Zur Devisenüberwachung zollamtlich geöffnet

  • Hallo liebe Freunde,


    ich denke, zu den Besonderheiten auf Briefen gehört auch die Tatsache, dass Briefe zollamtlich zur Devisenüberwachung geöffnet wurden.

    Der hier vorliegende - vorderseitig unscheinbare Brief mit "bunter Frankatur" vom 17.11.1948 von USA Corvallis nach Burgsteinfurt- wohl philatelistisch beeinflusst - führte zu einer zollamtlichen Öffnung. Auf der Rückseite sieht man dann schön die Klebezettel, hier mit Überrollstempel Hamburg.


    Wenn jemand auch solche Belege zeigen kann, bitte gerne hier, dankeschön.:)


    Schöne Grüße

    Bayern-Nerv Volker

    Nimm dir im Leben ruhig die Zeit zum Sammeln und genieße einen guten Wein, denn die gesammelte Zeit nimmt dir irgendwann das Leben und dann wird man um dich weinen. (V.R.)


    Bayernfarbenvielfaltverrückt - warum nicht?

  • Hallo liebe Freunde,


    ich freue mich, dass der liebe Altsax meinem Aufruf gefolgt ist, ähnliche Belege zu zeigen:thumbup:


    .... ich habe hier auch noch einen:


    20.11.1954 ab Berlin nach Leicester /England .


    ....... gibt es noch Andere, die hier etwas zeigen können/wollen ? .....;):P


    Schöne Grüße

    Bayern-Nerv Volker

    Nimm dir im Leben ruhig die Zeit zum Sammeln und genieße einen guten Wein, denn die gesammelte Zeit nimmt dir irgendwann das Leben und dann wird man um dich weinen. (V.R.)


    Bayernfarbenvielfaltverrückt - warum nicht?

  • Mal wieder ein Thema wo ich auch was zu beitragen kann.

    Ich habe die wohl einzigen bekannten SCADTA Einschreibebriefe mit den Provisorischen Einschreibmarken welche durch die Devisenkontrollstelle (in dem Fall Hamburg) gelaufen sind und habe mich da mal etwas in das Thema eingearbeitet.

    Der Einfachheit halber zeige ich die Briefe in getrennten Postings, sortiert nach dem Aufgabedatum.


    Posthistorische Hintergründe:

    Vor bzw. während des 1. Weltkrieges wurden Post- und Telegrammüberwachungsstellen zur Überwachung des Post- und Telegrammverkehrs als Zensurstellen eingerichtet. Der genaue Zeitpunkt der Einrichtung ist, da er der Geheimhaltung unterlag, nicht bekannt.

    Die Devisenkontrolle selbst auf ein- und abgehenden Auslandsbriefen wurde gemäß Dienstanweisung publiziert im Reichsgesetzblatt vom 15. November 1918, Seite 1324, angeordnet.


    Der Wortlaut der Verordnung lautet:

    Verordnung über die Post- und Telegrammüberwachung im Verkehr mit dem Ausland.
    Vom 15. November 1918.

    • Die Post- und Telegrammüberwachung im Verkehr mit dem Ausland wird bis auf weiteres aufrechterhalten, soweit sie im Steuerinteresse oder aus wirtschaftlichen Gründen erforderlich ist. Auf militärische oder politische Angelegenheiten darf die Überwachung nicht erstreckt werden.
    • Die bisherigen Überwachungs- und Überprüfungsstellen bleiben zu dem im § 1 Satz 1 bezeichneten Zwecke bestehen und werden dem Reichsschatzamt unterstellt.

    Berlin, den 15. November 1918.

    Der Rat der Volksbeauftragten

    Ebert / Haase


    Dieser Erlass beendete die Militärzensur aus der Kriegszeit und überführte etwa 30 Kontrollstellen in die Verantwortung des Reichsfinanzministeriums zur Durchführung der Devisenkontrolle. Eine der Kontrollstellen war in Hamburg welche z.B. die ankommenden Überseebriefe aus Nord-, Zentral- und Südamerika, Karolinen, Ostasien, Kiautschau, Marianen, Samoa, Marschall- und Palauinseln zuständig war.


