Fahrpost in Preußen

  • Lieber Michael


    danke!
    Ich ahnte es, dass es nicht das preussische Postamt war und es dann auch die verschiedenen Taxierungen erklären würde. Mal sehen, ob ich was in meinen Unterlagen dazu finde.


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • Liebe Sammelfreunde


    hier mal ein doch recht ungewöhnlicher Beleg vom 27.08.1829 von Magdeburg nach Rochlitz.


    Es wurde ein Paket von 24 Loth, wobei der Begleitbrief auch noch 1 Loth wog, mit einem Postvorschuß von 12 Ggr. 6 Pfennige versendet. Eine solche Declaration in Preussen ist schon recht ungewöhnlich und auch die Taxierung vorderseitig in komplett in Gute Groschen.


    Siegelseitig erkennen wir ein 10 3/4 Sgr. was den Gebühren incl. ProCura für Preussen entspricht. (5 Sgr. für das Paket + 2 1/2 Sgr. Geldporto + 2 1/2 Sgr. Mehrkosten für den Brief + 3/4 Sgr. ProCura für die aufgebenden Postanstalt) Dies wurde gestrichen nun neu 10 5/6 Sgr., also mit einem Grenzporto belegt.

    10 5/6 Sgr. entsprechen 8 ggr. 8 Pfennige + dem PV von 12 1/2 ggr. ergeben 21 1/4 ggr. + den sächsischen Anteil von 1 1/2 ggr. + 1/2 Ggr. Bestellgeld ergeben schluß endlich 23 1/4 ggr.


    Die notierten 13 1/2 sind der PV + 1 ProCura ergeben die 13 1/2 ggr.


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • liebe Sammlerfreunde,

    ich zeige hier einen nicht so häufigen Paketbegleitbrief von Jutroschin. nach Breslau. Oben ist vermerkt:

    beschädigt eingegangen und wieder verpackt worden

    Unterschriften

    Gerichtet ist die Ganzsache an:

    Dem Herrn Kaufmann

    Ginsberg

    Wohlgeboren

    Breslau

    Unter der Adresse steht:

    Am Amte gef. öffnen zu lassen

    Links ist eine blaue Taxierung, in Rot wieder gestichen. Unter dem Werstempel befindet sich eine Beschädigung, so als ob dort eine Briefmarke gesessen hätte. Aber der Platz dafür ist zu klein.

    Rechts daneben befindet sich etwas unleserliches in blauer Tinte mit einem Hinweisstrich sowie ein Kürzel aus zwei Buchstaben.

    Das Bisher Beschriebene gibt doch einige Rätsel auf. Auch die Gebühr ist für mich Rätselhaft:

    Entfernung ca 8 Meilen, also 2. Paketentfernungsstufe

    Gewicht 1 Pfund 2 Loth, als 2 Pfund

    Berechnung: 2 Pfund x 2. Entfernung x 1,5 Pfg. = 6 Pfg. Mindestens aber doppelte Briefgebühr, also 2 x 1Sgr. = 2 Sgr.

    Dafür war die Ganzsache zu 2 Sgr. ausreichend.

    Wofür die blaue Gebühr? Verpackungskosten?

    Warum sollte am Amt geöffnet werden?

    Woher rührt die Beschädigung?

    Wer hilft weiter?



    viele Grüße
    Erwin W.
    preussen_fan

    • Offizieller Beitrag

    Lieber Erwin,


    ein interessantes Stück, Glückwunsch dazu!

    Du hast überlesen, dass das Paket 34 Thaler Courant enthielt, daher fiel noch eine Versicherungsgebühr von 1/2 Sgr. an (bis 50 Th., bis 10 Meilen). Unter dem Wertstempel klebte vermutlich die entsprechende Freimarke.

    Bei dem oben rechts befindlichen Text steht als 3.Zeile (noch über den Unterschriften) bei Dekartierung - schönes Detail.

    Die Notierungen rechts neben den Stempeln betreffen das Nachwiegen. So wurde dokumentiert, ob das Paket durch/nach der Beschädigung leichter geworden war oder ob es noch das dokumentierte Gewicht hatte. Bei einem beschädigten Wertpaket war es erforderlich, bei Ausgabe den Inhalt vom Empfänger kontrollieren zu lassen, ob der deklarierte Inhalt noch vollständig war.

    Die Beschädigung rührte wohl von einem zu rüden Umgang während des Transports her. Kennt man ja auch heute noch ...


    Gruß

    Michael

  • lieber Michael,

    danke für deine Ausführungen. Die 34 Thaler habe ich tatsächlich übersehen und die Dekartierung hatte ich für eine Unterschrift gehalten.

    Zwei Fragen stellen sich mir noch:

    1. Was bedeuten die blauen und roten Striche?

    2. Oben lese ich 1 Pfd. 24 Loth, darunter 1 Pfd. 26 Loth, das wäre ja ein Unterschied von 33 Gramm. Darunter ist in schwarz etwas Unleserliches geschrieben und dann noch die zwei Buchstaben b und S. Was kann man dazu sagen?

    Ich werde den Brief trotz der abgerissenen 1/2 Sgr.-Marke in meine Sammlung aufnehmen.

    viele Grüße
    Erwin W.
    preussen_fan

    • Offizieller Beitrag

    Lieber Erwin


    zu 1.: die roten Striche sieht man verschiedentlich auf Paketbegleitbriefen. Der kleine wurde vermutlich bei der Kontrolle angebracht, ob das passende Päckchen vorhanden ist (bei einer Umspedierung oder auch am Zielort). Der große Strich könnte evtl. die Herausgabe des Wertpäckchens dokumentieren (analog zum vorderseitigen Packkammerstempel bei normalen Paketen).

    Der blaue Strich steht möglicherweise für ein Bestellgeld (war bei Wertsendungen höher), das wieder gestrichen wurde.

    zu 2.: Briefe und Pakete mit Wertdeklarationen wurden bei Umspedierungen regelmäßig nachgewogen, um den unveränderten Zustand zu dokumentieren. Hier erfolgte die 2. Notiz evtl. nach dem erneuten Verpacken. Durch Einwickeln in weiteres Papier und Verschnüren kann die Gewichtszunahme entstanden sein.

    Wenn bei einer weiteren Gewichtskontrolle das vorher notierte Gewicht bestätigt wurde, sparte man sich das erneute Anschreiben des Gewichtswertes und setzte nur seine Kürzel unter die vorhandene Gewichtsnotierung.


    Der Brief ist natürlich trotzdem sammlungswürdig. Vielleicht findest Du ja eine passend (ähnlich) gestempelte 6 Pfg.-Marke, die Du mit Falz montieren kannst.


    Gruß

    Michael

  • Liebe Sammelfreunde


    hier mal ein Beleg vom 28. März 1831 von Magdeburg, welcher "An Einer Könglichen Hochlöblichen General-Commission von Preussen Salarien-Casse zu Stendal" gesendete wurde.

    Unten Links: "Hierbei 4 Reichsthaler 24 Sgr. 8 Pfennige in Leinwand genäht, mit 3 Siegeln versehen, und signiert K.H.G.C.St." von 8 Loth Gewicht als (portofreie) "Herrschaftliche Kirchen- und Pfarr-Sache"


    Eigentlich würde man denken, dass er wirklich portofrei war, was hier nicht (in Stendal) der Fall scheint. Die Entfernung beträgt etwa 7,5 Meilen und somit wären dann 5 Sgr. Geldporto angefallen. Eine Schnellpost habe ich jetzt auf der Strecke nicht gefunden, würde jedoch erklären, warum 7 1/2 Sgr. angeschrieben wurden, da dann ein Aufschlag von 50% erfolgte.


    Die "7" wurde gestrichen. Eine neue "7" wurde angeschrieben und ret(our) Magdeburg notiert - später die 1/2 mit schwarz gestrichen.

    Ein roter Strich zieht sich diagonal durch.


