Franko-Briefe aus Basel

  • Liebe Sammlerfreunde,


    Auslandsbriefe aus der Zeit 1849 bis Oktober 1852 geben immer wieder Rätsel auf beim Versuch, die Taxen zu erklären. So auch bei diesem Brief vom 29. Juni 1850. Geschrieben wurde der Brief im badischen Grenzach, aber bei der Post in Basel aufgegeben. Für die Taxnotierungen fand ich bisher keine Erklärung. Im Tarifhandbuch des Großherzogtums Baden für Auslandsbriefe 1840-1871 von R.Brack habe ich jetzt einen Tarif von 6 Kr. für die Strecke Basel - Illingen entdeckt. Von Illingen nach Calw sind es etwa 30 km. Für eine Entfernung von 3 bis 6 Meilen waren nach dem Tarif von Württemberg 3 Kr. erforderlich.

    Die von Basel in typischer Rötel-Notiz vermerkten 6 / 3 bedeuten also 6 Kr. Transit-Taxe durch Baden und 3 Kr. Taxe für Württemberg. Die mit schwarzer Tinte notierten 3 / könnten von Württemberg sein, direkt daneben ist der Ankunftsstempel von Calw abgeschlagen. Aber wo ist die Taxe von 2 Kr. für Basel nach dem Altvertrag Basel - Baden? Zwei weitere Briefe zu dieser Frage folgen in Kürze.

  • Der folgende Brief wurde in Basel geschrieben und dort am 20. April 1852 aufgegeben, also noch vor dem Postvertrag Schweiz - DÖPV, der dann ab Oktober 1852 galt. Wie beim vorherigen Brief auch hier die Rötel-Notiz 6 / 3 für den Transit durch Baden und die Taxe für Württemberg. Die Bleistiftnotierungen haben vermutlich keine postalische Bedeutung, sie ergeben für mich keinen Sinn. Selbst wenn man nicht den Alt-Vertrag Basel - Baden heranzieht, sondern die seit 1849 geltende Aufteilung der Schweiz in vier Briefkreise, galten 2 Kr. für die Schweiz für eine Entfernung bis zu 10 Wegstunden, die hier aber nicht notiert wurden. Klasse wäre es, wenn jemand einen dazu passenden Portobrief mit 11 Kr. (2 / 6 / 3) zeigen könnte.

  • Mein dritter und letzter Franko-Brief wurde am 15. Oktober 1850 von Basel nach Hügelheim gesendet. Die Entfernung von der Grenze bzw. Lörrach bis Hügelheim beträgt mehr als 3 Meilen. Nach dem badischen Tarif von 1841 waren 4 Kr. für eine Entfernung über 2 bis 6 Meilen zu zahlen, die auch rückseitig als Weiterfranko für Baden notiert sind.

    Auf allen drei gezeigten Franko-Briefen scheinen die 2 Kr. für Basel bzw. Schweiz zu fehlen. Für die anderen Länder spielte das keine Rolle. Die Briefe waren ja vom Absender voll bezahlt und nur eine Notiz über das Weiterfranko war für die Verrechnung notwendig. Aber ungewöhnlich ist das schon. Jedenfalls kenne ich das von anderen Schweiz-Briefen aus dieser Zeit nicht so.


    Viele Grüsse

    Bruno

  • Lieber Bruno,


    da hast du 3 feine Stücke ergattert, zu denen ich dir nur in höchstem Maße gratulieren kann (ich hätte sie auch genommen, obwohl sie nichts mit Bayern zu tun hatten!).


    Die für mich nach Lesens deiner Zeilen einzige Möglichkeit wäre ein Gemeinschaftsfranko zwischen Baden und Basel. Leider kenne ich mich bei den Verträgen dieser äußerst schwierigen Zeit nicht aus, so dass es bei einer Vermutung bleiben muss, aber ich glaube nicht, dass sich die CH resp. Basel jedesmal 2x durch die Lappen gehen ließ (bzw. 5 Rappen damals).


    Hast du die schon dem lieben Robert B. gezeigt? Vlt. fällt ihm etwas ein, das wir zu übersehen scheinen ...

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Ich kann nur mal soviel sagen. Das Porto wurde hälftig geteilt zwischen der Schweiz und Baden. Dieser Postvertrag galt von 1828. wie lange dieser in Kraft war weiss ich noch nicht.

  • einer Vermutung bleiben muss, aber ich glaube nicht, dass sich die CH resp. Basel jedesmal 2x durch die Lappen gehen ließ (bzw. 5 Rappen damals).

    Lieber Ralph,


    ich bin deiner Meinung. Basel wird 2 Kr. zusätzlich vom Einlieferer kassiert haben, nur hat der Postbeamte sie nicht auf dem Brief notiert. Der Einlieferer bekam ja den Brief nicht zur Kontrolle zurück. Ich glaube, du hast mal an anderer Stelle geschrieben, das immer die in den Briefkarten notierten Taxbeträge maßgebend waren und nicht die auf dem Brief selbst.

    Mit Robert hatte ich schon mal über den Brief diskutiert, ohne dass wir eine Erklärung gefunden haben.



    Ich kann nur mal soviel sagen. Das Porto wurde hälftig geteilt zwischen der Schweiz und Baden. Dieser Postvertrag galt von 1828. wie lange dieser in Kraft war weiss ich noch nicht.

    Lieber José,


    woher hast du diese Info? Es gab Postverträge zwischen Baden und Basel 1822 und 1837. Letzterer galt bis 1852. Aus dem badischen Verordnungsblatt vom 29. September 1837 hier ein Ausschnitt.


    Viele Grüsse

    Bruno

  • Lieber Bruno,


    wäre spannend zu sehen, wie Gegenbriefe aussehen. Aber woher nehmen, wenn nicht stehlen ...

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Bruno

    Ich glaube dies in den Postverträgen gelesen zu haben.

    Aber seit ich mich dank dem geschätzten Kollegen Ralph mit den Porti nach überall herumschlage, kann es sein das ich etwas verwechsle.

    So wie Wechstabenverbuchseln 😀😅😃😂🤣

    Also Irrtum nicht ausgeschlossen.

  • Lieber Ralph,


    einen Gegenbrief suche ich noch ....

    Aber zumindest kann ich zeigen, dass Basel bei ähnlichen Portobriefen die 2 Kr. verlangte. Zu dem oben unter #3 gezeigten Franko-Brief von 1850 hier ein passender Portobrief von 1852 nach Hügelheim. Mit den 4 Kr. für Baden ergab sich eine Gesamttaxe von 6 Kr., die links nur schwach zu sehen ist.


    Viele Grüsse

    Bruno

  • Vielleicht gab es so eine Art Rabatt-Heft so wie bei den Kaffeehäusern

    Jeder 11. Kaffee ist gratis😃

    Im Ernst in St. Gallen gibt es auch solche ungelösten Fälle auf die ich keine Antwort habe.

  • ... würde jeder jeden klassischen Brief aus dem Ärmel gut beschreiben können, hätten wir doch alle andere Hobbies ... :P

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Jetzt wo du es erwähnst.....

    Was soll ich jetzt nur mit all der freien Zeit anstellen?

    Ich glaub ich geh in die Philatelie. 😀😃😄😅😂🤣