GB - Baden

  • Hallo zusammen,

    die meisten meiner Belege aus Grossbritannien habe ich hier anderswo schon gezeigt - z.B. bei der "Incoming Mail nach Baden" -, aber auch wenn mich eigentlich nur die nach Heidelberg adressierte Post interessiert, halte ich doch einen Thread mit dieser Überschrift für sinnvoll.

    Wie gewöhnlich brauche ich auch für diesen, meinen ersten markenlosen Beleg meiner Incoming Mail euere Hilfe:

    altpostgeschichte.de/core/index.php?attachment/73268/

    Offensichtlich war es möglich, im November 1857 im Manchester einen Brief bar zu frankieren - "PD"- und "PAID"-Stempel sagen das eindeutig aus. Aber mit den adressseitigen Taxvermerken - die rote "8" und die blaue "2" - bin ich schon überfordert ... Was kostete der Brief überhaupt? Was beanspruchte Frankreich? Wurden von der Empfängerin 2 Kreuzer kassiert?


    Bemerkenswert ist die schnelle Beförderung - siegelseitig schön dokumentiert.

    Viele Grüße

    Alfred (balf_de)

    Einmal editiert, zuletzt von balf_de ()

  • Lieber Alfred,


    gut zu sehen - der Absender zahlte 8 Pence für den voll frankierten Briefe bis 7,5g via Frankreich.


    Das blaue Geschreibsel oben kann ich aber nicht interpretieren.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo,


    dieser einfache Teilfrankobrief aus Lynn vom 23.8.1841 war mit 1 sh. 6 d. bis zur Küste bezahlt. Die Spedition erfolgte über London, Dover und Ostende nach Aachen. Mit dem direkten Paketschluss Aachen-Mannheim gelangte der Brief nach Baden.

    Preußen belastete für den belgischen (20 Cts.) und den eigenen Transit insgesamt 8 Sgr. In Mannheim wurde WP gestempelt und das fremde Porto in 28 Kr. reduziert. Mit dem Inlandsporto von 7 Kr. ergab sich ein Gesamtporto von 35 Kr.

    In Heidelberg wurde der Brief am 4.9.1841 neu aufgegeben und nach Mannheim gesandt. Lt. dem badischen Tarif von 1834 wären hierfür 4 Kr. angefallen. Ich kann jedoch nur links unten 2 Kr. erkennen.

    Interessieren würde mich auch, was es mit dem rückseitig abgeschlagenen Stempel "Castle Rising PennyPost" auf sich hat.


    Grüße von liball

  • Hallo Karl,


    das britische Teilfranko ist 1s 10d (1. GS bis 1/2 Unze). Die "10" wird oft als "6" gelesen. Zu Deiner Frage kann ich kann nur eine relativ blöde Antwort geben: Der Brief ist halt mit der Penny Post in Castle Rising (Grafschaft Norfolk) befördert worden.


    Viele Grüße

    Martin

  • Hallo Martin,


    vielen Dank für die Berichtigung.

    Ich habe gerade im Tabeart gesehen, dass der normale Tarif 1s 8d. gewesen wäre. Die zusätzlichen 2d für die Strecke Lynn-London?


    Grüße

    Karl

  • Hallo Karl,


    ich lese als badisches Porto eine etwas optisch verunglückte 3x, was für 18 km Luftlinie auch passen müsste.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Ralph,


    der badische Tarif von 1834 kannte in der 1. Gewichtsstufe nur 2 Kr. (bis 2 Meilen) und 4 Kr. (über 2 bis 6 Meilen).


    Grüße Karl

  • Hallo Karl,


    die Frage mit den Kreuzern ist ja vom Sammelgebiet her nur ganz wenig meine Baustelle, aber spricht nicht für die "2" (dann offensichtlich eine Fehltaxierung wie Du schreibst) daneben auch, dass oben links eine "37" (= 35 + 2) als Gesamtportobelastung in Kreuzern für den Empfänger in Mannheim angeschrieben ist?


    Viele Grüße

    Martin

  • Hallo Karl,

    eine kurze Anmerkung bzw. Erklärung zum rückseitigen Stempel "Castle Rising Penny Post". Die sogenannten Penny-Posts stammen aus der Zeit vor der großen Postreform (10.01.1840) im Vereinigten Königreich (UK). Sie wurden eingerichtet, weil innerhalb eines solchen Penny-Post-Bezirks ein Brief für 1d befördert wurden. Es fielen also innerhalb eines Penny-Post-Bezirks keine entfernungsabhängigen Gebühren an, wie sonst beim Briefversand im UK. Es gab schätzungsweise etwa 150 solcher Penny-Post-Bezirke im UK. Manche waren klein, soll heißen, dass zum Postamt einer größeren Stadt nur zwei oder drei Receiving Houses in den umliegenden Dörfern gehörten. Zu manchen Penny-Post-Bezirken gehörten aber auch mehr als ein Dutzend Receiving House oder auch Sub-Post-Offices (untergeordnete kleine Postämter mit einem umfangreicheren Dienstleistungsangebot als in den Receiving Houses).

    Allerdings wurden in vielen Penny-Post-Bezirken die entsprechenden Stempel auch nach der großen Postreform weiter verwendet, obwohl nun die Inlandsgebühren für bezahlte Briefe im UK einheitlich auf 1d für die erste Gewichtsstufe bis 1/2 festgelegt worden waren. Mit den Stempeln konnte aber der genaue Aufgabeort dokumentiert werden, und da die Herstellung von Stempeln teuer war, behielt man sie der Einfachheit halber einfach bei.

    Castle Rising gehörte zum Penny-Post-Bezirk von Lynn. In Lynn befand sich das Postamt, während in Castle Rising ein sogenanntes Receiving House existiert, in dem Post angenommen und verteilt wurde. Oft befanden sich diese Receiving Houses in einem Pub oder im Dorfladen und sind somit quasi die Vorläufer der Postagenturen, die wir heute hier in Deutschland kennen. In Großbritannien haben diese kleinen Dorfpostämter eine noch viel längere Tradition als bei uns. Allerdings offerierten die Receiving Houses nur ein sehr eingeschränktes Angebot an Dienstleistungen. Meist wurde dort in der Tat nur Post angenommen und verteilt. Dein Brief wurde also im Receiving House Rising Castle aufgegeben, lief dann von dort nach Lynn, wurde dort im zuständigen übergeordneten Postamt erneut gestempelt und ging dann von dort auf die Reise Richtung Baden.

    Ich hoffe, dass damit der Stempel und seine Bedeutung hinreichend erklärt ist.

    Viele Grüße

    Theo

  • Hallo Martin,


    es ist fast nicht zu glauben, aber ich habe die 37 bisher nicht gesehen, obwohl es eigentlich nicht zu übersehen ist.


    Hallo Theo,


    vielen Dank für deine ausführliche Erläuterung zur Penny Post.


    Grüße

    Karl

  • Hallo Theo,


    auch von meiner Seite vielen Dank für deinen Beitrag. Allerdings solltest du nicht vergessen, daß auch in deutschen Landen viele Poststellen kleine Briefsammlungen oder Agenturen waren, die meist in Läden oder Wirtschaften/Gasthäusern untergebracht waren.


    beste Grüße

    Dieter

  • es ist fast nicht zu glauben, aber ich habe die 37 bisher nicht gesehen, obwohl es eigentlich nicht zu übersehen ist.

    Es ist beruhigend, dass selbst die besten Postgeschichtler, zu denen Du ja zweifellos und unbestritten gehörst, nicht vor solch sympathischen Aussetzern gefeit sind. :)


    Viele Grüße

    Martin