    Postüberwachungsstempel (PU Stempel)

    Datum/Zeit- Stempel und –Farben, Kontrolleursstempel

    Es gab die Dienstanweisung dass sich die verwendete Stempelfarbe für die PU Stempel im 3-Tagesrhythmus wechselte. Die verwendeten Farben waren normalerweise rot, grün und blau (täglich in dieser Reihenfolge abwechselnd), wenngleich am 25. Oktober 1922 und am 3. November 1922 gelb anstelle von blau verwendet wurde. Schwarze Farbe wurde allerdings auch manchmal, anstelle von blau, sowie purpur anstelle von rot, verwendet. Des Weiteren wurden persönliche, runde Inspektorenstempel in violetter Farbe, mit einer 3-stelligen Nummer m Kreis, verwendet.


    Der früheste (SCADTA) Brief wurde am 22 Mai 1922 in Bogota aufgegeben.

    Dieser Brief wurde zwar vom Kontrolleur Nr. 204 inspiziert, aber ohne den 3-zeiligen Devisenkontrollstempel PU / Datum / Uhrzeit abzuschlagen.



    Brief vom 22 Mai 1922 von Bogota nach Bad Koesen mit einer 20 Ctvs. Einschreibmarke Type I, violett, dazu SCADTA 20 Ctvs. Marke sowie diverse Kolumbianische Staatspostmarken. Die Marken der Kolumbianischen Staatspost wurden wie vorgeschrieben erst in Barranquilla bei Übergabe von der SCADTA an die Kolumbianische Staatspost, zur Weiterleitung nach Deutschland, gestempelt.

    Der Brief trägt den runden violetten Stempel Nr. 204 welcher vermutlich von der Devisenkontrollstelle in Hamburg stammt, aber ohne den 3-zeiligen Devisenkontrollstempel PU / Datum / Uhrzeit abzuschlagen.


    Portozusammenstellung:

    Gesamtporto des Briefes: 95 Centavos

    Transportrichtung: Flussabwärts

    Portozusammenstellung:

    50 Ctvs. SCADTA Luftpostporto (2. Gewichtsstufe, 15 - 30 Gramm)

    20 Ctvs. SCADTA Einschreibporto

    15 Ctvs. Staatsporto (2. Gewichtsstufe, 20 – 40 Gramm)

    10 Ctvs. Kolumbianische Staatspost, Einschreibporto.

    Der Brief war also zwischen 20 und 30 Gramm schwer.


  • 16 Juni 1922, Bogota nach Landshut, 13 Juli 1923


    Der 3-zeilige Devisenkontrollstempel PU / 12 Juli 1922 / 7 – 11 v. (für Vormittag) in blauer Farbe ist typisch für die Hamburger Devisenkontrollstelle der Zeit vom Juli 1922 – November 1923. Die früheste Verwendung dieses Stempels ist vom 7. Juli 1922 bekannt. Der Sinn der weiteren handschriftlichen Nummern 2323 und 1364 sowie 2327 / 3055 ist noch nicht geklärt.


    Brief von Bogota nach Barranquilla mit der Einschreibmarke Type I (violett). Violetter SCADTA Stempel der Type 1B sowie einzeiliger Datumsstempel 21. Juli 1922.


    Gesamtporto 85 Centavos.

    Portozusammenstellung:

    15 Centavos Staatsporto (2. Gewichtsstufe plus Einschreiben)

    50 Centavos SCADTA Luftpostporto (2. Gewichtsstufe),

    20 Centavos SCADTA Einschreibporto.

  • Weitere ähnliche Briefe (es gibt nur 5 in meiner Sammlung wenn ich mich recht erinnere), kommen, falls Interesse besteht, in Bälde

  • 19 Juli 1922, Bogotá nach Berlin (21 August 1922)

    Inspiziert am 19 August 1922 / 7-11 v (Vormittag) von Kontrolleur Nr. 153.

