Donau Dampfschiffahrts Gesellschaft

  • Hallo Sammlerfreunde,

    Im Jahre 1829 wurde die Erste K.K. privilegierte Donau Dampfschiffahrts Gesellschaft gegründet.

    Ihre Aufgabe war die Bewältigung des Personen und Güterverkehrs, anfangs im Gebiet der Monarchie und anschließend im

    Gesamtgebiet der Donau, ab Linz bis zum Schwarzen Meer.

    Ab den Jahre 1845 beschränkte sich das Einsatzgebiet der DDSG auf die Donauschiffahrt eine Linie nach Odessa blieb jedoch bestehen.

    Der darüber hinaus gehende Linienverkehr wurde fortan vom Österreichischen Lloyd durchgeführt.

    Folgender Brief wurde am 20.9.1869 der DDSG zum Transport übergeben.

    Der Brief wurde mit einem blauen Agentur-Stempel von "TURNAU MAGURELLE" (Rumänien) entwertet und an die Agentur BRAILA (Rumänien) gesandt.

    Gemäß handschriftlicher Notiz kam der Brief am 24.9. 1869 beim Empfänger an.

    Das Briefporto betrug zu jener Zeit 10 Kr.

    Liebe Grüße

    Franz

  • Lieber Franz,


    schönes Stück - aber wie muss ich mir als Laie das alles vorstellen?


    Briefabgabe wo? Markenkauf wo? Transport auf der Donau allein, ohne Involvierung von Bahnposten? Abgabe am Zielort an der Donau (wer trug die Post aus), oder weit entfernt von der Donau (wer trug die Post dann aus?).


    Waren Sonderdienste möglich (Reco, Express, Rückschein, Muster ohne Wert usw.?).

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Ralph,

    leider kann ich deine Fragen nicht beantworten.

    In meiner vorhandenen Literatur wird der Postdienst der DDSG nur sehr oberflächlich behandelt.

    Es würde mich auch sehr interessieren wie die Interaktion des Postdienstes der DDSG mit der österreichischen und ungarischen Post funktionierte.

    Ich vermute ,dass im Zielhafen die Post vom österreichischen bzw. ungarischen Postbeamten zur weiter Beförderung übernommen wurde.

    Weiters vermute ich, dass die DDSG-Marken bei der Aufgabe in der jeweiligen DDSG -Agentur gekauft werden konnten und dort auch gleich mit den jeweiligen Agentur-Stempel entwertet wurden. Aber das ist reine Spekulation.

    Vielleicht kann im Forum jemand etwas dazu sagen.

    Liebe Grüße

    Franz

  • Hallo Franz,


    da hätte ich dann auch eine Frage zu diesem Thema :)

    Post aus Odessa nach oder über Wien Richtung Frankreich ist nichts seltenes. Es gab auch schon früh einen direkten Kartenschluß Odessa-Wien, so dass Odessa-Briefe mit diesem Leitweg ausser einem Durchgangs- bzw. Ankunftsstempel von Wien häufig keinerlei Merkmale über den konkreten Laufweg zeigen.

    Nun findet man bei manchen Losbeschreibungen von solchen Briefen über die Donau nach Wien oder mit der DDSG befördert.

    Was ist von solchen Angaben zu halten? Anhand welcher Merkmale kann man eine solche Beförderung auf dem Fluss erkennen?
    Bei deinem Brief - ein schönes Stück! - ist es eindeutig, aber so was habe ich auf Odessa-Briefen noch nicht gesehen.


    Gruß

    Michael

    Preußen mit Transiten

  • Lieber Franz,


    vielen Dank für deine Antwort - vlt. findet sich hier noch ein Kenner dieser sehr interessanten und spannenden Materie. Ich kann morgen auch noch etwas dazu zeigen - natürlich mit bayer. Relevanz ...

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Franz und Ralph!


    Der Postdienst der Ersten k.k. priv. Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft (1840-1880) erstreckte sich auf die Donauhäfen in Rumänien, Bulgarien, Serbien und Odessa. Agenturen bestanden von 1840 - 1844 in der Türkei, Konstantinopel, Saloniki, Smyrna und Trapezunt sowie den Dardanellen, in Gallipoli, Mitelene und Varna.


    Zur Zeit der Ausgabe der ersten DDSG-Briefmarken erstreckte sich der Postdienst auf die Gebiete der unteren Donau und Odessa.


    Ursprünglich betrug der Portosatz für einen Brief 17 Kreuzer, Mitte 1867 wurde er auf 10 Kreuzer ermäßigt. In Österreich-Ungarn waren die Marken nicht frankaturgültig.


    LG Bernhard




  • Hallo Bernhard,


    vielen Dank - aber könntest du meine Fragen von # 2 postgeschichtlich beantworten?


    Schon jetzt vielen Dank für deine Mühewaltung.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Michael, hallo Sammlerfreunde,

    Mit der DDSG beförderte Belege wurden üblicherweise mit DDSG-Marken frankiert und/oder es wurde zumindest ein Agentien-Stempel der DDSG auf den Beleg abgeschlagen.

    Im Ferchenbauer Band IV ist dazu vermerkt: Mit der DDSG beförderte Briefe wurden für die Strecken außerhalb Österreich-Ungarns mit DSG-Marken freigemacht; wenn sie jedoch nach Österreich oder Ungarn (bzw. in Staaten darüber hinaus) befördert wurden, mussten sie für diese Strecken mit österreichischen bzw. ungarischen Freimarken zusätzlich freigemacht werden, sonst wurde Nachporto erhoben. Geduldet wurden aber auch Zusatzfrankaturen mit österreichischen Levante-Marken.

    Die Entwertung der Marken konnte auf zweierlei Art erfolgen: entweder durch Mitabstempelung durch den Stempel der DDSG-Agentie bei der Aufgabe, oder es wurde bei der Aufgabe die DDSG-Marke allein entwertet; die staatliche Freimarke blieb also zunächst unentwertet - ihre Entwertung erfolgte erst durch die österreichische (oder ungarische) Post anlässlich der Übernahme im Austauschhafen.

    Liebe Grüße

    Franz

  • Hallo Ralph!


    Wie bereits von Franz angeführt kann ich leider auch diese Fragen nicht beantworten.


    Soweit ich mich jetzt erinnere, hatte Emil Capellaro ua. auch eine DDSG-Sammlung. Vielleicht findet man eine nähere Beschreibung im Band XVIII der Edition d'Or-Ausgabe: "Österreich-Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft (D.D.S.G.).


    Lg Bernhard

  • Lieber Ralph,

    wir bewegen uns bei der DDSG auf sehr dünnem Eis, weil das alles "extremst seltenst" ist ;-)

    Die Postbeförderung an sich kann man sich ungefähr so vorstellen, wie beim LLoyd. Nur hatte die DDSG ab 1866 auch noch eigene Marken. Sonst gab es einen Vertrag mit der österreichischen Post. Der Brief konnte bei der DDSG-Agentur oder direkt am Schiff abgegeben werden. Er wurde dann - wenn der Brief etwa nach Ibraila ging - dort bei der Agentur abgeholt.

    Für weitere Beförderungen hat Franz schon das Procedere beschrieben.

    In der Frühzeit beförderte die DDSG die Post auch im Schwarzen Meer und Mittelmeer. Briefe aus den 1840er Jahren mit DDSG-Stempeln gehören zu den Feinheiten der österreichischen Postgeschichte. Diese Konkurrenz hat der Lloyd bald schon abgedreht und die DDSG war nur noch für die Beförderung von der Donaumündung bis etwa Orsova zuständig.

    Es hat sich in späterer Zeit viel getan, was sich auch postalisch niederschlägt - wie die Bahnpost "Via Kustendje" in Verbindung mit der DDSG und die Verbindungen mit Varna. Eine interessante Zeit!

    Sehr viel darüber erfährt man im umfangreichen Werk von Werner Schindler über die österr. Levante. Ich kann dieses Buch überhaupt sehr empfehlen, weil es einen interessanten und innovativen Zugang zum Thema eröffnet. Ich weiß aber nicht, ob es noch erhältlich ist...

    Liebe Grüße, Gerald

  • Liebe Freunde,


    habt vielen Dank für eure Mühe mit mir, da ich ja ganz wenig von dieser interessanten Materie verstehe, aber gerne mehr davon verstünde, sammle ich doch Bayern - Österreich et ivce versa seit über 15 Jahren speziell.


    Ich werde nach allem Ausschau halten, was es da gibt und gebe laut, wenn ich Erfolg hatte.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Ralph,

    vielen Dank für das Zeigen des Briefes mit den schönen DDSG Stempel der Agentur Passau.

    Liebe Sammlerfreunde,

    Ich freue mich über die tolle Resonanz, die mein gezeigter Beleg hervorgerufen hat und bedanke mich bei allen Schreibern für ihre wertvollen Infos.

    Einen Beleg der durch die DDSG befördert wurde, habe ich noch in meinen Fundus entdeckt.

    Der Brief wurde am 26.7.1866 der Agentur Sistov (Bulgarien) zum Transport übergeben.

    Das Schreiben an einem Geistlichen ist datiert mit Sistov am 13. Juli 1866.

    Der Brief wurde mit einem blauen kreisrunden Datumsstempel 26.7. entwertet

    und an die Agentur Galatz (Rumänien) gesandt.

    Das Briefporto betrug zu jener Zeit 17 Kreuzer.


    Zur Zeit der Einführung der Briefmarken betrug das Porto der DDSG 17 Kreuzer per Brief und Loth;

    bereits am 24.11.1867 wurde der Portosatz auf 10 Kreuzer ermäßigt, um Postdienst der DDSG

    gegenüber der österreichischen Auslandspost konkurrenzfähig zu machen.

    Liebe Grüße

    Franz

  • Liebe Freunde,


    danke für die Erläuterungen. Dann kann man davon ausgehen, dass alle (!) mit der DDSG beförderten Briefe kenntlich sind.


    Gruß

    Michael

    Preußen mit Transiten

  • Weil wir uns ja mit ALT-Postgeschichte beschäftigen, hier einmal ein Vorphila-Brief der DDSG: Von Ibraila nach Konstantinopel aus 1843. Der "Port Paye" im Oval ist der Franco-Stempel der DDSG-Agentur Ibraila. Bislang gibt es davon angeblich 2 Stück...

    Die häufigsten sind die DDSG-Agenturstempel von Constantinopel. Ich schätze, dass davon ca. 5- max. 10 existieren.

    Für Interessierte: Ein sehr schöner DDSG-Vorphilabrief aus Ibraila (auch ca. 5 bekannt) ist übrigens demnächst beim Köhler zu haben :-)