Verspätete Zustellung

  • Der folgende Beleg nach Berlin war ursprünglich ohne Straßenangabe versehen und wurde nacheinander 4 Bestellbezirken zugewiesen, bis er schließlich seinen Empfänger erreichte. Solche Fälle scheinen häufiger vorgekommen zu sein, weil man andernfalls wohl kaum dazu passende Aufkleber hätte anfertigen lassen. Aus meiner Sicht bemerkenswert sind 2 Dinge:


    a) Die preußische Post entschuldigt sich für verspätete Zustellung bei einem Brief, der bereits am Tage nach der Aufgabe in Sachsen seinen Empfänger erreichte.


    b) Trotz der Bearbeitung durch Beamte von 4 verschiedenen Bestellbezirken erfolgt die Zustellung am Tage der Ankunft in Berlin.


    Es wäre interessant, weitere Belege dieser Art zu sehen.


    Welche Bedeutung hat der Stempel "V" (Verspätung?)

    Einmal editiert, zuletzt von Altsax ()

  • Hallo Altsax,


    ein wirklich interessanter Beleg mit 4 Zustellversuchen am 17.12. Das bekommt man auch nicht oft zu sehen. Einen solchen Aufkleber halte ich in einer so großen Stadt wie Berlin nicht für ungewöhnlich.


    beste Grüße

    Dieter

  • Lieber Jürgen,


    der rückseitige Stempel V. steht nach den spärlichen Angaben dazu für Verspätung und richtet sich wohl eher an die Postbeamten als an die Adressaten. Den Stempel kenne ich von Brief- und Fahrpostbelegen. Er kennzeichnete anscheinend Belege, die zu spät ins Postamt kamen, um noch an dem Tag zugestellt zu werden.
    Daher wäre es meiner Meinung nach denkbar, dass dein Brief schon am 16.12. in Berlin ankam (erster Zustellversuch am 17.12. früh morgens).


    Diesen ungewöhnlichen Aufkleber kenne ich nur aus Berlin. Die Stadt wies in diesen Jahren eine extreme Zunahme der Einwohner auf - 1858 ca. 458000 und 1861 ca. 547000 - die bei keiner anderen Stadt so zu beobachten war. Daher auch die regelmäßige Adressierung der Briefe mit Straße und Hausnummer, die so früh und konsequent ebenfalls bei anderen Städten nicht zu finden ist. Anbei ein Beispiel ohne Hausnummer und Involvierung der Meldestellen.



    Gruß

    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

  • der rückseitige Stempel V. steht nach den spärlichen Angaben dazu für Verspätung und richtet sich wohl eher an die Postbeamten als an die Adressaten. Den Stempel kenne ich von Brief- und Fahrpostbelegen. Er kennzeichnete anscheinend Belege, die zu spät ins Postamt kamen, um noch an dem Tag zugestellt zu werden.
    Daher wäre es meiner Meinung nach denkbar, dass dein Brief schon am 16.12. in Berlin ankam (erster Zustellversuch am 17.12. früh morgens).

    Lieber Michael,


    daß der Brief schon am 16.12. in Berlin ankam (Bearbeitung in Adorf 3 Uhr nachmittags), ist nicht möglich. Auf Basis der innersächsischen Verbindungen mit Anschluß an die preußische Bahnlinie Leipzig - Magdeburg konnte er frühestens am 17.12. um 1:15 Uhr morgens in Magdeburg sein. Die dortigen Anschlüsse nach Berlin habe ich nicht recherchiert.


    Interessant wäre zu erfahren, ob und ggf. in welcher Weise für Berlin (und ggf. andere Städte) seitens der preußischen Postverwaltung Straßenangaben verlangt/erwartet worden sind.


    Unter meinen sächsischen Briefen nach Berlin trägt der früheste mit Straßenangabe das Aufgabedatum 18.4.1858. Solche ohne Straßenangabe finden sich, auch auf erkennbar privaten Belegen, bis zum Ende der sächsischen Posthoheit.


