Hin, her, zurück und weiter ...

  • Liebe Freunde,


    ein netter Portobrief aus München vom 7.10.1840 an den Grafen von Spaur auf Roggenburg ging mir ins Netz, der zuerst mit 12 Kreuzern taxiert worden war. Weil er Einlagen hatte (legale!), war er etwas schwer und kostete in Schwaben 12 Kreuzer. Doch seine Erlaucht ruhte nicht mehr dor, sondern war auf Schloß Igling bei Landsberg am Lech abgereist, so dass man ihm den Brief hinterher schickte, jetzt für 8 Kreuzer.

    München - Roggenburg waren 101 km, also 13,5 Meilen, womit der Brief in die Entfernungsstufe über 12 - 18 Meilen fiel, in der ein einfacher Brief 6 Kreuzer gekostet hätte, hier also 6 + 3 + 3 = 12 Kreuzer für die dritte Gewichtsstufe über 1 bis 1,5 Loth.

    Roggenburg - Igling waren 49 km, also 6,6 Meilen, wofür ein einfacher Brief 4 Kreuzer kostete, so dass jetzt gerechnet wurde 4 + 2 + 2 = 8 Kreuzer für die 3. Gewichtsstufe wie oben.

    Der Graf von Spaur durfte auf Schloß Igling ergo total 20 Kreuzer bezahlen, wofür man 1840 hätte 3 - 4 mal Mittagstisch haben konnte. Aber es war wohl wichtig ...

  • Liebe Freunde,


    der Brief aus Würzburg vom 19.11.1840 gibt (zumindest mir) Rätsel auf, scheint er doch 2 Mal verschickt worden zu sein, wobei die Taxen auch nicht gerade einfach zu interpretieren sind, weil sie teils übermalt wurden.


    Er war gerichtet nach Schweigern (bei Boxberg in Baden), allerdings schrieb man bei Heilbronn und das war württembergisch.


    Bayern schickte ihn nach Baden und als erste Taxe lese ich 3 / 6, also Porto für Bayern 3 Kreuzer und angenommenes Porto für Baden von 6 Kreuzern.


    Richtig war aber Schwaigern bei Heilbronn, so dass er bei seiner Rückkehr in Würzburg (2. Stempelfragment) neu taxiert werden musste. Zu den bereits vorhandenen 9 Kreuzer kamen jetzt 6 weitere für Württemberg hinzu, so dass der Empfänger in Schwaigern bei Heilbronn total 15 Kreuzer zahlen musste.


    Unter der Rötel-9 lese ich noch einen Rötel-Krüppel, der eine 7 bedeuten könnte und neben dem Baum 9/6 könnte noch ein Kreuzer Bestellgeld notiert worden sein - evtl. in Württemberg, aber das ist nicht todsicher.


    Hinten leider blank - auch lustig, wenn man die Reise bedenkt.

  • Lieber Ralph,


    was mich verwundert: Kein Retour-Vermerk!

    Unter der 9 stand tatsächlich eine 7, als 7 / 6 notiert wurde. Für die 9 wurde offensichtlich ein anderer Stift benutzt. Wurden in Württemberg Bestell-Kreuzer vorderseitig notiert?


    liebe Grüße


    Dieter

  • Lieber Dieter,


    weil es keine Vermerke gab (die es hätte geben müssen), habe ich ihn gekauft. Auch der 2. Stempel von Würzburg hätte leserlich angebracht werden müssen und der 1. Stempel wäre zu streichen gewesen - alles nicht passiert.


    Württemberg und Baden hatten vorne den Bestellgeldkreuzer notiert - Bayern teils auch noch, aber das ist kein bayer. Kreuzer.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Die Neipperg'sche Hauptverwaltung ist immer noch in Schwaigern, das westlich von Heilbronn liegt. Die Schreibweisen waren im 19. Jahrhundert immer sehr variabel, weswegen der Leitvermerk "Heilbronn" in die richtige Richtung führt.

    Gruß


    wuerttemberger

  • ... ja, richtig, ich nehme aber an, dass der Zusatz "Heilbronn" erst nach der Retoure in Würzburg angebracht wurde.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Freunde,


    bei Briefen an Titelträger, Funktioner oder Ähnliche, bei denen der Namen auf der Adresse nicht genannt wurde, konnte es zu Problemen kommen, weil man als Post nicht wissen konnte, ob der Brief an einen Menschen in ebendieser Funktion, oder eben nur an diesen Menschen (privat) gerichtet war.

    War der Name nicht ersichtlich, sondern nur die Funktion bzw. der Stand des Adressaten, sandte die Post ihn im Falle der örtlichen Unanbringlichkeit dahin, wo der Funktioner wohnte.

    Hier ein Dienstbrief als Königliche Dienst Sache des Landgerichts Altötting vom 19.7.1811 an "Dem königl. Konfiskal des Salzach - Kreises in Salzburg". Die Post sandte ihn gebührenfrei nach Salzburg (bayrisch damals), jedoch schien es Probleme gegeben zu haben, denn der Brief weist einen Präsentationsvermerk ohne Ortsbezeichnung vom 30.7.1811 auf und selbst in der Postkutschenzeit hätte er niemals von Altötting nach Salzburg 11 Tage benötigt bei einer Wegstrecke von 66 km, die man in maximal einem Tag bewältigt hätte.


    Es steht also zu vermuten, dass der Brief in Salzburg ankam, dort entweder liegen blieb, oder einer Dienststelle übergeben wurde, um dann später "Salzburg" zu streichen und durch "Burghausen" zu ersetzen. Die Entfernung Salzburg - Burghausen beträgt gerade mal 53 km und auch das war innerhalb eines Tages zur Sommerzeit zu bewältigen.


    Leider habe ich weder zur Person, noch zum Aufenthalt des kgl. Kronfiskals etwas heraus finden können, das die lange Laufzeit und die Umspedition erklären könnte. Wer es kann, darf mir hier gerne weiterhelfen.

  • Lieber Ralph,


    die Kronfiskale vertraten den Staat in allen Prozessen, die er gegen Dritte führte oder die gegen ihn geführt wurden.


    Hier ein Auszug aus dem Hof- und Staatshandbuch 1812.


    Liebe Grüße

    Dietmar

    Viele Grüße aus Erding!


    Achter Kontich wonen er ook mensen!

  • Lieber Dietmar,


    hab vielen Dank - habe 1/2 Stunde lange gegooled, wo dieser Herr wie tätig war, aber nichts Gescheites gefunden. Du bist weitaus besser, als Google, aber das ist hier ja jedem geläufig. :):)

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Hermann,


    habe vielen Dank für deine ausgezeichnete Recherche - wer sonst könnte hier noch dergleichen zeigen?

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus