Bayern - Schweiz - Chargé / Recommandirt

  • Liebe Freunde,


    von einem äußert netten Forumsmitglied konnte ich den hier 1 zu 1 eintauschen. Brief aus Augsburg vom 19.12.1855 nach St. Gallen in der Schweiz, frankiert mit 9 Kreuzern für den 2. Rayon Bayerns und den 1. Rayon der Schweiz, also korrekt. Aber die Besonderheit war, dass der Absender den Brief in den Briefkasten geworfen und auf ihm oben Recommandirt vermerkt hatte.


    Hierzu passt die VO-Nr. 14.873 vom 16.9.1853, nach der eigentlich dieser Vermerk durch die Hand des Abdsenders zu streichen war - aber ein Absender war nicht greifbar. Man hätte dann unter dem Vermerk "Boite", oder "Aus dem Briefkasten" notierten und den Brief unrekommandirt abgehen lassen sollen.


    Aber die 6 Kreuzer für die Recommandation wollte man in Augsburg dann doch haben und notierte daher folgendes: "Boîte, noch 6 Recomand. Gebühr" und belastete somit die Schweiz, in specie St. Gallen, mit dem Einzug von 20 Rappen, die allein der Aufgabepost zustanden, nicht der bayer. Postverwaltung, weil in Bayern die Reco - Gebühren zu den Emolumenten der Postbediensteten gehörten.


    Man brachte aber KEINEN Chargé - Stempel an und vergab auch keine Reco - Nummer! Das ist nun ein sehr widersprüchliches Verhalten, denn die Stempelung mit dem Chargéstempel war vorgeschrieben, auch wenn niemand da war, der einen Schein beanspruchen konnte (Vermerk im Reko - Manual dann einfach: "Aus der Boîte recommandirt").


    Ob der Empfänger in St. Gallen die 20 Rappen bezahlt hat? Ob der Brief in der CH als rekommandirt behandelt wurde und nur gegen Unterschrift auszuhändigen war? Wir wissen es leider nicht ...

  • Lieber Ralph,


    da hast du einen wirklich interessanten Beleg eingetauscht. Ich habe aber 2 Fragen:

    Wo steht denn die 20? Was bedeutet die 3 auf der Rückseite? Kreuzer, die in Rappen umgerechnet wurden?


    liebe Grüße


    Dieter

  • Lieber Dieter,


    20 Rappen stehen nirgends - aber Bayern wollte ja offensichtlich 6x haben und die hätten genau 20 Rappen entsprochen.


    Die 3 (Kreuzer) hinten war der CH - Anteil des 9x Frankos, da St. Gallen im 1. Rayon lag und dafür musste man 3x frankieren. Es ist nicht zu verwechseln mit einer geteilten Frankoabgeltung, bei der nur das bayer. Franko in Marken auszudrücken, das Weiterfranko aber siegelseitig zu notieren war.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Ralph,


    vielen Dank für die schnelle Antwort. Ich hatte eine Notiz über die Umrechnung erwartet. Anscheinend hatten die Schweizer aber mit der Anwendung der Kreuzer-Währung kein Problem.


    Dieter

  • ... ich denke, die haben Augsburg eins ausgeschmiert und nichts von ihrem Kunden erhoben. Die Schweizer machten schon damals nichts, was andere wollten ...

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus