Erfahrungen und Einschätzungen zum Ausstellungswesen

  • Im wunderschönen Gmunden am Traunsee (Oberösterreich) findet am letzten August-Wochenende eine nationale Briefmarkenausstellung statt. Ich meine, das ist so ziemlich die erste nach dem Lockdown... Und eine Landschaft, die einen philatelistischen Kurzurlaub allemal wert ist.

    Seid alle herzlich eingeladen, vorbeizuschauen

    Gerald

  • Lieber Gerald,

    vielen Dank für deine Info.

    Mal sehen, was mein Terminkalender und meine Frau zu einem Ausflug nach Gmunden sagen:)

    Liebe Grüße

    Franz

  • In Gmunden hatte ich vor 10 Jahren eine Sammlung ausgestellt und bin mit einer Großgoldmedaille (94 Punkte) und dem Ehrenpreis des Landeshauptmanns von Oberösterreich heimgefahren.

    "Ein Leben ohne Philatelie (und Katzen) ist möglich, aber sinnlos!" (frei nach Loriot, bei dem es allerdings die Möpse waren - die mit vier Beinen wohlgemerkt)

  • Lieber Peter, auch dir dazu nachträglich herzlichen Glückwunsch.

    Was meinst du denn zu meinen Sammlungen, die ich in den letzten Tagen hier im Forum eingestellt habe, könnte ich die auf einer echten (analogen) Ausstellung zeigen?

    viele Grüße
    Erwin W.
    preussen_fan

  • Lieber Erwin,


    zunächst einmal herzlichen Dank für die nachträglichen Glückwünsche.


    Zu Deiner Frage:

    Ich verstehe gar nicht, wie Du daran zweifeln kannst, dass diese wunderbaren Sammlungen auf analogen Ausstellungen nicht bestehen könnten. Für mich ist es ein Genuss, Deine Seiten zu betrachten, und jedem, der ein Herz für unser Hobby hat, wird es nicht anders ergehen. Daher brauchst Du nicht zögern, falls Du Dich mit dem Gedanken trägst. Dass du Dir dabei auch eine Menge Ärger an den Hals hängen wirst, sollte Dir von voernherein klar sein, ehe Du die Ausstellerbühne betrittst. Bei mir ist inzwischen der Entschluss gereift, dass ich mir das nicht mehr antue.


    Viele Grüße von maunzerle

    "Ein Leben ohne Philatelie (und Katzen) ist möglich, aber sinnlos!" (frei nach Loriot, bei dem es allerdings die Möpse waren - die mit vier Beinen wohlgemerkt)

  • Danke lieber Peter für deine netten Worte und die „Warnung“.

    Ich werde mir das mal durch den Kopf gehen lassen.

    viele Grüße
    Erwin W.
    preussen_fan

  • Ich weiß nicht warum viele immer so viel Ängste vor dem Ausstellen haben, es gibt halt Regeln die man befolgen sollte, meist kommen die Ängste daher dass man auf Aussteller hört die in ihren Augen falsch bewertet wurden. OK, es wird halt trotz der Regeln zumindest teilweise auch subjektiv bewertet, das ist beim Boxen oder Eiskunstlauf aber nicht anders...


    Machs gemäß der alten NIKE Werbung "Just Do It", all das hat aber mit dem Thema der Diskussion nichts mehr zu tun...

  • Hallo Rainer,


    ich denke, das geht am Thema vorbei. In den letzten 20 - 25 Jahren wurden postgeschichtliche Sammlungen (und nur davon schreibe ich) immer besser, während das Level der sie jurierenden Personen auf dem Vorkriegsstandard blieb. Es trafen also zigfach Spitzensammlungen auf Ahnungslose. Das Ergebnis kann man nach folgender, von mir erfundener Gleichung subsummieren:


    Schrottsammlung trifft auf Schrottjuror: Bewertung zu hoch, oft viel zu hoch.

    Schrottsammlung trifft auf guten Juror: Bewertung zu Recht niedrig.

    Spitzensammlung trifft auf Schrottjuror: Bewertung zu niedrig, oft lächerlich.

    Spitzensammlung trifft auf guten Juror: Bewertung hoch, immer zu Recht.


    Ich maße mir mal an, maunzerle und mich in einen phil. Topf zu werfen, womit wir im Bereich der Spitzensammlungen wären. Hatten wir die leider oft üblichen Schrottjuroren, waren unsere Bewertungen jenseits jeden Sachverstandes.


    Hatten wir das Glück (und des Glücks sollte es beim Ausstellen gar nicht erst bedürfen) auf einen guten Juror zu treffen, waren unsere Bewertungen in den 80er und 90er Bereichen.


    Nur ein Beispiel: Rang 2 Ausstellung, groß, viele interessante Sammlungen. Ich stellte 2 Sammlungen aus, links und rechts. Dazwischen eine andere PO - Sammlung. Meine beiden Sammlungen bekamen hinsichtlich des Fachwissens eine Punktzahl ca. 35% unter dem Maximum. Der Sammlerfreund, der zwischen meinen Sammlungen ausgestellt hatte, bekam 15% unter der Maximalpunktzahl.


