Bayern - Schweiz Dienstbriefe

  • Liebe Freunde,


    Dienstbriefe sind oft das hässliche Entlein, die graue Maus, oder gar lettera non grata bei vielen Sammlern und nichts ist falscher als das, zumindest im internationalen Postverkehr.


    Sogar in die von Bayernbriefen überschwemmte Schweiz findet man sie nicht häufig, warum auch immer (ich könnte mir vorstellen, dass die Schweizer Archive noch erkleckliche Mengen beinhalten, aber nichts heraus rücken).


    Hier ein Exemplar "Vom Katholischen Stadtpfarramte in der Vorstadt Au" bei München mit Postaufgabe in München - Stadt vom 20.7.1866, also der Kriegszeit, auch wenn sie weder München, noch Zürich wirklich tangierten, "An das Kathol. Stadtpfarramt Zürch / Herrn J. S. Reinhard, kathol. Pfarrer / in Zürch. R.S. ENr. 1157 Amtlich". Siegelseitig der Ankunftsstempel vom Folgetag (!!!), heute unmöglich und bestenfalls per Flugpost möglich.


    Interessant ist die Schreibweise von Zürich und hätte da Zürich gestanden, hätte ich den Brief visuell sofort als das erkannt, was er war - ein Auslandsdienstbrief. So wunderte ich mich zuerst über die Notation "Amtlich", die es in der Schweiz gab, aber nicht in Bayern. Dann folgte aber die Conclusio, dass man in Münchens Vorstadt Au "Amtlich" notierte, weil man dort mit einer R(egierungs) S(ache) wenig anfangen konnte und man natürlich ein Porto anzuschreiben zu vermeiden suchte.


    Der klare Münchener Stempel weist jedoch kein Ziffer für die Dekade aus, wie der Zürcher (ja, Zürcher, nicht Züricher) Ankunftsstempel die letzte Zahl des Jahres nicht anzeigt - aber zusammen sind sie aussagekräftig und lassen den Brief sicher datierbar werden.


    Zum Preis sage ich jetzt mal nichts - wer weiß, wie der Pizza - Dollar steht, ahnt sich sicherlich.

  • Liebe Freunde,


    heute zeige ich eine kleine Besonderheit, die nett daher kommt, wenn man von dem etwas individuellen Schnitt der 6 Kreuzermarke mal absieht ...


    Eine Partei - Sache (Dienstbrief mit privatem Hintergrund) des katholischen Pfarramtes Weiler im Allgäu vom 31.10.1859 ging unter dem Geschäftszeichen Nr. 162 "An das Katholische Pfarramt in Baden in der Schweiz" mit dem Vermerk "frei" ab. Jedoch sehen wir neben dem "Frei" - Vermerk eine Rötel - 3 und darunter "Zur Frankirung retour". Scheinbar hatte man in Weiler versucht, den Brief als Dienstbrief kostenlos durch zu schleusen, doch war dieses Unterfangen aufgefallen und man sandte ihn dann der Aufgabepost retour.


    Siegelseitig sehe ich folgende Stempel in chronologischer Reihenfolge: 31.10. Röthenbach, 31.10. Weiler (wieder zurückgeschickt bekommen), 1.11. Röthenbach-Bahnhof, 2.11. Zürich und 2. oder 3.11. Baden als Ankunftsstempel.


    Dienstbriefe Bayern - Schweiz sind nicht häufig, wiewohl es davon Tausende noch heute geben müsste und welche mit Besonderheit wie hier schon gar nicht. Daher verschmerze ich mal die etwas lieblos geschnittene Marke ...


    Postgeschichtlich simpel: 1. Rayon Bayerns = 3 Kreuzer und 1. Rayon der CH ebenfalls 3 Kreuzer.

  • Vom Baden Stempel gibt es 5 untertypen.

    Da müsste ich aber etwas von den Zahlen und dem Monat sehen um da genaueres zu sagen.

  • Hallo José,


    bei der Abschlagsgüte (Note 6) braucht es das nicht - danke für deine Hilfe, aber ich war schon froh überhaupt zu erkennen, dass es ein Stempel von Baden ist.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Freunde,


    optisch unattraktiv, keine Marke(n), nur wenige Stempel, keine Taxen oder Weiterleitungen, keine interessanten Vermerke - ja warum um Gottes Willen sollte man sich dann bayerische Dienstbriefe in die Schweiz anlachen? Antwort: Weil es nicht viele gibt und wenn doch, hätten sie sich ausgezeichnet versteckt.


    Heute zeige ich einen der wenigen, die ich besitze, vom katholischen Stadtpfarramte St. Lorenz in Kempten "an das hochwürdige, kathol. Pfarramt in Uznach, Canton St. Gallen". Als Regierungs - Sache portofrei hüben wie drüben, wurde diese am 15.1.1866 aufgegeben. Am Folgetag war sie schon in St. Gallen und wiederum einen Tag später gelangte sie in Urznach zur Auslieferung.


    Weil es vlt. Schweizer hier gibt, die auch Inhalte von Dienstbriefen interessieren könnte, möchte ich diesen transkribieren:


    Geburts- und Taufanzeige betreffend


    Am 11. Januar l(aufenden) J(ahres) wurde dem Fabrikarbeiter Franz Anselm Federli in Numero 262 der Altstadt Kempten von seiner Ehegattin Josepha Birro ein Knabe geboren, welcher am 14ten Januar in hiesiger Stadtpfarrkirche zu St. Lorenz von Herrn Stadtkaplan Groß nach kathol. Ritus getauft, Franz Anselm genannt, und in das Taufregister von St. Lorenz eingetragen wurde. Taufzeugen waren: Joseph Heinrich Blöchlinger von Golding, Cant(on) St. Gallen, und Euprhosina Birro von Weitnau bei Kempten.

    Dieß wird dem hohen Pfarramte der Heimathgemeinde zum Behufe der Vermerkung im Familienbeschriebe zur Anzeige gebracht. Hochachtungsvollst! P. l. a. gez. Unterschrift.

  • Lieber Dieter,


    ja, vermutlich, auch wenn das ein natürlicher Grund der gegenseitigen dienstlichen Korrespondenz war.


    Aber wer weiß - vlt. findet man mal einen Nachkommen, der dann sicher sehr froh wäre, solch einen Brief zu besitzen und dann kann man einem lieben Schweizer sicher eine große Freude bereiten. :)

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus