• Liebe Freunde,


    hier ein Ex offo-Brief aus Bochniaek (Bochnia), ca. 5 Meilen östlich von Krakau in Galizien gelegen, ins ca. 37 Meilen entfernte Lemberg von 1830.
    Ein fehlender Aufgabestempel fällt auf, die Postanstalt in Bochnia führte damals einen L1- Stempel in schwarz und rot. Rückseitig findet sich dafür neben dem großen Papiersiegel des Kais. Königl. Bochniaek Kreis Amt ein deutlicher Ankunftsstempel von Lemberg.



    Irritierend bei einem portofreien Brief (wenn er es denn ist) die Rötelnotierung.



    Sie ist leider so schwach, dass ich sie kaum entziffern kann. Ich meine aber, 1 / 2 / ? zu erkennen.
    Für eine Taxierung der Strecke scheint mir das zu wenig zu sein ...
    Hat jemand eine Idee hierzu?


    Gruß
    Michael

    Preußen mit Transiten

  • Hallo Michael


    Ich glaube dass es hier 1/2 L(oth) notiert war, was ab und zu vorkommt.


    Bocaina hatte laut Müller schon 1788 einen Stempel zu verfügung. Dann ein neuer 1823, 1832, und 1840. Zwischen 1826 und 1840 meist mit Rot gestempelt.
    Warum es ein Stempel hier fehlt weiss ich nicht, aber so lange es hier einen Ortsangabe war, war alles in Ordnung.


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Liebe Adriana,


    sehr schöner Schein - mit mehreren Stempeln, wie hier, gibt es das von Bayern leider nicht, aber bayer. Bezug hat er ja mit Scheßlitz. Immer wieder interessant, was du alles lesen kannst und damit heraus findest. Chapeau! :P

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Nils,


    Zitat

    Ich glaube dass es hier 1/2 L(oth) notiert war, was ab und zu vorkommt.


    Das könnte passen. Aber warum sollte man einen portobefreiten Brief wiegen?



    Hallo Adriana,


    sehr interessant. Was sind das für Stempel?



    Viele Grüße
    Michael

    Preußen mit Transiten

  • Hallo Michael


    Es war ja so dass die Österreichische Post die Dienstbriefe etwas behandelt hatten als man in Altdeutschland gewöhnt war. Die unterschiedlichen Dienststellen müssten oft (öfters) ihre Gebühranteile bezahlen. Deswegen war es relewant wie schwer einen Brief war.


    Es ziemlich unübersichtlich, aber deswegen ist die österreichischen Dienstbriefe ein interessanter Sammelgebiet. Ab und zu sieht man die Gebühre auf Brief geschrieben. Ab und zu mit Gewichtsangabe, ab und zu ......... wie gesagt nicht so übersichtlich. Und sicher schwer Heute zu untersuchen ob die Briefe richtig behandelt wearen oder nicht. Meine dass es einige Hauptrichtlinien gibt aber ich habe diese nicht im Kopf.


    Viele Grüsse, Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Hallo Nils,


    von Österreich kennt man ja Ex-offo-Briefe mit Portonotierung, da der Empfänger nicht portobefreit war.
    Wenn dies bei meinem Brief der Fall gewesen wäre, müsste man aber noch einen Portoanteil sehen. Nur eine Gewichtsnotierung wäre schon eigenartig.
    Allerdings kenne ich mich bei österreichischen Dienstbriefen nicht so gut aus, daher mag es so sein, wie Du schreibst.


    Gruß
    Michael

    Preußen mit Transiten

  • Liebe Freunde,


    ohne es hier konkret zu wissen: Es gab auch Portofreiheiten nur für einfache Briefe, so dass bei schweren Briefen ein Porto anzusetzen war. Vlt. war der hier gerade noch so mit 1/2 Loth im 1. Gewicht und daher portofrei zu belassen, was man verdeutlichen wollte.


    Wie es auch Portofreiheiten bei Drucksachen, nicht aber bei Briefen gab, bzw. Portofreiheiten bei der Brief-, nicht aber der Fahrpost.

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Hallo Michael


    Jetzt bin ich etwas kluger geworden, durch Jungwirth: "wenn Empfänger und Absender von der Gebühr befreit waren, war auf den Brief das Gewicht anzugeben und sie waren für die Pauschale Abrechnung mit dem zuständigen Ministerium zu registrieren"


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Hallo Nils,


    sehr schön, habe die Stelle nun auch gefunden. :thumbup:
    Da die 2.Gewichtsstufe mit >1/2 Loth anfing und gemäß der Angabe von Jungwirth "Briefe über der 1. Gewichtsstufe mit einer Gewichtsangabe zu versehen" waren, wurde anscheinend (wie bei den Franzosen) der untere Grenzwert einer Gewichtsstufe notiert.
    Wenn ich es richtig verstehe, wurden die Auf- und Abgabejournale von den Ämtern und Behörden geführt?
    Auch erstaunlich, dass diese Praxis noch beibehalten wurde, obwohl ab 1810 diese Post pauschal abgegolten wurde (Jungwirth S.49).


    Danke für deine Mühe.
    Gruß
    Michael

    Preußen mit Transiten

  • Hallo Michael


    Wir besitzen offenbar nicht gleiches Literatur, weil bei mir ist es keine Seite 49. Ich habe nur ein älteren Heft bei mir.


    Es ist ein möglicher Paradox hier, aber es gab unterschiedlichen Reglungen unter die verschiedenen Behörden. Genannt in meinem Heft ist die pauschale Ausgleich zwischen Justizbehörden. Dein Brief gehört wohl nicht dazu, so das die pauschale Gebührenbestimmungen nicht zutreffen soll.
    Ob was ich hier nenne zu dein Literatur passt?


    Wenn es um Journale geht glaube ich dass es so ist wie du nennst. Ohne wäre es auch schwierig eine Übersicht zu halten.


    Viele Grüsse
    Nils

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis grösser als in der Theorie.

  • Hallo


    K. k. Ober – Post – Verwaltung Innsbruck/28.11.1838 von Tirol und Vorarlberg
    an
    den k. k. Ober Postamts Akzessisten Ignaz Scheurpfeil hier


    Aus Inhalt: ...müssen für diesseitigen Postbezirk Verzeichnisse nach die anliegenden Formularien A. u B. abgefasst, und mit neuglichster Beschleunigung jehne Orts eingesandet werden. ..


    LG Adriana

  • Liebe Stara,


    Ignaz Scheurpfeil hieß der gute Mann - die alte, österreichische Kanzleischrift ist nicht immer einfach zu lesen, aber da hast du ein feines Stück ausgegraben. Der Doppelabschlag in Luxus gefällt mir auch sehr gut. Ich mag diese Post - Dienstbriefe sehr, weil man aus dem Inhalt manchmal sehr viel lernen kann. :)

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • :D dann korrigiere ich sein Name, sonnst wird der mir noch böse
    Danke A.

    "Im Grunde sind es doch die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben."
    W. v Humboldt

  • ... ja, mach das, der hat sich letztes Jahr nach Tirol zurück gezogen und dort auch schon einen Internet - Anschluss geben lassen. Wir wollen mit dem alten Mann doch keinen Ärger haben ... :D:D

    Liebe Grüsse vom Ralph


    Terret vulgus, nisi metuat. Tacitus

  • Liebe Freunde,


    hier habe ich einen Brief aus Knichenicze von 1823 nach Lemberg. Der Ort lag auf dem Bukowiner Postweg von Lemberg nach Czernowitz u nd hatte nur bis 1833 ein Postamt.

    Kann mir jemand mit Lateinkenntnissen die Adresse entschlüsseln?



    Gruß

    Michael

    Preußen mit Transiten

  • Hallo Michael,


    das scheint mir Kirchenlatein zu sein. Es unterscheidet sich von dem, was man in der Schule gelernt hat. Vor der Übersetzung muß man erst die Schrift lesen können. Bin gespannt, wer damit zurecht kommt.


    beste Grüße


    Dieter

  • Hallo Michael,


    wenn ich den Text in Reinschrift kriege, dann kann ich ihn höchstwahrscheinlich auch übersetzen, aber im Entziffern von Handschriften bin ich leider eine totale Niete.


    Viele Grüße von maunzerle

    "Ein Leben ohne Philatelie (und Katzen) ist möglich, aber sinnlos!" (frei nach Loriot, bei dem es allerdings die Möpse waren - die mit vier Beinen wohlgemerkt)