Zwangs-Mischfrankatur für Drucksachen im Zeitraum 1.7.-27.7.1954

  • hallo zusammen,


    vom 1.9.1948 bis 30.6.1954 betrug das Porto für eine Inland-Drucksache der 1.Gewichtsstufe 4Pf.
    Diese konnte im Juni 1954 mit folgenden Briefmarken der BRD frankiert werden:




    Zum 1.7.1954 erfolgte eine Portoerhöhung auf 7Pf für Drucksachen, jedoch gab es keine Briefmarken in dieser Wertstufe. Da es auch keine Möglichkeit gab, die fehlenden 3 Pf mit Briefmarken der BRD zu frankieren, konnte ein 7Pf. Porto nur mit den 2Pf. und 5Pf. Marken der Posthorn- und Heuss-Serie frankiert werden. Es waren folgende 4 Kombinationen möglich:



    Erst nach 4 Wochen erschien am 28.7.1954 die 7Pf. Marke der Heuss-Serie. Und diese in völlig ungewöhnlicher bläulichgrüner Farbe, anstelle der üblichen brauen Farbe für Inlands-Drucksachen.



    besten Gruß
    stampmix

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  • hallo zusammen,


    und hier ein Beleg vom 1.Tag der neuen Portoperiode. Eine Bestellkarte, die (vergleichbar mit Bücherzettel) trotz allerlei handschriftlicher Einträge zum Drucksachen-Tarif aufgegeben werden konnte. Eine ausführliche Erläuterung findet man links unten auf der Anschriftenseite der Karte.





    mit bestem Gruß
    stampmix

  • Hallo stampmix,


    wie viele Kärtchen muss man in der Hand gehabt haben, um solch ein Rosinchen an Land ziehen zu können? Ich glaube, ich will es gar nicht wissen ... :thumbsup:

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • hallo zusammen,


    ein Sammelgebiet, das nicht im Fokus vieler Philatelisten steht, hat den Vorteil, dass Belege in den Kisten unerkannt schlummern und den Nachteil, dass man nicht einfach beim Auktionshaus einen gut dotierten Bestellschein aufgeben kann. Im ersten Fall braucht man Zeit und Muße, im anderen Fall erstmal nur Geld und erst bei den Raritäten auch Zeit und Glück. Sammler sind glückliche Menschen.


    "Fasse dich kurz" belohnte die Post bei schreibfaulen Zeitgenossen. Die 5 Worte Regelung galt auch bei Ansichtskarten, die dann als Drucksache nur 7Pf. kosteten, anstelle des 10Pf. Postkartentarif +2Pf. Notopfer.



    Ansichtkarte aus Kulmbach am 24.7.1954 nach München gesandt. Mit den Heuss-Marken 2Pf. und 5Pf. frankiert. Die Notopfermarke war nicht erforderlich.


    mit bestem Gruß
    stampmix

  • Hallo stampmix,


    ja, so ist es - wir Sammler mögen die Variante 1 aber deutlich lieber haben ...


    Die Schreiberin Ria war hochintelligent - und das mit den 5 Worten höre ich heute zum ersten Mal. Wieder was dazu gelernt, danke dafür. :)

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Es waren folgende 4 Kombinationen möglich:


    Theoretisch gibt es 6 Kombinationen, 5 Pfennig Posthorn oder Heuss zusammen mit einer zur Frankatur zählenden 2 Pfennig Notopfer.
    Wäre dann wohl die Kombination wo man getrost das Wort Auktionsware benützen könnte!

    Grüße aus Bempflingen
    Ulrich


    Das Leben ist viel zu kurz um es mit billigen Weinen und den falschen Menschen zu verbringen. (Lebensweisheit, inspiriert bei Goethe) :-)

  • und das mit den 5 Worten höre ich heute zum ersten Mal.


    hallo Ralph,


    der Sondertarif für Ansichtskarten bis 5 Worte wurde erstmals zum 1.4.1921 von der Reichspost eingeführt. Wie lange er möglich war, weiss ich leider nicht.