    Innersächsische Korrespondenz mit Straßennamen kommt nach Dresden, Leipzig, Chemnitz und Zwickau vor. Eine diesbezügliche Verordnung habe ich nicht finden können.


    In jedem Falle verblüfft die Leistungsfähigkeit ebenso wie das Bemühen um Schnelligkeit der seinerzeitigen Posteinrichtungen immer wieder.


    Beste Grüße und vielen Dank für Deine Informationen


    Jürgen

  • Hallo zusammen,


    danke.


    Lieber Jürgen,


    die "3" in dem Adorf-Stempel hatte ich dem Jahr zugeordnet. Wenn der Brief tatsächlich erst am 17.12. in Berlin ankam, macht der V.-Stempel eigentlich keinen Sinn. Die Verzögerung durch die Adressen-Ermittlung wurde durch den Klebezettel erklärt.

    Bei meinem Brief sieht man, dass dieser Zettel bereits vor den Nachforschungen zur Adressatin aufgeklebt wurde. Da war man noch zuversichtlich; letztendlich wurde der Brief zurückgeschickt, da Fräulein Nanny nirgends gemeldet war.

    Schnelligkeit war oberstes Prinzip bei der preußischen Post. Mir ist kein Beleg bekannt, dessen Beförderung willentlich verzögert wurde. So erklären sich auch unterfrankierte Einschreiben, Wertbriefe etc., deren Annahme gemäß Regularien nicht vorgesehen war.

    Preußische Verordnungen bezüglich Adressierung mit Straßenangabe kenne ich nicht. Vermutlich gab es da einen sehr schnellen Lerneffekt bei den Briefschreibern und die Adressaten in Berlin werden in ihrer Korrespondenz auch entsprechend darauf hingewiesen haben (es gibt da das bekannte Beipiel Farina in Köln).
    Wann Straßennamen erstmalig in Berliner Adressen auftauchen, habe ich noch nicht gesucht. Werde ich bei Gelegenheit mal schauen.


    Viele Grüße

    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

  • Preußische Verordnungen bezüglich Adressierung mit Straßenangabe kenne ich nicht.

    Lieber Michael,


    von Karlfried Krauss bekam ich den Hinweis auf die Verordnung Nr. 289 v. 3. Dezember 1851 (PA Blatt 56/1851 S. 669).

    In ihr findet sich die Anmerkung, daß die Adreßangabe bei Briefen nach Berlin "schon so oft" angeordnet worden sei.


    Das Problem der Adreßermittlung bestand also offenbar schon länger. Begleitadressen von Fahrpostsendungen, deren Aufgabe am Postschalter zwingend war, wurden sogar zur Vervollständigung der Adresse an die Aufgabepostanstalt zurückgesandt. Das geschah bei inländischen offenbar trotz des damit verbundenen Zeitaufwandes, möglicherweise aus pädagogischen Gründen.


    Beste Grüße


    Jürgen

  • Lieber Jürgen,


    klasse, danke für die Verordnung. Ein paar ältere Jahrgänge habe ich, werde da mal nachschauen.

    Die Rücksendung der Begleitadressen erfolgte, da man die Adressen nicht mehr selber ermitteln konnte (so der VO-Text). So eine zurück geschickte und ergänzte Begleitadresse wäre natürlich der Clou.


    Viele Grüße
    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

  • Lieber Michael,


    der folgende Brief aus 1851 hatte sich unter den Bahnpostbelegen versteckt. Es gab also schon früh Korrespondenten, die sich über die notwendigen Adreßangaben Gedanken gemacht hatten.


    Beste Grüße


    Jürgen

  • Lieber Jürgen,


    da kann ich einen Brief von 1843 beisteuern.



    Viele Grüße
    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

  • Lieber Jürgen,


    dann ist der Wettbewerb aber auch schnell zu Ende, das Jahr 1819 wird vermutlich nicht zu toppen sein.

    Das Foto dazu ist natürlich klasse.

    Pro forma werde ich die Tage dann noch mal die ganz alten Belege durchsuchen.


    Viele Grüße
    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte