• Hallo Freunde


    JA, auch die kleine Dienstbriefe, fast immer "wertlose", verdienen ein Platz hier bei uns. Und ganz sicher wird es interessante Briefe gezeigt. Einige für mich interessante Briefe will ich auf jeden Fal zeigen.


    Ich fange gleich mal an mit einem Brief der nicht als portofreien Dienstsache abgeschickt war, obwohl es auf ersten Blick ein sich ähnelt. Es fehlt nur der immer wichtigen RS Franchise. Sonst ist der Brief rückseitig mit Dienstsiegel versehen. Absender ist oben vermerkt geworden. Es ist ein Armensache, was man öfters als Portofrei sieht.


    Und es ist eben wegen dieser Armensachevermerk dass ich der Brief gekauft habe. So habe ich es nicht mal früher gesehen.


    Der Brief lief von Rotthalmünster nach Pfarrkirchen. Das Jahr kann ich leider nicht sehen.


    Viele Grüsse
    Nils

  • Hallo Nils,


    der Brief gibt Rätsel auf. Er hat keine Expeditionsnummer, die er aber haben müsste, da es offensichtlich ein Dienstbrief war. Die Franchise R.S. war nicht unbedingt notwendig, wenn "Armensache" vermerkt wurde. Beides zog die Portofreiheit nach sich, wenn die übrigen Kriterien eines Dienstbriefes erfüllt waren.


    Es wäre auch möglich, dass man ihn zu den Frankobriefen gepackt hat und der Expeditor ihn daher mit der Marke beklebte. Die Ämter ließen ihre Franki und Porti anschreiben und verrechneten erst später.


    Ich fürchte, wir werden den nicht knacken können, da ich Armensachen sonst nicht frankiert kenne.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Ich fürchte, wir werden den nicht knacken können, da ich Armensachen sonst nicht frankiert kenne.

    Hallo bayern klassisch


    Danke für die Antwort. :)


    Alle Rätseln soll man auch nicht unbedingt knacken. ;)
    Nur so wird ein Brief mythisch :D :D


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Er hat keine Expeditionsnummer, die er aber haben müsste, da es offensichtlich ein Dienstbrief war.

    Hallo bayern klassisch


    Dieser hier gezeigte Armensache hat auch kein Expeditionsnummer. Also kann es kein unbedingte Notwendigkeit sein, oder ich habe zufällig zwei Ausnahmen hier.


    Der Brief lief als Armensache an einen Notar, und hat auch kein RS Franchise. Wie du richtig bemerkt hast, ist es kein "Musst" weil es auf dieser wie auf den ersten ein gestempelten Dienststellestempel zu sehen ist.


    Die Unterschied zwischen die zwei Briefe ist dass dieser Brief, wie gesagt, an einer Notar gerichtet ist. Der erste ist an einen Advokat gerichtet. Sollte kein Rolle spielen?


    Der Brief lief in 1859 von Griesbach nach Passau - Portofrei.


    Viele Grüsse
    Nils

  • Hallo Nils,


    ich habe die VO zur Portofreiheit ausgekramt und ein paar meiner AS. Mal mit, mal ohne Nummer. Die Nummer war aber sinnvoll, da sie die Zuordnung des Antwortschreibens erleichterte, weil man sonst kaum wußte, worum es ging. Auch war diese im Postaufgabebuch zu benennen. Warum gerade AS nicht immer eine Expeditionsnummer aufweisen, kann ich auch nicht sagen.


    Ob Advokat oder Notar war unerheblich, da hast du Recht.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Hallo bayern klassisch


    Danke für deine kleine Mischung von Briefe und die Verordnung. :)
    Die Verordnung ist in 1859 gedruckt. Es kann sein dass es sich etwas nachher geändert hat.


    Es wäre toll hier noch einige Armensachen aus dieser Zeitraum zu sehen :)


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Hallo zusammen,


    ein bischen überrascht, dass schon so lange kein Dienstbrief mehr in diesem thread diskutiert worden ist, soll einmal der nachstehende zur weitergehenden Anlayse eingeliefert sein. Für 3.- EUR auf einem Großtauschtag "erwühlt" hat man damit sehr wahrscheinlich mal nichts großartig falsch gemacht.


    Absender Landgericht Mainburg mit Aufgabedatum vom 09.04.1858 - Empfänger: Bürgermeisteramt Enkenbach im Landkommissariat Kaiserslautern (über Landpostexpedition Sembach) am 12.04.1858. Alles okay wenn da siegelseitig nicht noch der Halbkreiser Freising (ca. 30 km südlich Mainburg) vom 10.04.1858 angebracht worden wäre.


    Hat für diesen Beförderungsweg evtl. jemand eine Erklärung (evtl. besserer Bahnpostanschluss o.ä.) ?


    Schönen Gruß


    vom Pälzer

  • Lieber Pälzer,


    der Eisenbahnanschluss Freising-München bestand erst ab November 1858, da kam der Brief zu früh.
    Allerdings dürfte der Weg über Freising in die Haupt- und Residenzstadt und von dort auf die Bahn der schnellere gewesen sein.


    http://www.iegmaps.de/gif/e857d_a3.htm


    Viele Grüße aus Erding!

    Viele Grüße aus Erding!


    Achter Kontich wonen er ook mensen!

  • Lieber Bayern klassisch,

    ich habe die VO zur Portofreiheit ausgekramt und ein paar meiner AS. Mal mit, mal ohne Nummer. Die Nummer war aber sinnvoll, da sie die Zuordnung des Antwortschreibens erleichterte, weil man sonst kaum wußte, worum es ging. Auch war diese im Postaufgabebuch zu benennen. Warum gerade AS nicht immer eine Expeditionsnummer aufweisen, kann ich auch nicht sagen.

    vielleicht helfen die Bestimmungen bei Strauß weiter, S. 231 ff.
    Anwälte, die unentgeltliche Mandate wahrnahmen, durften ihre Briefe in diesen Sachen den Gerichten zur Bestätigung vorlegen, damit die Portofreiheit in Anspruch genommen werden konnte.
    Die Briefe gingen nicht von Gerichten aus, mussten also auch keine Expeditionsnummer tragen.


    Viele Grüße aus Erding!

    Viele Grüße aus Erding!


    Achter Kontich wonen er ook mensen!

  • Lieber Erdinger,


    vielen Dank für diese Quelle - werde ich mir in Ruhe ansehen bzw. ausdrucken.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Erdinger,


    auch von meiner Seite vielen Dank für die Info zu post 7. Aber gerade wenn in Freising noch nicht auf die Bahn geladen werden konnte, warum hat man dann gerade dort Durchgang gestempelt ?


    Da bleibt nach meinem Verständnis nur noch der Kartenschluss in die Pfalz übrig, der evtl. erst über Freising möglich war. Oder sehe ich das falsch ?


    Schönen Gruß !


    vom Pälzer

  • Da bleibt nach meinem Verständnis nur noch der Kartenschluss in die Pfalz übrig, der evtl. erst über Freising möglich war. Oder sehe ich das falsch ?

    Hallo Pälzer


    Ich weiss nicht so genau, aber der Laufweg von Mainburg aus nach Augsburg, wo der Brief mit dem Bahn sicher weitergeschickt war, war über Freising wahrscheinlich schneller als der ganzen weg über München.


    Vielleicht war auch Freising für den Umland zuständig Briefe in Pfalz zu schicken, und dann auch ein Kartenschluss hatte.


    Warum einige meinen dass Laufwege in Bayern wenig interessant sind, verstehe ich nicht :P


    Danke fürs Zeigen :)


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Hallo Nils :thumbsup:


    Warum einige meinen dass Laufwege in Bayern wenig interessant sind, verstehe ich nicht :P


    Wenn es so ist wie Du sagst, dann muss ich dem voll und ganz zustimmen. Genau aus dem Grund - evtl. interessanter Laufweg - habe ich den Beleg auch erstanden.


    Für den Endlaufweg Kaiserslautern-Sembach-Enkenbach habe ich als Heimatsammler eine so einigermaßen gute Erklärung, für den Anfangslaufweg Mainburg-Freising - mea culpa - eine Wissenlücke.


    Jene - endgültig - zu schließen halte ich in jedem Fall für interessant :thumbup:


    In diesem Sinne + schönen Gruß !


    vom Pälzer

  • Liebe Freunde,


    mit einer Leichtigkeit, die nur der Nähe zu Frankreich zugeschrieben werden kann, zeigte sich die hohe Flexibilität des Zweibrücker Forstamtes am 9.3.1871, als man an das königliche Bezirksamt in Kusel etwas dienstliches zu schreiben hatte. War nach der Vorschrift die Absenderbehörde oben auf der Addressseite zu benennen, so war dies für unsere im Wald tätigen Freunde der Tanne nicht notwendig und man beließ es bei dem (allerdings hübschen!) Abschlag des Dienstsiegels und der Angabe R. S. nebst der Expdeitionsnummer 319.


    Damals wie heute hat es aber keinen Beteiligten gestört. :D


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Liebe Freunde,


    zwei Armensachen möchte ich heute zeigen:


    1. Aus Klingenberg mit Postaufgabe in Obernburg vom 1.8.1844 nach Bad Segeberg in Holstein (Dänemark damals). Hier wurde nur Arm. S. geschrieben in der Hoffnung, dass dies jeder Postler verstehen würde.


    Offenbar war das nicht der Fall, denn schon die Aufgabepost notierte 6x für Bayern. Der Empfänger hatte 25 Schilling zu zahlen - nichts mit Portofreiheit also.


    2. Aus Wassertrüdingen mit Postaufgabe Oettingen nach Günzburg innerbayerisch. Hier machte man alles richtig: Expeditions-Nr. 1378. Armensache. Bestätigts Kgl. Landgericht Wassertrüding. Richter. K. Assessor.


    Somit auch portofrei belassen und am 9.4.1846 zugestellt.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Liebe Freunde,


    einen solchen Brief sieht man nicht jeden Tag, ich jedenfalls nicht.


    Geschrieben wurde er am 2.11.1867 vom Kgl. Bezirksamt Nördlingen und gerichtet war er an das Königl. Württembergische Oberamt in Ellwangen. Der Bezug war die Auswanderung der ledigen Krescentin Schreitmüller von Oberwilflingen nach Bayern. Innen zeigt eine 3x Stempelquittung den dienstlichen Charakter der Angelegenheit.


    Adressseitig hat die bayer. Behörde alles richtig gemacht und ihr Siegel auch aufgesetzt, doch die Postaufgabe erfolgte am 5.11.1867 im württembergischen Ellwangen als Ortsbrief! Als wäre das nicht schon genug der Verwirrung für einen alten Sammler, ziert die Siegelseite noch ein Einzeiler von Unterschneidheim.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Liebe Freunde,


    weil wir die Portofreiheiten erst ab den späten 1820er Jahren gut kennen (von individualisierten Portofreiheiten einmal abgesehen), zeige ich einen Brief aus Regensburg vom 18.2.1820 nach Burglengenfeld, also von Gericht an Gericht, der als "Armen - Sache" unter der Expeditionsnummer 6307 portofrei befördert wurde.


    Der Gerichtsbeamte, der diesen Fall bearbeitete, wohl ein Herr Kaynen, unterschrieb neben der Franchise und zeigt uns, dass man damals noch kein Dienstsiegel vorderseitig anbringen musste.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Liebe Freunde,


    eine hübsche Armensache aus dem schönen Regensburg in das nicht minder attraktive Würzburg aus dem Jahr 1854 möchte ich zeigen. Artig hat der königliche Adjunkt für die Richtigkeit der kostenlosen Beförderung als A. S. unterschrieben und das Dienstsiegel bestätigte das.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch