Preußen Expressbriefe

  • Hallo zusammen,


    dieses Thema eignet sich prima für einen eigenen Thread.


    Preußische Expressbriefe gibt es ja in den verschiedensten Ausführungen. Ob mit bezahlten Bestellgeld Vorder oder Rückseitig frankiert , mit Botenlohn in die Landbestellbezirk, oder in den Postverein oder...oder... Es gibt jede Menge zu zeigen.


    Ich fange mal mit einem einfachen an.


    Expressbrief aus Breslau nach Wiegschütz . Normale Posttaxe 2 Sgr. + 2 1/2 Sgr. für die Expresszustellung.
    Der Brief ist vom 02.07.66 und wurde am 03.07.66 zugestellt


    schönen Gruss


    Peter


  • Liebe Sammelfreunde


    ein besonderer Beleg ging mir bei Ebay ins Netz, jedoch mit vielen Fragen.


    Es ist nur eine Hülle, so dass eine Datierung fast unmöglich ist, aber.....


    Aufgegeben worden sein muß er am Köthener Bahnhof - scheinbar am 04.03. und lief mit dem Zug in Richtung Berlin nach Dessau. Die Entfernung ist recht auch noch recht kurz, ca. 3 Meilen. Das Franco wurde mit 1 Sgr bar bezahlt!


    Das wichtigere daran ist jedoch, dass unter dem Franco-Vermerk noch "sofort zu bestellen" notiert wurde und auch dafür wurden die weiteren 2 1/2 Sgr bar bezahlt.


    Irgendwie habe ich die Vermutung, dass der Beleg aus dem Jahre 1850 ist, kann es jedoch nicht belegen. Die entscheidene Frage ist hier, ab wann gab es die Expresse-Bestellung in dieser Form eines echten Eilbriefes in Preussen. Ich glaube auch nicht, dass hier etwas "gemacht" wurde.


    Sollte meine Vermutung zutreffen, wäre es auch die späterste Verwendung eines solchen E.P. - Stempels überhaupt. Auch läßt sich durch die baare Zahlung des Francos + Bestellgeld hier unterstellen, dass dieser Stempel bei der Bearbeitung am Bahnhof verwendet wurde.


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • Hallo Peter


    Unter "par express zu bestellen" lese ich


    "wie gewöhnliche bestellung reicht?? bis 13enten Mai Morgens"


    Rückseitig lese ich 2 / 1?


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Liebe Freunde,


    da steht:


    "Par Expreß zu bestellen wie die gewöhnliche bestellung nicht bis 13enten Mai Morgens (ausreicht)".


    Da siegelseitig nur 1/2 Sgr. als Botenlohn vermerkt wurden, glaube ich nicht an eine Expreßbestellung, die meines Wissens 2 1/2 Sgr. gekostet hätte.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Peter,


    unter par Express zu bestellen heißt es "so wie die gewöhnliche Bestellung nicht bis 13ten Mai Morgens". Evtl geht der Text noch weiter? M. E. fehlt "erfolgt" o.ä.


    Viele Grüße


    kreuzer

  • Hallo zusammen,
    vielen Dank für das "Übersetzen".


    Das finde ich aber hoch interessant. Der Absender wünscht eine Bestellung per Express, aber wenn die Post schnell genug ist dann braucht der Brief nicht express zugestellt werden. Ich wusste gar nicht das sowas geht?
    Das nenne ich Service. Sollte heute mal eingeführt werden :D :D


    schönen Gruss
    Peter

  • Lieber Peter,


    weil ich nur bayer. Briefe dieser Art kenne, stelle ich hier keinen ein, aber es ging den Absendern halt um die zeitige Zustellung ihrer Schreiben. Oft gab es Gerichtstermine, bis zu denen z. B. ein Einspruch bzw. eine Einrede möglich war.
    Schaffte das die preuß. Post für 1/2 Sgr. als Normalbrief, dann war alles geritzt. War der Austragungstermin aber erst am Nachmittag, während bis z. B. 12 Uhr morgens etwas zugestellt sein musste, dann hätte man sich eines Expressen bedient.


    Die Problematik ist eine andere: Der Expresse kostete Geld - wieviel, wußte man nicht, wenn der Brief aufs flache Land gehen sollte. Kam beim Empfänger dann ein Expreßbrief endlich an, sollte dieser die Expreßgebühr bezahlen. Das konnte mithin sehr teuer werden und etliche Empfänger lehnten die Zahlung dieser Gebühr ab. Dann musste der Brief mit der Botengebühr als Auslage belastet dem Empfänger remittiert werden. Die Aufgabepost musste ihn also ermitteln und ihm die Kosten des Boten abknöpfen. Schaffte man das, musste man das Geld wieder zurück überweisen, weil es ja der Abgabepost bzw. dem Boten zustand.


    In Bayern behlaf man sich mit einem Depositum, welches der Absender bar bei der Aufgabepost zu hinterlegen hatte und welches die zu erwartenden Kosten des Bestellgangs übersteigen sollte. Nachdem die Retour - Recepisse dann zurück gelaufen war und auf dieser die dort gezahlte Gebühr gegen Unterschrift vermerkt worden war, holte sich die Post den Absender an den Schalter, verrechnete die Kosten mit dem Depositum und gab ihm den Rest wieder (oder kassierte nach, wenn es doch teurer geworden war).


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo zusammen,


    vielen Dank bayern klassisch für Deine ausführliche Antwort. Häufig habe ich dies für Preußen noch nicht gesehen.


    Heute ein anderer und ich denke ein richtiger Expressbrief von Magdeburg nach Ascherleben vom 09.07.1855.


    Das normale Porto wurde mit einer 1 Sgr. Marke und die Expressgebühr in bar bezahlt .


    Der Brief erhielt am gleichen Tag den Ausgabestempel von Aschersleben.


    schönen Gruss


    Peter

  • Lieber Peter,


    hier hat der Absender neben dem Franko von 1 Sgr. noch 2 1/2 Sgr. Expreßgebühr voraus bezahlt, die als Weiterfranko für die Abgabepost vorne notiert wurden.


    Von daher ein echter Expreßbrief! :)


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Peter,


    dann mache ich mal einen Versuch: 3 Sgr. Franko und 3 Sgr. Expreßgebühr?


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Peter


    also wenn ich die Orte richtig finde, dann sind diese gerade 20 Km voneinander entfernt - und dann reicht 1 Sgr für die Beföderung aus. Der Rest von 5 Sgr ist somit für die Expresse Zustellung.


    Dazu fällt mir pauschal ein, dass er von Halberstadt (1 Meile) oder doch Huy? (3/4 Meile) aus zugestellt wurde und bei 1 Meile LBT sind es eben 5 Sgr.


    Francierte Expressbrief in den Landzustellbezirken dürften sehr selten sein, da auch der Beamte Kenntnis der Gebühr haben müßte...
    Möglicherweise entstammte der Brief auch dem Kasten und dann hätte der Absender ebenfalls Kenntnis haben müssen.


    Dies ist nur dann richtig, wenn ich hier richtig gesucht habe...


    Mit freundlichem Sammlergruss


    Ulf

  • Hallo Ulf,


    anscheinend hatte der Beamte hier die nötige Ortskenntnis und der Brief wurde mit 5 Sgr. für die Landzustellung frankiert. Obwohl unzulässig ist das hier geschehen und das ist schon bemerkenswert.


    Hier noch ein Expressbrief von Liebenwalde nach Trebnitz vom 04.06.?? der eigentlich klar ist, obwohl hier es eigentlich, da mehr als 10 Meilen, die zweite Entfernungsstufe war. Aber vielleicht sah mann das nicht so genau?


    schönen Gruss


    Peter

  • Hallo zusammen,


    heute ein Expressbrief von Rheydt nach Cöln vom 14.02.67.


    1 Sgr für den 1 Entfernungsbereich und 2 1/2 Sgr. für die Expresse Beförderung.


    Wenn ich den Brief sehe fällt mir auf das ich immer noch keine Einzelfrankatur unten rechts habe. :(
    Wer eine abzugeben hat darf sich bei mir melden.


    schönen Gruss


    Peter

  • Lieber Peter,


    ein schönes Stück - wie nicht anders von dir zu erwarten.


    Zu der Marke unten rechts: Gab es in Preußen auch diese Vorschrift, dass die Marke(n) oben links zu verkleben waren? Bei Bayern war es so, aber es kommen auch oben rechts und unten links vor. Nur unten rechts ist sehr selten, scheinbar wie bei Preußen auch, wenn in deiner großen Sammlung kein Brief dieser Art vorhanden ist.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Bayernklassisch,


    rechts unten ist auch in Preussen selten.
    Ursprünglich sollten die Marken oben links angebracht werden. Mit dem Wechsel des Ganzsachenwerteindruckes (um 1861) von links nach rechts sollten die Marken oben rechts angebracht werden. Dies sollte die Abstempelung vereinfachen.
    Folgerichtig sind die meisten Kopfausgaben oben links und die Wappenausgabe oben rechts.


    schönen Gruss
    Peter der seine Sammlung nicht so groß sieht, aber ich bin ja noch jung



    noch ein Expressbrief
    Berlin Magdeburg vom 25.07.1855 ( schon gezeigt , nur der Vollständigkeit wegen)

  • Guten Abend "Gemeinde",




    einen Expressbrief möchte ich zeigen, der mir die Tage ins Haus "geflattert" ist - NEIN - keine verspätete Zustellung... 8)


    Expressbrief von Stettin Bahnhof 24.3.1851 nach Berlin.So wie es aussieht, hat der Absender - anlog Posting 11/12 - neben der Briefgebühr 2 Sgr.für die Eilbestellung vorausbezahlt. Warum aber nur ZWEI ? Dass es sich um einen Express-Brief handelt, dürfte aufgrund der Angabe "per Express sofort zu bestellen" ausser Frage sein. Normalerweise wären es ja 2 1/2 Sgr gewesen. Gab es für Berlin eine Sonderregelung ?


    Beste Grüße
    Postgeschichte-Kemser