    Siegelseitig finden wir leider etwas unvollständig, folgendes:

    "..dieses ist der Kirchen Vorstand zu Suden-

    burg-Magdeburg, welches aufgefordert ist, die

    4 Rt 24 _ 8 Pf. portofrei einzureichen.

    Stendal d. 31. März 1831

    Königliche General Comissions Kasse.

    Hüller?"


    Der Ankunftsstempel sollte von Magdeburg sein - 4.4. 1.Tour.


    Leider ist der Brief nicht mehr vollständig, so dass ich mich frage, warum die Portofreiheit in Stendal nicht anerkannt wurde.


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • liebe Sammlerfreunde,

    ich zeige hier einen Franko-Paketbegleitbrief von CAMMIN in Pommern nach STETTIN. Der Aufgabestempel eist ein Zweizeiler neueren Typs mit Monatsangabe in Ziffern. Bei der Paketausgabe schlug man in Stettin den Ausgabestempel PE 19 1 ab.

    Frankoberechnung:

    Entfernung: 9 Meilen

    Gewicht 12 Pfund

    12 Pfund x 2 (je 5 Meilen) x 3 Pfg. = 72 Pfg = 6 Sgr.

    Es waren aber nur 5 Sgr. ausgeworfen. "Reicht nicht" vermerkt und 1 Sgr. vom Empfänger nachgefordert.

    Kann jemand lesen, was rechts neben der 1 Sgr. steht? Ich lese

    ??? Couvert

    mit Angaben ????

    ????


    viele Grüße
    Erwin W.
    preussen_fan

    • Offizieller Beitrag

    Da das Ober-Landes-Gericht möglicherweise nicht bereit war, Portokosten zu übernehmen, wurde mit dieser Notierung eine durchaus gängige Alternative von der Post angeboten.
    Wenn ein Empfänger das Porto nicht bezahlen wollte, konnte er das Couvert mit der Portoforderung wieder an die Post aushändigen, die diesen Portobetrag dann vom Absender einzog. Wenn der Absender nicht direkt auf dem Couvert ersichtlich war, z.B. durch einen Absenderstempel, war der Absender bei Rückgabe des Couverts durch den Empfänger an die Post zu benennen.


    Gruß

    Michael

    • Offizieller Beitrag

    Lieber Erwin,


    genau, warum sollte eine Behörde Portokosten z.B. einer Privatperson oder eines Anwalts übernehmen, die etwas vom Gericht wollte?
    Um eine Rücksendung und dann erneute Versendung - dann voll frankiert - des Pakets zu vermeiden, gab es diesen einfacheren Weg.

    Der Absender war ja auf jeden Fall zahlungspflichtig.


    Gruß

    Michael

  • Baare Einzahlung

    LABISCHIN nach TRZEMEZNO am 1-12, ausgegeben am 2-12

    Jahr und Taxierung überlasse ich gern den Spezialisten.



    Auf alle Fälle vor 1864, dann war er wech:

    Justiz-Ministerialblatt für die preußische Gesetzgebung und Rechtspflege ( 1864 )

    Grüße aus Bempflingen
    Ulrich


    Das Leben ist viel zu kurz um es mit billigen Weinen und den falschen Menschen zu verbringen. (Lebensweisheit, inspiriert bei Goethe) :)

  • Lieber Ulrich


    also die Taxierung ist 1 Sgr. für den Brief + 1 Sgr. für die Einzahlung. Eine Datierung ist kaum möglich, da ab 01.09.1852 mindestens 1 Sgr. Mindestgebühr erhoben wurde. Bein Zeitraum davor galt 1/2 Sgr. für jeden Thaler bzw. Teil eines Talers. Auch hierfür ergäbe sich somit 1 Sgr.


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • Hallo Ulf,

    vielen herzlichen Dank für deine EInschaätzung, also zwischen 1852 und 1864.

    Da können jetzt nur die Stempelsammler helfen, gab es diesen Service in Preussen auch bis 1868?

    Grüße aus Bempflingen
    Ulrich


    Das Leben ist viel zu kurz um es mit billigen Weinen und den falschen Menschen zu verbringen. (Lebensweisheit, inspiriert bei Goethe) :)