Frei durch Ablösung

  • Köln - St. Ingbert 09.10.1903


    Hallo Sammlerfreunde,


    mit Wirkung vom 01.04.1894 bestand für alle Ressorts der preussischen Staatsregierung - u.a. der Staatseisenbahen - die Möglichkeit anstatt der Postgebühren für die einzelnen Dienstsendungen Aversionalsummen (Ablösebeträge) an die Postverwaltung zu entrichten. In der Regel sollten damit sämtliche Portokosten einer Behörde mit Pauschalsummen abgegolten werden. Details dazu findet man hier:


    https://books.google.de/books?…&q=Aversionierung&f=false


    Um diese Pauschalsummen hinreichend korrekt bemessen zu können, wurden sogenannte "Zähldienstmarken" eingeführt. Das Beispiel anbei - das auch wie vorgeschrieben den Stempel Frei lt. Avers. No. 21 trägt - zeigt die erste, im Jahre 1903 eingeführte Version dieser Zähldienstmarken. Wenn man sich nun deren Gültigkeitsdauer vergegenwärtigt, d.h. vom 01.01.1903 bis 31.12.1903, dann wird sich jeder auch noch so unerfahrene Sammler vorstellen können, dass sich solche Belege nicht wie die Oliven von dem Bäumen schütteln lassen.


    Und wenn man dann noch die Bepreisung im einschlägigen Katalogwerk betrachtet (vorliegend auf Beleg unter 20.- EUR), dann hat man damit als IM-Sammler, der sowas nach doch recht langer Zeit des Suchens zum ersten Mal überhaupt zu sehen bekommen hat, irgendwie ein Verständnisproblem. Lasse mich selbstverständlich gerne eines Besseren belehren, aber im Moment kommt einem das vor wie ein geölter Witz.


    + Gruß !


    vom Pälzer

  • Moin Pälzer,


    ist der erste Beleg, den ich überhaupt in die Pfalz sehe - und dann ist er noch sehr ansehnlich dazu ... :P:P

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hi Tim,


    unser ArGe-Mitglied Aleksander P. hat(te) eine tolle Sammlung mit diesen Marken. Er hat wohl Jahr(zehnt)e dafür gebraucht, um das Material zusammenzustellen. Er hat irgendwo einmal einen ausgezeichneten Beitrag darüber geschrieben, leider finde ich den Link im Netz nicht mehr.
    Wenn ich sowas in einer meiner Sammlungen hätte, würde ich mir die Finger bis zum Ellenbogen abschlecken.


    Viele Grüße aus Erding!

    Viele Grüße aus Erding!


    Achter Kontich wonen er ook mensen!

  • Lieber Ulf,


    mit dem darfst du dich "von" schreiben, so schön ist der.


    Lieber Dietmar,


    ich kenne die Sammlung A.P. - wie sagte einst Dumpfbacke Kelly Bundy: "Da fällt einem ja das Ei aus der Hose". :thumbsup:

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo,
    Brief mit Zustellurkunde ( einfache Zustellung) von Essen nach Stoppenberg mit den preußischen Zähldienstmarken.


    Für Stoppenberg muss der Nachbarortstarif angewendet worden sein, anders ist diese seltene Frankatur ( außer Württemberg !) nicht zu erklären.
    Porto für Brief nach Ortstarif = 5 Pf.
    Zustellgebühr =20 Pf.
    Porto für Rücksendung der Urkunde im Nachbarortsverkehr 5 Pf.,normalerweise im Ortsverkehr frei und im Fernverkehr 10 Pf.
    Beste Grüße Bernd

  • Hallo,
    Brief mit Zustellurkunde ( einfache Zustellung) von Essen nach Stoppenberg mit den preußischen Zähldienstmarken.


    Für Stoppenberg muss der Nachbarortstarif angewendet worden sein, anders ist diese seltene Frankatur ( außer Württemberg !) nicht zu erklären.


    ...



    Hallo Bernd,


    Deine Erklärung zu dem Beleg ist korrekt. Im Nachbarortsverkehr war die Gebühr für die Rücksendung der Zustellungsurkunde zu bezahlen, während im Ortsverkehr keine Gebühr für die Rücksendung erhoben wurde. Stoppenberg ist in der Liste der Nachbarorte von Essen enthalten.


    Glückwunsch zu dem Beleg.


    Gruß
    Postarchiv

    Wo nichts mehr zu enträtseln bleibt, hört unser Anteil auf.


    Ernst Freiherr von Feuchtersleben

    Einmal editiert, zuletzt von Postarchiv ()

  • Hallo Ulf,
    wenn nur alle Briefe so traumhaft aussehen würden wie deiner. Ein Prachtstück.


    Anbei ein Ortsbrief mit Zustellurkunde. 5 Pf. Ortsbriefporto plus 20 Pf. Zustellgebühr ergeben 25 Pf. Die Rücksendung der Urkunde war im Ortsverkehr frei.
    Im Ablösungvertrag 21 waren ursprünglich Ortsbriefe nicht einbezogen. Dies bedurfte einer besonderen Vereinbarung mit der Reichspost. Königsberg hatte sie.
    Es wird nicht der einzige Brief an dem Tag zwischen Amtsgericht und Magistrat gewesen sein. Die Reichspost freute sich, das kein Bote lief, leichter kann man Geld nicht verdienen.
    Beste Grüße Bernd

  • Ortsbrief aus Magdeburg 1903 ohne besonderen Vertrag für Ortsbriefe , frankiert wie es sein muß mit einer 5 Pf. Germania ( ohne Wasserzeichen).
    Marke entwertet vom Beamten mit dem Stempelkennbuchstaben e, im Postamt 1 weitergegeben und ankunftsgestempelt mit der gleichen Uhrzeit vom Beamten mit dem Stempel Kennbuchstabe a. So kann man man den Laufweg dokumentieren.

  • Hallo Bernd,


    bei deinem Brief in #11 steht doch links unten:
    frei laut
    Aversum N°21.


    Beim Jahrestreffen der NDP gab es letztes Jahr einen Vortrag zu den Aversional-Verträgen.


    beste Grüße


    Dieter

  • Hallo zusammen,


    es freut mich sehr, hier einen weiteren Beitrag leisten zu dürfen. Diesmal ein Brief der 2. Gewichtsstufe von Koblenz adressiert an das Königliche Bezirksamt in ....Rockenheim ?(


    Mit einem solchen Zielort konnte die Post natürlich nichts anfangen und schickte den Dienstbrief noch am Tag der Aufgabe mit der Frage Wo ? zurück an den Absender, den Königlich Preussischen Polizei-Direktor in Koblenz.


    Dort besann man sich dann offenbar auf Rockenhausen (Bayern). Das dortige Bezirksamt wurde am 01.12.1900 aus Teilen der Bezirksämter Kirchheimbolanden und Kaiserslautern gebildet. Am 07.06.1969 wurde der Landkreis Rockenhausen mit dem Landkreis Kirchheimbolanden zum heutigen Donnersbergskreis vereinigt.


    + Gruß


    vom Pälzer

  • Heute kann ich zu dem Thema eine Neuerwerbung zeigen. Es handelt sich um einen Dienstbrief des Fürstl. Schaumb.-Lipp. Consistoriums aus Bückeburg an den cand. theol. E. Kampermann in Klein-Wieden bei Deckbergen, das heute zu Rinteln gehört.

    Zugelegt habe ich mir den Beleg wegen des attraktiven grünen Aufklebers Frei lt. Avers. Nr. 8 Fürstl. Schaumburg-Lippische Landesregierung. Darüber wurde zusätzlich als Zeichen der Berechtigung ein Dienst-Siegel abgeschlagen. Der Aversionalvertrag Nr. 8 galt ab dem 1.7.1871.

    Der Brief wurde am Nachmittag des 4.6.1894 zur Post gegeben und war am Morgen des 5.6.1894 in Deckbergen.

    Im Brief wird die Zulassung zum 2. theologischen mitgeteilt und 5 Aufgaben gestellt, die innerhalb von 8 Wochen anzugeben sind.


    Dieter

  • Hallo Dieter,

    ein schöner Brief mit dem Aufklebezettel.

    Der Aversionalvertrag 8 führte zu sehr seltenen Belegen.

    Das Fürstlich Schaumburg Lippische Ministerium konnte sich mit der Reichspost bei Einführung der Reichsabgabe am 1.8.1916 nicht einigen. Somit musste die Reichsabgabe extra zum Averszettel bis zum

    14.11.1916 mit Freimarken verklebt werden. Der im November verstorbene Günther Bechthold schrieb im Band 51 von Infla-Berlin ( Ein Superbuch über Mi. 98-118) über diese Besonderheit.

    Es waren ca. 7 Belege bekannt.

    Bild aus dem Band.

    Beste Grüße Bernd

  • Liebe Freunde,


    ich kenne sogar 2 nach Bayern (einen hatte ich an einen lieben Sammlerfreund verkauft) und einen 2. später bei eBay mal gesehen, der aber nicht schön war.


    Gut, dass ihr nicht "Portofreiheit" in den Mund genommen habt, wie mancher Anbieter/Auktionator, denn das waren sie gerade nicht.


    P.S. Schönes Stück! :thumbup:

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus