Briefablagen in der Oberpfalz und Regensburg

  • Liebe Sammlerfreunde,


    im Rundbrief 61 der Arbeitsgemeinschaft Bayern (klassisch) im BDPh e.V. erstellte Dietmar Schmitz einen interessanten Artikel "Briefablagen - eine vergessene Einrichtung der bayerischen Post ?" und im nächsten Rundbrief 62 folgte ein Artikel von Jens Rödel "Von der Briefablage zur Postablage". In den Verordnungs- und Anzeige-Blätter der kgl. bayer. Verkehrs-Anstalten wurden nur vereinzelt die Eröffnungen von Briefablagen bekanntgegeben. Im Adreß-Handbuch für den Regierungsbezirk der Oberpfalz und von Regensburg aus dem Jahr 1858 sind die Briefablagen in der Oberpfalz aufgeführt:


    Hierzu kann ich einen Brief aus Breitenbrunn nach Obermässing vom 23. Januar 1856 zeigen. Aufgabestempel DIETFURT OB.PF. (Dietfurt Oberpfalz). Rückseite Durchgangsstempel Beilngries und Ankunftsstempel Thalmässing. Am 1.7.1861 wurde in Breitenbrunn die Briefablage in eine Postablage umgewandelt. Am 1.7.1867 bekam Breitenbrunn eine Postexpedition.




    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Liebe Sammlerfreunde,


    hierzu folgender Brief von Grafenwöhr vom 29.12.1852 mit Aufgabestempel Eschenbach 31.12.1852. Die Postexpedition wurde in Grafenwöhr am 31.12.1849 geschlossen. Neueröffnet im November 1860. In dieser Zeit lief die Post über Eschenbach ab 1.7.1851 (Eröffnung der Postexpedition in Eschenbach). Vom 1.1.1850 bis 30. Juni 1851 lief die Post aus Grafenwöhr über Pressath.



    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Liebe Sammlerfreunde,


    in Ergänzung des vorhin gezeigten Briefes, folgender Wertpaketbegleitbrief (16 Loth schwer, Wert 16 Gulden) aus Grafenwöhr mit Aufgabe in Pressath am 20. Juli 1850 nach Bayreuth. Bei der Aufgabe wurden 7 Kreuzer Franko bezahlt (bis 10 Meilen bis 100 Gulden Wert = 7 Kreuzer). Ob in Grafenwöhr nach der Schließung der Postexpedition am 31.12.1849 bereits 1850 eine Briefablage bestand, kann ich nicht sagen. Die Post aus Grafenwöhr lief vom 1.1.1850 bis 30.6.1851 über Pressath, bis dann am 1.7.1851 in Eschenbach eine Postexpedition eröffnet wurde und Grafenwöhr bis 1860 zum Bestellbezirk von Eschenbach kam.



    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Lieber Hermann,


    sehr schön und interessant (zu #2: Es war eine A.K.S. = Allgemeine - Kirchen - Sache, die unter den Oberbereich der R. S. - Franchisen vielen).

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Franz und Ralph,


    vielen Dank. Interessant in diesen Zusammenhang ist, daß beim Brief von Grafenwöhr nach Neuhaus Landgericht Auerbach (Neuhaus an der Pegnitz) vom 31.12.1852, auch Neuhaus in der Liste der Briefablagen aufgeführt ist. Neuhaus an der Pegnitz: ab November 1860 PE; Zurückgestuft ab 1. Juli 1862 als Postablage; wieder PE ab 1. Juli 1867.


    Liebe Grüße,

    Hermann

  • Liebe Sammlerfreunde,


    einer, der wenigen Orte, die in den Verordnungs - und Anzeige - Blättern der kgl. bayer. Verkehrsanstalten als Briefablage genannt wurden, ist Luhe bei Weiden in der Oberpfalz:



    Am 1.10.1854 bekam Luhe bereits eine Postexpedition und ist daher in der Auflistung der Briefablagen in der Oberpfalz und Regensburg von 1858 nicht aufgeführt.


    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Lieber Hermann,


    ich habe das Thema Briefablagen zwar noch immer im Blick, aber substanziell ist seit 2013 leider so gut wie nichts an Informationen dazugekommen. Dafür müsste man die einzelnen Staatsarchive der Regierungsbezirke aufsuchen, wofür ich leider keine Zeit habe. (Ich warte noch auf die gute Fee, die mir ein sorgenfreies Leben nur für die Philatelie verheißt. :-) )


    Meine Liste hast du ja seit damals. Ein paar Briefe mit Verdachtsfällen habe ich seither registriert, aber nichts aus der Oberpfalz. Wahrscheinlich wurde sehr oft der Bestellkreuzer nicht ausgewiesen bzw. handelte es sich oft um Dienstbriefe. Vermutlich wissen viele Heimatsammler gar nicht, dass sie ein entsprechendes Stück in der Sammlung haben (und ich hoffe sehr, dass viele Sammler diese Vermerke aus Unwissenheit nicht wegradieren).