    Darauf hin angesprochen, gaben die Juroren zur Antwort, dass der Kollege hat einfach mehr wüßte, als ich.


    Bemerkung: Der andere Sammler war ca. 8 Wochen zuvor durch einen Spontankauf in den Besitz dieser Sammlung (ohne jede Beschreibung) gekommen und hatte mich ca. 7 Wochen vor Ausstellungsbeginn nett gefragt, ob ich sie anlässlich eines Pfalztreffens für ihn beschreiben könnte, er kann auch Steno. Nun, 7 Wochen vor Ausstellungsbeginn habe ich ihm über 1 Stunde lang alle Belege vom 17. bis zum späten 19. Jahrhundert, ohne sie jemals gesehen zu haben, aus dem Handgelenk und ohne Literatur dabei zu haben beschrieben und er hat die aufgeschriebenen Texte 1 zu 1 unter den Briefen notiert.


    Soviel zur Kennerschaft von Juroren - und ich könnte noch 100 andere (leider wahre) Geschichten erzählen, in denen viele Juroren sehr schlecht wegkommen. Um so mehr freute ich mich, gute Juroren vor mir zu haben, die verstanden, was vor ihnen in den Rahmen stand und nicht hirnlosen Müll, oder ihre absonderlichen Präsentationswünsche absonderten.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Sammlerfreunde,

    dazu nur ein Beispiel, welches mir seinerzeit sämtliche Illusionen über eine korrekte Bewertung genommen hat.

    Titel der Sammlung: Postexpedition Schonungen 1852 - 1885, Die Zeit der Halbkreisstempel, 5 Rahmen auf Rang 3

    1. Ergebnis: Gold

    2. Ergebnis: Gold mit Ehrenpreis

    mittlerweile 6 Rahmen

    3. Ergebnis: Vermeil

    Auf die Frage warum die Bewertung so niedrig ausfiel antwortete der Juror: "Es fehlt der seltene Jahrhundertstempel von 1900"

    Da war ich platt.

    Seitdem ist das Thema Ausstellung für mich gestorben.

    Meine Sammlungen zeige ich nur noch auf Werbeschauen mir befreundeter Sammlervereine oder besonderen Anlässen unseres Vereins.

    Gruß

    bayernjäger


    PS: Dazu muss noch erwähnt werden, dass neben meiner Sammlung eine Jugendsammlung Bayern mit Gold bewertet wurde, in der alle seltenen Marken (schwarzer Einser, 12 und 18 Kreuzer-Werte) aus aausgeschnittenen Bildchen aus Auktionskatalogen bestand.

  • ... das wundert mich (leider) nicht.


    Hatte mal eine reine VMZ - Sammlung der Briefpost Bayern am Start mit vielen Rosinen der Postgeschichte (Laufzettel, Retour-Recepisse ins Ausland, 25. Gewichtsstufe, Ortsdrucksache, Forwarded aus den USA und und und) und bekam - Vermail.


    Frage: Warum Vermail? Antwort des Oberjurors: Ich habe mir die 10 seltensten Vormarkenzeitstempel aus dem Feuser kopiert und keinen in Ihrer Sammlung gefunden.


    Antwort von mir, nachdem ich seine Kopien gesehen hatte: Das sind ja alles Fahrpoststempel!


    Antwort von ihm: Egal, ich hätte halt nur sehr wenig Geld ausgegeben, wenn ich die teuren Stempel nicht zeigen kann ... ohne Worte, oder?

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

    Einmal editiert, zuletzt von bayern klassisch ()

  • Ja, so kann es einem gehen. Hab auch schon mal eine Tellbrustbild Belge Sammlung " Verwendung der Ausgabe" unter Postgeschichte ausgestellt. Die Sammlung hatte alles drin was selten ist bei Tellbrustbildern.
    Die Bewertung Vermeil.... Auf die Frage hin, warum Vermeil:

    1: ich hätte 5 Ramen angemeldet und diese auch so im Anmeldeformular beschrieben. Hier sind nur 4 Rahmen ausgestellt. Ich antwortete: ich bekam kurzfristig, während der Belegung der Rahmen, nur 4 Rahmen zugeteilt, obwohl ich die Bestätigung schriftlich für 5 Rahmen Monate zuvor bekam. Ich musste vor Ort meine Sammlung auf 4 Rahmen kürzen.

    2: Ich hätte noch eine Sammlung ausgestellt, Heimatsammlung Colombier, das sie eine Sammlung die Gold verdient. Sie sei auch schöner aufgezogen.

    3: Das Thema 100 Jahre Tellbrustbild, sei kein Thema um Gold zu holen. Zu billig, keine Bedeutung, die Raritäten fehlen.
    Wie bitte, hier stehen in 4 Rahmen all die Rosinen die aus dieser Ausgabe bekannt sind und noch einige mehr, die bisher ausser ich nur Kenner kannten,

    - Vorersttag (16 Tage vor offizieller Ausgabe) Brief Ganzsache der Ausgabe Inland

    - Ein Ersttagsbrief 14.7.1914 des Tell Brustbild nach München

    - Blechdosenpostbrief nach Tonga Island Niuafoou mit Schweizer Marken (auch ein Tell Brustbild)

    - Alle seltensten Stempel, mit entsprechender Beschreibung, auf dieser Ausgabe.

    - Perfin Briefe mit dieser Ausgabe.

    - Desinfizierte Post wegen Maul und Klauenseuche.

    - Kurierpost

    - Verwendungen der Marke im Fürstentum Lichtenstein, inkl. ein Ersttatgsbrief in Lichtenstein.

    - Segelflugpostbrief, Katapultpost, Schiffspost, Flugpost nach Bangkok mit 13x 10er Marken

    - Formulare mit diesen Marken in Verbindung mit Fiskalmarken

    - Mischfrankatur mit Kocher Etikette als Markenhalter

    - Unerlaubte Frankaturen mit ungültigen Marken.

    - Mit verbotenen Überdrucken von Bela Sekula, ins Ausland verwendet

    - Feldpost in Ausland (1. Weltkrieg), Teilporto für die Schweiz.

    - Nachtaxierungen im Ausland, höheres Gewicht, Weiterleitung usw...

    - 1/2 Ramen Mischfrankaturen der eher seltenen Art, Stehende Helvetia mit Tell Brustbildern unter anderem folgende Unikate: eine 40Rp Stehende mit Tell Brustbild, chargiert nach England. Eine 1 Fr Stehende mit 10 RP Tell Brustbild nach Oesterreich.


    Der Juror bleib bei seiner Bewertung. Schade, die Sammlung hab ich weggepackt und nie mehr ausgestellt, den das 200 Jahr Jubiläum werde ich nicht mehr erleben.


    Was mich am meisten verärgerte: Ich stellte die Sammlung im Jahre 2014 aus weil es das 100 Jahr Jubiläum dieser Marke war, das wurde nicht annähernd beachtet, genau das wäre die Bedeutung gewesen die der Juror nicht wertete. Stand übrigens in der Anmeldung 100 Jahre Tell Brustbild.

    Hier mangelte es vor allem an der Vorbereitung des Jurors.

  • Liebe Freunde,


    das Ausstellen macht die Sammlung besser - nur mit den Punkten müsst ihr rücksichtsvoll sein. Ich will keinem Angst machen, im Gegenteil. Aber ab einem gewissen Level kann man sich schon ein paar Fragen stellen ...

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Freunde,


    für mich bleibt nach der Lektüre zahlreicher solcher Berichte nur eine Schlussfolgerung übrig: »Aussteller sind Menschen, die sich zwingen, eine logische Reihenfolge für philatelistische Belegstücke zu finden, die sie sich unter normalen Umständen nicht unbedingt kaufen würden, nur um anderen Menschen zu imponieren, die sie nicht mögen.«


    Machen wir uns nichts vor, Ausstellungsehren befriedigen ein persönliches Geltungsbedürfnis, und deshalb wird es stets Menschen geben, die sich geduldig anstellen, um ausstellen zu dürfen. Niemand wird gezwungen, in dieses Hamsterrad zu steigen – es bewegt sich nur, so lange gestrampelt wird.


    Ein Freund von mir hatte sich einen Hund gekauft. Der wurde dann in der Hundeschule angemeldet. Stolz führte der Besitzer immer wieder einen Trick vor, den man dem Tier dort beigebracht hatte: Er rief »Peng!«, der Hund drehte sich auf den Rücken, streckte alle viere in die Luft und bekam anschließend ein Leckerli. Das funktionierte zuverlässig ein ums andere Mal. Nach der x-ten Demonstration fragte ich den Freund: »Und du bist sicher, dass es der Hund ist, der dressiert wurde?«

    Viele Grüße aus Erding!


    Achter Kontich wonen er ook mensen!

  • Ja nicht schlecht.

    Ich stelle aus, weil ich gerne mehr erfahren möchte. Nur wenn ich meine Sammlung zeige, kann ich etwas darüber erfahren was ich noch nicht weiss.

    Das sollte der Hauptgrund sein, seine Sammlung auszustellen.
    Die Befriedigung vom persönlichen Geltungsbedürfnis, gehört beim Sammler bestimmt auch dazu. Doch wenn es nur das ist was er will, dann kann er das einfacher haben und muss keine Briefmarken ausstellen.

    Doch wir müssen schon sehen, ein Juror sollte den Sammler fördern, er soll Ihm sagen was er ändern sollte, wie er es ändern kann und wie er die Sammlung weiterentwickeln kann. Problematisch wird es wenn man 3 Juroren hat, jeder hat seine eigene Meinung, doch da muss der Sammler entscheiden was er annimmt und was nicht. es st ja auch seine Sammlung und mehr als eine schlechte Entscheidung fällen kann man nicht. Es geht nichts kaputt, ausser das Ego.

    Aber generell gilt, jeder Aussteller will gelobt und gebauchpinselt werden, es ist Sache der Juroren dies zu bewerkstelligen. Das ist nicht immer einfach, aber es gehört dazu. Wenn es dann doch mal schief geht, gibt es den Jurypräsidenten, der sollte dann retten was zu retten ist.

    Lieber Gruss Rene