1848 Märzrevolution und briefliche Erwähnung

  • Liebe Freunde,


    heute zeige ich einen Brief aus Hof in Bayern, der am 27.4.1848 von der Firma Wilhelm Poh... an die Firma Heinrich Schmidt in Oelsnitz im Vogtlande gerichtet war und den Absender 6 Kreuzer kostete. Ich kaufte ihn, weil er die große Besonderheit "mit Briefen d(er)Herren Balz & Comp(agnie)" zeigt und Briefe mit Briefen sind ausnahmslos sehr selten.

    Transkribiert man den Inhalt, klingt es für mich aber eher nach einer Kurzbeschreibung militärischer bzw. bürgerrechtlicher Umstände, daher will ich diese euch nicht vorenthalten (und ALLES aus dieser Zeit 1848-49 ist brieflich äußerst selten, weil das Land darnieder lag und man nicht wußte, wie es weitergehen könnte, bzw. ob es so weitergehen konnte):


    "Werther Herr Schmidt !

    Im Auftrage des Herrn Lienhardt soll ich bei Ihnen anfragen, wo Sie die Rechnung vom Herrn Küntzel in Schwarzenbach zugelegt haben, denn dieser war jetzt schon 2 mal da, und wollte sein Geld haben, konnte es aber noch nicht bekommen, da wir die Rechnung nirgends finden konnten. Sie werden wahrscheinlich in jetzger Zeit auch nicht viel zu thun haben, weswegen Sie recht bald einen Abstecher nach hier machen wollen.

    Wir haben jetzt gar nicht viel zu thun, und Herr Prinzing würde Ihre Briefe längst beantwortet haben, wenn nicht das Frei Corps, bei dem Herr Prinzing als Junker ist, mit dem Exerciren fechten schießen etc so viel zu thun hätte.

    Die Fahne des Frei Corps hat Gulden 100 - gekostet und ist mit Seide gestickt.

    Indem ich Ihren Antwort recht bald entgegensehe, grpße ich Sie freundschaftlichst Wilhelm Pon....

    Richter läßt Sie schön wohl grüßen"


    Den Inhalt kannte ich beim Kauf nicht - umso mehr war ich erfreut, ihn kennen zu lernen, zumal auch die Probleme mit Inlagen von Briefen (hier: Rechnungen) erörtert wurden, was man zuvor nur ahnen konnte.

  • Hallo Ralph,


    einfach nur Klasse !


    Wenn ich mich nicht irre, dann ist das ja schon so die pure Ironie, die da den die Wirtschaft verunsichernden und bisweilen lähmenden Geschehnissen entgegen gebracht wurde. Das hört sich jedenfalls ziemlich genervt davon an. Jetzt muss man allerdings etwas aufpassen: Der offenkundig in die Kritik genommene Herr Prinzing war nicht wie man denken könnte ein Revolutionär und Freischärler, sondern offenkundig dem bayerischen Freikorps angehörig.


    Ein solches Freikorps wurde in einer Kopfstärke von rd. 400 Mann von dem damaligen Major der Bayerischen Armee, Freiherr von und zu der Tann-Ratsamhausen (1815-1888) befehligt.


    Der Konflikt um Schleswig-Holstein mit den Gebietsansprüchen Dänemarks löste in Deutschland eine Welle der Sympathie für die „Elbherzogtümer“ aus, die zur Bildung von Freiwilligenverbänden führte. Bei Hoptrup in Nordschleswig gelang dem späteren Generalstabschef der Bayerischen Armee am 7. Juni 1848 ein erfolgreiches Gefecht gegen die Dänen. So von der Zeitschiene Deines Belegs dürfte das hinkommen.


    LG

    Tim :thumbup:

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  • Lieber Tim,


    vielen Dank für die Einbettung meines Briefes in seine Zeit.


    Sensationell fand ich die 100 Gulden Kosten für die Fahne des Freicorps aus Seide - wow, das war viel Geld!

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Ralph,


    da hast du einen guten Kauf getätigt. Mitunter ist der Inhalt interessanter als der Beleg selbst. Ich habe mal einen Kleve-Beleg aus 1814 für kleines Geld bekommen, weil er etwas zerrupft war. Innen war dann ein Steckbrief. :)


    liebe Grüße

    Dieter

  • Lieber Dieter,


    der ist ja von außen klasse, als "Brief mit Briefen" schon eine Seltenheit und mit dem Inhalt aus der Zeit der Märzrevolution von 1848 natürlich ein Knaller - mal macht es die Frontseite, mal die Siegelseite, mal der Inhalt, mal passt alles.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus