Hannover - Dänemark

  • Hallo allerseits,


    bei den Briefen aus dem Königreich Hannover nach Dänemark (inkl. der Herzogtümer) finde ich solche besonders interessant, die in das Herzogtum Lauenburg liefen.
    Da Lauenburg bis 1815 zu Hannover gehörte, galt vermutlich ein Sondertarif oder vielleicht sogar noch der hannoversche Inlandstarif für den Briefverkehr zwischen Hannover und Lauenburg.

    Hat dazu jemand Unterlagen und weiß es genauer?
    Damit könnte man dann auch die Taxen dieses Briefes aus Lüneburg (1831) klären.

    Viele Grüße
    nordlicht

  • Hallo,


    laut Circular 36 vom 29.12.1817 gilt:


    "In Folger einer, mit der Dänisch Kgl. Post-Adminastration abgeschlossenen Übereineinkunft, ..."


    jetzt nicht mehr wörtlich: Der Tarif ist der Inlandstarif bis Lüneburg plus der Inlandstarif ab Lüneburg bis zum Bestimmungsort, wobei folgende Entfernungen festgelegt wurden:

    - nach Lauenburg 2 1/2 Meilen

    - ...


    Damit ist der hannoversche Tarif von 1814 bzw. 1818 gültig (neuer Hannover-Tarif erst 1834).


    P.S. Das Circular findet man beim DASV unter "Projekt Postverträge" oder bei der ARGE Hannover-Braunschweig (hier sogar inkl. Verschlagwortung unter "Hannover -> Literatur -> Gesetze und Circulare" (Link: https://arge-hannover.clubdesk…iteratur/hannover-gesetze / Zugang und Download hier allerdings nur als Mitglied der ARGE)

  • Hallo Welfe,

    ich bin begeistert, vielen Dank für die klaren Informationen!

    Bleibt eigentlich nur noch eine Frage übrig: wie lange galt diese Sonderregelung für Lauenburg?
    Vielleicht bis zum Postvertrag zwischen Hannover und Dänemark 1855 bzw. bis zum Postvertrag zwischen Preußen und Dänemark 1854 (der auch für Hannover angewendet wurde).

    Viele Grüße
    nordlicht

  • Hallo,


    laut Circular 87 vom 5.6.1834 galt weiterhin der Grundsatz Inlandstaxe plus Taxe von Lüneburg nach Lauenburg. Allerdings gibt es die Besonderheit/Änderung, dass für die Inlandstaxe der neue hannoversche Inlandstarif ab 1834 galt, für die Taxe von Lüneburg ins "Lauenburgische" aber weiterhin die alte Taxe von 1814.


    Diese Vereinbarung galt bis zum 31.12.1845. Ab dem 1.1.1846 galt ein neuer Tarif (für Sendungen aus dem Hannoverschen war nun Arltenburg das "Austauschpostamt" = bis hierhin war der Inlandstarif zu zahlen plus die "Lauenburgische Taxe" gemäß Anlage A) - vgl. Circular 154 und die zugehörige Anlage A vom 15.12.1845


    Gruß,

    Björn


    P.S. Eine Anmerkung in "Corona-Zeiten": 'Fünf Monate später wäre der Brief von Lüneburg nach Lauenburg wegen der Cholera-Epidemie desinfiziert worden.

  • Hallo Björn,

    klasse, nochmal herzlichen Dank!
    Mit all diesen Infos knacke ich vielleicht noch die restlichen Taxierungsfragen bei meinen übrigen Hannover-Briefen! :)
    Das Circular 154 habe ich leider nicht unter den DASV Postverträgen gefunden.
    Der Inlandstarif 1834 ist soweit klar, aber die Lauenburgische Taxe gemäß Anlage A fehlt mir noch. Ist es möglich, diese hier zu posten?


    Viele Grüße
    nordlicht

    PS: Ein Cholera-Brief wäre natürlich eine Kirsche auf der Torte, aber man kann nicht alles haben. Mir reicht es schon, wenn ich den Briefverkehr zwischen Schleswig Holstein Lauenburg und Hannover - zumindest weitgehend - dokumentieren kann.

  • ... und hier die Kirsche auf der Torte.


    Ein desinfizierter Brief von Lüneburg nach Mölln (Hzgtm. Lauenburg) vom 3.11.1831 mit dem Desinfektionsstempel "GERÄUCHERT" des lüneburgischen Postamtes - es ist allerdings ein Dienstbrief ohne Taxierung, aber trotzdem ganz nett.



    Gruß,

    Björn

  • Hallo Björn,

    danke für das Circular!
    Das Wochenende ist hoffentlich lang genug, um meine (wenigen) Briefe damit abzugleichen.

    Die Bezeichnung "ganz nett" finde ich sehr untertrieben für diesen tollen Brief!

    Viele Grüße
    nordlicht

  • Hallo zusammen,


    Da möchte ich doch mal die Gelegenheit nutzen und die beiden Experten zu folgender Briefbeschreibung aus meienr Sammlung fragen. Ist die Beschreibung so korrekt ?


    Frohe Ostern CAmeo



    Brief aus OLDENBURG im gleichnamigen Großherzogtum nach RATZEBURG im Hzgt. Lauenburg vom 14. Apr. 1852. Der Brief ist mit einer vorausentwerteten Marke zu 2 Sgr. frankiert. Da Lauenburg nicht dem Postverein angehörte, wurde der Vermerk „frei“ durch „frei Hamburg“ verbessert. Die Lauenburger Taxe betrug 2 SLM. Wegen Verzug des Adressaten nach Göttingen wurde der Brief von dem als Forwarder dienenden Kfm. Wedemeier mit 2 SLM für Lauenburg und 7 SLM für Hannover bar frankiert und der Vermerk „frei Hamburg“ auf „frei Göttingen“ verbessert. Am Taxgrenzpunkt nach Hannover wurde mit roter Tinte von Artlenburggeschrieben und das Weiterfranko von 7 SLM mit 3 ½ Hannoveraner Gutegroschen vermerkt.


  • Hallo Cameo,

    wieder einmal ein hochinteressanter Brief!
    M.E. betrug das lauenburger Porto 2 1/2 SLM (die auch mit Rötel mittig notiert sind).
    Für die Weiterleitung von Ratzeburg nach Artlenburg müssten es auch 2 1/2 SLM gewesen sein (und ich meine auch hinter der Rötel-"2" beim "frei"-Vermerk noch weitere Zahlen zu erkennen).

    Viele Grüße
    nordlicht

  • Hallo,


    ich komme mit dem Brief leider noch nicht so ganz klar.


    Wenn man für das Lauenburgische Porto 2 1/2 Schillinge ansetzt, kommt es rechnerisch hin:

    Mit Marken frankiert bis Hamburg plus 2 1/2 Schillinge Lauenburgisches Porto von Hamburg bis Ratzeburg und für die Weiterleitung 2 1/2 Lauenburgisches Porto von Ratzeburg nach Artlenburg plus 1 Gutegroschen hannoversches Inlandsporto (= 2 Schillinge) macht in Summe 7 Schillinge = 3 Gutegroschen und 6 Pfennige (vgl. 3-6) = 3 1/2 Gutegroschen. (Umrechnung gemäß Circular 194)


    Aber warum 2 1/2 Schillinge?

    Laut Circular 194 (vom 24.12.1849) galten die Tarife von 1845 (Circular 154) weiter (in neuer Währung). Dort steht (§ 3, 4. Absatz): Postsendungen aus den westlichen und nördlichen Teilen von Hannover können über Hamburg geleitet werden (normalerweise war Artlenburg das Austauschpostamt). Dies erklärt auch den Hinweis "Franco Hamburg". Allerdings betrug in diesem Falle das Lauenburgische Weiterfranco 2 Schillinge in alle Orte im Herzogtum Lauenburg. Auch für den Rückweg von Ratzeburg nach Artlenburg galt gemäß dieser Taxe eine Brieftaxe von 2 Schillingen.

    Mir fehlt für beide Wege jeweils ein halber Schilling?

  • Hallo,


    wir müssen hier zwischen Schilling Courant und Schilling Lauenburgischer Münze unterscheiden.
    Laut Circular 154 betrug ab 1.1.1846 das lauenburgische Porto bis Ratzeburg ausdrücklich 2 Schilling Courant. In Lauenburg wurde das aber in eigener Währung notiert, d.h. 2 1/2 Schilling L.M.

    Viele Grüße
    nordlicht

  • Hallo,


    als Ergänzung hier noch einmal im Anhang die Circulare 194 und 195.


    Im Circular 194 wird darauf hingewiesen, dass der Tarif aus dem Circular 154 (in Schleswig-Holsteinische Courant) nun 1:1 übernommen wird, nun aber in Lauenburgische Schilling Courant.


    In Circular 195 erfolgte eine Berichtigung der Taxe (sprich neue Taxtabellen in neuer Währung) - leider liegt mir hier der entsprechende Anhang nicht vor.


    Gruß,

    Björn

  • Hallo,


    nach längerer Zeit habe ich mich mal wieder mit Briefen zwischen Hannover und Lauenburg beschäftigt.
    Mit Hilfe der oben zur Verfügung gestellten Cirkulare sollte die Portobestimmung gelingen, aber passt bei diesem Brief noch nicht perfekt:
    Der Brief lief 1848 von Osterode nach Mölln.
    Das hannoversche Porto berechnete sich aus der Entfernung Osterode-Artlenburg: ca. 184km = 24,5 Meilen, also 3 Gutegroschen für 20-25 Meilen nach der Hannover-Taxe von 1834. Da der Brief 1 1/2 Loth wog 2-fach, d.h. 6 Gutegroschen, die umgerechnet 10 Schilling entsprachen.
    Das lauenburgische Porto für einen Brief nach Mölln betrug 2 Schilling und wurde - wegen einer anderen Gewichtsprogression - für 1 1/2 Loth 1,5-fach gerechnet, also 3 Schilling.
    Mit 1/2 Schilling Bestellgeld ergeben sich die notierten 13 1/2 Schilling.


    So weit, so gut - aber wie passt die rote Tinten-"5" ins Bild?


    Viele Grüße
    nordlicht

  • Hallo,

    für Hannover nach Dänemark hätte ich auch etwas.

    Gruß

    DSBerlin

    "Wer von Nichts eine Ahnung hat, kann wenigstens überall mitreden!"

  • Hallo,

    eher ich hier "Mecker" kriege :):):) , liefer ich die Rückseite und eine Beschreibung nach.


    Brief Göttingen - Vordingborg/Dänemark




    Brief aus Göttingen nach Vordingborg/Dänemark. Der Brief ist für ein Gesamtgewicht von 1 Loth portogerecht mit 5 Silbergroschen (MiNr.: 15 und MiNr.: 16) frankiert. Das Franco setzt sich folgender Maßen zusammen: 3 Silbergroschen für die Beförderung von Göttingen nach Hamburg und der Auflieferung beim Königlich Dänischen Oberpostamt (hannoverscher Portoanteil); 2 Silbergroschen (dänischer Portoanteil) für die Beförderung zur dänischen Grenze und der Beförderung in die 2. dänischen Entfernungsstufe ab der Grenze. Daraus ergeben sich 2 Silbergroschen ausländischer Francoanteil. Der ausländische Francoanteil wurde auf der Briefvorderseite handschriftlich vermerkt. Das gesamte Franco wurde vom Absender entrichtet, Die Marken wurden entwertet mit dem Stempel „GÖTTINGEN 12/9 8-9A“. Auf der Briefrückseite befinden sich der Ankunftsstempel „KDOPA HAMBURG 13/9 6-7M“ des dänischen Postamts in Hamburg und der Durchgangsstempel „RINGSTED 14/9“ sowie der Ankunftsstempel „VORDINGBORG 15/9“, des Weiteren der rote Vermerk „2“ als Angabe des Francos was an Dänemark abgeführt werden musste.


    Gruß

    DSBerlin

    "Wer von Nichts eine Ahnung hat, kann wenigstens überall mitreden!"

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  • ... hier wird nicht gemeckert, hier wird nur optimiert! :P:P


    Gewichtsvermerke befinden sich überlicherweise oben links bei Briefen des 19. Jahrhunderts - da sehe ich aber nichts.


    Neben dem Wort Franko steht m. E. das Weiterfranko für Dänemark in Höhe von 2 Groschen, so dass Hannover 3 Groschen verblieben. Kann das jemand bestätigen oder rektifizieren? Für mich ist das ein einfacher Brief bis 1 Loth.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Chasing Sheep Is Best Left To Shepherds

  • Hallo Ralph,

    also meinst du, dass die blaue "2" das ausländische Franco ist und keine Angabe des Gewichts? Das kann aber nicht hinhauen, weil das Franco in die 3. dänische Entfernungsstufe die 3 Groschen beträgt, somit hätte ja eine "3" vermerkt werden müssen! Vielleicht findet sich ja noch ein Spezialist für die Portostufen etc..

    Gruß

    DSBerlin

    "Wer von Nichts eine Ahnung hat, kann wenigstens überall mitreden!"