DR - Bahnhofszeitung

  • Die Bahnhofszeitung ist der größere Buder des Bahnhofsbriefs. Der Bahnhofsbrief wurde mit Vfg. vom 25.5.1874 eingeführt. Sendungen desselben Absenders konnten, als Bahnhofbrief aufgegeben, vom Empfänger direkt am eintreffenden - stets gleichen - Zug nach Vorzeigen der Ausweiskarte entgegengenommen werden. Briefe mussten als Bahnhofsbrief gekennzeichnet werden und einen roten Rand vorweisen. Es waren nur gewöhnliche Sendungen der 1. und 2. Gewichtsstufe zugelassen. Die Sendungen wurden mit dem tarifmäßigen Porto frankiert, jedoch musste für die Ausweiskarte eine - nicht unerhebliche - monatliche (ggf. nur wöchentliche) Gebühr entrichtet werden.


    Ab 1874 konnten auch Zeitungen, die diesen (Gewichts)-Kriterien entsprachen, als Bahnhofssendung befördert werden. Seit 1.7.1925 waren Bahnhofszeitungen zu erheblich reduzierten Tarifen bis 20kg. möglich. Dieser blieb der Höhe nach gleich, nur wurde ab 1.3.1935 die Gewichtsprogression feiner eingeteilt und betrug bis 2kg 60 Rpf., je weitere 500gr. 10 Rpf.


    Die Neue Basler Zeitung nutzte diesen Dienst für den Versand von 150 Exemplaren je 39gr. Dafür wurde nächtens das Paket erstmal über die Grenze befördert und in Lörrach aufgegeben, dem Stempel nach vor 3 Uhr. Mit dem Zug nach Berlin befördert dürfte die Zeitung am gleichen Tag angekommen sein.



    Das Adressfeld des 5.850 gr. schweren Pakets, das als Bahnhofszeitung am 17.11.1939 von Lörrach nach Berlin befördert wurde. Das Porto betrug bis 60 Rpf./bis 2kg. zzgl. 8 * 10 Rpf./500gr.; insgesamt 140 Rpf. .


    mit bestem Gruß

    Michael

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  • hallo Dieter,


    im Adressfeld der Adrema sind 150 (Stück) hinterlegt, handschriftlich unterhalb 39 (Gramm) macht 39 * 150 = 5.850 gr


    besten Gruß

    Michael

  • Hallo Michael,


    vielen Dank für den Hinweis. Diese mit Bleistift geschriebene Zahl habe ich übersehen. Oben gibt es noch eine 16. Hat die etwas zu bedeuten?

    Auch interessant: In Lörrach war man anscheinend auf diese nächtlichen Einlieferungen eingestellt.


    Dieter

  • hallo Dieter,


    die "16" war das Codewort für den nachbarörtlichen, grenzüberschreitenden "wer reitet so spät durch Nacht und Wind" Kenntmannicht 8)


    besten Gruß

    Michael

  • Hallo Michael,


    mich wundert generell, daß solche Transporte möglich waren und ganz speziell für November 1939.

    Mit schweizer Zöllnern und Polizisten habe ich in den letzten 20 Jahren des letzten Jahrhunderts so meine Erfahrungen gesammelt. War aber immer alles in Ordnung.


    Dieter

  • Hallo Dieter,


    gehörst du zu den regelmäßigen Goldbarren-GrüneGrenze-Überschreitern, von denen unlängst mal wieder die Rede war? 8)

  • Lieber Michael,


    Oberhammer - so noch nie gesehen und wieder etwas dazu gelernt. Wenn du mal so etwas aus Bayerns Kreuzerzeit finden solltest ... :):)

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Michael,


    ich fahre keine 650 km um ein paar Gramm Gold zu schmuggeln. Die nur 10 km entfernten Niederlande kommen für so etwas nich in Frage.


    Dieter

  • Lieber Dieter,


    ich sollte mal für ein ARGE - Mitglied ein paar Jahre lang meine Augen nach einen Bahnhofsbrief von Bayern offen halten - 30 Jahre später habe ich keine Handvoll gesehen und da reden wir von 1900+; ich denke nicht, dass es so etwas aus der Kreuzerzeit heute noch gibt.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Ralph,


    falls so etwas noch existiert, eventuell in einer großen Sammlung von Bayern-Belegen. Der mögliche Zeitraum beträgt schließlich nur knapp 1½ Jahre.


    Dieter

  • Oben gibt es noch eine 16. Hat die etwas zu bedeuten?

    hallo Dieter,


    ich vermute einen Nummerator. Auf der Route des Fernzuges Basel - Berlin wird es mehrere Abnehmer der Neuen Basler Zeitung gegeben haben; Nr. 16 könnte Herr Schaaf in Berlin gewesen sein. Nur so eine Vermutung.


    hallo Ralph,


    wenn die Kreuzerzeit wieder Fahrt aufnimmt, z.Zt.liegen sie ja alle an der Corona-Kette, werde ich mich nach einer Bahnhofssendung aus 1874 umsehen 8). Gab es denn auch in Bayern Bahnhofsendungen?


    besten Gruß

    Michael

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  • hallo zusammen,


    zwischenzeitlich ist es mir gelungen, ein zum Beleg passendes Exemplar der Neuen Basler Zeitung vom 17.Oktober 1939 zu erwerben. Umfang 6 Seiten mit dem Gewicht von auch heute noch 39 Gramm. Die Neue Basler Zeitung wurde vom März 1930 bis zu ihrem Verbot am 28.Dezember 1939 verlegt, in Deutschland wurde sie am 9.November 1939 verboten. Sie kämpfte aufgrund ihrer geringen Abonnentenzahl anhaltend ums wirtschaftliche Überleben und wurde seit 1935 mittels einer Gerantieabnahme im Reichsdeutschen Gebiet am Leben erhalten. Hatte sie in der Schweiz weniger als 2.000 Abonnenten, explodierten die in Deutschland abgenommenten Exemplare im Herbst 1939 förmlich auf bis zu 70.000 Exemplare täglich im Oktober 1939, die nächtens über die Grenze nach Lörrach gebracht wurden und zumindest teilweise als Bahnhofszeitung weiterbefördert wurden.



    Die Geschichte der Neue Basler Zeitung wird von Hermann Wichers in der "Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde" höchst informativ und kurzweilig dargestellt.


    mit bestem Gruß

    Michael