Stempel 20a/b

  • Hallo Freunde


    Ab und zu findet man Kleinigkeiten bei Stempeln die man nicht glaube kann. Und leider sind die Stempeln dann oft schlecht abgeschlagen, so dass man nicht so 100 % sicher sein kann ob es richtig oder nicht ist.


    Hier habe ich einen Brief der in Juni 1875 abgeschickt war, aber es sieht auf der Stempel so aus ob der Brief in 1870 angekommen war. Von einem Thread in einem andern Forum weiss ich schon dass der Stempeltyp 20 b weiter verwendet wurde nachdem das eingestellte Stempeljahr schon vorbei war. Aber nach 5 1/2 Jahr immer noch zu sehen? Für mich sieht es auf jeden Fall so aus.


    Der Stempel-20a/b-experte Erdinger hat hoffentlich etwas dazu zu sagen.


    Gekauft war der Brief wegen der Laufweg. Von Augsburg nach Massing hätte ich der Laufweg über Landshut erwartet. Hier ist es aber über Neuötting. Man lernt immer was neues :) :)


    Fast vergessen. Der Brief war ein Musterbrief (nicht vorderseitig erwähnt) von Augsburg nach Massing in der 2. Gewichtsstufe mit 2 Mal die Nummer 23 und ein Mal die Nummer 22 frankiert.


    Viele Grüsse
    Nils

  • Lieber Nils,


    dass in Massing die Zeit offenbar länger stehen geblieben ist als anderswo, bestätigt dein Stück. Mit ihm gibt es jetzt schon zwei, die ich kenne (was noch nichts heißen muss). Massing ist in dieser Hinsicht bisher Rekordhalter.


    Viele Grüße aus Erding!

  • Hallo Erdinger


    Danke für die Antwort. Mit zwei Briefen hat man eine bessere Antwort als mit nur einem Brief :)


    Sem erwähnt zwei Stempeltypen aus Massing. Ist es wirklich so dass Massing ein 20a und ein 20b Stempel gleichzeitig benutzt hat? Massing ist ja kein Grossstadt. Oder war vielleicht der Stempel 20b mehr als einen typ Reservestempel zu rechnen? Leider habe ich kein Massing Stempel vorher genauer angeschaut oder gar gesehen.


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Lieber Nils,


    mir ist bisher nur dieser eine Stempeltyp bekannt, für den ich in meinem Datenarchiv noch Stempeldaten vom 28.6.1874 (kaum erkennbar, keine Uhrzeit, aber Jahreszahl "70") und 18.10.1876 (jetzt wieder mit Außenkreis, dafür ohne Monat und ohne Jahreszahl) gefunden habe. Einen Stempel vom Typ 21/hohe Grotesk kenne ich erst von 1890 (mit eingesetzter Jahreszahl).


    Viele Grüße aus Erding!

    Viele Grüße aus Erding!


    Achter Kontich wonen er ook mensen!

  • Hallo Erdinger


    Danke für die Antwort. :)


    Es zeigt sich dass auch "langweiligen" Stempeln sehr interessant sein kann.


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Hallo abrixas,


    streng nach Winkler geht's eh nicht (weil er zwei verschiedene Typen unter 20a laufen lässt). In meiner kleinen Forschung zu diesem Thema habe ich mich jetzt auf die Typen 20a/b nach Helbig/Sem festgelegt. Die machen schon genug Arbeit.


    Das Tückische an der Sache sind die "Frankenstein-Typen" - hier wurde zusammengefügt, was nicht typgerecht war (was aber niemanden störte):
    Der Stempel von Uehlfeld war mal ein lupenreiner 21 a (nach Helbig/Sem, "hohe Grotesk" nach Winkler). Ab 1883/84 wurde den Geräten dieses Typs dann wieder eine Jahreszahl eingesetzt (damit waren sie ein 21 b nach Helbig/Sem). Die Datumsgruppe erscheint jetzt allerdings in einer Antiqua-Schrift, ebenso die einfache Stunde.

  • Das Tückische an der Sache sind die "Frankenstein-Typen" - hier wurde zusammengefügt, was nicht typgerecht war (was aber niemanden störte):

    Hallo Erdinger
    Selbst Helbig ist in seinen Büchern nicht 100%-ig konsequent. What shall's? :whistling:
    Bei dieser Gelegenheit: FrOstern! :D :thumbsup:

    "Extra Bavariam non est vita et si est vita non est ita."

  • Liebe Freunde,


    damit mir diese schöne und außergewöhnliche Stempeltype 20b nicht völlig vergessen wird, hier ein Brief aus Speyer (Speier) vom 30.4.1870:


    [Blockierte Grafik: http://s3.imgimg.de/uploads/IMG000467fcebb5jpg.jpg]


    Man sandte an das Bürgermeisteramt in Enkenbach bei Kaiserslautern eine Rechnung für Einrückungsgebühren, deren Kosten vorderseitig perfekt aufgeschlüsselt sind:


    Auslag(e) 2 Gulden 17 Kr. (für das Inserat),
    Port(o) 8 Kr.
    Bestellung 3 Kr. (für den Boten), der auch artig darunter quittierte, die Summe in Enkenbach erhalten zu haben ("Erhalten, Urbel, Postbote").


    Derartige Nachnahmebriefe sind eigentlich nicht selten, aber Stempel auf ihnen i. d. R. nicht sehr gut abgschlagen, was bei der komplizierten und feinen Stempeltype 20b natürlich meist weniger attraktive Abschläge nach sich zog, als bei simpler gestrickten Stempeln (Halbkreiser o. ä.).


    Er ist für einen lieben Freund unserer ARGE aus Speyer reserviert. :)


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Bayernfreunde,


    der kleine Brief, den ich zeige - es handelt sich um ein Kuvert - hat leider keinen Inhalt und ist somit auch nicht genau zu datieren.
    Er ist mit einer Nr. 15 frankiert und lief wohl irgendwann in den Jahren von 1870 bis 1875 von Wiesau in der Oberpfalz nach Eichstädt in MIttelfranken.


    Die Marke wurde entwertet mit einem Einkreisstempel. Nach dem Stempelkatalog von Sem kann es sich dabei nur um die Stempel Nr. 20a oder 20b handeln. Bei beiden Stempeln hätte auch noch die Uhrzeit und evtl. (bei 20b) das Jahr gesteckt werden müssen.


    Mich würde nun interessieren, um welchen Stempel es sich nun genau handelt.
    Kommt das bei den 20iger-Stempeln öfters vor, dass man sie nicht komplett gesteckt hat?
    Vielleicht kann der liebe Erdinger, der sich mit diesen Stempeln ja gut auskennt, etwas dazu sagen?


    Viele Grüße
    bayern-kreuzer

  • Lieber Bayern-Kreuzer,


    das ist ein 20 a (so ein blitzsauberes Stück hätte ich auch genommen!).
    Zu Beginn seines Stempellebens war er ein 20b, d.h. mit Jahreszahl.
    Dass Bestandteile wie die Uhrzeitgruppe fehlen (oder falsch oder anders gesteckt sind), ist bei diesem Stempeltyp ab 1870/71 fast die Regel.
    Es scheint fast so, als ob die Expeditoren mit dem neuen Gerät überfordert waren, das so seine Macken hatte.
    Datums- und Uhrzeitgruppe bestanden übrigens aus weichem Schriftmetall und nutzten sich ziemlich schnell ab.
    Um solche, nennen wir sie einmal: Rumpfstempel zeitlich einordnen zu können, benötigt man längere Abschlagsreihen (die man von vielen kleineren Orten kaum zusammenbekommt).


    Viele Grüße aus Erding!

    Viele Grüße aus Erding!


    Achter Kontich wonen er ook mensen!

  • Hallo Bayern-Kreuzer,


    da der Brief mit einer MiNr 15 frankiert ist und Wiesau erst am 1.12.1869 zur PE erhoben wurde, halte ich die Verwendung im Januar 1870 für am wahrscheinlichsten (Stempeldatum 3. Jan.).


    Die gezähnte MiNr 23 erschien im Juli 1870 und dürfte ob ihrer für den Standardbrief üblichen Verwendung sehr schnell überall zum Einsatz gekommen sein, sodass allenfalls noch Jan. 1871 - als Spätverwendung - plausibel erscheinen mag.


    Natürlich kein "k.o."-Kriterium, aber doch sehr wahrscheinlich...

    Beste Grüsse vom
    µkern

  • Verehrte Freunde,


    wenn man das Stempelhandbuch von Sem konsultiert, dann ist von Ebersberg kein 20b-Typ bekannt, jedenfalls nicht auf Marke.
    Seit Erscheinen des Buchs sind zwar einige Jahre vergangen, aber es ist auch erst das zweite Stück, das ich mit Jahreszahl sehe, und ein verhältnismäßig klarer Abschlag dazu.


    Viele Grüße aus Erding!

  • Lieber Erdinger,


    weder so schön, noch so selten, aber trotzdem habe ich ihn für 6 Euro einfach nicht liegen lassen können, denn er zeigt schön den Verschleiß an diesem Werkzeug: Neustadt an der Haardt vom 9.5.1870 - vlt. etwas für deine Kartei? Nach der Stundenangabe ist schon Ende ...


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Lieber bayern klassisch,


    danke, den Scan nehme ich! Neustadt am Haardt ist ein merkwürdiger Fall. Der Ort gehörte zu jenen handverlesenen Postanstalten, die schon 1869 einen 20b zugeteilt erhielten.
    Selbst zu Beginn (seit Oktober sind Abschläge bekannt) war die Jahreszahl kaum zu erkennen. Aus dem Jahr 1870 sind mir bisher nur Abschläge vom Januar bekannt gewesen - dein Mai-Datum hilft also schon weiter.
    Erst ab 1871 spendierte man dem Stempelwerkzeug eine neue Jahreszahl, 1872/73 hatte sie sich nach meinem gegenwärtigen Kenntnisstand schon wieder verflüchtigt.


    Viele Grüße aus Erding!

    Viele Grüße aus Erding!


    Achter Kontich wonen er ook mensen!

  • Lieber Bayern-Kreuzer,


    so schön sieht man ihn selten! Der Rest des Briefes sieht aber auch sehr ordentlich aus. ;)


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Verehrte Freunde,


    danke, dass ihr an mich gedacht habt! Die Scans nehme ich gerne.
    Hassfurt ist neues Frühdatum.
    Augsburg Bahnhof ist bei mir bisher nur von April bis Dezember 1869 belegt und noch einmal Februar 1870. Bis dahin hatte das Werkzeug sichtbar gelitten.


    Viele Grüße aus Erding!

    Viele Grüße aus Erding!


    Achter Kontich wonen er ook mensen!