    Theoretisch gibt es 6 Kombinationen, 5 Pfennig Posthorn oder Heuss zusammen mit einer zur Frankatur zählenden 2 Pfennig Notopfer. Wäre dann wohl die Kombination wo man getrost das Wort Auktionsware benützen könnte!


    Fürwahr! Du meldest dich bitte, falls du jemals eine missbräuchliche Verwendung der 2Pf. Notopfer-Steuermarke als Portoersatz mit Verwendung während dieser 4 Wochen entdeckst? :thumbsup:



    hallo zusammen,


    anbei noch eine weitere Variante des 5 Worte Sondertarifs. Eine Benachrichtigungskarte zum Trauergottesdienst eines Vereinsmitglieds. Hier sind die 5 Worte nicht geschrieben, sondern gestempelt - und erst auf den zweiten Blick von einer normalen Drucksache unterscheidbar. Als Ortspostkarte wäre 8Pf. + 2Pf. Notopfermarke erforderlich gewesen. Auch hier 30% Portokosten gespart :)



    Drucksache, frankiert mit 2Pf und 5Pf. Posthormarke innerhalb Mönchengladbachs am 24.7.1954 versandt.


    besten Gruß
    stampmix

  • hallo zusammen,


    Todesanzeigen und manche Trauerbriefe (die mit max. 5 handschriftlichen Worten) boten sich geradezu für einen Drucksachenversand an. Und so finden sich auch welche in dieser Periode.



    Drucksache innerhalb Spaichingen am 18.7.1954 versandt und mit den Posthornmarken 2Pf. und 5Pf. frankiert


    besten Gruß
    stampmix

  • Hallo Stampmix,
    kurz zur Geschichte der Drucksachenkarten-und Ansichtskartentarife bis 5 Worte.


    ab 1.4.1921: Bis 5 Worte auf Besuchskarten, Weihnachtskarten und Neujahrskarten aber nicht auf Ansichtskarten!!
    Billiger als kleinster Drucksachentarif
    ab 1.1.1922 Bis 5 Worte auf Besuchskarten, Weihnachtskarten und Neujahrskarten und auf Ansichtskarten
    Billiger als kleinster Drucksachentarif
    ab. 1.7.1922 5 Worte auf allen gewöhnlichen Karten
    Tarif wie Drucksache bis 20gr.
    Ab 1.7.1923 nicht mehr möglich, normale Postkartengebühr.
    Beste Grüße Bernd

  • kurz zur Geschichte der Drucksachenkarten-und Ansichtskartentarife bis 5 Worte.


    hallo Bernd,


    vielen Dank für die Infos zu den Drucksachenkarten und 5 Worte Grußkarten. Lädt doch eigentlich dazu ein, diese Versandarten mal bei Infla zu vertiefen. Irgendwie war das aber zumindest zu Beginn der 50er Jahre in der BRD wieder möglich. Ich werde später wieder darauf zurückkommen.



    hallo zusammen,


    das Sammelgebiet kann nicht klein genug sein - spannend wird es erst mit den Ausnahmen, Abweichungen und Besonderheiten.


    Nicht nur Trauerbriefe, sondern auch Glückwunschkarten zu Verlobung, Vermählung oder Geburt konnten - so denn weitgehend vorgedruckt - per Drucksache versandt werden. Beim folgenden, mit dem alten 4Pf. Porto unterfrankierten, Brief wollte der Postbote das junge Glück nicht mit dem 5Pf. Strafporto an der Haustür beglücken - und so ließ es es. Man war ja fast in Köln und wie heißt es so schön: Leeve un levve losse :rolleyes:



    Drucksache, mit 4Pf. Posthornmarke unterfrankiert, unbeanstandet in Köln-Deutz am 6.7.1954 versandt. Korrektur: Wie Bernd in #14 feststellt, ist er 1951 tarifrichtig frankiert worden.


    besten Gruß
    stampmix

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  • ja, da gäbe es schon Möglichkeiten, allerdings nicht wegen des Ortsverkehrs (Ortskarte 8Pf., Ortsbrief 10Pf.)
    Als die da wären: Blindenschriftsendung zu 4 Pf. oder: Massendrucksache zu 3 Pf.
    Ich denke, das unterstellte 7Pf. Drucksachenporto käme der wahren Versendungsform schon ganz nahe.


    Eine kleine Restunsicherheit bleibt, da die Forschungen zu dieser Frage nicht endgültig abgeschlossen sind ;(


    besten Gruß
    stampmix

  • Hallo stampmix,
    Stempeldatum 1951
    Porto für Drucksachen bis zum 1.7.1954 war doch nur 4 Pf.
    Beste Grüße Bernd

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  • hallo Bernd,


    Asche auf mein Haupt! Du hast recht, der Beleg stammt aus 1951 und war tarifrichtig frankiert. Ich werde jetzt mal meine Brille putzen gehen.


    Dann will ich jetzt einen Beleg vom 2.7.1954 (zum Glück gibt es den Postfreistempel) zeigen, der das 7Pf. Porto nicht in der Posthorn/Heuss Zwangsmischfrankatur zeigt, sondern mit der 4Pf. Heuss-Marke frankiert wurde. Am 1.Juli wurde der Drucksachentarif auf 7Pf. erhöht, sodass das fehlende Porto im Aufgabepostamt Trier mit dem Postfreistempel über 3Pf. tarifrichtig ergänzt wurde. Auch hier wieder eine ergänzte Drucksache, die einen Vertreterbesuch ankündigt.



    Drucksache am 2.7.1954 in Trier aufgegeben und mit 4Pf. Heuss und 3Pf. Postfreistempel freigemacht.


    besten Gruß
    stampmix

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  • Das wäre dan Variante Nr. 7, jetzt fehlt noch Numer 8 mit den Barbezahlten 3 Pfennig! ;-)

    Grüße aus Bempflingen
    Ulrich


    Das Leben ist viel zu kurz um es mit billigen Weinen und den falschen Menschen zu verbringen. (Lebensweisheit, inspiriert bei Goethe) :-)

  • Hallo stampmix,
    ein Traumbeleg. Am zweiten Tag nach Portoerhöhung aufgegeben, vielleicht schon vor dieser mit 4 Pf. frankiert. Bedarf ist gegeben, besser geht es nicht.
    Beste Grüße Bernd

  • Das wäre dan Variante Nr. 7, jetzt fehlt noch Numer 8 mit den Barbezahlten 3 Pfennig! ;-)


    daran hatte ich noch gar nicht gedacht. Leider ist 1954 die große Zeit der Teilbarfrankaturen schon vorbei.
    Ich mach mich dann mal ans Osterei, äähm Rosinen suchen



    hallo Bernd,


    zum Glück hat die Firma Jung den Besuch von Herrn Jung bei der Metzgerei Jung angekündigt. ;)
    Wenn es denn philatelistisch inspiriert gewesen wäre, so dann doch sehr weitsichtig 8)



    hallo zusammen,


    Vielleich habt ihr schon bemerkt, dass ich bisher nur Farbfrankaturen der Posthorn und Heuss Serie gezeigt habe. Diese sind etwa doppel so häufig zu finden als Posthorn/Heuss Mischfrankaturen, wie zum Beispiel auf einer textreduzierten Ansichtskarte vom Bodensee.



    Drucksache vom 21.7.1954 frankiert mit 2Pf. Heuss und 5Pf. Posthornmarke. Bahnpost Konstanz - Karlsruhe (Baden) Zug 507


    schöne Ostertage wünscht
    stampmix

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  • hallo zusammen,


    fehlt noch die 4. der Standard-Kombinationen, die - warum auch immer - am seltensten zu finden ist. Eine Mitteilungskarte an die Magdeburger Feuerversicherungs-Gesellschaft, die Auskunft über den Verblieb des Triumph-Kraftrades gibt. Es wurde verschrottet. Trotz der umfangreichen individuellen Einträge wurde diese Karte als Drucksache unbeanstandet befördert.



    Mitteilungkarte als Drucksache am 1.7.1954 mit 2Pf. Posthorn und 5Pf. Heuss-Marke frankiert. Aufgegeben und mit dem seltenen PSt II Stempel versehen in Obermaxfeld über Neuburg (Donau), heute OT von Königsmoos.


    besten Gruß
    stampmix