    Viele Grüße aus Erding!


    Achter Kontich wonen er ook mensen!

  • .... Hoffentlich radieren die nicht zu viel. Ich bin zwar auch immer wieder damit beschäftigt, aber dabei handelt es sich üblicherweise um Preise (:() oder Daten von Stempeln, die zu sicher 80 % daneben deutlich abgeschlagen zu finden sind.


    beste Grüße


    Dieter

  • Liebe Sammlerfreunde,


    lt. der Auflistung von Dietmar war in Bernried am Starnberger See auch eine Briefablage mit dem Hinweis seit 6.6.1855. Am 1.1.1862 bekam dann Bernried eine Postablage der Expedition Starnberg. Wurde dann am 1.10.1865 zur Expedition erhoben. Bekam außerdem ab 16.10.1865 eine Bahnstation. Hier ein Dienstbrief aus Bernried vom 9. Januar 1856 mit Aufgabe - und Ankunftsstempel von Starnberg vom 13. Januar 1856.


    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Lieber Hermann,


    ich finde deine Informationen zu diesem Brief sehr interessant. Anscheinend hat man die PE in Starnberg zum Ersten des Monats eingerichtet, weil die Eröffnung der Bahnstrecke 2 Wochen später schon lange vorher terminiert war. :)


    liebe Grüße

    Dieter

  • Liebe Sammlerfreunde,


    hierzu folgender Beleg: Wertbrief (handschriftlich: mit 59 Kreuzer / 2 3/4 Loth schwer) vom Forstrevier Michelfeld (genannt als Briefablage, siehe Punkt 1, dieses Threads), als Regierungssache an das Forstamt Vilseck mit Aufgabestempel AUERBACH vom 1. Dezember 1856. Michelfeld erhielt am 1.7.1862 eine Postablage, der Postexpedition Auerbach in der Oberpfalz (bekam erst im Juli 1851 eine Postexprdition). Die kgl. bayer. Postexpedition Auerbach versiegelte mit ihren Dienstsiegel diesen Wertbrief.


    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Lieber Hermann,


    wundervoll - mit Trockensiegel durfte man Wertbriefe aus offensichtlichen Gründen nicht verschließen, daher kostenlos neu amtlich versiegelt. :):)

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Hermann,


    ein wirklich außergewöhnlicher Brief!! Einen papiergesiegelten Brief der amtlich mit Wachs nachgesiegelt wurde habe ich noch nicht gesehen.

    Kostenlos, weil es ein Dienstbrief war? Ein Privatbrief wäre dafür sicher mit ein paar Kreuzern belastet worden.


    liebe Grüße

    Dieter

  • Lieber Dieter,


    ich glaube nicht - untauglich gesiegelte Briefe waren schon aus Gründen der Sicherheit für die diese garantierenden Posten zu siegeln, aber bei der Fahrpost kenne ich mich leider nicht aus ...

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • .... Ich weiß eigentlich nur, daß Werbriefe 5-fach gesiegelt werden mußten. Mittlerweile frage ich mich: Warum nur 1 Siegel und nur 59 Kr? Mußte mehr Geld bezahlt werden?

  • Lieber Dieter und Ralph,


    herzlichen Dank. Ich denke, nachdem der Brief beim Auerbacher Postexpeditor Joseph Vanselow (1851 - 1857) vom Landbriefträger übergeben wurde und er sah, daß dies ein Wertbrief war, hat er diesen auf seine Kosten gesiegelt. Zur Siegelung fand ich im Buch von Konrad Schwarz "Entstehung und Entwicklung der Postgebühren vom 16. Jahrhundert bis etwa 1918" folgendes, siehe Scans.

    Zu der Anmerkung 1.: "Vgl. Schwarz. Die Päckereien, Wert - und Einschreibsendungen in der deutschen Postgeschichte, Seite 19 bis 23.", steht im Buch. Dieses Buch habe ich nicht.

    Liebe Grüße,

    Hermann

  • Lieber Hermann,


    vielen Dank für die Scans. Dieses Verfahren war mir absolut unbekannt. Die preußische Siegel-Vorschrift des Regulativs von 1824 findet sich in § 83:

    § 83. Gelder, und Gegenstände von Wert in Briefen, müssen fest verpackt, mit einem haltbaren Kreuzkouvert versehen und. letzteres muss mit, fünf Siegeln verschlossen sein. Dergleichen Briefe dürfen jedoch nicht schwerer, als bis zum Gewicht von 16 Lot angenommen werden.


    liebe Grüße

    Dieter