Bayern - portofreie Postzustellungsurkunden

  • Hallo Bayernfreunde,


    hier eine Postzustellungsurkunde mit einer innenseitig vorzüglich erhaltenen Bayern Mi-Nr. 56Bxa (? als Gebührenmarke ?), welche m.E. vom Königlich Bayerischen Bezirksamt zu Nürnberg als portofreie Regierungssache von der Postexpedition No. 2514 an den Landmagistrat zu Altdorf gelaufen ist.


    Von dort glaube ich ist die Urkunde nebst einem durch das Bezirksamt Nürnberg erstellten und versiegelten Dienstbrief an den Landmagistrat Altdorf geschickt und "nämlich dem Herrn Bürgermeister Heydner" übergeben worden.


    Was aber wurde dabei nun zum 17. Mai 1895 - (? gegen eine Dienstleistungsgebühr von 20 Pfennigen ?) vom Boten "vollzogen" und noch vor 9 Uhr dem Bezirksamt Nürnberg zur Kenntnis zurück geschickt, wo es wohl noch am selben Tag zwischen 2-3 Uhr nachmittags wieder angekommen ist ?


    Waren die 20 Pfennige evtl. eine vom Landmagistrat Altdorf zu erhebende Botengebühr, die der Bote in Altdorf mit dem schwarzen Federzug als erhalten bestätigt hat ? Die blaue Notierung vorderseitig bedeutet wohl "0 Porto" oder ?


    Superspannende Sache wie ich finde


    + Gruß


    vom Pälzer

  • Hallo pälzer


    Diese Zustellungsurkunde finde ich auch hoch interessant. Leider kenne ich nicht diese fiskalische Nutzung von Marken. Oder ist es nicht fiskalisch? So wie so möchte ich gern mehr über dieses Thema lernen.


    Der RS Franchise unten links heisst dass es ein Portofreien Dienstsache war. Warum es dazu ein blauer 0 dazu geschrieben ist, weiss ich nicht.


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Hallo Pfälzer,


    Postzustellungsurkunden oder Behändigungsscheine wie sie früher hießen, sind ein komplexes Thema, das m. E. noch nicht grundlegend erforscht wurde. Vor kurzem erschien zu diesem Thema im Rundbrife der Brustschide ein sehr lesenswerter Artikel.
    Mit einer Zustellungsurkunde wurde dem Absender die juristisch korrekte Übergabe seines Schriftsatzes dokumentiert, "vollzogen" Ab 1879 wurde das Verfahren im Deutschen Reich vereinheitlicht und die "Behändigungsgebühr" auf 20 Pfennig einheitlich festgelegt. Diese Gebühr stand zu diesem Zeitpunkt dem Briefboten zu, daher wurde bei dem abgebildeten Beleg mit der Entwertung der Marke die Entrichtung diese Gebühr dokumentiert. Ein hochinteressanter Portofreiheitsbeleg, dssen Vorkommen ich bisher nur aus den Vorschriften her kenne.


    Bis bald


    jdj180

  • Verehrte Freunde,


    ich sitze gerade an einem Artikel über Insinuationen durch die Post in der Kreuzerzeit, für den Rundbrief gedacht (wenn HOS mir das Elaborat durchgehen lässt ...).
    Soviel kann ich sagen: Der Aufsatz wird umfangreich, es gibt nicht für alles Belege und man ist stellenweise nach der Lektüre wahrscheinlich so klug wie vorher. Omne initium grave, wie der Brite sagt.


    Viele Grüße aus Erding!

    Viele Grüße aus Erding!


    Achter Kontich wonen er ook mensen!

  • Lieber Erdinger,
    schön zu hören, dass für den nächsten Rundbrief etwas Schönes in Arbeit ist. Denn mal ran, die Zensurstelle für Rundbriefartikel ist nur noch kurze Zeit (bis ca. Ende Juli) geöffnet.
    Beste Grüsse
    HOS

  • Es gibt nichts rätselhafteres als die Entwertungen der bayrischen Freimarken handschriftlich und mit Dienstsiegeln auf Dokumenten aller Art. Ich finde keine Antwort, warum es so war und nirgendwo steht etwas. Anbei Zustellurkunde, deren Erwerb mich sehr erfreute. Laut Postordnung war in Bayern im Gegensatz zur Reichspost bei Bezahlung durch den Absender nur das Porto für die Hinsendung des Briefes mit Zustellurkunde zahlbar, das Porto für Zustellung und das Rückporto wurde erst bei der Abgabe der Zustellurkunde eingezogen. Aber laut Postordnung war bei Dienstpost auch die Zustellung portofrei. Bei dieser Urkunde sieht man an der Stellung der Marken und des zweiten schwachen Siegelabschlag, das die Marken erst bei der Rückgabe der Urkunde verklebt und entwertet wurden. Aber warum wurden die Marken verklebt?
    Beste Grüsse Bernd

  • Hallo BaD,


    ich lese auf der Marke von Pälzer WE. Selbst wenn es Wf heißen sollte, konnte das nicht Weiterfranko bedeuten, weil es in Bayern diesen Terminus nicht mehr gab und für Inlandspost wurde er m. W. nur dann angewandt, wenn bei Expreßbriefen die Vergütung für den Expreßen gemeint war. Das können wir hier getrost vergessen. Leider weiß ich auch nicht, was die Buchstaben auf der Marke uns sagen sollen.


    Gegen Rückleitung = man wollte das Schriftstück vollzogen zurück gesandt bekommen.


    Ja, eine Gemeindeverwaltung konnte in reinen Staatsdienstsachen eine Regierungs - Sache versenden.


    Dein Stück gefällt mir - Klasse!


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo zusammen!


    ich freue mich, dass ich heute (unter anderem) diese Post-Zustellungsurkunde aus Nürnberg vom 23.01.1900 erwerben konnte - unscheinbares Äusseres - mit "innenliegenden Marken" - gleich 4 Exemplare der Mi.Nr.56. :D


    Was sagt ihr denn zu dem Stück?


    Schöne Grüße vom bayernfarbenvielfaltverrückten Bayern-Nerv Volker

  • Hallo liebe Freunde,


    .... hier noch ein paar Postzustellungsurkunden - alle ohne Marke ...... und alle schon schön sauber gestempelt .....:)


    Windsheim 1911 , Fürth 1918, Stein 1912, Ingolstadt 1908


    Schöne Grüße

    Bayern-Nerv Volker

    Nimm dir im Leben ruhig die Zeit zum Sammeln und genieße einen guten Wein, denn die gesammelte Zeit nimmt dir irgendwann das Leben und dann wird man um dich weinen. (V.R.)


    Bayernfarbenvielfaltverrückt - warum nicht?