NDP-Amerika (Nord, Mittel und Süd)

  • Liebe Sammlerfreunde,

    beim hier gezeigten Brief ist mir Leitweg und Porto nicht klar.

    Der Brief mit (etwas schwachem) F-Stempel aus Bremen vom 30.3.1868 ging nach Mexiko und zeigt einen zunächst unverständlichen Tarif. Wie sind diese 10¼ (oder heißt es 11¼ ?) zu erklären? Und die rote 10 in der Mitte? Oder ist das ein „W“? Der Brief sollte über Southampton laufen, trägt aber nicht den sonst abgeschlagenen Durchgangsstempel von London.

    Eine Möglichkeit ist, gemäß Verfügung vom 16.1.1868: Briefe nach Mexiko via USA kosteten 10¼ Groschen.

    Man findet diesen Tarif auch im Steven (S. 64 und S. 168); dort wird ein 10¼ Gr.-Tarif erwähnt, der ab April 1868 gültig sei und über Aachen/Ostende - Transit UK - nach New York (6 Gr.) und dann mit US-Dampfern in den Golf nach Tampico und/oder Vera-Cruz (4¼ Gr. entspr. 10 US-¢) zur mexik. Küste lief.

    Aber es ist jedoch dagegen zu argumentieren, dass weder von England noch von den USA Bearbeitungsvermerke sichtbar sind. Zumindest in den USA müsste doch der übliche Eingangsstempel drauf sein.

    Welche Erklärungen habt Ihr?

    Viele Grüße,

    Hesse.


    Ei guude, wie?

  • Hallo Dieter, hallo Hesse,


    bei der schwarzen 2 handelt es sich um die Ausweisung der Inlandsgebühren. Der Brief war nur bis zum Ankunftshafen frankiert und für den Weitertransport galten die von mir unter ... ins Ausland #100 (siehe Link) vorgestellten Gebühren und Regeln.


    Die Gebühr betrug in der Tat für Briefe über GB 10 1/4 SGr, wie aus dem Amts-Blatt Nr 4 Verfügung Nr 14 vom 16 Januar 1868 hervorgeht:



    Nicht alle Briefe tragen "Durchgangs- oder Bearbeitungsvermerke" da sie sich meist in Briefbündeln befanden.


    Schönes Wochenende


    Martin

  • Hallo Martin,

    ja, danke, diese Vfg vom 16.1.68 hatte ich ja auch zitiert, aber es stimmt so vieles nicht:

    - wie gesagt, keine Bearbeitungsvermerke, weder "London PAID" noch Ankunft USA

    - ein Stempel "Franco" wie beim Leitweg über Bremen und nicht via Cöln-Verviers

    - und warum sollte man den Brief erst nach Süden schicken und dafür noch 2 Gr. mehr bezahlen als gleich ab Bremen?

    All das waren uns zu viele "Stolpersteine" als dass die Sache klar wäre. Aber Probleme sind ja auch eine Herausforderung!

    Beste Grüße,

    Joachim.

    Ei guude, wie?

  • Hallo Joachim,


    für den Transportweg und das damit verbundene Porto spielen verschieden Gesichtspunkte eine Rolle, die vor allem der Absender beeinflusste:

    1. die vorhandenen Verbindungen, da nicht alle Destinationen gleich regelmäßig bedient wurden

    2. die Geschwindigkeit

    3. die Gebühren


    Der 30.3.1868 war ein Montag, so daß vermutlich die schnellste Verbindung über GB lief. Ich habe keine Quelle mit Kartierungsrichtlinien des NDP. So etwas gab es in Österreich-Ungarn ab 1874, mit genauen Angaben, welcher Leitweg an welchem Wochentag zu nutzen war, um eine gewünschte Schiffsverbindung zu erreichen. Aber in einzelnen NDP-Verfügungen werden verschiedenen Leitwegoptionen bekannt gemacht. (Siehe mein anderes Beispiel für Mexiko Link).


    Es gibt doch noch ein Hinweis: der Rote Franco kommt lt Hansmichael Krug in dieser Zeit nur auf über GB gelaufenen Belegen vor.


    Andere Frage: wie sieht die Rückseite aus ?


    Schönen Abend


    Martin

  • Hallo Martin,

    die Rückseite ist leider leer. Keine Hinweise. Auch keine Ankunftstempel o.ä.

    Beste Grüße

    Joachim.

    Ei guude, wie?