Baden 1848 / 1849 Soldatenbriefe

  • Liebe Sammlerfreunde,

    hierzu folgender Brief:

    Soldatenbrief aus Karlsruhe vom 19. April 1849 nach Heidelberg. Rückseite Truppenstempel. Trotzdem mit 3 Kreuzer taxiert. Wahrscheinlich, weil der Truppenstempel unleserlich abgeschlagen wurde, oder es galt zu dieser Zeit keine Gebührenfreiheit.

    Zur Badischen Revolution folgender Link:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Badische_Revolution

    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • VorphilaBayern 30. Juni 2026 um 16:59

    Hat den Titel des Themas von „Baden 1849 Soldatenbriefe“ zu „Baden 1848 / 1849 Soldatenbriefe“ geändert.
  • Lieber Hermann,

    ein interessanter Lagebericht über das Soldatenleben während der Unruhen 1848 in Baden:

    An
    Jungfer Karoline Keller
    in Dienst bei Snr: Wohlgeb:
    Herrn Kaufmann Hermann
    in
    Karlsruhe


    Lörach den 5 ten Septemb Oktober 48

    Liebe Karoline !

    Nachdem ich heute zum erstenmal seit=
    dem wir von Freiburg weg sind
    Zeit und Gelegenheit habe zu schrei=
    ben, will ich es nicht unterlassen
    Die einige Nachricht von mir zu
    geben. Den Brief welchen ich Dir
    von Freiburg aus den 29 ten Septb: ge=
    schrieben habe wirst Du erhalten ha=
    ben, da aber jener Brief für Dich
    nichts beruhigendes hatte im Gegen=
    theil derselbe nur Deine Besorgniß
    vermehren könnte indem ich damals
    einem Tag entgegenging an dessen
    Morgen ich, so wenig als Du wissen
    konnte wie es am Abend desselben
    Tags um mich stehen werde, so beeile
    ich mich Dich durch einen zweiten Brief
    zu benachrichtigen daß jener Tag glück=
    lich für mich vorübergegangen ist, es ist
    ein wichtiger Tag für uns Soldaten
    denn es ist der Tag unserer Feuertaufe und
    wir haben ihn Gott sei Dank herrlich be=
    standen. Seit jenem Treffen in Staufen

    hatten wir harte Strapazen durch zu=
    machen bei Tag Marschieren und bei der
    (Nacht ?) auf die Wache oft unter dem freien
    Himmel ohne irgend ein ander Obdach zu haben
    als einen Baum, und ich bin seitdem vom
    24 ten September bis den 4 ten Oktober nur
    3 Mal ins Bett gekommen, doch wir haben
    alle diese Mühseligkeiten gern getragen
    aus Liebe zum Vaterland, und freuen
    uns daß wir unsern Zweck, Ordnung
    und Ruhe wieder herzustellen so bald
    erreicht haben, wir sind gestern hieher nach Lör=
    rach gekommen und dieß ist heute der
    erste Tag seit wir von Karlsruhe weg
    sind wo wir der Ruhe genießen.
    Ich habe oft und viel an Dich gedacht
    meine Liebe denn ich weiß wie sehr
    Du in Sorge und Kümmerniß lebst
    und hätte Dir diese Zeit her manch=
    mal gern gesagt sei unbekümmert
    um mich es geht mir wohl, wenn
    Du meine Stimme hättest vernehmen
    können. Ich sehne mich nach dem Au=
    genblick wo ich Dich wieder umarmen
    kann und hoffe, diese Sehnsucht wird
    bald erfüllt werden.
    Unterdessen Lebe wohl
    Dieß wünscht
    Dein bis in den Tod getreuer
    Philipp Wenz
    Feldwebel

    Grüße auch Deine guten Freundinnen
    Die mich kennen.

    Viele Grüße
    Gerd