Vorschriftsmäßige Entwertungen mit Nummernstempel nach dem 31.3.1859

  • Liebe Sammlerfreunde,

    bis zum 31.3.1859 war es Vorschrift, die Marken mit dem Nummernstempel zu entwerden. Der Ortsaufgabestempel war daneben zu setzen. Ab 1.4.1859 entfiel diese Bestimmung und die Marken sollten nun mit dem Aufgabestempel entwertet werden, so dass der umständliche Gebrauch von zwei Stempeln entfiel. Allerdings galt das nicht für die Marken der 1. Ausgabe. Diese mussten auch weiterhin mit dem Nummernstempel entwertet werden.

    Als erstes zeige ich eine Ganzsache mit Zusatzfrankatur der 1. Ausgabe. Die Ganzsache ist korrekt mit dem Aufgabestempel von Guhrau entwertet worden, die Marke korrekt mit dem dazugehörigen Nummernstempel 555.

    Das nächste Briefstück ist meiner Meinung nach etwas Besonderes:

    Das Briefstück ist nach dem 1.4.1859 abgestempelt worden, da die Marke der 3. Ausgabe schon mit dem Ortsstempel entwertet wurde, die Marke der 2. Ausgabe jedoch noch mit dem Nummernstempel. Nummernstempelentwertung war bis 31.3.1856 obligatorisch, danach nur noch für die 1. Ausgabe Pflicht. Hier hat der Postbeamte diese Regel überkorrekt aber unnötig auch auf die 2. Ausgabe angewendet.



    viele Grüße
    Erwin W.
    preussen_fan

  • Liebe Sammlerfreund,

    ich zeige jetzt mal drei Briefe mit jeweils der gleichen Frankatur, nämlich 2-Sgr.-Marke der ersten Ausgabe in Mischfrankatur der 1-Sgr. Marke der dritten Ausgabe.

    Der erste Brief stammt vom 23.3.1859 und beide Marken sind mit Nummernstempel entwertet. Das Datum ist 1 Woche vor Beendigung der Nummernstempelentwertung und somit korrekt entwertet.



    Der zweite Brief stammt vom 17.5.1860. Beide Marken sind mit dem Ortsstempel entwertet. Das ist eine unkerrekte Entwertung, weil Marken der ersten Ausgabe auch weiterhin mit Nummernstempel entwertet werden mussten.



    Der dritte Brief stammt vom 4.6 1860. Nur die Marken der ersten Ausgabe mussten weiterhin mit dem Nummernstempel entwertet werden. Fälschlicherweise hat der Postbeamte auch die Marke der dritten Ausgabe mit Nummernstempel entwertet. Nachdem er seinen Fehler bemerkt, schlug er zusätzlich den Ortsstempel ab. Es handelt sich also um eine seltene kombinierte Duplex und Doppelentwertung. Damit ist die Entwertung wieder korrekt.


    viele Grüße
    Erwin W.
    preussen_fan

  • liebe Sammlerfreunde,

    zunächst einmal möchte ich zwei Begriffe erläutern und zwar Duplexentwertung und Doppel- oder Mehrfachentwertung.

    Unter DOPPELENTWERTUNG oder MEHRFACHENTWERTUNG verstehe ich einen Beleg, bei dem eine Marke mehrfach mit dem Nummernstempel entwertet wurde. Bei einer DUPLEXENTWERTUNG ist die Marke sowohl mit dem Nummernstempel als auch mit dem Ortsstempel entwertet.


    Duplexentwertungen scheinen nicht sehr häufig zu sein. In der 26. Kruschel-Auktion von 1987 werden aus der Metzer-Preussen-Sammlung folgende zwei Belege angeboten:





    Es handelt sich bei beiden Belegen um eine Duplexentwertung. Kruschel erwähnt die geringen Vorkommen.

    Vielleicht hat er sich ja geirrt, oder eine Teil der geringen Menge hat einen Weg in meine Sammlung gefunden. Ich zeige jetzt mal alles, was ich bei mir finden konnte:









    viele Grüße
    Erwin W.
    preussen_fan

  • Lieber Erwin,


    interessante Stücke zeigst Du. Dabei würde ich das kleine Briefstück in deinem Beitrag #1 nicht geringschätzen. Ein interessanter Irrtum des Postlers, der sich anscheinend nicht genau erinnerte, dass nur Marken der 1.Ausgabe auf farbigem Papier weiterhin mit dem Nummernstempel zu entwerten waren. Habe ich so zuvor noch nicht gesehen.


    Ein weiteres Beispiel für Markenentwertung mit Nummern- UND Ortsstempel wurde am Wochenende bei der 195. Rauhut & Kruschel-Auktion angeboten. Leider ist die Briefhülle nicht datierbar.




    Bildquelle: Rauhut & Kruschel


    NB: Mit deiner Definition von Duplexentwertung weichst Du etwas vom üblichen Sprachgebrauch ab. Meines Wissens bezeichnet man damit i.d.R. Briefe, bei denen die eine Marke mit Orts- und die andere mit Nummernstempel entwertet wurde. (Stört mich jetzt nicht, wollte nur darauf hinweisen)


    Gruß

    Michael

    Preußen mit Transiten

  • Lieber Michael,

    ich halte das von dir genannte Briefstück auch für eine Besonderheit, das habe ich bisher noch nicht gesehen.

    Weiterhin fände ich jetzt eine Diskussion zu den Begriffen gut, da ich demnächst mit der Beschriftung der Belege beginnen will. Eventuell sollte dieser Beitrag vielleicht in den Hilfe-Ordner verschoben werden.

    Ich stelle nochmal folgende Belege vor:


    &thumbnail=1

    Duplexentwertung?


    &thumbnail=1

    Doppelentwertung?


    Mehrfachentwertung?


    &thumbnail=1

    Duplex- mit Doppelentwertung?


    Sind die Bezeichnungen, so wie ich sie unter den Belegen eingetragen habe korrekt? Oder gibt es andere Meinungen? Es wäre schön, wenn sich einige an der Diskussion beteiligen würden.

    viele Grüße
    Erwin W.
    preussen_fan

  • Lieber Erwin,


    spricht nichts gegen. Mir fällt so spontan aber auch keine Quelle ein, in der solche Festlegungen schon einmal getroffen wurden.


    Gruß

    Michael

    Preußen mit Transiten

  • Lieber Michael, lieber Dieter,

    danke für eure Diskussionsbeiträge.

    Ich glaube aber, dass man zwischen Stempel und Entwertungen unterscheiden muss. Anderson bezeichnet mit einem Duplex-Stempel ein Gerät, während ich mit Duplex-Entwertung die Entwertung von mindestens zwei Marken mit zwei verschiedenen Geräten meine.

    viele Grüße
    Erwin W.
    preussen_fan

  • Liebe Sammlerfreunde,

    ich habe hier bei Derichs folgenden bayerischen Beleg gefunden, der als

    Duplexentwertung bezeichnet wird.



    viele Grüße
    Erwin W.
    preussen_fan

  • Jep, vielen Dank!


    Bei Bayern - bei anderen Sammelgebieten mag das differieren - spricht man von einer Duplex - Entwertung, wenn eine, oder mehrere Marken mit einer Stempelart und eine, oder mehrere andere Marken mit einer anderen Stempelart entwertet wurden.


    Also eine Marke auf Brief mit z. B. Nummernstempel und Ortsstempel: Duplexentwertung.

    2 Marken auf dem Brief - eine mit Nummernstempel, eine mit Ortsstempel: Duplexentwertung.

    2 Marken auf dem Brief - eine, oder beide mit beiden Stempeln entwertet: Duplexentwertung.


    Eine Doppelentwertung liegt m. E. dann vor, wenn eine Marke statt nur einmal von einem Stempelabschlag von mehreren Stempelabschlägen desselben Stempelgerätes bedruckt wurde.


    Aber prinzipiell gilt bei jedem Hobby - jeder, wie er will. Andere Definitionen gefallen mir auch!

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • lieber Ralph,

    danke für deinen Kommentar. Leider wird bei deiner Beschreibung nicht so stark differenziert. Also, ich werde wohl folgende Bezeichnungen verwenden:

    2 Marken auf dem Beleg: 1 Marke Nummernstempel, 1 Marke Ortsstempel= Duplexentwertung

    1 Marke auf dem Beleg: mit Nummern und Ortsstempel entwertet = Doppelentwertung

    2 Marken auf dem Beleg: 1 Marke Nummernstempel oder Ortsstempel, 1 Marke Nummernstempel und Ortsstempel = Duplex mit Doppelentwertung

    1 Marke auf dem Beleg: Mehrfach (mindestens 2 mal) mit dem Nummernstempel entwertet = Mehrfachentwertung

    viele Grüße
    Erwin W.
    preussen_fan

  • Hallo die Runde


    Duplex heisst eigentlich dass zwei Elemente zusammen gebunden sind. Der Begriff "Duplex" gibt es ja in mehrere Zusammenhänge.

    Ein Duplex Stempel ist als wenn zwei Stempeltypen zusammen gebunden sind.


    Duplexentwertung finde ich daher als ein eher komischer Begriff weil es ja zwei Freie Elemente die mehr oder weniger zufällig zusammen sind. Keine von die hier gezeigte Beispiele würde ich als Duplex halten.


    Wohn jemand zusammen muss man ja auch nicht verheiratet sein...obwohl es so aussieht. :)


    Viele Grüsse

    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.