    Brief vom 19 Juli 1922 von Bogota nach Berlin mit einer 20 Ctvs. Einschreibmarke Type I, violett, dazu SCADTA 20 Ctvs. Marke sowie diverse Kolumbianische Staatspostmarken. Die Marken der Kolumbianischen Staatspost wurden wie vorgeschrieben erst in Barranquilla bei Übergabe von der SCADTA an die Kolumbianische Staatspost, zur Weiterleitung nach Deutschland, gestempelt. Die Briefe tragen zudem die Devisenkontrollstempel P.Ü./ 19 AUG 1922 sowie den runden Stempel mit Nr. 153 welcher vom Devisenkontrollör stammt.

    Portozusammenstellung:

    Gesamtporto des Briefes: 95 Centavos

    Transportrichtung: Flussabwärts

    Portozusammenstellung:

    50 Ctvs. SCADTA Luftpostporto (2. Gewichtsstufe, 15 - 30 Gramm)

    20 Ctvs. SCADTA Einschreibporto

    15 Ctvs. Staatsporto (2. Gewichtsstufe, 20 – 40 Gramm)

    10 Ctvs. Kolumbianische Staatspost, Einschreibporto.

    Der Brief war also zwischen 20 und 30 Gramm schwer.

  • 21 Juli 1922, Bogota nach Berlin

    Ebenfalls am 19 August 1922 / 7-11 v (Vormittag) inspiziert, allerdings von Kontrolleur Nr. 144 inspiziert, an dem Tag war die rote Farbe in Verwendung.


  • 30 November 1922, Medellin nach Rüstringen/Oldenburg (3 Januar 1923).


    Dieser Brief trägt den schwarzen PU-Stempel von Hamburg 2 JAN 1923 / 4-7 N (N=Nachmittag).

    Der rote Kreisstempel Nr. 10 auf der Vorderseite des Briefes ist im Zusammenhang mit Devisenkontrollstellen bisher nicht bekannt gewesen. Die Stempel der Inspektoren waren größer und wurden immer in violetter Farbe abgeschlagen.

    Es wird vermutet dass dieser Stempel Nr. 10 ein Bürostempel (Büro Nr. 10) ist. Auf dem Brief ist auch die handschriftliche Nr. 667 vermehrt. Dies dürfte eine Registriernummer sein unter welcher der Brief aus unbekannten Gründen in einer Registratur aufgeführt wurde. Daneben sind eine Unterschrift sowie das Datum 2/1 (2. Januar). Der Sinn der weiteren handschriftlichen Nummern 196 sowie 10050 ist noch nicht geklärt.

    Interessanterweise wurde hier eine normale 20 Centavos Marke der SCADTA (OHNE R-AUFDRUCK) and Einschreibemarke verwendet.

  • Besten Dank... das ist das Ergebnis von über 20 Jahre suchens...

    Mir sind auch keine weiteren SCADTA R Briefe (mit den provisorischen R-Marken) bekannt welche durch die Devisenkontrollen gegangen sind.

    Ich habe vor einigen Jahren (2011-2012), als ich mich in das Thema etwas einarbeitete, recht umfangreiche Unterlagen zur Devisenkontrollestelle Hamburg bekommen. Bezeichnenderweise aus England wo ein ausgesprochener Kenner des Fachs (Robin Pizer) zuhause ist.

    Wer Interesse hat, ich gebe die Unterlagen per File Transfer (sind ca. 65 MB) weiter.

  • allo zusammen,

    nach dem Lesen von Rainers Beitrag hab ich bei mir mal nachgeschaut, ob ich Belege zum Thema finde.

    Der folgende Beleg scheint zum Thema zu passen.


    R-Brief von Frischborn nach Riga vom 7.5.21, angekommen 11.5.21 und frankiert mit einer 118a.

    Der rückseitige Aufkleber belegt die Kontrolle nach Reichesgesetzblatt vom 15. Nov. 1918 S.1324.


    viele Grüße von woodcraft



  • Liebe Freunde,


    aus der Zeit nach dem 1. Weltkrieg kann ich einige Briefe beisteuern, die bei den damaliegen italienischen Postämtern in der Türkei aufgegeben wurden. Ich beginne mit einem Einschreibbrief aus Smyrna (dem heutigen Izmir), der am 23.07.1921 beim dortigen Militärpostamt 171 aufgeben wurde. Er lief über die Kontrollstelle in München nach Chemnitz. Die Gebühr betrug für Brief bis 20 g und Einschreiben je 60 Cent.