Fahrpost in Preußen

  • Liebe Sammelfreunde


    nachfolgenden Beleg habe ich aus der Bucht gezogen. Erst hatte ich überlegt, überhaupt auf diesen mitzubieten, aber wie es so ist.
    Er stammt aus Breslau, was 391 km, also ca 52 Meilen entfernt nach Magdeburg gesendet wurde. Eine Kiste von 9 Pfund 7 Loth wurde versendet. Da je 1,5 Pfennige je angefangenes Pfund von 5 zu 5 Meilen nach Gewicht zur Anwendung kamen, läßt sich die Gebühr somit mit 1,5 Pfennige * 10 Pfund * 11 Entfernungsstufe = 165 Pfennige = 13 3/4 Sgr. berechnen.

    Verwendet wurde eine 1-Sgr-Ganzsache, welche mit 2 Einzelmarken der Nr 17a (2 Sgr.) einer Einzelmarke und einem Paar der 18 um den Rand geklebt (3 Sgr.), so das sich 14 Sgr. ergeben. Somit ist der PBB mit 1/4 Sgr überfrankiert. Der Paketaufkleber scheint nicht mehr vollständig (war Hauptgrund des Überlegens!) und ist laut Prof. Bruns die Type 8b in der Verwenungszeit zwischen 1862 bis 1873.


    Ein Paketausgabestempel ist nicht vorhanden, so dass von einer Zustellung des Paketes incl. Brief ausgegangen werden kann. Ob die siegelseitige 2 Sgr. sind, kann spekuliert werden, da diese Gebühr erst bei über 30 Pfund für Pakete ab 1862 anfiel.


    Läßt sich hier eine genauere Datierung erbringen?


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • Lieber Ulf,


    leider kann ich bei der Datierung nicht wiklich helfen, unsere Preussen Fraktion, die werden es aber wissen :)


    Aber auch ohne Kentnis des Datums ein toller GA Beleg mit fünf! Zusatzfrankaturen :thumbup::thumbsup:

    Beste Grüsse von
    Bayern Social




    "Sammler sind glückliche Menschen"

  • Lieber Magdeburger,


    aus meiner über 3 Jahrzehnten zurückliegenden Preußenzeit: Das sollte ein später Stempel sein, also eher 1866 - 1867. Aber unsere Fachleute werden wissen, was ich nur raten kann.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Ihr Beiden


    meine Vermutung ist auch so aus dieser Zeit.
    In Breslau gab es 1865 schon Stempel mit Jahreszahl, aber ob diese auch bei der Fahrpost eingesetzt wurden, entzieht sich meiner Kenntnis. Mal sehen was noch so heraus kommt.


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • Hallo Ulf,


    in der Richtung habe ich auch schon nachgeschaut. Ich habe den Breslauer Stempel mit Jahreszahl schon von 1864 gesehen. Wenn man jetzt einen Fahrpostbeleg mit Jahreszahlstempel von 64 findet, könnte man man vermuten das Dein wie ich finde schöner Beleg eher von 63 ist.


    schönen Gruss


    Peter

  • hallo Ulf,
    ich habe mal in meinen Beständen nach Breslau-Stempeln ohne Jahreszahl geschaut. Dabei habe ich zwei Briefe gefunden, einer vom 15.8.1863, der andere vom 5.8.1863. Im Münzberg wird für diesen Stempel kein Verwendungszeitraum angegeben (Breslau(15)), der Stempel mit Jahreszahl (Breslau(16)) wird ab 1864 angegeben, was die Aussage von peterhz unterstützt.
    Der Brief wurde sicher aber nach dem 13.5.1863 aufgegeben, da ab diesem Datum zusätzlich zu den Entwertungsstempeln ein Aufgabestempel auf eine freie Stelle des Briefes abgedruckt werden musste, weil es zu Beschwerden bezüglich der Lesbarkeit gekommen war (Postamtsblatt Nr. 11 vom 13.5.1863). Mit seinem Datum 15.5. könnte er gerade mal 2 Tage nach dieser neuen Verfügung gestempelt worden sein.
    viele Grüße
    preussen_fan
    Erwin W.

  • Hallo Ihr Beiden


    ich habe gestern noch mal gesucht, ob ich einen Fahrpostbeleg aus Beslau finde - leider nichts. Es bleibt also nichts weiter als abzuwarten. Schön wäre es, wenn er ein früher wäre, aber ich denke fast, dass bayern klassisch mit seiner Zeitschätzung sehr gut liegt.


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • Liebe Sammelfreunde


    nachfolgenden Beleg habe ich glücklicherweise bekommen:


    Ein 17 Loth schweres Actenpaket in Pappe gez. U.G. ging "An Eine Königliche Hochlöbliche Regierung, Abteilung des Inneren zu Magdeburg"
    Aufgegeben wurde der Begleitbrief an einem 12.Oktober und angekommen ist er am 13.10. ( Das Ausgabedatum könnte auch als 18. gelesen werden - bei derVergrößerung jedoch nicht. )


    Vier Botengänge gab es erst ab 1846 - dazu paßt jedoch zeitlich der Stempel "A+Posthorn" nicht mehr. Der Stempel ist meines Erachtens 1836 eingeführt und bis 1844 verwendet worden.


    Ab 1838 gab es jedoch eine Briefbestellung nach Neustadt (Alt + Neue) und incl. Sudenburg + Buckau. Aus späterer Zeit ist mir bekannt, dass Briefe zum Postamt + Gericht auch die Botennummer der Landbestellung des Ausgabestempels hatte. Zeitlich würde ich den Beleg schon um 1840 sehen.


    Interessant ist jedenfalls, dass ein Lagerplatzstempel nicht vorhanden ist. Möglicherweise wurde auf das Paket gewartet, oder zufälligerweise wurden Pakete abgeholt als das Paket ankam.


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • Lieber Magdeburger,


    deinem letzten Satz stimme ich zu - das dürfte schon selten sein, wenn man so etwas zeigen kann, denn allzu oft wird es wohl nicht vorgekommen sein, dass sich so eine Konstellation ergab.


    Danke fürs zeigen!

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Bayern Klassisch


    ich kann ja nur vermuten, warum es zu einer solchen Konstellation gekommen ist.
    Erst hatte ich gehofft, dass der Beleg aus 1836 sein könnte, aber durch den Ausgabestempel ist zu vermuten, dass er frühstens aus 1838 sein kann.
    Eine Tour 4 spricht für die Tour des Landbriefträgers und vor 1838 gab es scheinbar keine und somit sollte ein solcher Ausgabestempel nicht vorhanden sein.
    Jedenfalls bin ich froh, dass der Beleg in meine Sammlung gekommen ist.


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • liebe Sammlerfreunde,
    ich zeige hier einen Trauer-Paketbegleitbrief, der von Burgsteinfurt nach Schloss Wittgenstein bei Laasphe ging. Empfänger war Seine Durchlaucht der Erbprinz zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein. Das Paket wog 1 Pfd und die Entfernung betrug ca 21 Meilen. Da das Gewichtsporto mit 2Pfg je Pfund und 4 Meilen nur 20Pfg ergab, kam der Mindestsatz von 4Sgr. bis 24 Meilen zur Anwendung. Diese 4(Sgr.) sind vorderseitig in blau ausgeworfen.
    Womit ich nun meine Probleme habe, ist auf der Siegelseite:
    1. die unterstrichene 4 in schwarzer Tinte
    Ist das die Bestätigung des Erhalts der 4 Silbergroschen? Wurde in Wittgenstein denn nicht in Kreuzern gerechnet?
    2. Unterhalb des Ausgabestempels in schwarzer Tinte Creutzthal. Was bedeutet diese Angabe? Der Brief lief von Burgsteinfurth nach Laasphe sicher über Creuzthal im Siegerland, aber was hat das hier zu bedeuten?
    Wer kann auf diese Fragen eine Antwort geben?
    beste Grüße
    preussen_fan
    Erwin W.

  • Hallo Erwin


    erstmal ein sehr schöner Beleg!
    In Preussen galt als Gewichtstaxe 1,5 Pfennige je angefangenes Pfund von 5 zu 5 Meilen. Die Minimaltaxe war immer das doppelte der Brieftaxe.
    4 Sgr. Porto sind somit erstmal korrekt wie von dir geschrieben -> siegelseitig dürfte es nur die Wiederholung sein, was auch nicht ungewöhnlich ist.
    Zur Notierung Creutzthal hast du selbst eigentlich schon alles gesagt. Ab und zu findet man Transitvermerke auf Begleitbriefen.


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • hallo Ulf,
    danke für deinen Kommentar. Natürlich hast du recht mit den 1,5 Pfg pro 5 Meilen. Da bin ich im Preußen-Handbuch in die falsche Rubrik geraten. Der Transitvermerk Creutzthal, wer hat den deiner Meinung nach geschrieben? Das könnte doch nur der annehmende Postbeamte gewesen sein?
    Was noch nicht geklärt ist: Wer weiß, in welcher Währung man zu dieser Zeit im Wittgensteiner Raum gerechnet hat?
    beste Grüße
    Erwin W.

    viele Grüße
    Erwin W.
    preussen_fan

  • Hallo Erwin


    Creuzthal wird von Beamten dort notiert worden sein.
    Laut Beleg wurde in Thalerwährung taxiert - der Ortsstempel von Laasphe zeigt ja auch die Paketausgabe und dies ist typisch preussisch.


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • Liebe Sammlerfreunde,
    Ich zeige hier einen Paketbegleitbrief, leider ohne Datum. Er geht von WALD bei Solingen nach OLPE.
    Die Portoberechnung für nach dem 2.6,1852 versandten Pakete ergibt für ca 8 Meilen und 8 Pfund 15 Loth:
    2 (Entfernungsstufe) x 1,5 Pfg. x 9 (aufgerundete Pfund) = 27 Pfg. = 2 1/4 Sgr. in blau ausgeworfen und vom Empfänger zu zahlen.
    Abgestempelt ist der Brief mit dem zweizeiligen Rechteckstempel von WALD.
    Interessant ist jedoch der Ausgabestempel von OLPE. Es handelt sich um einen einzeiligen Textstempel, der schon seit 1820 in Benutzung war und nun über 30 Jahre später noch in der Paketausgabe Verwendung fand.
    beste Grüße
    preussen_fan

  • Liebe Sammelfreunde


    ich habe hier eine Briefhülle, welche ab 1842 in Hamburg für einen Wertpaketbegleitbrief nach Dessau gelaufen sein wird.
    Das Paket wurde mit 10 1/2 Loth, der Brief mit 2 1/4 Loth gewogen. Laut Declaration waren in dem Paket 74 Mark 6 Shillinge.
    Gelaufen ist er über Braunschweig - Magdeburg, ab Braunschweig höchstwahrscheinlich mit der Eisenbahn. In Dessau wurde das Paketgewicht mit 10 1/4 Loth.


    Mich interessiert, ob das Paket im preussischen oder oder eher im hannoverischen Postamt aufgegeben wurde.Die Taxierungen sind mir jedenfalls noch völlig schleierhaft. :(


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf