Unterfrankierte Briefe

  • Liebe Freunde,


    hier ein Beispiel dafür, dass innerpreußisch die Gewichtsprogression exclusive galt. Mit dem notierten Gewicht von genau 2 Lot fiel der Brief in die 3. Gewichtsstufe und war damit für die Entfernungsstufe von >20 Meilen um 3 Sgr. unterfrankiert.
    Es ging von Berlin nach Corbach im Waldecker Land, zur Frankatur wurden 2 Ausschnitte der 3 Sgr.-Kopfbild-Ganzsachenumschläge verwendet.



    Gruß
    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

  • Hallo Michael,.


    war in Preussen die Verwendung von Ganzsachenausschnitten eigentlich zulässig ? Der Beleg, das darf man auch sagen, ist ja nun wirklich superhübsch !wirklichupeschön!

    Viele Grüße
    vom Pälzer :thumbup:

  • Hallo Tim,


    ja, Ganzsachenausschnitte waren frankaturgültig. Egal, ob sie rund, 4- oder 8-eckig ausgeschnitten wurden. :)
    Deshalb mussten die Wertstempel der Ganzsachen ja auch entwertet werden. Im Unterschied zu einzelnen anderen AD-Staaten.


    Gruß
    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

  • Lieber Michael,


    ein ganz feines Stück, meiner Meinung nach - und danke für die Sicherstellung, dass Preussen, im Gegensatz zu Bayern, praktisch alles von DÖPV auch auf den inneren Postverkehr übernommen hatte. Andere machten vieles anders (aber das macht ja gerade das Sammeln von DÖPV - Stücken so interessant und abwechslungsreich). :P:P:P

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Freunde,


    hier ein 2 Sgr.-GSU, vermutlich U18 von 1859. Leider ist der Klappenstempel wegen des Siegels nicht zu sehen, aber die Verwendungszeit 1860 ff. macht die Vorbesitzerangabe plausibel.


    Die Aufgabe erfolgte in dem Dorf Laer, RB Münster. Dieses Dorf hatte während der gesamten preußischen Zeit fast nur diesen hier zu sehenden Kreisstempel in Verwendung. Ab November 1867 wurde er dann doch noch von einem größeren K2 mit Stunden- und Jahreszahl abgelöst.

    Adressiert ist er an den Justizrath Simon in Breslau.

    Wie man in Laer der Meinung sein konnte, mit 2 Sgr. die rund 90 Meilen Entfernung bis Breslau bezahlen zu können, werden wir nicht mehr erfahren. Ebenso wenig, wieso es keinem der anderen Postbeamten auffiel.

    Erstaunlicherweise kam der Brief noch am selben Tag abends kurz vor Schliessung des Postamtes in Breslau an und wurde mit dem ersten Bestellgang am Folgetag zugestellt.



    Gruß

    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

  • Beim Aufräumen gefunden:

    Der vom Absender angebrachte Adreßzusatz (übersetzt "nahe der Grenze zu Spanien") wurde nicht richtig verstanden und durch die Marken teilweise verdeckt. Lesbar blieb Biarritz D ´Espagne, also die falsche Zuordnung des Bstimmungsortes zu Spanien. Die Unterfrankatur ist mutmaßlich durch die Aufgabepostanstalt vorgenommen und an der preußischen Grenzpostanstalt bemerkt worden (blau "porto" und "3 (Sgr.)".

    Die französiche Taxe von "3" (Decimes) kann ich nicht erklären.

  • Lieber Jürgen,


    ein sehr interessanter Brief, der mir gut gefällt.

    Die Frankatur mit 3 Sgr. entspräche der Vorgehensweise für Briefe nach Spanien. Ist denn zu erkennen, was mit Blaustift links unten notiert wurde?

    Wäre es nicht plausibel, wenn die 3 Sgr. als Weiterfranko an Frankreich für einen Portobrief notiert wurden? Und dann ein französisches Restporto von 3 Dec.?


    Gruß

    Michael

    Mitglied im DASV - Internationale Vereinigung für Postgeschichte

  • liebe Sammlerfreunde,

    was mich interessieren würde:

    Ist der "Affranchisement"-Stempel in Preußen oder Frankreich aufgesetzt worden? Er siht ja ziemlich preußisch aus.

    viele Grüße
    Erwin W.
    preussen_fan

    Einmal editiert, zuletzt von preussen_fan ()

  • Hallo Altsax,


    Frage eines Laien:

    Wie erklärt es sich, dass auch unter den Marken eine blaue Ziffer (evtl. unterer Teil einer 3?) zu erkennen ist?


    Beste Grüße

    Will

  • Die Frankatur mit 3 Sgr. entspräche der Vorgehensweise für Briefe nach Spanien. Ist denn zu erkennen, was mit Blaustift links unten notiert wurde?

    Wäre es nicht plausibel, wenn die 3 Sgr. als Weiterfranko an Frankreich für einen Portobrief notiert wurden? Und dann ein französisches Restporto von 3 Dec.?

    Lieber Michael,


    die Blaustiftnotiz links unter der Marke ist eine "3", vermutlich die Vortaxierung.


    Die Blaustift-"3" halte ich auch für das Weiterfranco, das entspricht der Handhabung bei unterfrankierten Briefen.


    Die französische Post hattedann beim Empfänger noch einen Anspruch im Gegenwert von 2 Sgr., das ist aber nach meiner Kenntnis weniger als die notierten 3 Decimes.


    Beste Grüße

    Jürgen

  • Es gibt auch unterfrankierte Briefe ohne den Zusatz "aus dem Briefkasten":



    Die Erklärung liegt auf der Hand: Der Brief wurde bei der Hamburger Stadtpost eingeliefert, dort aber nicht bearbeitet, sondern an das preußische Postamt zuständigkeitshalber weitergeleitet. Dort wog man nach und taxierte mit 20 NKr.


  • Es gibt auch unterfrankierte Briefe ohne den Zusatz "aus dem Briefkasten":

    Lieber Jürgen,

    es gibt verschiedene Versionen:

    1. ganz ohne erklärenden Vermerk

    1. Mit handschriftlichem Vermerk "Aus dem Briefkasten" oder ähnliches

    3. Mit Stempel "aus dem Briefkasten" oder ähnlichem

    Siehe Inhaltsverzeichnis meiner Sammlung:

    viele Grüße
    Erwin W.
    preussen_fan

  • es gibt verschiedene Versionen:

    1. ganz ohne erklärenden Vermerk

    Lieber Erwin,


    Du hast recht, ich habe mich zu verkürzt ausgedrückt.


    Man sollte unterscheiden zwischen Briefen, bei denen eine Erklärung "aus dem Briefkasten" angebracht wäre, um den bearbeitenden Postler zu exculpieren, und solchen, bei denen das nicht erforderlich ist, weil er erkennbar deswegen keine Schuld trägt, weil ihm der Beleg von einer anderen Postanstalt zugeführt worden ist.


    Letzteres hatte ich gemeint.


    Beste Grüße

    Jürgen