Belege zeigen.


    Die waren zwar schon einmal in einem anderen thread zu sehen,

    aber in diesem Zusammenhang kann man sie durchaus nochmals zeigen.


    Portobrief vom Bankhaus Grohe-Henrich an den Textilfabrikanten Louis Marx in Lambrecht vom 11.1.1842 und Portobrief des Bankiers Lous Daque an das Weingut Lingenfelder in Gimmeldingen vom 30.3.1843. Taxierung jeweils 2 + 2 Kr. wie oben beschrieben.

  • Lieber Klaus,


    sehr schön - habe auch 2. :)


    Hätten wir diese speziellen Pfälzer Korrespondenzen nicht, wäre die Beschäffung dergleichen Briefe äußerst problematisch bis unmöglich. Wir sollten froh sein für jeden, der sich erhalten hat, schließlich waren die 2x für den Posthalter bzw. Postexpeditor reine Annahmekosten, ehe er sie austragen ließ.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Ralph,


    galt der Sondertarif von 2 Kr. nur bei Inlandsbriefen oder auch bei Auslandsbriefen. Beim anhängenden Portobrief aus Kirchheimbolanden nach Creuznach vom 5.1.1829 kann ich nur zwei Zweier erkennen, den schwarzen von Bayern (Kreuzer) und den roten von Preußen mit dem Gesamtporto von 2 Sgr.

    Oder ist die schwarze Ziffer eine 3?


    Grüße von liball

  • Hallo Karl,


    kein einfacher Brief ...


    Ich halte die schwarze Zahl für eine 4x (II x und II x = 4x) und Preussen addierte einen weiteren Groschen dazu, so dass der Empfänger 2 Groschen zahlen musste.


    Dies setzte aber voraus, dass a) ein Kantonsbote involviert worden war, um den Brief nach Kirchheimbolanden zur Post zu bringen und b) es ein Sonderporto von 2x von KIB zur preussischen Grenze gab. Normal wäre ja das Mindestporto von 3x angefallen bis 6 Meilen, aber es gab Sonderporti für Auslandsbriefe von 2x, nur weiß ich nicht, ob das hier auch der Fall war (Pfalz - Baden kannte ja 2x Porti von nahegelegenen Poststellen entlang des Rheins).

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Ralph,


    dass die schwarze Ziffer eine 4 sein soll, darauf wäre ich nie gekommen. Ich habe jedoch einen weiteren Brief aus Kaiserslautern nach Sobernheim von 1821 mit dieser Ziffer und von Kaiserslautern bis zur preußischen Grenze bei Kreuznach waren es etwas mehr als 6 Meilen und daher waren 4 Kreuzer fällig. Handelt es sich vielleicht um eine spezielle pfälzische Schreibweise der 4?

    Von einem Sonderporto für Briefe nach Preußen habe ich noch nie etwas gehört. Auch im PV Bayern-Preußen ist diesbezüglich nichts vermerkt und der Absender des Briefes stammt aus Kirchheimbolanden. Ich vermute eher, dass der Brief in Bayern in der. 2. Gew.-Stufe lag und damit 4 Kr. fällig wurden. Die Zahlen in Rötel sind damit jedoch noch zu klären.