Regierungssachen

  • Pirmasens - Pirmasens 16.03.1907
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    Hallo zusammen,
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    manchmal lohnt es sich doch noch auf den Flohmarkt zu gehen. So geschehen gestern, wo das nachstehend abgebildete Belegstück, vor seinem definitiv drohenden Untergang aus einem modrigen Altpapierkarton "errettet" werden konnte. Das Schreiben ist unten links als Regierungssache mit "Kostennote" (= Gebührenrechnungdes Notars) gekennzeichnet, was darauf schließen lässt, dass damit auf den Tatbestand der Gebührenfreiheit hingewiesen werden sollte.Dem noch französisch geprägten Notariatsgesetz von 1861 zu Folge waren Notare in Bayern zwar Staatsbeamte, jedoch ohne feste Besoldung und ohne Absicherung für den Ruhestand. Der hauptberuflich tätige Notar war insofern auf Gebühren angewiesen, die er befugt war mit seiner Beurkundungszuständigkeit zu erheben..

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    + Gruß

    .vom Pälzer

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    verwendete Quelle:

    http://www.notarkammer-pfalz.d…mer-pfalz/geschichte.html

  • Hallo Pälzer,


    eine Rettung, die aller Ehren wert ist.


    Für das gute Stück wüsste ich auch schon einen Abnehmer in den Reihen unserer ARGE ... ;)

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo bk,

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    drinnen befindet sich noch ein komplett vom Amtsgericht Pirmasens bestätigter + gesiegelter Erbschein, in tip-top Zustand, allerdings von 1912. Da hat man zur Aufbewahrung anscheinend noch das ältere Kostennoten-Kuvert von 1907 mit benutzt. Haben wir einen Notar in der ARGE ? :thumbsup:.


    + Gruß!.


    vom Pälzer

  • ...der hat doch schon das granatigste PS-Monopol aller Zeiten, deswegen find`st so Belege ja nur noch auf dem Flohmarkt :thumbsup:
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    Gruß!
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    vom Pälzer :D

  • Hallo Sammlerfreunde,

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    bei dem Dienstbrief anbei musste ich zuerst an die vielen "Lagerbücher" mit massenweise losen Dienstmarken denken, die als EZM nur in den seltesten Fällen einen besonderen (Aussage-)Wert besitzen. Wie oft wohl wurden deswegen solch ansehliche Stücke wie anbei terminiert ? ...man denkt dann doch besser nicht dran.

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    1,40 Mark wurden verklebt, davon 1 Mark für den Eilboten und 40 Pf für den Fernbrief. Neben der Mischfrankatur aus div. Dienstwerten, z.T. auch der Reichspostausgaben, erfreut vorliegend noch eine weitere Besonderheit: Die nachträgliche Entwertung der beiden 20 Pf Werte links oben mit dem Bahnpoststempel des Kurses Mannheim-Würzburg.

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    Was die Regierung der Pfalz veranlasste eilig an die Eisenbahndirektion Regensburg weiterzugeben, wird man wohl nicht mehr erfahren. Möglichweise ging es um Reparationsleitungen, bei denen das Eisenbahnwesen bekanntlich eines der ersten und am stärksten in Anspruch genommenen Einrichtungen war.

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    So hielt sich auch der im Jahre 1919 von den Franzosen eingesetzte Regierungspräsident Friedrich von Chlingensperg (1860-1944) an den Versailler Vertrag, um die Integrität der Pfalz und die Souveränität Bayerns zu wahren. Der Vertrag war bekanntlich Grundlage der Reparationsleistungen (vgl. Art. 231).


    Als der Kommandierende der französischen Besatzungsmacht General Gérard jedoch behauptete, Chlingensperg habe sich seinen Anordnungen widersetzt, wurde er - wie sein Vorgänger Theodor von Winterstein (1861- 1945), welcher sich der von den Franzosen unterstützten Seperationsbewegung entgegengestellt hatte - am 22. Januar 1923 ausgewiesen.

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    Viele Grüße

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    vom Pälzer

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    verwendete Quellen:

  • Hallo Pälzer,


    eine eierlegende Wollmilchsau kann man schon sagen (fehlte noch Bayern - Dienst - Abschied, aber das wäre wohl zu viel verlangt) ... ein tolles Stück, aber wie immer, ohne Inhalt, das darf einen da nicht stören.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Franz,


    so einfach war es nicht - es musste ihn der "Richtige" der Post vorbei bringen, das Dienstbuch bei sich haben und i. d. R. auch persönlich bekannt sein.


