Frühverwendung der Ortspost Marken (inkl. Poste Locale)

  • Bereits in der Kantonalzeit bestand Frankaturpflicht für das reduzierte Porto. Unfrankierte Briefe zum Versand mit der reduzierten Taxe wurden nicht zugelassen. Bei der Einführung der eidgenössischen Ortspost wurden solche Briefe mit der gewöhnlichen Taxe des ersten Briefkreises behandelt (2 ½ oder eben 5 Rappen).

  • Zürich hatte schon kurz danach eine eigene sogenannte Übergangsmarke.


    Die Winterthur Nummer 11 Inschrift (Ortspost, Poste Locale) zu 2 ½ Rappen.



    Die Winterthur Nummer 11 Inschrift (Ortspost, Poste Locale) zu 2 ½ Rappen.

  • Hergestellt wurden die ersten Bundesmarken von der Berner Lithographischen Anstalt Karl Durheim. Die Auslieferung verzögerte sich jedoch erheblich. Durheim hatte damals noch keine fundierten Kenntnisse wie später bei den Rayonmarken.


    Der Originalstein enthielt 40 verschiedene Zeichnungen in 5 Reihen zu 8 Typen mit oder ohne Kreuzeinfassung.

  • Ausgabe der entsprechenden Marken


    Ortspost 1. Mai 1850


    Poste Locale offiziel laut SBK und Zumstein

    1. Oktober 1850

    Es existieren aber Exemplare vom Juni und sogar ende Mai.

    Dazu später etwas mehr.

  • Nachfolgend möchte ich aufzeigen was zu früherer Zeit zu diesem Thema bekannt war.

    Ich möchte nachdrücklich darauf hinweisen, dass es dabei um reine Information geht und in keinerlei Art und Weise darum irgendwelche Personen schlecht darzustellen. Die ganz im Gegenteil, ich habe grosse Achtung vor jedem Philatelisten, sei es eine private Person oder aber ein Händler, der Nachforschungen betreibt und diese auch der breiten Sammlergemeinschaft zu Verfügung stellt.

    Die Firma Honegger in Schmerikon tat dies früher und ich habe die Erlaubnis gewisse Informationen zu gebrauchen, sofern ich den Quellennachweis angebe, was ich hier auch gerne mache.

  • 1993


    Zur damaligen Zeit war in der Kartei von der Firma Honegger kein einziges Exemplar der Ortspost mit Kreuzeinfassung 13 I bekannt, welches vor dem


    1. Oktober 1850 verwendet wurde. Daraus folgte die Ansicht, dass diese Marke erst ab dem


    1. Oktober in Gebrauch kam.


    Im Vergleich zu den Studien von Herrn Dr. Jäckli widerspricht dies jedoch gänzlich.


    Darum wurde auch auf die Mithilfe aller Sammler und Händler gebeten.

    Die Ortspost ohne Kreuzeinfassung 13 II kam ganz klar früher in den Verkauf.


    Dachte man...






  • Damals war der 16. Juni 1850, entwertet von St. Gallen, das früheste Datum, welches bekannt war.


    Im Grossen und Ganzen kann man auch heute noch Herrn Jäcklin zustimmen, dass die Postkreise I, II, IV, und XI (Westschweiz und Tessin) keine Ortspost Marken erhalten haben.


    Es ist wahrscheinlich, dass diese Marken von Firmen an ihre Vertreter weitergegeben wurden und diese dann vor Ort solche Marken verwendeten.

  • Im Jahr 1994 wurde dann folgendes verkündet


    Nach dieser Veröffentlichung im Jahre 1993 wurden einige neue Daten gemeldet. Vor allem interessant sind zwei Exemplare vom 15. Juni 1850 St. Gallen. Also zumindest einen Tag früher. Somit war die Frühverwendung vor dem 1. Oktober 1850 klar nachgewiesen. Bemerkenswert ist, dass bei den 13 I und 13 II einzig und alleine Frühverwendungen aus


    St. Gallen bekannt sind.


    Finden sich Nachweise für Frühverwendungen anderer Orte?


  • Ein weiterer Punkt fiel damals auf: Die 13 I und


    13 II wurden schon im Juni 1850 in St. Gallen verwendet, (angeblich schon im Mai (18) laut Katalogen).


    Weiter mit zwei Exemplaren vom 1. Juli 1850.


    Danach wurde bis dato keine einzige Verwendung mehr nachgewiesen bis zum 1. Oktober 1850, dem Beginn der Rayonmarken.

  • Man redet bis heute vom sogenannten Ersttag, dem


    1. Oktober 1850.


    Nun kam die Frage auf


    Hatte St. Gallen einen Versuchsbetrieb für diese zwei Marken im Frühsommer?


    Diesen kurz danach wieder abgebrochen?

  • Da ich solche Marken auch schon gesichtet hatte und mein Sammelgebiet ja eh St. Gallen von


    1850-54 war, versteht sich von selbst, dass mich dieses Thema schon damals sehr faszinierte.


    Also sagte ich mir….


    ,,das schaue ich mir einmal sehr genau an,,


    aber eins nach dem anderen…

  • 2001 veröffentlichten die Herren


    Hansueli Sieber und Henri Grand ihre Studie nach einem langen Besuch im Postarchiv Bern.


    Daraus war zu entnehmen, dass beispielsweise St. Gallen angeblich insgesamt 20000 Marken erhielt. Oder Luzern 4000, Bellinzona 8000 usw.


    Leider habe ich keine Erlaubnis diese Liste zu veröffentlichen, da ich dieses Dokument vertraulich bekam. Wenn jemand anderes diese Liste hat bitte einfügen.


    Nach eigenen Recherchen im PTT Archiv kann ich jedoch sagen und beweisen

    ,, Originaldokumente,, dass es noch erheblich mehr Briefmarken waren die damals an die Postkreisdirektionen ausgeteilt wurden.

  • Jahr 2006


    Am 1. Mai 1850 erhielt die Kreispostdirektion VII Luzern als erste eine Lieferung von 4000 Ortspost Marken. Am 10. Mai 1850 folgten die Lieferungen an die Kreisdirektionen von Genf, Lausanne, Neuchatel, Aarau, St. Gallen, Chur und Bellinzona.


    Interessant ist die Tatsache, dass als einziger Ort Genf am 18. Mai 1850 die erhaltenen 20’000 Ortspost Marken mit dem Vermerk nach Bern zurücksandte, dass man selber über ein Wertzeichen für das Ortspost Porto verfüge (Waadt 5). Dieses hatte aber nur im eigenen Postkreis Gültigkeit.