    Aber diese Briefe sind sehr selten - ich habe 2 oder 3 davon aus der Kreuzerzeit, aber auch in der Pfennigzeit dürften sie keine Massenware darstellen.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Sammlerfreunde,


    auch in der Pfennigzeit findet man bei Postkartenformularen Verwendungen als Regierungssachen. Hier ein Beleg aus meiner Heimatsammlung: vom königlich bayerischen Forstamt Grafenwöhr an den kgl. Förster Wilhelm in Weihern, Post Eschenbach vom 25. September 1907, wobei die Post in Grafenwöhr noch den 18. September im Stempel hatte. Weihern wurde 1937/38 bei der Erweiterung des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr abgelöst. Es bestand aus 9 Häusern und 66 Einwohner.


    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Lieber Hermann,


    m. E. ein seltenes Stück - habe irgendwo im Hinterkopf, dass es in der Pfennigzeit gar keine R.S. mehr geben solle, kann aber die entsprechende VO nicht zitieren.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Lieber Ralph,


    vielen Dank. Das glaube ich nicht. Ab 1.1.1908 bis zum 31.7.1916 war dann die Zeit von "Frei durch Ablösung" und ab 1.8.1916 müßte es wieder Regierungssachen geben.



    Liebe Grüße,

    Hermann

  • Liebe Freunde,


    den folgenden Brief habe ich wegen seines Vermerks "Postnachsendung" gekauft, aber ich glaube mittlerweile nicht mehr, dass es so heißt. Wer hat eine Idee?. Er wurde am 29.3.1898 vom königlichen Notar Stadtbaur in Freising an Frau Bertha Mannas, Bahnverwalterswittwe in Freising als portofreie Regierungs - Sache verschickt und mit dem hübschen, blauen Siegel des Notars versehen.


    Die Faltung ist etwas ungewöhnlich, aber nett. Im Inhalt ging es um Kosten in dieser Kostennote für ein Erbgericht in Höhe von 6 Marke 90 Pfennigen, die die verehrliche Wittwe (eigentlich in Bayern "Wittib" geschrieben) an den Notar zu zahlen hatte und er ab ihr hierfür Frist bis zum 6.4.1898.


    Unten lesen wir: "Betrag empfangen, 30. März 1898", so dass unsere Wittwe promt auf das Schreiben reagiert und gezahlt hatte. Sehr ordentlich, Frau Mannas!

  • Hallo Udo,


    ja, das ist es - der Schreiber hat den Bogen über dem kleinen "u" so eingebunden, dass ich es für ein "d" hielt. Danke fürs Helfen. :thumbup:

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo zusammen,

    diese Regierungssache ist mir aus zweierlei Gründen aufgefallen: schwarzes Siegel und das Datum: 14.6.1886. Am 13.6. abends kam Ludwig II. im Starnberger See um. Bereits weniger als 24 Stunden später

    schickten offenbar die bayer. Bezirksämter Schreiben an die Pfarrämter in ihrem Bezirk mit der Anweisung, jeden Mittag eine Stunde Trauergeläute zu veranlassen. Und das bereits mit Trauersiegel und

    fertig gedruckt mit Trauerrand. Da fragt man sich schon, ob dieser Tod nicht doch "erwartet" worden war und die fertigen Schreiben schon in der Schulblade lagen. Verschwörungstheorie ??

    Nebenbei: Nordhalben ist ein sehr seltener Stempel, der Ort liegt in "bayer. Sibirien" und ist heute noch ein - man verzeihe mir die despektierliche Äußerung - gottverlassenes aussterbendes Örtchen, in dem fast 100 Gebäude leer stehen und keinen Käufer finden. Das hat sich auch durch die Grenzöffnung nur wenig geändert.

    Viele Grüße

    weite Welle

  • Hallo weite Welle,


    die Bezirksämter wurden telegrafisch informiert, und die damaligen Setzer und Drucker waren Vollprofis, die solche Aufgaben in kürzester Zeit erledigen konnten. Schönes Stück für jeden, der sich mit der Geschichte der bayerischen Monarchie befasst!

    Viele Grüße aus Erding!


    Achter Kontich wonen er ook mensen!